2014 bis 2015

Koloniale Hintergründe: Das Museum für Völkerkunde Hamburg

Museum für Völkerkunde Hamburg

Die Spuren der kolonialen Vergangenheit bleiben meist unbeachtet. Dabei finden sie sich an zahlreichen Stellen unserer Gegenwart und haben noch immer Einfluss auf unsere Wahrnehmung und Einschätzung der Welt. Im Rahmen des Projekts „Kolonialismus und Museum“ haben sich Studierende der Universität Hamburg mit den kolonialgeschichtlichen Hintergründen des Museums für Völkerkunde Hamburg beschäftigt. Diese virtuelle Ausstellung basiert auf den Ergebnissen ihrer Recherchen.

Das Projekt „Kolonialismus und Museum“
Das Projekt „Kolonialismus und Museum“ ist eine Kooperation zwischen dem Museum für Völkerkunde Hamburg und Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, dem Leiter der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe" an der Universität Hamburg. Vom Sommersemester 2014 bis zum Ende des Wintersemesters 2014/15 fanden insgesamt drei Seminare im Museum statt, die sich mit den kolonialgeschichtlichen Hintergründen des Museums und seiner Sammlungen befassten. Zentrales Anliegen des Projekts war die Intensivierung der Beschäftigung mit der kolonialen Vergangenheit des Museums durch die Einbeziehung von Studierenden des Fachbereichs Geschichte. Ihnen und allen Mitwirkenden möchten wir unseren Dank für die kritischen Diskussionen, ihr Engagement und ihre Anregungen aussprechen.
Aspekte deutscher Kolonialgeschichte
Die Welt war bereits zum Großteil unter den europäischen Kolonialmächten aufgeteilt, als das Deutsche Reich 1884 seinen Anspruch auf "Überseebesitzungen" erhob. Reichskanzler Bismarck, der zuvor keine aktive Kolonialpolitik verfolgte, gab schließlich der wachsenden Kolonialbewegung nach und erklärte Teile Afrikas und Ozeaniens zu deutschen „Schutzgebieten“. Besonders die hamburgischen Handelshäuser bemühten sich um diesen staatlichen Schutz ihrer Besitzungen, Faktoreien und Handelsrouten in Übersee. Für die Firmen war der seit Jahrzehnten bestehende Handel mit Kolonialwaren, wie z. B. Palmöl, Kaffee und Baumwolle, überaus gewinnbringend. Seine Fortführung sollte unter allen Umständen sichergestellt werden. Mit der Entsendung und dem Einsatz von Truppen setzte das Deutschen Reich seinen Besitzanspruch oftmals gewaltsam durch. Die Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Versailler Vertrag zwangen das Deutsche Reich zur Aufgabe seiner Kolonialbesitzungen. Pläne in den folgenden Jahrzehnten, die Kolonien zurückzuerlangen, blieben erfolglos.

Das Museum
1879 wurde das Hamburger Museum für Völkerkunde auf der Basis bereits bestehender Sammlungen gegründet. Der Bau eines eigenen Museumsgebäudes wurde allerdings erst während der Hochphase des deutschen Kolonialismus zu Beginn des 20. Jh. beschlossen. Das Vorhaben war ein wichtiges Prestigeprojekt der Stadt. Neben den Aufgaben als Forschungseinrichtung sollten hier den Besuchern völkerkundliche Erkenntnisse vermittelt werden. Zu dieser Zeit begannen koloniale Vorstellungen wie z. B. die angeblich grundsätzliche Überlegenheit Europas die Völkerkunde zu prägen. Solche Annahmen beeinflussten nicht nur Forschungsinteressen und -ergebnisse sondern auch deren Präsentation im Museum. Völkerkundemuseen waren so zugleich an der Produktion kolonialen Wissens wie auch an dessen öffentlichkeitswirksamer Vermittlung beteiligt.

Die Bedeutung, die die Stadt dem Völkerkundemuseum am Anfang des 20. Jh. beimaß, zeigte sich auch in den Bauplänen für das Museum: Sie sahen eine spätere Erweiterung des Gebäudes vor, die in Größe und Umfang dem ersten Bauabschnitt – in der Zeichnung dunkel markiert – entsprechen sollte.

Wissenschaften
Die enge Verbindung des Völkerkundemuseums zu anderen wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt Hamburg wird besonders im Großen Hörsaal deutlich. Regelmäßig fanden hier Seminare des Hamburger Kolonialinstituts statt. An der Gründung des Instituts war Georg Thilenius, der von 1904 bis 1935 als Direktor das Museum leitete, maßgeblich beteiligt. Die Gebäude des Museums und des Kolonialinstituts wurden zeitgleich geplant und gebaut. Beide Institutionen dienten mit ihren Forschungen der kolonialen Wissensproduktion und waren bemüht, dieses Wissen an Besucher und Studenten weiterzugeben. Das Kolonialinstitut diente dabei der Vorbereitung zukünftiger Kolonialbeamter auf ihren Dienst in Übersee. Nachdem das Deutsche Reich nach dem 1. Weltkrieg seinen Kolonialbesitz abgeben musste, wurde 1919 beschlossen, das Institut in eine Universität umzuwandeln.

Das Gebäude des Hamburger Kolonialinstituts wurde gegenüber dem Bahnhof Dammtor errichtet. Finanziert wurde es von dem Hamburger Kaufmann Edmund Siemers. 1911 wurde der Bau fertiggestellt und dem Institut übergeben.

Dieser Auszug aus dem „Bericht über das vierte Studienjahr“ des Kolonialinstituts Hamburg gibt einen Einblick in das Vorlesungsprogramm des Instituts im Wintersemester 1911/12. Die von Georg Thilenius gehaltene Vorlesung zur „Allgemeinen Völkerkunde“ besuchten insgesamt 36 Auszubildende und Gasthörer.

Kolonialkrieg
Als Deutsch-Südwestafrika gehörte die Region des heutigen Namibia seit 1884 zum deutschen Kolonialreich. Das hier zu sehende Mieder wurde von den dort lebenden Herero gefertigt. Sie wurden von deutschen Siedlern zunehmend verdrängt und ihrer Lebensgrundlage beraubt. Ihre Gegenwehr führte 1904 zu einem Kolonialkrieg, in den auch die Nama eintraten. Der Oberbefehlshaber der Schutztruppe, Lothar von Trotha, ordnete an, keine Gefangenen zu machen und die Herero in die Omaheke-Wüste zu treiben. Da sein Vorgehen nicht zur schnellen Beendigung der Auseinandersetzung führte, wurde von Trotha im folgenden Jahr abgelöst. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden die überlebenden Herero und Nama in Konzentrationslagern inhaftiert, wo mehr als die Hälfte von ihnen starb. Heute gelten diese Verbrechen als Völkermord.

In seinem „Aufruf an das Volk der Herero“ kündigte Lothar von Trotha 1904 an, alle männlichen Herero zu erschießen sowie die Frauen und Kinder vertreiben zu lassen. Auf ihre Anführer setzte er Kopfgelder aus. Der Aufruf gilt heute als Symbol für den Völkermord an den Herero.

