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Der "Kopf Sabouroff": ein frühes Porträt?

Unbekannt-550/-525

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin

Der qualitätvolle Kopf von einer Statue ist sowohl wegen seiner Haar- und Barttracht wie auch seiner technischen Zurichtung auffällig. Das Inkarnat ist sorgfältig ausgearbeitet und geglättet, während die Oberfläche von Haar und Bart mit dem Spitzeisen rauh gepickt ist; vielleicht war hier ein bemalter Gipsüberzug aufgetragen. Das Gesichtsrelief mit den hervorgehobenen Wangenknochen ist deutlich ausgeprägt, die Lider der schrägstehenden Augen sind scharfkantig ausgeschnitten und laufen innen in den Tränenkanal aus, die geschwungenen Brauenbeine sind kantig hervorgehoben. Die Grundform des Gesichts ist rechteckig, die vier Ansichtsseiten des Kopfes sind klar voneinander abgegrenzt. Diese artikulierte Modellierung verbindet den Kopf mit attischen Werken, so z. B. der "Berliner Göttin", während er in seiner Zeitstellung jedoch später als diese anzusetzen ist, wie der entspannte Mund und das stärker verschliffene Relief anzeigen. Die Bearbeitung von Haar und Bart ist zwar merkwürdig, aber es finden sich durchaus Vergleiche in der archaischen Kunst. Dafür, dass dem Kopf eine »Perücke« aus Metall aufgesetzt war, gibt es keinen zwingenden Grund; diese häufiger geäußerte Hypothese würde den ungewöhnlichen Haar- und Bartkontur auch nicht erklären und eher noch mehr Probleme aufwerfen. Normalerweise wur- den die Haare im 6. Jahrhundert v. Chr. auch von Männern lang getragen, und der von dem Wangen- und Kinnbart abgesetzte Schnurrbart ist überaus ungewöhnlich. Die Kurzhaarfrisur war anfangs aus praktischen Gründen unter berufsmäßigen Boxern und Ringern verbreitet und erst gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. setzte sie sich auch in bürgerlichen Bevölkerungsschichten durch. Die außer- gewöhnliche Erscheinung ließ einige Archäologen an den athenischen Gründerheros Theseus denken, andere sahen hier Anfänge der Porträtdarstellung und identifizierten den Tyrannen Peisistratos; aber für diese Vorschläge gibt es weder Anhaltspunkte, noch liefern sie eine Erklärung der ungewöhnlichen Tracht. Diese könnte entweder auf die Darstellung eines Schwerathleten oder eines Nichtgriechen gedeutet werden. So existiert als nächste ikonographische Parallele ein nur wenig älteres Grabrelief eines Boxers mit kurzem Haupthaar und ausrasiertem Bart aus dem Kerameikos; allerdings ist hier der Dargestellte eindeutig durch den bulligen Kopf und zerschlagene Nase und Ohren als Schwerathlet gekennzeichnet. Von den Fremdvölkern, mit denen die Griechen im 6. Jahrhundert v. Chr. Kontakt hatten, scheiden ihre nördlichen und östlichen Nachbarn aus, weil diese ebenfalls Vollbärte und lange Haare trugen; allein bei den Darstellungen von Ägyptern in der gleichzeitigen Vasenmalerei ist eine vergleichbare Haartracht nachgewiesen, die auch in etwa ägyptischen Gebräuchen entsprach. Die eigenartige technische Bearbeitung könnte dann als Wiedergabe von kurzem, krausem Haar gedeutet werden, das eventuell noch zusätzlich schwarz gefasst war. Dass hier auf eine eindeutigere physiognomische Charakterisierung als Boxer oder Ägypter verzichtet wurde, wie sie auf den Vasenbildern häufig anzutreffen ist und auch auf dem Grabrelief dezent durchscheint, könnte damit zusammenhängen, dass solche Merkmale in der archaischen Kunst hauptsächlich in karikierender Absicht verwandt wurden. Sie wären dann in diesem Fall unterdrückt, weil man die Statue als Ehren- oder Grabstatue aufstellen wollte.

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  • Titel: Der "Kopf Sabouroff": ein frühes Porträt?
  • Ersteller: Unbekannt
  • Datierung: -550/-525
  • Ort: Angeblich aus Athen oder Aigina
  • Abmessungen: h23 cm
  • Typ: Statuette
  • Material: Marmor
  • Sammlung: Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Inv.-Nr.: Sk 308
  • ISIL-Nr.: DE-MUS-814319
  • Externer Link: Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin
  • Copyrights: Text: © Verlag Philipp von Zabern / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / Matthias Hofter || Photo: © b p k - || Photo Agency / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / Ingrid Geske

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