1873 bis 1986

Einblick in das Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Staatskanzlei des Saarlandes

Ein Besuch im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist ein Abenteuer: tief hinein geht es in die dunklen Gänge der Möllerhalle, hoch hinauf führt der Anstieg in luftige Höhe auf die Aussichtsplattform am Hochofen.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte

1873 entstand das erste Stahlwerk in Völklingen. Das Werk wurde von der Familie Röchling gekauft, die die Völklinger Hütte gründete. Bereits 1903 wurde in sechs Hochöfen Roheisen geschmolzen, das zu Stahl weiterverarbeitet wurde. Mitte der 60er Jahre arbeiten mehr als 17.000 Menschen auf der Hütte. Die Stahlkrise in den 70er Jahren führt zur Stillsetzung des Hoch­ofenwerkes. 1994 erklärt die UNESCO das stillgelegte Eisenwerk zum Weltkulturerbe. Es ist das einzige so gut erhaltene Eisenwerk in dieser Größe.

Der Rundblick vom Kohlegleis

Die sechs Hochöfen sind hinter Leitungen, Winderhitzern und Kaminen versteckt. Sie sind 27 Meter hoch und haben einen Durchmesser von 10 Meter. Jede 2,5 bis 3 Stunden wurden pro Hochofen durchschnittlich 130t Roheisen produziert.

Im Vordergrund sieht man das mächtige Gleissystem des Erzschrägeaufzuges über den die Hängebahnwagen befördert wurden, die alle sechs Hochöfen über eine zentrale Anlage mit Rohstoffen versorgten.

Geduckt darunter befindet sich das Hochofenbüro, in dem Büros, Aufenthalts- und Waschräume des Hochofenchefs und der Angestellten untergebracht waren.

Zwischen dem Hochofenbüro und den Hochöfen befindet sich die lange und flache Möllerhalle.
Sie diente zur Lagerung von Eisenerzen, Sinter, Schrott und Kalk. Aus diesen Zutaten wurde der Möller, also das Gemisch für den Hochofen, zusammengestellt. Die Rohstoffe wurden mit der Bahn in die Möllerhalle gefahren und von oben abgekippt.

Der Wasserhochbehälter

Das 1918 errichtete Gebäude war eines der ersten einer neuen Industriearchitektur: klare, geometrische Linien, Stahlbeton und Backstein. Der Wasserhochbehälter kann in 20 Meter Höhe 3000 Kubikmeter Wasser fassen, das als Reserve beim Ausfall von Pumpen und bei defekten Leitungen diente.

Der Kühlturm und das Gasometer

Das Wasser, das zur Kühlung der Hochöfen und der Maschinen eingesetzt worden ist, wurde in Kühltürmen herabgekühlt und wieder in den Wasserkreislauf der Hütte zurück gespeist. Der Kühlturm am Kohlegleis ist der letzte noch vollständig erhaltene Kühlturm auf dem Hüttengelände.

Hier sieht man den 70 Meter hohen Gasometer der Saarstahl AG, in denen früher das Gas aus den Hochöfen zwischengelagert wurde. Etwas geduckt daneben der Teleskopgasometer, der seine Größe der Menge des eingelagerten Gases anpassen kann. Hier wurde das Gas aus der Kokerei gespeichert.

Zwischen Giganten: In der Gebläsehalle
In der Gebläsehalle haben Maschinen den Wind für die sechs Hochöfen produziert, den sogenannten Hochofenwind. 1900 wurde der erste Abschnitt der Gebläsehalle gebaut, in dem drei Gebläsemaschinen Platz fanden. Immer, wenn neue Maschinen angeschafft wurden, erweiterte man auch die Gebläsehalle. 1938 hatte die Maschinenhalle ihre heutige Größe mit 10 Gebläsemaschinen erreicht.

Die Gebläsemaschinen

1878 konstruierten die deutschen Ingenieure Otto und Langen den ersten Gas­motor für Maschinen, die Strom erzeugten. Auch die Gebläsemaschinen wurden 1901 auf Gasbetrieb umgestellt. Sie waren damit leistungsstärker und konnten deutlich mehr Strom erzeugen.