Europäische Expansion
Dieses und die folgenden Gemälde zeigen vier frühere Herrscher der Inka. Sie entstanden während der spanischen Kolonialzeit um 1725 im heutigen Peru. Mithilfe solcher Porträtserien, die in der Regel mit einem Vertreter der spanischen Herrschaft abschlossen, versuchten sich die Spanier in die Herrschaftsabfolge der Inka einzureihen. Sie waren die ersten Europäer, die zu Beginn der europäischen Expansion am Ende des 15. Jh. nach Süd- und Mittelamerika vordrangen. Diese Expansion vollzog sich allerdings nicht als gleichförmiger Prozess. Sie war vielmehr geprägt von verschiedenen Formen und Phasen des Kolonialismus wie z. B. der Eroberung von Land zur Besiedelung und wirtschaftlichen Ausbeutung. Bestandteil dieser kolonialen Aneignung war immer auch die Unterwerfung und Entrechtung der lokalen Bevölkerung.

Dieses Gemälde der Porträtreihe zeigt in der Darstellungstradition europäischer Herrschergalerien den 9. Inkaherrscher Pachacutec.

Die Porträtreihen hingen in öffentlichen Gebäuden und den Häusern inkaischer Adeliger. Dieses Gemälde der Reihe zeigt als 11. Inkaherrscher Tupac Yupanqui.

Das Gemälde zeigt Huayna Capac als 12. Inkaherrscher. Nach der gescheiterten Rebellion von José Gabriel Condorcanqui, genannt Tupac Amaru II., im Jahr 1780 wurden die Bilder von den Spaniern verboten.

Kaffeehandel
Diesen huipil bekam Milly Mann 1926 in Guatemala von ihrer Köchin Serapia geschenkt, die zur Maya-Bevölkerung des Landes gehörte. Zu dieser Zeit arbeiteten Milly Mann und ihr Ehemann Georg dort auf einer der zahlreichen Kaffeeplantagen. Die Regierung Guatemalas förderte erst seit den 1860er-Jahren den Anbau von Kaffee und seinen Export. Das hierfür benötige Land befand sich oftmals in Besitz kleiner Maya-Gemeinden. Sie wurden enteignet und das Land an Großgrundbesitzer übertragen. Dessen Bewohner wurden nun zur Arbeit auf den neuen Pflanzungen gezwungen. Die Besitzer und Verwalter der Plantagen waren häufig deutsche Einwanderer. Sie waren beim Aufbau der notwendigen Handelsnetzwerke von entscheidender Bedeutung und begünstigten Hamburgs Entwicklung zu einem der Hauptumschlagplätze für Kaffee am Ende des 19. Jh.

Die Größe der hier zu sehenden Kaffeeplantage lässt die wirtschaftliche Bedeutung der Kaffeeproduktion in Guatemala erahnen. Die zur Pflanzung gehörenden Wirtschafts- und Wohngebäude reichen bis weit in den Bildhintergrund.

Kolonialbegeisterung
Dieses Gefäß in Form eines Jaguars stammt aus Guatemala. Es wurde bei einer Grabung in Cocales im Südwesten des Landes gefunden. Obwohl die Ausfuhr archäologischer Gegenstände aus Mittelamerika bereits verboten war, brachte Otto Langmann sie 1933 nach Hamburg und verkaufte sie dort schnellstmöglich an das Museum. Langmann war 1930 als Pastor nach Guatemala gekommen, wo er im folgenden Jahr die erste Auslandsgruppe der NSDAP gründete. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus setzten sich die deutsche Regierung und private Verbände weiter für die Rückgewinnung des 1919 verlorenen, deutschen Kolonialbesitzes ein. Diese Bestrebungen stießen sowohl in den 1920er- als auch in den 1930er-Jahren auf ein größeres öffentliches Interesse als die Kolonialpolitik in den Jahrzehnten zuvor.

Diese Aufnahme zeigt die Südsee-Themengruppe des Festzugs der Hamburger Kolonialwoche, der am 01. August 1926 stattfand. Hier präsentierten sich die Handelshäuser, die besonders in den deutschen Kolonien im Pazifikraum aktiv waren. Zu erkennen sind u.a. die Firmenzeichen der Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft (D.H.P.G.) und der Firma Hernsheim & Co.

In der Ausstellungplanung des Museums waren die deutschen Kolonialgebiete auch noch 1940 ein relevantes Thema, wie dieser Entwurf zur Sonderausstellung „Farbige und Europäer in den Kolonien" zeigt. Eröffnet wurde die Ausstellung unter dem Titel „Europäer und Eingeborene in tropischen Kolonialländern" am 24. Oktober 1941.

Das Völkerkundemuseum im kolonialen Kontext
In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurden in ganz Europa und Nordamerika zahlreiche völkerkundliche Museen gegründet. Hier wurden zunächst vor allem Objekte zusammengetragen, die der Erforschung des menschlichen Wesens dienen sollten. Neben Gegenständen aus allen Lebensbereichen zählten hierzu auch menschliche Überreste wie Skelette und Schädel. Die Einrichtung dieser Museen beförderte zugleich die Verankerung der Völkerkunde als Wissenschaftsdisziplin an den Universitäten. Zusammen mit anderen Wissenschaften wie z. B. der Geographie diente sie während des Kolonialismus zunehmend dazu, die europäische Vormachtstellung in der Welt wissenschaftlich zu rechtfertigen. Nach der Wende zum 20. Jh. verstärkten die Museen ihre Bemühungen, völkerkundliche Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Die untersuchten Menschen wurden dabei zumeist als „primitiv“ und „rückständig“ sowie im wachsenden Maß als „rassisch minderwertig“ dargestellt. Über die so anschaulich und erfahrbar gemachte Abgrenzung und Abwertung der „Anderen“ konnten sich die Museumsbesucher ihrer eigenen angeblichen kulturellen Überlegenheit vergewissern.

Förderer
Die Stifterliste war bereits in den ersten Plänen für den Museumsneubau vorgesehen. Seit seiner Gründung war das Museum auf die Unterstützung der Hamburger Bürger angewiesen. Auf der Liste finden sich daher viele bekannte Hamburger Familien und Institutionen. Sie hatten als Geld- und Objektgeber entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Museums. Ein Teil der Stifter verdankte ihren Reichtum der wirtschaftlichen Ausbeutung von kolonisierten Gebieten und ihren Bewohnern. Die Firma O’Swald & Co. machte z. B. enorme Gewinne im Handel mit Ostafrika und vertrat beim Sultan von Sansibar die Interessen verschiedener deutscher Hansestädte. Diese Handelsverbindungen waren bei der späteren Gründung der Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ von großer Bedeutung.

Die auf der Stifterliste genannten Familien und Insitutionen waren nicht nur Geld- und Objektgeber, sondern beeinflussten die Entwicklung des Museums auch als Mitglieder der Museumskommission. 1909 berief die Oberschulbehörde u.a. Albrecht O’Swald als Ersatz für Eduard Woermann sowie für den verstorbenen Franz Hernsheim Gustav Aufschläger in die Kommission.

Georg Thilenius
Georg Thilenius (1868–1937) war ab 1904 der erste hauptamtliche Direktor des Völkerkundemuseums. Er hatte sich nach seiner Promotion 1892 in Medizin zunehmend der Anthropologie und Völkerkunde zugewandt. In seiner wissenschaftlichen Arbeit verbanden sich daher häufig völkerkundliche und „rassekundliche“ Fragestellungen. Das Museum entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem der bedeutendsten Völkerkundemuseen in Europa. Dabei wurde Thilenius maßgeblich von den politisch und wirtschaftlich führenden Bürgern der Stadt unterstützt, die er immer wieder von der Bedeutung seiner Vorhaben überzeugen konnte. Hierzu zählten auch der Aufbau des Hamburger Kolonialinstituts sowie dessen Umwandlung in eine Universität 1919.

