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Achill verbindet Patroklos

Unbekannt-500

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin

Wenn der Zecher die Schale beim abendlichen Trinkgelage geleert hatte, tauchte auf ihrem Grund eine besonders kunstvolle Zeichnung auf. Sie zeigt eine Episode aus dem trojanischen Krieg, denn die beiden Personen sind durch Namensbeischriften identifiziert: Achilleus versorgt seinen Freund Patroklos, den ein Pfeil am linken Arm verwundet hat. Dieser wendet seinen Kopf mit schmerzverzerrter Miene ab, während ihm sein als jünger charakterisierter Freund den Verband anlegt. Achill ist mit Helm und Panzer gerüstet. Umso mehr fällt dagegen die Schutzlosigkeit des Patroklos auf. Er trägt nur die Kappe, die normalerweise den Helm abpolstern sollte. Die Schulterklappen seines Panzers sind geöffnet, und die Sitzhaltung auf seinem Schild, die den Blick auf sein Geschlecht freigibt, versinnbildlicht seine Verwundbarkeit an der empfindlichsten Stelle, an der er später tatsächlich von Hektor tödlich getroffen wurde. Somit weist die Szene mit dieser eigentlich harmlosen Verwundung voraus auf den Tod des Patroklos und schließlich auf das Ende von Achilleus selbst, der trotz einer warnenden Weissagung in den Kampf eingriff, um den Tod des Freundes zu rächen. So ereilte auch ihn das tragische Schicksal eines frühen Todes. Einer neueren Deutung zufolge spielt die Darstellung auch auf das homoerotische Verhältnis zwischen den beiden Helden an und bot somit ein weiteres Identifikationsmuster für die Nutzer des Gefäßes: In der athenischen Gesellschaft spätarchaischer Zeit – und somit in der Sphäre des Symposions – war die Beziehung zwischen älterem Liebhaber (erastes) und jüngerem Geliebten (eromenos) ein weitverbreitetes Phänomen. Auf der Außenseite der Schale wird die Welt der Götter im Olymp geschildert: Sie haben sich um das Herrscherpaar Zeus und Hera versammelt und gießen zum Zeichen ihrer Göttlichkeit aus reichverzierten Opferschalen Weinspenden auf den Boden. In diese geschlossene Gesellschaft – die Sitzenden nehmen von den Ankommenden keine Notiz – wird Herakles von seinen Halbgeschwistern Hermes, Apollon und Athena eingeführt. Als Belohnung nach mühevollem Leben und qualvollem Sterben wird er als Sohn des Zeus unter die Götter aufgenommen. Beide Darstellungen eigneten sich deshalb vorzüglich für eine Grabbeigabe. So verwundert es nicht, dass die Schale im etruskischen Vulci in einem Grab gefunden wurde. Hergestellt wurde sie jedoch in Athen, und der Töpfer Sosias hat sie auf dem Fuß voller Stolz signiert. Den antiken Namen des genialen Schalenmalers, der hier mit dem Töpfer zusammenarbeitete, kennen wir dagegen nicht. Er erhielt deshalb nach diesem Berliner Stück unter Archäologen den Rufnamen Sosias-Maler.

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Details

  • Titel: Achill verbindet Patroklos
  • Ersteller: Unbekannt
  • Datierung: -500
  • Ort: Vulci
  • Abmessungen: h10 cm
  • Typ: Schale
  • Material: Ton
  • Sammlung: Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Objekterwerb: 1831 erworben
  • Inv.-Nr.: F 2278
  • Externer Link: Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin
  • Copyrights: Text: © Verlag Philipp von Zabern / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / Martin Maischberger and Agnes Schwarzmaier Photo: © b p k - Photo Agency / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / Johannes Laurentius

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