October 2016 - February 2017

Fashion & Fiction

TextilTechnikum

Mode in der Literatur

Das Projekt
Das Projekt fashion & fiction des TextilTechnikums Mönchengladbach schlägt eine kreative Brücke zwischen Mode und Literatur, zwischen dem traditionsreichen Textilstandort Mönchengladbach und der textilen Zukunft, wie sie die Studierenden der Hochschule Niederrhein verkörpern. Ein Semester lang haben Studierende der Hochschule sich exemplarisch mit fünf ausgewählten Literaturstellen beschäftigt und ihre kreativen textilen Vorstellungen dazu umgesetzt: in Modeillustrationen, Moodboards, Geweben, Musterstücken, Entwürfen und Modellen. Zur Auswahl standen verschiedene Textpassagen aus...                                  

„Während Mireille diese ungewöhnlichen Gedanken durch den Kopf gehen, sucht sie ohne Eile in ihrem Kleiderschrank nach etwas Passendem zum Anziehen. Der größte Teil ihrer Garderobe ist rot, eine Farbe, die ihr kohlschwarzes, schulterlanges Haar zur Geltung bringt, das seit Langem männliche Bewunderung und weiblichen Neid hervorruft. Mireilles Kleider und Kostüme sind zumeist kurz und tailliert, die Hosen eher hauteng: die leicht aufreizende Kleidung einer zweiundfünfzig jährigen Frau, die weiß, dass sie hübsch ist, und es gern in Erinnerung bringt."

Noelle Châtelet: Die Dame in Blau

„Unschlüssig betrachtet Mireille dieses breite Spektrum zur Schau gestellter Weiblichkeit. Heute möchte sie sich etwas dezenter, etwas unauffälliger kleiden, um in die Stadt zu gehen. Und da entdeckt sie zum Glück, unter einer Schutzhülle aus Leinen, ein perlgraues Kostüm, das, auch wenn der Plisserock ein wenig altmodisch wirkt, ihren Vorstellungen entspricht. Aus welcher Zeit mag dieses Kleidungsstück, das übrigens aus vorzüglichem Stoff gearbeitet ist, wohl stammen? Das kann sie beim besten Willen nicht sagen, aber es passt, es passt wie angegossen..."

„Lotte Morgenstern ist ein frischer Wind im ohnehin wilden Westen. Ihre Spezialität ist Kleidung für die Frau von heute – elegant, aber ohne Schnörkel, sportlich aber nur aus den besten Materialien. Vor vier Jahren hat sie ihr eigenes Atelier am Kurfürstendamm eröffnet, doch richtig Schwung kam in die Sache, als sie den bekannten Modeschöpfer Carl Fink für sich gewinnen konnte. Er hat sich einen Namen gemacht, als er den sogenannten "Fink-Rücken" erfand. Niemand gestaltet die Rückenausschnitte eleganter Abendroben hinreißender als er – Höhepunkt der letzten Kollektion war ein Kleid, über dessen Rücken sich eine Goldkette mit edelsteinbesetztem Vorhängeschloss spannte."

Susanne Goga: Es geschah in Schöneberg

„Sein Blick fiel auf eine Schaufensterpuppe, die mit dem Rücken zum Betrachter stand. Sie trug ein dunkelgrünes Abendkleid mit einem tiefen Rückenausschnitt, über den sich Girlanden aus vergoldeten Efeublättern rankten. Ein “Fink-Rücken“, wie er nach der Lektüre in der Bahn jetzt wusste."

Die kreativen textilen Vorstellungen fanden auch in Kissen- und Vorhangstoffe Eingang. So ließen sich die Studierenden von den Bubiköpfen der 20er und dem Namen Carl Fink inspirieren.

Beim Hocker dagegen fand ein Textauszug aus „Es geschah in Schöneberg“ im Stoffbezug Eingang während der Berliner Bär in Regenbogenfarben auf die Figur des Carl Fink verweist und dabei spielerisch das Thema der Homosexualität im Weimarer Berlin aufgreift.

„Unsere Wahl ist wirklich perfekt. Und Victorias Kleid ist der Hammer! Diese Rüschen und Faltenwürfe, total romantisch und verspielt. Ein krasser Gegensatz zu meinen normalen Klamotten."

Renate Kaiser: Miri maßgeschneidert


„Die dünnen Frauenarme das Schlottern des Herzens fortführend, in eine Ecke ihres Zimmers tasten. Sich auf den Feind werfen, diese Frauen, in einem letzten Aufbäumen vermeintlicher Stärke. Die Türen zur Hölle aufreißen. Angesprungen werden von Kröten des Zweifels, die spucken. Von Schlangen der Unsicherheit, die den Frauen eins auf die Fresse geben."

Sibylle Berg: Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot

„Und jeden Morgen der gleiche Dreck vor dem Kleiderschrank. Das Hirn noch voller Träume von nackten Menschen, versuchen sie zu entscheiden, wie sie sich an diesem neuen Tag der Welt zeigen wollten. Versuchen zu wissen, noch mit ungeputzten Zähnen, ob das Wetter sich ändert, ob ihre Stimmung leger oder damenhaft sein wird. Fragen, die sie noch nicht einmal am Abend beantworten können, verlangen am frühen Morgen nach stoffgewordenen Antworten. Das ist der wahre Schwachsinn. Da können sie doch nur verlieren, diese Frauen. Und das tun sie dann auch. Fast immer liegen sie mit ihrer Bekleidungswahl daneben. Schlacht verloren. Wieder ein Tag umsonst gelebt."

Monika Peetz: Die Dienstagsfrauen

„Zwei Stunden später fand sich ihr sortimentskundiger Personal Shopper, ihr Pi-Ess, im noblen Hahnwald ein. Estelle wohnte in einer Straße, in der es keine Häuser, sondern nur Anwesen gab. Die Einrichtung der Villa war so übertrieben wie Estelle. Ein bisschen schwülstig, ein bisschen überladen, ein bisschen zu viel Gold und Medusa."

Textiltechnikum Mönchengladbach
Credits: Story

Textiltechnikum Mönchengladbach

Credits: All media
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