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Die Aufbahrung des Toten

UnbekanntEnde des 5. Jhs. v. Chr.

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Berlin, Deutschland

Neben den marmornen Grabmälern, die als Stele oder Relief kunstvoll verziert waren, kamen gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. tönerne Ölgefäße (Lekythen) als Grabschmuck auf. Anfangs in schwarz- bzw. rotfiguriger Technik bemalt, entwickelte sich im 5. Jahrhundert v. Chr. die Gattung der weißgrundigen Lekythen, die ausschließlich im Totenkult Verwendung fanden. Ihre Bilder geben Auskunft über Totenbräuche und Jenseitsvorstellungen, wie die Aufbahrungsszene auf einer außergewöhnlich großen Lekythos zeigt, deren Hals leider im Krieg verlorenging.
In der Mitte steht ein Totenbett, die Kline, die mit weiß und dunkelviolett gemusterten Decken bedeckt ist. Auf ihr liegt ganz in helle Tücher eingehüllt der Verstorbene. Es ist ein junger Mann mit rotbraunen Haaren. Drei Personen haben sich um ihn versammelt, um ihn zu beklagen: Rechts, am Kopfende des Bettes steht ein Greis, wahrscheinlich der Vater, vornübergebeugt auf einen Stock gestützt. Er trägt einen dunkelvioletten Mantel, der nur den rechten Oberkörper und Arm frei lässt. Mit seiner Linken berührt er liebevoll den Kopf des Verstorbenen, die Rechte ist gramvoll im Trauergestus über seinen Kopf erhoben. In der Mitte des Bildes, teilweise von der Bahre verdeckt, steht eine Frau, wohl die Mutter. Sie beugt sich über den Toten und streckt die Hände nach seinem Gesicht aus, wie um ihn zu umarmen. Sie hat kurzgeschnittene Haare und trägt einen dunkelbraunen ionischen Chiton mit rotbraunem Mantel. Im Gegensatz zu den männlichen Figuren, deren Inkarnat bräunlich gemalt ist, werden die Frauengestalten mit weißem Inkarnat (Gesichter, Arme) versehen. Das trifft auch für die junge Frau oder das Mädchen zu, die am Fußende der Kline steht. Sie ist mit einem langen dorischen Chiton bekleidet und hat ebenfalls kurzgeschnittene Haare. Ihre Linke weist auf den Toten, in der Rechten hält sie einen großen Korb, der wahrscheinlich Gegenstände zur Salbung des Toten enthält. So steht auch unter der Kline eine kleine Lekythos, und an der Wand hängt eine dunkle Tänie, die dann zur Schmückung des Grabmals diente. Über dem Totenbett, halb verdeckt durch die Tänie, flattert eine kleine geflügelte Gestalt aufwärts. Es ist das Eidolon, die ›Seele‹ des Verstorbenen. Die griechischen Künstler haben dargestellt, wie sie im Augenblick des Sterbens den Körper verlässt. In der polychromen Malerei, mit der diese Lekythos verziert ist, wurden gegenüber den voraufgegangenen Malweisen neue Wege beschritten. Nicht mehr die sorgfältig ausgeführte Linienzeichnung bestimmt das Bild, sondern eine nuancierte Farbigkeit, die auch durch Schattierungen (z. B. an der Brust des Vaters) den Darstellungen Tiefe und Plastizität vermitteln soll.

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  • Titel: Die Aufbahrung des Toten
  • Ersteller: Unbekannt
  • Datierung: Ende des 5. Jhs. v. Chr.
  • Ort: Aus Alopeke bei Athen
  • Abmessungen: h68 cm
  • Typ: Amphora
  • Material: Ton
  • Sammlung: Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Objekterwerb: 1872 erworben
  • Inv.-Nr.: F 2684
  • ISIL-Nr.: DE-MUS-814319
  • Externer Link: Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin
  • Copyrights: Text: © Verlag Philipp von Zabern / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / U Kä. || Photo: © b p k - || Photo Agency / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / Johannes Laurentius

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