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Philipp Lenard Handschriftliche Anmerkungen auf einem Brief des Deutschen Museums

Deutsches Museum1924-05

Deutsches Museum

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Ein Jahr vor der geplanten Eröffnung des neuen Ausstellungsgebäudes auf der Museumsinsel wandte sich Lenard an das Deutsche Museum. Vermutlich überlegte er zumindest kurzzeitig, ob er seine Apparate für die neue Physikausstellung zur Verfügung stellen sollte. Das Museum nutzte die Anfrage, um den Nobelpreisträger erneut um seine Originalapparate zu bitten. Lenard lehnte ab. Interessant ist die Begründung, die der Physiker – offensichtlich unter dem Eindruck seines Besuchs im Deutschen Museum am 17. Mai 1924 – auf dem Brief des Museums notiert hat: "Ich entschuldigte mich mit meiner Auffassung, dass Lebende nicht ins Museum gehörten. Mein Gedanke war, dass ich jedenfalls in München erst sehen wollte, wess[en] Geistes Kind die Herren dort nun sein mögen. (Dr. Miller ist aus der elenden AEG-Judenschule, was man ihm immer schon recht aus seiner Spekuliererei auf Eitelkeit anmerkte)." Die Argumentation, dass von lebenden Persönlichkeiten nichts in ein Museum gehöre, war eine Standardaussage Lenards. Seiner Museumsidee nach sollten nur historische Persönlichkeiten gewürdigt werden – eine Vorstellung, die heute angesichts der breiten Bewegung eines »public understanding of science« unverständlich erscheint. Die Bemerkung, der Museumsgründer stamme aus der »Judenschule«, bezieht sich darauf, dass Miller von 1883 bis 1889 gemeinsam mit Emil Rathenau, dem Vater von Walther Rathenau, Direktor der »Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektricität« (DEG) war. Die DEG war 1885 in »Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft« (AEG) umbenannt worden. Lenards Quintessenz war vernichtend: "Der Eindruck im Museum war wieder: Es ist gar keine Stelle, wo man wirklich historische Stücke zu würdigen wüsste, sondern ein Jahrmarkt für den grossen Haufen, zusammengeramscht von allerlei gutmütigen Entdeckern (auch ein Stark’sches Rohr war da) und Patentleutchen, sowie von eitlen Böcken und bereitwilligen Geschichte-Moglern (Röntgen)."

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  • Title: Philipp Lenard Handschriftliche Anmerkungen auf einem Brief des Deutschen Museums
  • Creator: Deutsches Museum
  • Date: 1924-05

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