Die Arbeit in der Gebläsehalle

Eine Schicht in der Gebläsehalle war mit 12 Arbeitern besetzt. Vorarbeiter trugen vor Ort die Verantwortung und für jedes Gebläse war ein Maschinist zuständig. Die Schwungräder rotierten ununterbrochen einen feinen Ölnebel in die Halle. Dazu kam der Lärm der Gebläse. Festgelegte Pausenzeiten gab es nicht. Meistens wurde gegen Mitte der Schicht das mitgebrachte Essen verzehrt. Neben jedem Gebläse stand ein einfacher Tisch mit einem Stuhl.

Der Windzylinder

Im hinteren Teil der Gebläsemaschine befindet sich der Windzylinder. Wie eine überdimensionale Luftpumpe erzeugt er Wind für die Hochöfen. Der Wind wird zunächst gesammelt und dann durch stählerne Leitungen zu den Winderhitzern geschickt. Zwischen 2000 und 3600 PS hatten die Gebläsemaschinen.

Der Motor

Mit fast acht Metern Durchmesser und einem Gewicht von 45 Tonnen musste die Maschine ihre gesamte Kraft aufwenden. Hatte das Schwungrad seine Umdrehungszahl von etwa 75 Umdrehungen pro Minute erreicht, konnte es so schnell nichts aufhalten; es sorgte für den gleichmäßigen Lauf der Maschine.

Der Motor funktioniert ähnlich wie ein Automotor, nur dass er nicht mit Benzin, sondern mit Gas angetrieben wird. Beim Start hat der Gasmotor ganze Arbeit zu verrichten: Er muss nämlich das riesige und schwere Schwungrad in Bewegung bringen.

Der Einstieg in die Eisengewinnung
1928 entsteht in Völklingen eine der größten Sinteranlagen Europas. Die Sinteranlage war ein wichtiger Ort in der Völklinger Hütte. Hier wurden feinkörnige Reststoffe wie Erzstaub unter hohen Temperaturen zu kuchenartigen Sinter zusammengebacken. Damit wurde der Hochofen befüllt. Vor der Sinteranlage verlaufen das Erzgleis und das Kohlegleis. Über diese Schienenstränge wurden die Rohstoffe für die Eisenerzeugung, das Eisenerz und die Kohle transportiert. Heute befindet sich in der Sinteranlage der Völklinger Hütte das Besucherzentrum.

Zwischen Sinteranlage und Möllerhalle

Die Winderhitzer in der Sinternanlage

Der Sinterprozess läuft auf einem Band ab, das quer durch die Halle führt. Durch die Beimischung von leicht brennbaren Koks zur Erzmischung wird die notwendige Temperatur für diesen Vorgang erreicht. Luft wird durch die Mischung gepumpt, damit der Brennstoff richtig durch die Erzmasse glüht.

Die Diesellok

1860 fuhr die erste Eisenbahn die Strecke zwischen Saarbrücken und Trier. Diese Eisenbahnstrecke war ein wichtiger Standortfaktor für die Völklinger Hütte. Werkseigene Loks zogen die schweren Waggons vom Bahnhof ins Innere des Werkes zu den Rohstoffbunkern oder den Silos der Kokerei.

Die Kokerei
Die Kokerei diente der Umwandelung von Kohle in Koks, der im Hochofen eingesetzt wurde. Die beim Kokereiprozess anfallenden Wertstoffe wie Teer, Ammoniak, Benzol, Schwefel und Kokereigas wurden aufgefangen und weiterverarbeitet. Das Kokereigas war ein wichtiger Bestandteil des Stadtgases.

Die Kohlendampfmaschine

Die Kokerei der Völklinger Hütte

Die Gichtbühne
Alle sechs Hochöfen wurden über ein 6 Kilometer langes Gleissystem mit Rohstoffen versorgt. Auf ihr waren im Durchschnitt 265 Hängebahnwagen unterwegs, ihr Quietschen war Tag und Nacht zu hören. Pausenlos fuhren die Hängebahnwagen gefüllt von der Gichtbühne zu den Hochöfen und geleert zurück in die Möllerhalle oder in die Kokerei. Zwischenaufzüge halfen dabei, die Höhenunterschiede zwischen den Hochöfen zu überbrücken.

Der Erzschrägeaufzug

Über den Erzschrägeaufzug wurden die Hängebahnwagen auf die Gichtbühne befördert.