Die Aufnahme zeigt Georg Thilenius während seiner Amtszeit (1904–1935) als Direktor des Museums für Völkerkunde Hamburg. Von 1920 bis 1921 bekleidete er zudem das Amt des Rektors der Universität.

Südsee-Expedition
Das Auslegerboot wurde von den in der Region geschätzten Bootsbauern der Siassi-Inseln im Auftrag der Teilnehmer der Hamburger Südsee-Expedition (1908–1910) angefertigt. Die Expedition war für den Direktor des Völkerkundemuseums Georg Thilenius und die Stadt Hamburg ein wichtiges Prestige-Projekt. Die teilnehmenden Wissenschaftler waren beauftragt, die deutschen Südseekolonien zu erforschen und sollten eine einzigartige Objektsammlung für das Museum zusammentragen. Zugleich diente die Expedition den wirtschaftlichen Interessen der Hamburger Kaufleute, die an ihrer Finanzierung beteiligt waren. So sollte z. B. die Tauglichkeit der lokalen Bevölkerung zur Arbeit auf den von deutschen Firmen betriebenen Plantagen untersucht werden.

Das Bild zeigt die Sammelergebnisse der Südsee-Expedition im Museum für Völkerkunde. Es vermittelt einen Eindruck der Anzahl von Objekten, die während der Expedition für das Museum zusammengetragen wurden.

Menschliche Überreste
Die sog. Schädelmasken stammen aus dem Bestand des Museum Godeffroy. Sie beinhalten Gesichtsknochen und Haare von Verstorbenen der Tolai. Das Ausstellen von menschlichen Überresten aber auch von Objekten, die solche enthalten, wird heute kritisch betrachtet. Im Laufe des 19. Jh. suchten europäische Wissenschaftler vermehrt nach Beweisen für die angebliche Überlegenheit der europäischen „Rasse“. Ihre Aufmerksamkeit richteten sie dabei vor allem auf das körperliche Erscheinungsbild der Menschen. Besonders in den Kolonialgebieten begann man hierzu anthropologische Vermessungsdaten sowie Schädel, einzelne Knochen und ganze Skelette zu sammeln. Ausgestellt dienten solche menschlichen Überreste am Anfang des 20. Jh. dazu, den Museumsbesuchern angebliche „rassentypische“ Merkmale zu vermitteln.

Die Ergebnisse anthropometrischer „Untersuchungen“ wie z. B. die „Entfernung von Nasenwurzel z. Mitte d. Oberlippe“ wurden in solch akribisch geführten Tabellen zusammengetragen. Sie sollten der Ermittlung und dem Vergleich der Merkmale angeblicher „Rassetypen“ dienen.

Im Mai 1928 wurde als letzter Teil der Dauerausstellungen des Museums die „Rassekundliche Abteilung“ eröffnet, für deren Realisierung Thilenius sich besonders eingesetzt hatte. Sie bestand bis 1945.

Ethnographische Objekte
1936 erwarb das Museum diese Maske von einem Pariser Kunsthändler, der sie als ein künstlerisch wichtiges Beispiel „primitiver Kunst“ betrachtete. Im Hamburger Museum sah man die Maske hingegen in erster Linie als galten ethnographische Objekte als Verkörperungen der Kultur jener Menschen, die sie hergestellt hatten. Diese Vorstellung war besonders am Übergang vom 19. zum 20. Jh. eng mit der Annahme verknüpft, dass menschliche Gesellschaften verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen. Als höchste Stufe galt die europäische Gesellschaftsform. Es wurde davon ausgegangen, dass diese Stadien sich an den materiellen Erzeugnissen einer Gruppe ablesen ließen. Das Zusammentragen und Ausstellen von Objekten in völkerkundlichen Museen bedeutete so auch eine Herabstufung der Gesellschaften, die sie hervorgebracht hatten.

Die Bildtafel aus der 1916 erschienenen Publikation „Das hamburgische Museum für Völkerkunde“ von Georg Thilenius gibt einen Einblick in die Präsentation ethnographischer Objekte im neuen Gebäude des Museums und der damit verbundenen Repräsentation jener Gesellschaften, die diese Objekte hervorgebracht hatten.

Kontexte der Erwerbung
Gegenstände – ob von alltäglicher oder besonderer Bedeutung – wurden auf unterschiedlicher Weise erworben: Sie wurden geraubt, getauscht, gekauft, geschenkt und gelangten so auf vielen unterschiedlichen Wegen in die Bestände von Museen. Für völkerkundliche Objekte waren in der Kolonialzeit vor allem Angehörige jener Personengruppen wichtige Bezugsquellen, die sich aus beruflichen Gründen in Übersee aufhielten. Sie brachten Souvenirs von ihren Reisen mit nach Hause oder legten während ihrer Aufenthalte umfangreiche Objektsammlungen an. Nach ihrer Rückkehr wurden diese Gegenstände häufig Museen zum Kauf angeboten oder als Schenkungen übergeben. In die späteren deutschen Kolonien begaben sich zunächst vor allem Vertreter christlicher Missionen und Angestellte von Handelshäusern, die hier als treibende Kräfte der Kolonisierung tätig waren. Später wurden zum Aufbau von Verwaltungsstrukturen vermehrt Staatsbeamte in die Kolonien geschickt, die bei ihren Aufgaben oft durch militärische Einheiten unterstützt wurden. Auch Wissenschaftler profitierten bei ihren Expeditionen von den dadurch verbesserten Reise- und Transportmöglichkeiten.

Benin-Bronzen
Unter dem Vorwand einer Strafexpedition plünderten britische Truppen 1897 das Königreich Benin und erbeuteten dabei ca. 3000 Kunstwerke aus Elfenbein und Bronze. Der Großteil wurde anschließend von britischen Militärangehörigen an Museen, Wissenschaftler und Sammler in Europa und Nordamerika verkauft. Ein kleinerer Anteil der Objekte wurde erst nach der Eroberung des Königreichs in Benin und den umliegenden Gebieten erworben. Ihr Weg in die Museen lässt sich meist nur schwer nachvollziehen. Am Kunstmarkt entwickelten sich die sog. Benin-Bronzen und Elfenbeinarbeiten schnell zu begehrten Objekten. Bis heute sind es beliebte Ausstellungsstücke. Anlässlich der Benin-Ausstellung im Wiener Völkerkundemuseum 2007 äußerte der König Benins den Wunsch nach der Rückgabe zumindest einiger der Bronzen.

Dieser Zeitungsartikel, der sich in den Unterlagen des Museumsmitarbeiters Karl Hagen zu seiner Publikation „Altertümer von Benin im Hamburgischen Museum für Völkerkunde“ befand, belegt deutlich das ungläubige Erstaunen, dass die sog. Benin-Bronzen in Europa und Nordamerika auslösten. Sein Inhalt wie auch seine Formulierung zeugen von den kolonialen und rassistischen Vorurteilen, die dieser Reaktion zugrunde lagen.

