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Weihrelief für Kybele

UnbekanntUm 380–370 v.Chr.

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Berlin, Deutschland

Von dem Weihrelief an Kybele ist nur noch der linke un- tere Teil erhalten, und zwar etwa zur Hälfte, wie der Zapfen unter der mit Zahneisenspuren versehenen Fußleiste zeigt. An der linken Reliefkante ist der Rest eines Antenpfeilers zu sehen, der jedoch gegenüber der bildlichen Darstellung zurücktritt bzw. von ihr überschnitten wird.
Auf einem reich verzierten Thron sitzt, nach rechts ge- wandt, die Göttin Kybele. In ihrer vorgestreckten Rechten hält sie eine Spendeschale, die Linke balanciert ein Tympa- non. Die mit Diadem und Ohrringen geschmückte Göttin trägt einen ionischen Chiton mit Scheinärmeln und darü- ber einen Mantel, der wie ein Schleier über den Hinterkopf gezogen ist. Die prachtvolle Ausführung des Thrones – vo- lutenverzierte Beine, Pinienzapfen auf der Rückenlehne und von Sphingen getragene Armlehnen – sowie der Fußschemel unterstreichen die Feierlichkeit und Würde der Darstellung. Neben dem Thron liegt ein junger Löwe, das Begleittier der Kybele. Nach diesen Attributen lässt sich die Dargestellte als Göttermutter identifizieren, die im kleinasiatisch-phrygischen Raum sehr verehrt wurde. Mit dem Tympanon – einer Rahmentrommel – wurde von den Kybele-Priestern bei orgiastischen Feiern das Kommen der Göttin auf einem von Löwen und Panthern gezogenen Wagen angekündigt. Der Löwe ist ein Zeichen ihres orien- talischen Ursprungs (Löwengöttin, zugleich auch ›Herrin der Tiere‹) und stellt die Verbindung zu verwandten Göt- tinnen wie Ischtar in Babylon und Astarte im phönizisch- assyrischen Raum her.
Vor der Göttin standen mehrere Figuren, von denen noch eine junge Göttin in Chiton und Mantel mit aufge- bundenem Haarschopf und einer Fackel in den Händen sowie das rechte Bein und der rechte Arm eines Jünglings mit einer Kanne erhalten sind. Die jugendliche Göttin wird als Hekate oder Kore gedeutet, in dem Jüngling ist Hermes Kadmilos zu erkennen. Im 5. Jahrhundert v. Chr. brachten Kaufleute und Sklaven den Kybele-Kult nach Griechenland. Das dazugehörige orgiastische Treiben mit sich selbst ent- mannenden Priestern, ekstatischen Tänzen und erregender Musik, die die Kultgemeinde in temporären Wahnsinn trieb, wurde von den obersten Schichten der griechischen Bevöl- kerung verachtet. Im Volke wurde Kybele jedoch sehr ver- ehrt. Als Heilgöttin schützte sie besonders Wöchnerinnen und Kinder. Die große Faszination, die von dieser Göttin ausging, verbreitete sich besonders in hellenistischer Zeit, und im Jahr 204 v. Chr. wurde der Kult der nun als »Magna Mater« bezeichneten Göttin in Rom eingeführt. Unser Re- lief ist wahrscheinlich in Anlehnung an ein monumentales Kultbild, das Agorakritos für ihr Heiligtum in Athen gestal- tet hatte, geschaffen worden.

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  • Titel: Weihrelief für Kybele
  • Ersteller: Unbekannt
  • Datierung: Um 380–370 v.Chr.
  • Ort: Angeblich in Piräus gefunden
  • Abmessungen: w43 x h56 cm
  • Typ: Relief
  • Material: Pentelischer Marmor
  • Sammlung: Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Objekterwerb: 1877 erworben
  • Inv.-Nr.: Sk 691
  • ISIL-Nr.: DE-MUS-814319
  • Externer Link: Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin
  • Copyrights: Text: © Verlag Philipp von Zabern / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / U Kä. || Photo: © b p k - || Photo Agency / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / Johannes Laurentius

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