Wassily Kandinsky ist der bedeutendste Vertreter der Abstraktion in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1896 kam er aus seiner Heimatstadt Moskau nach München, um Malerei zu studieren. Als eine Schlüsselfigur des Expressionismus revolutionierte er hier um 1910 die Kunst mit einer neuen Bildsprache, die vom Gegenstand absieht.
Die „Improvisation 13“ ist Zeugnis dieses malerischen Aufbruchs. Kandinsky entwickelte das Werk aus der Farbe heraus als dynamisches Kraftfeld. Schwarze Linien, die Farbfelder strukturieren, vernetzen den pulsierenden Bildraum.
Der Prozess der Abstraktion zeigt sich in den Spuren gegenständlicher Motive. So kann man bei genauem Hinsehen einen diagonal ins Bild gesetzten Pferdeleib erkennen, auf dem ein weit zurückgelehnter Reiter sitzt. Kandinsky beschäftigte sich damals intensiv mit dem Motiv des Reiters, das dem berühmten, 1912 von ihm und Franz Marc herausgegebenen Almanach „Der Blaue Reiter“ den Titel gab.
In der „Improvisation 13“ löste Kandinsky die Formen des Reiters jedoch auf, um das Bild von erzählerischem Ballast zu befreien. Die Vermittlung geistiger Werte und spiritueller Erfahrungen durch das Zusammenspiel von Farbe und Form stellte er über das Motiv.
Die unterschiedlichen Realitätsbezüge seiner Gemälde erläuterte Kandinsky in seiner epochemachenden Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ (1912). Für Bilder, die auf äußere Eindrücke zurückgehen, wählte der Künstler die Bezeichnung „Impression“. „Improvisationen“ dagegen nannte er Eindrücke von der „inneren Natur“, deren Formfindung intuitiv erfolgte.
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