1921 eröffnete der Afrika-Saal im neuen Museumsgebäude. Hier wurden auch die aus Benin stammenden Objekte der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Halskette stammt von einer Maasai-Gruppe und kam durch eine 1882 in Ostafrika durchgeführte Expedition ins Völkerkundemuseum. Sie wurde von der Geographischen Gesellschaft Hamburg organisiert und finanziert. Auf deren Vorhaben hatten die Hamburger Handelshäuser aufgrund enger persönlicher Verflechtungen maßgeblichen Einfluss. Zu dieser Zeit betrieben immer mehr europäische Firmen Niederlassungen in kolonialwirtschaftlich interessanten Regionen. Dabei teilten sie oftmals ganze Landstriche unter sich auf und zwangen deren Bewohner, sich als ihre Arbeitskräfte zu betätigen. Besonders vielversprechende Gebiete ließen die Firmen häufig zunächst wissenschaftlich erkunden. Forschungsreisen dienten somit während der Kolonialzeit auch wirtschaftlichen Interessen.

Das Protokoll der 87. Sitzung der Geographischen Gesellschaft Hamburg, die am 05. Oktober 1882 stattfand, verdeutlicht die Verflechtungen zwischen der Gesellschaft und den Hamburger Handelshäusern. So wurde die Expedition u.a. von den Kaufmannsfamilien Hansing, O’Swald und Woermann sowie der Firma Jantzen & Thormählen finanziell unterstützt.

Forschungsreisen
Diese Darstellung von Mutter und Kind gehört zu einer Sammlung von ca. 8000 Objekten, die der Forschungsreisende Leo Frobenius (1873–1938) dem Museum 1906 übergab. Zu der Zeit war das Anlegen umfangreicher Objektsammlungen zentraler Bestandteil wissenschaftlicher Forschungsreisen. Anhand der Gegenstände sollten Erkenntnisse über die menschliche Natur und die unterschiedlichen Lebensweisen der Menschen gewonnen und vermittelt werden. Dabei wurde geglaubt, dass mit der Steigerung der Objektzahl, über die man verfügte, auch eine Vergrößerung des zu gewinnenden Wissens einhergehe. Von Alltagsgegenständen bis zu religiösen Objekten wurde daher alles ertauscht, gekauft und gestohlen, was Wissenschaftler und Reisende als interessant ansahen.

Zur Erweiterung seiner Sammlungen beteiligte sich das Museum an der Finanzierung der ersten Afrika-Reise (1904–1906) von Leo Frobenius. Thilenius erhoffte sich dadurch einen Erwerb von ca. 2.000 Objekten.

Im Januar 1906 überschritt die von Frobenius gesammelte Objektmenge diese Anzahl allerdings bereits um mehr als das Doppelte und Thilenius musste die Oberschulbehörde um weitere finanzielle Unterstützung bitten.

Leo Frobenius legte großen Wert auf die Inszenierung seiner Person. So zeigt die Illustration „Im Lager bei Lupungu: Die Bassonge erzählen Legenden“ aus seinem Expeditionsbericht eine idealisierte Szene, in der er im Kerzenlicht, begleitet von einem Lautenspieler, diese Erzählungen notiert.

Ethnographica-Handel
Zur Erweiterung ihrer Sammlungen griffen Museen bereits frühzeitig auf das Angebot von Geschäftsleuten zurück, die sich auf den Handel mit völkerkundlichen Objekten spezialisiert hatten. Eine von den Museen sehr geschätzte Firma wurde von dem in Hamburg lebenden Julius Konietzko betrieben. Er unternahm die Reisen, die zur Beschaffung geeigneter Gegenstände notwendig waren häufig selbst, und bemühte sich um die Zusammenstellung detaillierter Informationen zu diesen Objekten. Daneben nutzte er ein weit verzweigtes Netz von Zwischenhändlern: Sie erwarben zum Teil auf Bestellung und zum Teil auf eigene Initiative Objekte, die dann über seine Firma weiterverkauft wurden. So gelangte 1930 auch der hier zu sehende Tempelschmuck in das Museum.

Ein anderes, auf völkerkundliche Objekte spezialisiertes Handelhaus war die Firma J.F.G. Umlauff, die besonders für ihre lebensgroßen Modellfiguren bekannt war. Die Figuren wurden meist nach Fotografien sowie anthropometrischen Daten angefertigt und mit Objekten ausgestattet, die für die jeweils dargestellten Menschen als typisch erachtet wurden. Die auf der Postkarte zu sehende Figurengruppe wurde 1906 vom Museum angekauft.

Museum Godeffroy
Der Māori-Bootssteven stammt aus dem privaten Museum des Hamburger Kaufmanns Johan Cesar VI. Godeffroy (1813–1885). Die wirtschaftlichen Interessen seines Handelshauses lagen vor allem im südpazifischen Raum. Die Firma erwarb dort Land für Plantagen, nutzte Teile der regionalen Bevölkerung als Arbeitskräfte und griff aktiv in die lokale Politik ein. Vor diesem kolonialen Hintergrund ist auch das Interesse von Johan Cesar VI. Godeffroy an der wissenschaftlichen Erforschung der pazifischen Inselgruppen zu sehen. Mit seinem Museum Godeffroy bestimmte der selbsternannte „König der Südsee“ die Informationen, die die Besucher seines Museums zur pazifischen Inselwelt erhielten, und prägte so das Bild der Region in Hamburg.

Der Auszug aus dem 1882 erschienenen „Führer durch das Museum Godeffroy" zeigt den Grundriss der ethnographisch-anthropologischen Sammlung, die im Obergeschoß des Museums aufgestellt war.

Zu dem Bugsteven, der in Nähe des Treppenaufgangs zwischen Speeren von der Osterinsel, den Admiralitäts-Inseln und aus Neubritannien aufgestellt war, heißt es: „Gallionverzierung (Schnitzwerk) eines Kriegskanus von Neu-Seeland. Die menschliche Figur streckt die Zunge aus, ähnlich wie dies bei einer Phase des neuseeländischen Kriegstanzes geschah, um die Verhöhnung des Feindes anzudeuten."

Annäherung an „andere“ Perspektiven
Noch heute erfolgt die Darstellung des europäischen Kolonialismus und seiner Auswirkungen überwiegend aus der Perspektive der ehemaligen Kolonialmächte. So erscheinen die Menschen, die den Akteuren des deutschen Kolonialismus in Übersee begegneten, in der Literatur zu den kolonialen Bestrebungen des Deutschen Kaiserreichs zumeist allenfalls am Rande. Ihre Wahrnehmung und Einschätzung der kolonialen Situation sowie ihr Handeln in diesem Kontext finden selten Beachtung. Dabei ist für die Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte eine Annäherung an ihre Perspektiven unerlässlich. Hierzu gehören z. B. die Beschäftigung mit der Frage nach der Handlungsfähigkeit der Kolonialisierten und die Betrachtung der Handlungsspielräume, die für sie trotz der ungleichen Machtverhältnisse bestanden. Mit dieser Hinwendung zu einer Wahrnehmung von kolonisierten Menschen und Gesellschaften als wichtigen Akteuren soll nicht zuletzt der bis heute bestehenden Vorstellung einer angeblichen kulturellen Überlegenheit Europas entgegengewirkt werden.

Wissenstransfer
Der bemalte Bisonschädel wurde 1909 von Frederik Weygold für das Museum erworben. Er stammt von den Oglala, die zu dieser Zeit auf der Pine Ridge Reservation lebten. Weygolds Angaben zufolge ist er Bestandteil der hunka-Zeremonie der Oglala. Informationen zu diesem Ritual wie auch zu dem Objekt selbst erhielt er von dem 78-jährigen Chanxaxa, der sein wichtigster Informant im Reservat war. Lokale Dolmetscher und Informanten waren im kolonialen Wissenstransfer von zentraler Bedeutung und hatten maßgeblichen Einfluss auf die Informationen, die europäische Forschungsreisende erhielten. Ihre Rolle bei der Wissensproduktion fand allerdings nur in den seltensten Fällen in den späteren Publikationen der Reisenden Erwähnung.

