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Philipp Lenard Deutsche Physik in vier Bänden

Deutsches Museum

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Philipp Lenard und Johannes Stark waren die Begründer und Hauptvertreter der »Deutschen Physik«, die auch als »Arische Physik« bezeichnet wurde. Mitglieder dieser Bewegung lehnten die Erkenntnisse der modernen Physik, so die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik, vor allem aus antisemitischen Gründen ab. Als Vertreter der »Deutschen Physik« besuchte Anfang 1934 Ludwig Glaser die Bibliothek des Deutschen Museums und forderte die Entfernung der Veröffentlichungen zur Relativitätstheorie aus dem Lesesaal, woraufhin dieser Bestand tatsächlich stark vermindert wurde (vgl. Eckert, S. 89–90; Hilz, S. 274–275). Lenards Werk Deutsche Physik, das dieser Ideologie ihren Namen gab, sowie seine Publikation Große Naturforscher erschienen bei J. F. Lehmann, einem auf Medizin spezialisierten Münchner Verlag. Der Verlagsgründer Julius Friedrich Lehmann, der auch die Münchner Ortsgruppe des Alldeutschen Verbands ins Leben rief, war bereits im Kaiserreich einer der wichtigsten Vertreter rechtsnationalen Gedankenguts im Verlagswesen gewesen (vgl. Large, S. 28). Er trug wesentlich dazu bei, dass München schon früh ein Zentrum des Antisemitismus wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg radikalisierte er sich weiter und förderte die Entwicklung und Verbreitung der Rassentheorie durch sein Verlagsprogramm ganz entscheidend. So wurde der Eugeniker Hans Günther, der zusammen mit Houston Stewart Chamberlain die nationalsozialistische Rassentheorie begründete, von Lehmann zu einer Veröffentlichung angespornt und auch finanziell unterstützt. Das schon in den 1920er Jahren offen mit der NSDAP sympathisierende Verlagshaus bot sich deshalb für die Publikationen Lenards zur »Deutschen Physik« geradezu an (vgl. Lokatis, S. 124 und S. 132 f.). Beide Werke Lenards wurden in Frakturschrift gedruckt, was zu dieser Zeit eigentlich bereits unüblich war. Schon in den 1880er Jahren setzte man wissenschaftliche Veröffentlichungen zu rund 60 % in der heute üblichen Antiquaschrift. Man zog die Antiquaschrift nicht zuletzt deshalb vor, weil sie den Absatz im fremdsprachigen Ausland wesentlich erleichterte. Dagegen wurde die Frakturschrift vor allem für Werke der Belletristik und populäre Sachbücher verwendet. Gerade in den 1920er Jahren, als nicht zuletzt im Bauhaus eine Fülle neuer Antiquatypen kreiert wurde, konnte und sollte das Publizieren in Frakturschrift oft auch eine politische Botschaft transportieren. Der J. F. Lehmann’s Verlag setzte bei seinen Veröffentlichungen durchgängig auf diese Schrifttype, offenbar als Ausdruck der extrem rechten Ausrichtung. Obwohl NSDAP-treue Verlage nach der kriegsbedingten Abschaffung der Fraktur im Januar 1941 schnell auf die Antiquaschrift umstiegen, scheute man offensichtlich bei Lenards Deutscher Physik vor dem aufwendigen Neusatz zurück. Seit Frühjahr 1927 arbeitete Lenard an seinem Werk Große Naturforscher, zu dem ein anderer Autor des Lehmann-Verlags, der Eugeniker Günther, den Anstoß gegeben hatte. Das illustrierte, einbändige Buch stellt die Lebensgeschichte von knapp 70 Naturwissenschaftlern von der Antike bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vor. Lebende Forscher wurden nicht berücksichtigt. In den verschiedenen Auflagen brachte Lenard nur leichte Änderungen an – so in seinem Beitrag zu Hertz, von dessen Gesammelten Werken er zwei Bände herausgegeben hatte (vgl. Wolff, S. 47). Die Auswahl der vorgestellten Wissenschaftler blieb jedoch immer dieselbe, die vier Auflagen von 1929, 1930, 1937 und 1941 kamen in unverändertem Erscheinungsbild auf den Markt. Auch international fand dieses Buch eine gewisse Verbreitung. Im Jahr 1933 erschien es in englischer Übersetzung, verschiedene englische Nachkriegsausgaben (1950, 1954, 1958, 1970) folgten. Während der deutschen Besetzung von Prag erschienen dort 1943 zwei Auflagen einer tschechischen Übersetzung. Die Deutsche Physik, deren erste Ausgabe 1936/37 in vier Bänden erschien, beschränkte sich auf die klassische Physik; Relativitätstheorie und Quantenmechanik waren kein Thema. Dieses Lehrbuch erschien in vier Auflagen (1. Auflage 1936 –1937, 2. Auflage 1938 – 1941, 3. und 4. Auflage 1942–1944). Während Lenard seine frühen Publikationen der Bibliothek des Deutschen Museum geschenkt hatte, tat er dies bei den verschiedenen Auflagen der beiden Spätwerke Große Naturforscher und Deutsche Physik nicht mehr. Meist wurden sie dem Deutschen Museum vom Verlag J.F. Lehmann gestiftet. Der ausgestellte Band der Deutschen Physik ist Lenards persönliches Korrekturexemplar der Erstausgabe, in das er zahlreiche Ergänzungen eingetragen hat. Lenard übersandte das Werk dem ehemaligen Reichspostminister Wilhelm Ohnesorge in die Haft, nachdem dieser nach Kriegsende als Hauptschuldiger in den NS-Prozessen angeklagt worden war. Das Exemplar konnte 2012 von einem Autografensammler erworben werden.
München: J. F. Lehmann 1936–1937 Handschriftlich ergänztes Korrekturexemplar

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  • Title: Philipp Lenard Deutsche Physik in vier Bänden
  • Creator: Deutsches Museum

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