Da der Schrägaufzug exakt für die Höhe von 27 Meter Höhe konzipiert war, konnten die Hochöfen im Laufe der Zeit nicht vergrößert werden. Das führte dazu, dass die Völklinger Hütte seit Ende der 1970er-Jahre nicht mehr rentabel war und 1986 geschlossen wurde.

Das Hängebahnwagensystem

Normalerweise hat in Eisenwerken jeder Hochofen seinen eigenen Aufzug. In Völklingen ist man einen anderen Weg gegangen und hat hier ein weltweit einzigartiges System geschaffen: Eine zentra­le Anlage ist für die Beschickung aller sechs Hochöfen zuständig.

Die Hängebahnwagen

Die Befüllung der Hochöfen geschah lagenweise. Es wurden immer abwechselnd eine Lage Erz, Sinter oder Zusatzstoffe, und anschließend eine Lage Koks eingebracht. Eine „Charge“, also eine Lage Erz oder Sinter und eine Lage Koks bestand aus 15 bis 17 randvoll gefüllten Hängebahnwagen.

Das Hängebahnwagen-System

Die Gichtbühne

Hochofen 5
Länger als 200 Meter erstreckt sich die Gichtbühne entlang der Einfülltrichter der sechs Hochöfen der Völklinger Hütte. Wo heute die Besucher entspannt flanieren und die Aussicht auf die Industrielandschaft des mittleren Saartales genießen können, herrschte früher reger Verkehr: Unermüdlich rasselten und quietschten die schweren Hängebahnwagen entlang der Schienen zu den Hochöfen. Vorsicht war geboten: Wer zwischen die Wagen geriet, befand sich akuter Lebensgefahr.

Die Begichtung von Hochöfen

„Begichtung“ nennt der Hochöfner die Befüllung der Hochöfen mit den Rohstoffen für die Eisenerzeugung. Eisenerz, Sinter, Zusatzstoffe, Koks, aber auch eisenhaltige Reststoffe aus der Industrie oder Schrott aus der Müllverbrennung wurden in die Gicht, den Einfülltrichter des Hochofens, eingebracht.

Die Befüllung der Hochöfen

Zwei „Füller“ je Hochofen überwachten bei jeder Witterung die Befüllung der Hochöfen. Sie entleerten die Hängebahnwagen in die Gichtschüssel, teilweise sogar mit Hand. Wegen des lebensgefährlichen Gases, das an der Glocke austreten konnte, mussten die “Füller” Atemschutzgeräte tragen.

Die Trockengasreinigung

Das im Hochofen entstehende Gichtgas ist ein wichtiger Energieträger für ein Hüttenwerk. Es treibt die Gasmaschinen an und wird für die Erzeugung von Wärme (u.a. Kokerei, Winderhitzern, Sinteranlage) genutzt. Das Verfahren der Trockengasreinigung filtert Staub und macht das Gas wiederverwendbar.

Der Abstich
Alle zwei- bis zweieinhalb Stunden war Abstich am Hochofen. Abstich nennt man die Öffnung des Verschlusses eines Hochofens im Hüttenwerk. Dem flüssigen Roheisen wird so das Auslaufen aus dem Hochofen ermöglicht. Der Abstich ist eine der gefährlichsten Arbeiten im Hüttenwerk. 130 Tonnen flüssiges Roheisen mit einer Temperatur von über 1400° floss durch die Abstichrinne in den Torpedowagen, der das Eisen zum Stahlwerk brachte. Am 4. Juli 1986 war der letzte Abstich an Hochofen 6.

Der Abstich

Der letzte Abstich Hochofen der Völklinger Hütte

Alle zwei bis zweieinhalb Stunden sticht der Hochöfner den Hochofen ab, d.h. er bohrt die im Stahlmantel eingelassenen und mit einer Tonschiefermasse ausgefüllten Abstichlöcher für Roheisen und Schlacke auf und kann sie auch wieder verschließen.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur GmbH
Rathausstraße 75-79, 66333 Völklingen
mail@voelklinger-huette.org
www.voelklinger-huette.org

Staatskanzlei des Saarlandes
Mitwirkende: Geschichte

Staatskanzlei des Saarlandes in Kooperation mit dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Quelle: Alle Medien
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