Diese detaillierte, mit zahlreichen Erläuterungen versehende Zeichnung zeigt die Aufstellung der zur hunka-Zeremonie gehörenden Gegenständen. Sie basiert auf den Informationen, die Chanxaxa Weygold über die Zeremonie zukommen ließ.

Das Bild zeigt Chanxaxa und seine Frau Pte Hin Paxpa während des Give-Away-Festes im Sommer 1909.

Völkerschau
Die Hundeschneeschuhe gehörten zur Ausstattung der 1877 von der Firma Hagenbeck durchgeführten „Eskimo-Völkerschau“. Von 1874 bis 1932 war die Zurschaustellung von Menschen in sog. Völkerschauen ein wesentlicher Geschäftszweig der Firma. Eine zweite „Eskimo-Völkerschau“ folgte 1880. Alle Teilnehmer – drei Männer, zwei Frauen und drei Kinder – starben an Pocken; man hatte die notwendigen Impfungen vergessen. Abraham Ulrikab, einer der Teilnehmer, berichtet in seinem Tagebuch über die Anstrengungen, denen er und seine Begleiter auf ihrer Tournee durch Europa ausgesetzt waren. Eindringlich schildert er dabei auch die Belastung, die die ständigen Auftritte in Zoo- und Parkanlagen für die Gruppe bedeuteten.

Das Bild zeigt Abraham Ulrikab. Es entstand während der Reise der Gruppe durch Europa.

Wie die anderen Mitglieder der Gruppe starben Terrianiak, seine Frau Paingo und ihre Tochter Noggasa an Pocken. Die handschriftliche Notiz am unteren Bildrand stammt von Johan Adrian Jacobsen, der sie als Teilnehmer für die Völkerschau angeworben hatte.

Repräsentationen des „Anderen“
Die hier zu sehende Maske stammt vermutlich von der heute zu Papua-Neuguinea gehörenden, kleinen Insel Nissan. Auffällig sind die plastisch gearbeitete Kopfbedeckung und der aus Pflanzenfasern bestehende, aufgesetzte Oberlippenbart. Die ebenfalls aus Pflanzenfasern gearbeiteten Erhebungen unter den Augen erinnern an Tränensäcke. Das Erscheinungsbild der Maske insgesamt lässt vermuten, dass es sich um die Abbildung einer bestimmten Person handelt. Möglicherweise handelt es sich um einen Händler oder Missionar, der die Insel besuchte. Solche Spuren der europäischen Expansion lassen sich in zahlreichen Regionen der Welt finden. Sie zeugen von dem Eindruck, den die kolonialen Akteure bei den lokalen Bevölkerungen hinterließen, und auch von deren Einschätzungen dieser Begegnungen.

Ein anderes Beispiel für die Darstellung kolonialer Akteure sind die in vielen Regionen im subsaharischen Afrika hergestellten „Colon-Figuren“. Zu ihnen gehört auch diese Queen Victoria-Darstelllung.

Altägyptische Souvenirs
Zu seiner Entstehungszeit sollte diese Zusammenstellung aus einem Kindersarg mit Baldachin und einem Mumienbündel den Eindruck erwecken, dass es sich um ein Objekt aus der Zeit des Alten Ägyptens handelt. Dabei entstand sie erst um 1900. Zu diesem Zeitpunkt herrschte in Europa seit Jahrzehnten eine ausgeprägte Begeisterung für den sog. Orient. Ägypten war dadurch zu einem beliebten Reiseziel geworden und altägyptische Objekte waren begehrte Souvenirs. Die lokalen Handwerker nutzten das anhaltende Interesse und begannen mit der Herstellung von Gegenständen, die der Vorstellung europäischer Reisender und Sammler von altägyptischer Kultur entsprachen. Der Handel mit dieser Art von Reisesouvenirs war für sie zumeist ein gewinnbringendes Geschäft.

Eine Röntgenuntersuchung im Jahr 2001 zeigte, dass das Mumienbündel nicht die sterblichen Überreste eines Kindes enthält, sondern zwei in altes Leinen gewickelte Oberschenkelknochen eines Erwachsenen.

Selbstdarstellung
Das Haus Rauru stammt aus der Umgebung Rotoruas, einem Kurort auf der Nordinsel Neuseelands. Der Ort entwickelte sich in den 1870er-Jahren zu einem beliebten Ziel für wohlhabende Reisende. Besondere Anziehungspunkte waren die Geysire sowie die heißen Quellen und Schlammgruben. Zudem erlaubten die hier ansässigen Māori-Gruppen den Touristen einen Einblick in ihre Kultur. Als Veranstalter von Boots- und Wandertouren erklärten sie den Reisenden anhand von Kunstwerken wie z. B. Rauru das kulturelle Selbstverständnis der Māori. Ihre aktive Beteiligung an der Gestaltung des Tourismus diente aber nicht nur der Selbstdarstellung. Vor dem Hintergrund der voranschreitenden kolonialen Unterwerfung der Māori galt sie auch der Sicherung ihrer gesellschaftlichen Position.

Das Haus Rauru war in Whakarewarewa ein beliebtes Fotomotiv. Auch die beiden bekannten Fremdenführerinnen, Sophia Hinerangi und Makereti Papakura, nutzten Rauru für die Anfertigung von Werbeaufnahmen. In den fotografischen Sammlungen des Museums findet sich leider keines dieser Bilder. Die hier zu sehende Aufnahme zeigt die „Pink Terrace“, eine beliebte Touristenattraktion in der Nähe Rotoruas.

Glossar A-F

Ägypten: Trotz einer relativen Unabhängigkeit in der Mitte des 19. Jh. gehörte Ägypten formell zum Osmanischen Reich. Besonders der Bau des Sueskanals (1859–1869) verstärkte die politischen und wirtschaftlichen Interessen Frankreichs und Großbritanniens an der Region. 1882 übernahm Großbritannien die Kontrolle über das Land. Zugleich herrschte in Europa eine anhaltende, besondere Begeisterung für die altägyptische Kultur. Diese sog. Ägyptomanie führte dazu, dass das Land früh zu einem beliebten Ziel europäischer Reisender wurde.

Andere: Der Konstruktion eines „Anderen“ ist für den Aufbau von Identität von großer Bedeutung. Dabei wird sowohl individuelle wie auch kollektive Identität durch die Schaffung einer „anderen“ nicht-dazugehörigen Gruppe und durch die Abgrenzung von ihr gefestigt. Als das „Andere“ galt im europäischen Kolonialismus die „außereuropäische“ Welt und deren Bewohner. Mit deren Darstellung als „unzivilisiert“, „irrational“ und „unentwickelt“ konnte sich Europa als kulturell höherwertig und überlegen definieren.

Anthropologie: Wie auch die Völkerkunde etablierte sich die (physische) Anthropologie in der 2. Hälfte des 19. Jh. als wissenschaftliche Disziplin. Durch die Vermessung des menschlichen Körpers und einzelner Körperteile wie z. B. des Schädels sollten „Rassetypen“ ermittelt und Rückschlüsse auf Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften des Menschen ermöglicht werden. In der Kolonialzeit dienten die so gewonnenen Erkenntnisse vor allem der Abwertung sog. „außereuropäischer“ Gesellschaften und lieferten eine scheinbar wissenschaftliche Begründung für die koloniale Ausbreitung Europas.

