1940 bis 1945

GUSEN: Granit und Tod, Erinnern und Vergessen

Museum der Geschichte Polens

Viele haben von Auschwitz und Treblinka gehört. Doch wie viele hörten von Gusen, wo über 35.000 Menschen ermordet wurden? Unsere Ausstellung ist eine Reise in diese „Hölle“, deren Spuren immer noch verwischt werden.

Krieg und Verbrechen
Die Hölle von Mauthausen-Gusen war die logische Folge des verbrecherischen Plans, der seit der Machtübernahme Adolf Hitlers umgesetzt wurde. Das erste KZ für die Feinde des „Dritten Reiches“ entstand bereits im März 1933 in Dachau. Juden wurden besonders brutal behandelt. Der Zweite Weltkrieg öffnete ein neues Kapitel der Tragödie. Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen an. Am 17. September folgte der Angriff der Sowjetunion auf Polen. Noch vor dem Ausbruch des Krieges wurden Namenslisten von Vertretern der polnischen Elite erstellt, die getötet werden sollten. Zu Beginn der Besatzung wurden im Rahmen der „Intelligenzaktion“ ca. 50.000 polnische Bürger aus den ins Reich eingegliederten Gebieten ermordet. Die „AB-Aktion“ im Generalgouvernement kostete tausenden Menschen das Leben.
Anfang und Struktur
Bereits fünf Monate nach dem sog. Anschluss Österreichs an das „Dritte Reich“, im August 1938, wurde in der Nähe von Mauthausen von der SS ein Konzentrationslager errichtet. Im Laufe der Zeit entstand um das KZ ein Netz von über hundert Außenlagern und -kommandos; ein gigantischer Quasi-Konzern, der von Sklavenarbeit profitierte. Das als „Vernichtungslager für die polnische Intelligenz“ bezeichnete Lager Gusen wurde am 25. Mai 1940 eingerichtet und war das erste und größte Außenlager von Mauthausen. Neben dem Lager Mauthausen war dies das schwerste und brutalste Konzentrationslager im Dritten Reich. Dorthin wurden hauptsächlich politische Häftlinge gebracht, was praktisch ihren Tod bedeutete. In das KZ Mauthausen-Gusen wurden insgesamt 190.000 Frauen und Männer aus vielen Nationen deportiert. Neben Polen handelte es sich hierbei um Juden, Sowjetbürger, Deutsche, Ungarn, Franzosen, Jugoslawen, Spanier, Italiener u.a.

Das Tor von Mauthausen: „Ich frage meinen Kameraden, was das sei. Und er: Hier schlagen sie, lassen einen arbeiten, aber zu essen geben sie nichts“ „Ich frage meinen Kameraden, was das sei. Und er: Viele Schläge, Arbeit und kein Essen.“ – Stanisław Lada über seine Ankunft im Lager.

Im KZ Mauthausen-Gusen und seinen Außenlagern mussten die Häftlinge für deutsche und österreichische Firmen, die u.a. Waffen, Munition, Flugzeuge und Medikamente produzierten, Sklavenarbeit leisten.

Doch der wichtigste Grund für die Wahl der Gegend um Mauthausen war der Granitsteinbruch Wiener Graben. Die SS kaufte das Grundstück und gründete das Unternehmen DESt (Deutsche Erd- und Steinwerke).

Die Sklavenarbeit garantierte der SS hohe Erträge. Die Häftlinge mussten Höchstleistungen erbringen und wurden dabei extrem brutal behandelt.

Felsensprengung im Steinbruch, 1941. Die Nationalsozialisten wollten den Granit für den Bau von Autobahnen verwenden, aber auch für das Stadion in Nürnberg und die Neugestaltung von Berlin und Linz.

Besprechung der Neugestaltung Linz’ mit Hitler in Obersalzberg, Mai 1939. Hitler träumte davon, in der Stadt seiner Jugend monumentale Gebäude zu errichten.

Gusen I – das größte Außenlager des Lagerkomplexes Mauthausen-Gusen, 1945. In den langen Hallen in der Bildmitte wurde Kriegsgerät für die Firma Steyr-Daimler-Puch AG produziert.

„Wir kamen in Gusen an und sahen sofort, dass alles schlimmer als in Mauthausen aussah“, erinnerte sich der ehemalige Häftling Eugeniusz Śliwiński. Gusen lag 4,5 km westlich vom Stammlager entfernt.

