Die hier abgebildete elektrische Treidellokomotive wurde 1898 nach einer Konstruktion von Carl Köttgen (1871–1951) bei Siemens & Halske gebaut. Für das System sollten bereits im Eisenbahnbetrieb erprobte Konstruktionen verwendet werden, die lediglich den besonderen Bedingungen beim Treideln angepasst werden sollten. Köttgen entwarf aber, verglichen mit den üblichen Dampfmaschinen, eine leichte elektrische Lokomotive, die auf einem in den Treidelpfad eingebetteten Gleis fuhr. Dadurch sollte zum einen die Abnutzung der Oberfläche des Treidelpfades und der Räder herabgesetzt, zum anderen sollte dem Maschinisten die Maschinenführung erleichtert werden. Darüber hinaus war die Krafteinsparung wegen der geringeren Reibung eiserner Räder auf eisernen Schienen erheblich.
Im Versuchsbetrieb am Finowkanal bei Eberswalde wurde nur an einem Kanalufer ein Gleis verlegt. Dieses bestand aus Gründen der Materialeinsparung aus einer schweren Hauptschiene für die eigentlichen Antriebsräder auf der kanalabgewandten Seite und einer dem Wasser zugewandten Nebenschiene für die Stützräder. Ein Teil der Strecke besaß keine Nebenschiene, sodass dort die breiten Stützräder, die über keine Spurkränze verfügten, unmittelbar auf dem Boden liefen. Der Druck der kleinen Stützräder auf das Nebengleis und den Boden erwies sich aber als zu stark, weshalb man die Lok 1899 mit größeren Stützrädern versah.
Nach der Erprobung der Lokomotive am brandenburgischen Finowkanal wurde sie in den Bestand des ehemaligen Verkehrs- und Baumuseums im Hamburger Bahnhof von Berlin überstellt.
Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich der Eigenantrieb der Binnenschiffe mit Verbrennungsmotoren durch, sodass die Technik des Treidelns nicht mehr zeitgemäß war.
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