Benin: Das Königreich Benin, nicht zu verwechseln mit dem heutigen Staat Benin, wurde von den Edo gegründet und lag im Gebiet des heutigen Nigeria. Dieses von einem „Oba“ regierte Reich pflegte Handelsbeziehungen mit mehreren europäischen Ländern, bis es 1897 unter einem Vorwand von Großbritannien angegriffen und annektiert wurde.

Deutsch-Ostafrika: Deutsch-Ostafrika war von 1885 bis 1918 eine deutsche Kolonie. Sie umfasste das Festland des heutigen Tansanias, Ruanda, Burundi und einen Teil Mosambiks. Carl Peters gilt als ihr Begründer. Er schloss mit seiner Kolonialgesellschaft zunächst ohne Rückhalt des Deutschen Reiches „Schutzverträge“ mit den lokalen Eliten. Erst später annektierte das Deutsche Reich das Gebiet offiziell. Mehrere Aufstände der Bevölkerung gegen die Fremdherrschaft wurden vom deutschen Militär brutal niedergeschlagen. Während des 1. Weltkriegs verursachte die deutsche Kriegsführung in der Kolonie den Tod hunderttausender Menschen.

Deutsche Südseekolonien: Die deutschen „Schutzgebiete“ in der Südsee erstreckten sich vor allem über die Gebiete des heutigen Melanesiens und Mikronesiens im Südpazifik. Die beiden samoanischen Inseln Upolu und Savai’i waren 1900 die letzten Kolonialerwerbungen des Deutschen Reichs. Auch die pazifischen Kolonialgebiete wurden vornehmlich durch den Druck einflussreicher Handelshäuser eingerichtet. Noch heute werden mit dem Begriff „Südsee“ die pazifischen Inseln zu einem vermeintlichen Paradies verklärt.

Deutsch-Südwestafrika: Deutsch-Südwestafrika war von 1884 bis 1918 eine deutsche Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Namibia. Der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz kaufte 1883 Gebiete von den Nama, die ein Jahr später offiziell zum „Schutzgebiet“ erklärt wurden. Als Siedlerkolonie sollte es zur Heimstatt für ausgewanderte Deutsche werden, was zu einer Verdrängung der dort lebenden Menschen führte. Von 1904 bis 1908 führte die deutsche „Schutztruppe“ Krieg gegen die Herero und Nama und beging in dessen Verlauf einen Völkermord an den beiden Gruppen.

Europäische Expansion: Die europäische Expansion begann am Ende des 15. Jh. Der Begriff beschreibt die Ausbreitung europäischer Herrschaft über nahezu die ganze Welt. Während in der Frühphase vor allem Spanien und Portugal weitreichende Gebiete und deren Bevölkerungen unter ihre Kontrolle brachten, bauten später auch Briten, Holländer, Dänen und Franzosen sowie Italiener, Deutsche und Belgier ihre Einflussbereiche aus. Nach und nach bildeten sie Strukturen, um ihre Gebiete dauerhaft zu kontrollieren. Diesen Prozess bezeichnet man als Kolonialismus.

Glossar G-K

Genozid (Völkermord): Ein Genozid, zu Deutsch Völkermord, bezeichnet den Versuch, eine über nationale, ethnische, rassische oder religiöse Merkmale definierte Gruppe von Menschen zu vernichten. Seit 1948 gilt Völkermord als Straftatbestand im Völkerstrafrecht. Zum Beispiel gelten die Verbrechen an den Juden während des Nationalsozialismus als Genozid.

Geographische Gesellschaft Hamburg: Im 19. Jh. wurden im deutschsprachigen Raum zahlreiche Geographische Gesellschaften gegründet, in denen sich Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und Politiker betätigten. Mit geographischen Forschungsreisen sollten Erkenntnisse zu außereuropäischen Ländern gewonnen werden, die nicht zuletzt der Unterstützung der dortigen Wirtschaftsinteressen einflussreicher Mitglieder dienten. Die bis heute bestehende Geographische Gesellschaft Hamburg wurde im Jahr 1873 gegründet. Zu ihren Mitgliedern zählten einflussreiche Hamburger Kaufleute wie z. B. W.H. O’Swald und A. Woermann.

Georg Thilenius: Georg Thilenius (1868–1937) war 1. Direktor des Hamburger Völkerkundemuseums. Er baute das Museum kontinuierlich aus und vergrößerte die Sammlung durch eigene Expeditionen und den Ankauf von Objekten. Thilenius war außerdem an der Gründung des Hamburger Kolonialinstituts beteiligt. An der Universität, die später aus dem Institut hervorging, war er Rektor und Inhaber des Lehrstuhls für Völkerkunde.

Herero: Die Herero lebten als Hirten in der Region des heutigen Namibia. Während des deutschen Kolonialkrieges von 1904-1908 wurden fast 80% von ihnen getötet. Diese Ereignisse werden heute als Völkermord bezeichnet. Die Bundesregierung verweigert allerdings Entschädigungszahlungen und setzt stattdessen auf Entwicklungszusammenarbeit. Jedes Jahr im August findet der „Hererotag“ statt, an dem der Schlacht am Waterberg am 11. August 1904 gedacht wird.

Huipil: Das Huipil ist ein traditionelles Kleidungsstück der indigenen Frauen Zentralamerikas, das je nach Familie und Anlass bestickt und verziert wird. Es sieht einem Kleid ähnlich und wird heute vor allem bei zeremoniellen Anlässen getragen.

hunka-Zeremonie: Bei allen Lakota-Gruppen ist die hunka-Zeremonie ein wichtiges Ritual. Mit ihm wird zwischen den beteiligten Personen eine verbindliche soziale Verwandtschaft hergestellt. Häufig wird das Ritual auch als Adaptionszeremonie bezeichnet.

koloniales Wissen: Als koloniales Wissen werden Wissensbestände bezeichnet, die sich zum einen von kolonialen Akteuren in den verschiedenen Regionen der Welt angeeignet wurden. Sie wurden in die bestehenden europäischen Wissensordnungen integriert und ergänzten und erweiterten diese. Beispiele hierfür sind Kenntnisse über die lokale Pflanzen- und Tierwelt aber auch über die ansässige Bevölkerung. Zum anderen diente dieses Wissen zugleich der Festigung und Ausübung kolonialer Herrschaft. Mit seiner Verwendung formten die Kolonialmächte zudem die Art und Weise, wie kolonialisierende und kolonialisierte Gesellschaften sich und die Welt wahrnahmen und deuteten.

Kolonialinstitut: Das hamburgische Kolonialinstitut wurde 1908 gegründet und diente vor allem dem Zweck, Beamte für ihren Dienst in den Kolonien auszubilden. Auch das allgemeine Vorlesungswesen war dort untergebracht. Edmund Siemers stiftete das Gebäude, das 1911 fertig gestellt wurde. Aus dem Institut ging 1919 die Universität Hamburg hervor.

