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Weniger ist mehr / Wie können wir bewusster einkaufen?

Mathias Barth

Urban Art Now

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Wie können wir bewusster einkaufen?

Wir haben keinen neuen Körper im Schrank. Und auch keine neue Welt. Wir müssen gut zu uns und zu ihr – der Welt – sein. Müssen die richtigen Entscheidungen treffen, „Ja“ sagen zu den Dingen, die wertvoll sind, sie beschützen und bewusst leben. Bewusst leben heißt auch: bewusst konsumieren.
„Unser größter Wunsch ist es, dass ein anderes Konsumverhalten selbstverständlich wird“, sagt Pola. Pola, geboren 1989, ist zusammen mit ihrer Freundin Thekla, 27, die Gründerin der „Kleiderei“ im Hamburger Schanzenviertel. Die „Kleiderei“ ist eine Art Kleiderbücherei, in der man Kleidung leihen kann statt kaufen.
Pola und Thekla träumen wie viele ihrer Generation von einem Wandel. Sie wollen gegen diesen Mechanismus, immer etwas Neues kaufen zu müssen und immer mehr zu wollen, vorgehen. Sie wollen weg von diesem Irrsinn des Überkonsums und der Überproduktion, weg von dieser Wertlosigkeit. Nicht nur bei Kleidung. Weil sie wissen, dass die Ressourcen unserer Welt nicht unendlich sind, und weil sie wissen, dass auch das beste Wirtschaftssystem nicht ewig wachsen kann.
Dass Pola und Thekla mit ihrem „Kleiderei“-Projekt und ihrem Wunsch nach Veränderungen nicht allein sind, haben Initiativen in ganz Deutschland gezeigt. Die „Sharing-Kultur“ – tauschen, teilen, leihen – und ihr Selbstverständnis konnte vor allem durch den Ideenreichtum jüngerer Generationen und die neuen Technologien wachsen. Nachhaltigkeit und nachhaltiges Leben sind keine Begriffe mehr, über die man betreten lächelt.
Die Kommentare, die das „Kleiderei“-Projekt begleiten, spiegeln dieses Bewusstsein wider. Auf die Frage: „Wie können wir bewusster einkaufen?“ liest man immer wieder ähnliche Sätze. Sätze wie die von Thomas, 13, oder Lisa, 18:
„Indem man nur das kauft, was man auch wirklich braucht, und sich immer fragt: Brauche ich das wirklich?“
„Weniger wegwerfen und nur das kaufen, was man wirklich gebrauchen kann.“
Es herrscht Einigkeit. Und die Generation25 weiß, wie diese neue Art zu leben gehen kann. Ganz konkret, ganz praktisch. Sie versteckt sich nicht hinter Floskeln:
„Indem wir weniger Plastik in die Umwelt bringen! Lieber eine Tasche mitnehmen und auf Plastiktüten verzichten.“ (Antonia, 13)
„In Secondhand-Läden einkaufen oder mit Freunden Kleidung tauschen“, schreibt Nina, 18. Ihre Generation hat längst verstanden, dass weniger mehr ist, Qualität besser als Quantität. Wie Merve, 25: „Qualitative Produkte kaufen statt günstige Billigware. Wenig, aber dafür nachhaltig!“
Man spürt die Selbstverständlichkeit in den Kommentaren:
„Es kommt nicht darauf an, wie neu etwas ist, sondern, was man damit erlebt hat, um den Wert der Ware schätzen zu lernen.“ (Emelie, 18)
„Sich bewusst werden, dass ein Schnäppchen auch heißt, dass andere auch nur einen Schnäppchenpreis als Lohn bekommen.“ (Christoph, 23)
Bewusst einkaufen ist nichts, was den nach 1989 Geborenen schwerfällt, sondern scheint etwas zu sein, das sie auf ihrem Weg des Erwachsenwerdens ganz natürlich gelernt haben. Mit Freunden – alten wie neuen, realen wie digitalen – Dinge teilen, tauschen, leihen, wiederverwerten. Das ist Alltag und macht Spaß. Weil es auch bedeutet, dass man miteinander kommunizieren darf, kann und muss. „Sharing is Caring.“ Wer teilt, kommt sich wieder näher. Näher jedenfalls als an der Kasse eines Supermarktes oder in Umkleidekabinen mit Neonlicht.
Noch mehr Umdenken muss her. „Wir müssen den Kapitalismus reformieren“, schreibt Kevin, 20. Der Kapitalismus ist das Grundgerüst für wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben in Deutschland – und die Basis für die Freiheit, sich weiterbewegen zu können. Die Generation25 sieht ihn als Chance. Stellvertretend dafür soll der Beitrag von Aurora, 28, stehen: „Kaufen war gestern, tauschen und verschenken ist heute!“

#DEUTSCHLAND25

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  • Titel: Weniger ist mehr / Wie können wir bewusster einkaufen?
  • Ersteller: Mathias Barth
  • Typ: Illustration

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