Kolonialismus: Kolonialismus ist Teil der Europäischen Expansion. Im Glauben einer überlegenen Kultur anzugehören, brachten die europäischen Mächte besonders im Laufe des 19. Jh. den Großteil der Welt unter ihre Kontrolle. Dabei gab es verschiedene Formen: z. B. konnte eine Kolonie wirtschaftlich ausgebeutet oder mit Europäern besiedelt werden. Die Kolonialmächte bauten meistens eigene Verwaltungsstrukturen und Gerichtsbarkeiten auf. Im Zuge dieser Kolonisierungsprozesse wurde die lokale Bevölkerung oftmals verdrängt.

Konzentrationslager:Die heute bekanntesten Konzentrationslager sind die des 'Dritten Reiches' (1933–1945). Der Begriff wurde jedoch schon vorher z. B. zu Beginn des 20. Jh. im Burenkrieg (1899–1902) und im deutschen Krieg gegen die Herero und Nama (1904–1908) verwendet. Hier erfüllten sie die Funktion von Sammel-, Internierungs- und Arbeitslagern, wobei es in einigen zur "Vernichtung durch Vernachlässigung" kam.

Kultur: Der Begriff der Kultur wird heute in fast allen Gesellschaftswissenschaften als zentrale Analysekategorie verwendet. Kultur wird dabei meist als kollektives Sinnsystem verstanden, das durch menschliches Handeln hergestellt und aufrechtgehalten wird. Die Hervorbringung kultureller Bedeutungen und Praktiken sowie deren gesellschaftliche Verteilung sind verknüpft mit den jeweils herrschenden Machtverhältnissen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden mithilfe des Begriffs häufig Menschen, die anscheinend über eine Anzahl an gemeinsamen kulturellen Praktiken und Merkmalen verfügen, zu Gruppen zusammengefasst.

Glossar L-R

Lothar von Trotha: Lothar von Trotha (1848–1920) war ein preußischer Offizier. 1904 wurde er Oberbefehlshaber und Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika um den Herero-Aufstand niederzuschlagen. Er erteilte den „Vernichtungsbefehl“, laut dem alle Herero getötet oder vertrieben werden sollten, und gilt als Hauptverantwortlicher des Völkermords an den Herero und Nama (1904–1908).

Māori: Als Māori werden die polynesischen Einwanderer des zuvor unbesiedelten Neuseelands bezeichnet. Sie erreichten Neuseeland etwa im 13. Jh. 1840 wurde Neuseeland mit der Unterzeichnung des Waitangi-Vertrags, der u.a. die Landrechte der Māori anerkannte, in das britische Weltreich eingegliedert. Traten die Māori hier noch als gleichgestellte Partner auf, kam es in den folgenden Jahrzehnten zu ihrer kolonialen Unterwerfung und Verdrängung.

Maasai: Die halbnomadischen Maasai-Gesellschaften leben überwiegend im heutigen Kenia und Tansania. Durch ihre betont traditionelle Kleidung in rot und blau haben sie besonders unter Touristen einen hohen Bekanntheitsgrad und werden häufig fälschlich als Sinnbild für eine angebliche traditionelle afrikanische Lebensweise verklärt.

Maya: Der Begriff Maya beschreibt eine Gruppe in Zentralamerika lebender Völker. Viele von ihnen fielen den spanischen Eroberern zum Opfer. Besonders bekannt sind die Maya für ihre Architektur und Religion. Heute leben ca. 6,1 Millionen Maya u. a. in Guatemala, Mexiko, Belize und Honduras.

Museum Godeffroy: 1861 eröffnete der Hamburger Kaufmann Johan Cesar VI. Godeffroy sein Privatmuseum. Das „Museum Godeffroy“ beherbergte zoologische und ethnographische Objekte aus der Pazifikregion. Viele davon hatten Godeffroys Kapitäne von ihren Handelsreisen mitgebracht. Zugleich beschäftigte der Kaufmann aber auch verschiedene Forscher, die für sein Museum die „Südsee“ bereisten und Objekte sammelten. Als das Handelshaus 1879 Insolvenz anmelden musste, wurde das Museum aufgelöst und der Großteil der Sammlung an das Leipziger Völkerkundemuseum verkauft. Auch das Hamburger Museum erwarb einen kleineren Teil des Bestands.

Nama: Die Nama leben in Namibia und Südafrika. Die Deutschen bezeichneten sie abwertend als „Hottentotten“. Nachdem die „Schutztruppe" die Herero vernichtend geschlagen hatte, entschlossen sich auch die Nama zum Krieg und verfolgten eine zunächst erfolgreiche Guerillataktik. Nach dem Sieg der Deutschen wurden die restlichen Nama in Konzentrationslagern interniert. Rund die Hälfte der Nama starb im Zuge der Auseinandersetzungen.

Oglala: Die Oglala sind in Nordamerika eine der sieben Untergruppen der Lakota-Sprachfamilie. Es handelt sich bei ihnen um die bekannteste und größte Gruppe der Lakota. Bis zu ihrer erzwungnen Ansiedlung auf der Pine Ridge Reservation am Ende des 19. Jh. lebten sie vor allem im Westen des heutigen US-amerikanischen Bundesstaats Nebraska. Die Oglala bildeten keine feste politische Einheit, die weitestgehend ohne feste Hierarchien auskam. Sie zeichneten sich durch eine mobile Lebensweise aus. Heute rechnen sich ca. 47.000 Menschen zu den Oglala.

Pine Ridge Reservation: Die im Südwesten des heutigen US-Bundesstaats South Dakota liegende Pine Ridge Reservation wurde 1889 eingerichtet. Auf dem Gebiet des Reservats mussten sich vor allem Angehörige der Oglala niederlassen. Die Oglala wurden im Laufe des 19. Jh. – wie die anderen Bevölkerungsgruppen Nordamerikas – durch das Vordringen europäischer Siedler zunehmend von ihrem Land verdrängt. Die von den US-Behörden durchgesetzte Ansiedlung dieser Gruppen in Reservaten zwang sie zur Aufgabe ihrer bisherigen Lebensweisen und kulturellen Praktiken.

„Primitive Kunst“: Sog. „primitive Kunst" oder „Stammeskunst" war seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine Kategorie innerhalb des westlichen Kunstmarkts für bestimmte materielle Erzeugnisse nicht-europäischer Kulturen. Beispielsweise wurde zeremoniellen Masken ein ästhetischer Wert zugeschrieben, der besonders auf deren angeblicher "Ursprünglichkeit" beruhte. Dies beinhaltete meist auch eine Bewertung dieser Objekte als "primitiv" und "unentwickelt" und damit eine Abwertung gegenüber europäischer Kunst. Zugleich hatten diese Gegenstände großen Einfluss auf moderne Künstler wie z. B. Pablo Picasso.

„Rasse“: Die Vorstellung, dass sich die Menschheit in verschiedene „Rassen“ einteilen ließe, war besonders im 19. und im frühen 20. Jahrhundert wissenschaftlich wie auch politisch von großer Bedeutung. Dabei wurden Menschen anhand ihres körperlichen Erscheinungsbilds verschiedenen „Rassetypen“ zugeordnet. Man glaubte, dass die „rassische“ Zugehörigkeit mit bestimmten charakterlichen Eigenschaften und Fähigkeiten verbunden sei. Der Mensch erschien so als Produkt seiner biologischen Abstammung und nicht als das seiner sozialen Umgebung. Diese Vorstellungen gelten heute als überholt und eine Verwendung des Begriffs „Rasse“ zur Einordnung von Menschen wird abgelehnt.

Reichskanzler Otto von Bismarck: Otto von Bismarck (1815–1898) war ein deutscher Politiker. Von 1862 bis 1890 war er Ministerpräsident von Preußen und ab 1871 erster Reichskanzler des neu gegründeten Deutschen Reichs. 1890 entließ ihn Kaiser Wilhelm II. Bismarck hatte eine aktive Kolonialpolitik eigentlich stets abgelehnt. 1884/85 gab er jedoch dem Drängen der Kolonialbewegung und von Hamburger Kaufleuten nach, womit er die Gründung des deutschen Kolonialreiches verantwortete.

Glossar S-Z

„Schutzgebiet“: „Schutzgebiet“ ist die zeitgenössische Bezeichnung für die deutschen Kolonien. Durch Verträge mit Vertretern lokaler Bevölkerungsgruppen und internationale Abkommen wurde das Deutsche Reich zur Schutzmacht in diesen Gebieten, wobei das Ziel der Schutz deutscher bzw. europäischer Interessen war. Die dort lebenden Menschen wurden den Deutschen untergeordnet, mussten Steuern zahlen und Arbeitsdienst leisten. Für den Staat waren die „Schutzgebiete" ein Verlustgeschäft; nur einzelne deutsche Handelshäuser machten Gewinne.

„Schutztruppe": Die „Schutztruppen" waren militärische Einheiten in den deutschen „Schutzgebieten“, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Unterdrückung der lokalen Bevölkerungen aufgestellt wurden. Ihr vorrangiges Ziel war es, lokalen Widerstand zu zerschlagen. Außer in Deutsch-Südwestafrika bestanden sie aus deutschen Offizieren sowie afrikanischen Einheiten und Trägern.

Strafexpedition: Sog. Strafexpeditionen wurden meistens unter einem Vorwand durchgeführt, um Länder in Besitz zu nehmen oder bestimmte Bevölkerungsteile gefügig zu machen. Als Grund für diese militärischen Maßnahmen wurde zumeist ein angebliches Fehlverhalten der ansässigen Bevölkerungen genannt. Besonders im kolonialen Kontext diente der Begriff zur Beschönigung von Eroberungsfeldzügen und militärischen Vergeltungsaktionen.

Tolai: Die Tolai sind eine Bevölkerungsgruppe des Inselstaats Papua-Neuguiea. Sie leben auf der Gazelle-Halbinsel, die den nordöstlichen Teil der Insel Neubritannien bildet. Neubritannien gehörte von 1884 bis 1912 unter der Bezeichnung Neu-Pommern zum Deutschen Kolonialbesitz in der Pazifik-Region.

Überseebesitz: Als Überseebesitz galten die Landstriche, die deutsche Kaufleute oder Privatpersonen, vor der offiziellen Gründung der Kolonien 1884 von den dort ansässigen Bevölkerungsgruppen kauften. Gesellschaften und Vereine verwalteten diese Gebiete zunächst. Sie hatten aber nicht die finanziellen bzw. militärischen Mittel ihre Ansprüche durchzusetzen. Letztendlich musste ihnen die Reichsregierung zur Hilfe kommen und den Überseebesitz offiziell als Kolonie anerkennen.

„Vernichtungsbefehl“: In seinem „Aufruf an das Volk der Herero“ kündigte Lothar von Trotha 1904 an, alle männlichen Herero erschießen und die Frauen und Kinder vertreiben zu lassen. Er erklärte die Herero zu Feinden, die nicht länger deutsche Untertanen seien. Auf die Anführer der Herero setzte er Kopfgelder aus. Dieser Befehl gilt als Symbol für den Genozid an den Herero in dem von 1904 bis 1908 dauernden Kolonialkrieg.

Versailler Vertrag: Der Friedensvertrag von Versailles trat 1919 in Kraft und beendete formal den Ersten Weltkrieg. Dem Deutschen Reich wurde die alleinige Verantwortung für den Krieg zugesprochen. Es musste Gebietsverluste hinnehmen und Reparationen zahlen. Seine ‚Schutzgebiete‘ wurden dem Völkerbund unterstellt und zur Verwaltung anderen Kolonialmächten übergeben. Begründet wurde dieser Schritt mit der Unfähigkeit Deutschlands, Kolonien zu verwalten.

Völkerkunde: Als wissenschaftliche Disziplin entstand die Völkerkunde in der 2. Hälfte des 19. Jh. Ihre Vertreter verstanden sich zu dieser Zeit als Naturwissenschaftler und beschäftigten sich vorrangig mit außerhalb Europas lebenden Gesellschaften, die sie als „Naturvölker“ bezeichneten. Diese als „primitiv“ und frei von geschichtlichen Entwicklungen geltenden Gruppen wurden dabei den europäischen „Kulturvölkern“ gegenübergestellt und ihnen damit zugleich untergeordnet. Durch Beobachtungen der „Naturvölker“ und deren materiellen Erzeugnissen sollten auch Rückschlüsse auf die menschliche Entwicklungsgeschichte insgesamt ermöglicht werden. Heute wird das Fach als Ethnologie bezeichnet und beschäftigt sich mit den Lebensweisen aller Menschen sowie deren kulturellen Praktiken in gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen.

Völkerschau: Völkerschauen dienten in der 2. Hälfte des 19. Jh. bis in die 1930er-Jahren der Zurschaustellung von Menschen, deren Kultur von den Veranstaltern und Besuchern als „exotisch“ angesehen wurden. Die ausgestellten Menschen sollten vor zahlendem Publikum Tätigkeiten ausführen, die als typisch für sie galten. In Europa und Nordamerika waren diese Veranstaltungen fester Bestandteil des Unterhaltungsgeschäfts. Einer der bekanntesten Veranstalter war der aus Hamburg stammende Carl Hagenbeck. Die von ihm organisierten Völkerschauen zogen oftmals hunderttausende Besucher an.

Museum für Völkerkunde Hamburg | Professur für Globalgeschichte (Afrika) (Universität Hamburg)
Mitwirkende: Geschichte

Projektinitiatoren
Prof. Dr. Wulf Köpke (Museum für Völkerkunde Hamburg)
Prof. Dr. Jürgen Zimmerer (Universität Hamburg | Leiter der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe")

Projektteam
Melanie Boieck, Gesa Grimme, Julia Heitmann, Wulf Köpke, Thorsten Logge, Meike Röttjer, Carl Triesch,Jürgen Zimmerer (unterstützt von Stephanie Bussler)

Studierende
Julianne de Sousa, Lina Derbitz, Nicolas Gerling, Myriam Gröpl, Sara Hanfler, Pia Hartmer, Julia Heitmann, Gabriel Huppenbauer, Anna Jäck, Sophie Jungjohann, Annika Linsner, Christian Michaelis, Christopher Schwedthelm, Karen Stubbemann, Irina Troitskaya, Kristin Uelze

Übersetzung
Michael Dills

Fotos & Bildbearbeitung
Gesa Grimme, Meike Röttjer, Brigitte Saal, Paul Schimweg

Schlussredaktion
Gesa Grimme, Meike Röttjer

Mit freundlicher Unterstützung der Senatskanzlei der Stadt Hamburg

Quelle: Alle Medien
Der vorgestellte Beitrag wurde möglicherweise von einem unabhängigen Dritten erstellt und spiegelt nicht zwangsläufig die Ansichten der unten angegebenen Institutionen wider, die die Inhalte bereitgestellt haben.
Mit Google übersetzen
Startseite
Erkunden
In der Nähe
Profil