Angesichts der alliierten Luftangriffe beschloss die Regierung des Dritten Reichs, die Rüstungsproduktion untertage zu verlagern. Das Geheimprojekt „B8 Bergkristall“ wurde in St. Georgen, östlich von Linz umgesetzt. Viele wurden dabei von Sand und Steinen verschüttet: „Diese Häftlinge wurden gar nicht erst geborgen“, erzählte Tadeusz Hanuszek.

Am 9. März 1944 wurde im Rahmen von „B8 Bergkristall“ Gusen II eingerichtet. „Wenn Gusen I der Vorhof zur Hölle war, so war Gusen II ihr Abgrund“, schrieb der ehemalige Häftling Jerzy Osuchowski.

In den Stollenanlagen wurde eine Flugzeugfabrik errichtet. Am 16. Dezember 1944 wurde in Lungitz das Lager Gusen III errichtet. Im Februar 1945 waren im Lagerkomplex Gusen über 26.000 Häftlinge.

Heinrich Himmler besucht das KZ Mauthausen-Gusen. Dritter von links: Kommandant des Lagers Franz Ziereis. Gemäß den Prinzipien in dem KZ sollten die Wachmänner die Häftlinge wie Reichsfeinde hassen.

Mauthausen; die SS-Mannschaft wuchs mit dem Zustrom der Häftlinge. 1938 arbeiteten dort lediglich 80 SS-Männer, zum Ende des Krieges waren es 9.859.

Die SS bestimmte sog. Funktionshäftlinge („Kapos“), um die tausenden Deportierten zu terrorisieren. Sie genossen gewisse Privilegien und wurden größtenteils zu eifrigen Peinigern und Mördern ihrer Mithäftlinge.

Die meisten der Funktionshäftlinge waren Deutsche und Österreicher, vorrangig Kriminelle. Mit der Zeit übernahmen auch politische Häftlinge anderer Nationalitäten Funktionen von geringerer Bedeutung.

Der Gefangenen
Am 8. August 1938 erreichte der erste Transport mit deutschen und österreichischen Häftlingen aus Dachau das Lager Mauthausen. Nach dem Ausbruch des Krieges kamen die Transporte meistens aus Polen. Seit Dezember 1939 wurden Arbeitskommandos von Mauthausen aus täglich zur Arbeit in die Gusener Steinbrüche geleitet. Ab Herbst 1941 wurden auch sowjetische Kriegsgefangene in das KZ Mauthausen-Gusen deportiert. Im Lager wurden ebenfalls über 7.000 republikanische Spanier und Mitglieder der Internationalen Brigaden gefangen gehalten. Insgesamt befanden sich im gesamten Komplex Mauthausen- Gusen über 190.000 Häftlinge, darunter ca. 10.000 Frauen und einige tausend Kinder. Einen großen Anteil bildeten Juden. 90.000 Häftlinge wurden ermordet. In das KZ Gusen wurden insgesamt 71.000 Häftlinge 27 verschiedener Nationalitäten deportiert. Über 35.000 verloren dort ihr Leben, und 60% der Opfer waren Polen.

Im KZ Mauthausen-Gusen wurden die Häftlingsnummern nicht tätowiert, sondern jeder Häftling trug seine Häftlingsnummer an der Kleidung mit einem sog. Winkel. Seine Farbe gab den Grund der Verhaftung und der Buchstabe seine Herkunft an.

Sie befahlen, sich nackt auszuziehen, alle Sachen nahmen sie weg. Ich hatte nichts mehr. Außer meiner Seele hatte ich im Prinzip nichts.

WALDEMAR PAŃSKI
Jahrgang 1927. Ehemaliger Häftling in Mauthausen und Wiener Neudorf

Familie Topolewski aus Warschau
Nach dem Ausbruch des Warschauer Aufstands wurde Familie Topolewski nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Vater Jan (Beamter der Sozialversicherungsanstalt ZUS) wurde mit dem 13-jährigen Sohn Jan Wojciech nach Mauthausen-Gusen gebracht. Mutter Jadwiga starb in Auschwitz, der Vater kurz nach der Befreiung in Mauthausen. Der Sohn kehrte 1946 nach Polen zurück. Nach vielen Jahren schilderte er seine Erinnerung, als in der Quarantäne sein Vater ihm seine Scheibe Brot abgab: „Wenn ich die Scheibe esse, bringt es nichts, denn ich komme hier sowieso um. Du aber kannst es schaffen.“

Henryk Sławik (ermordet 1944 in Mauthausen-Gusen) – Polnischer Schriftsteller, Sozialarbeiter, während des Zweiten Weltkrieges rettete er in Ungarn die Leben vieler polnischer und jüdischer Flüchtlinge.

Antoni Czortek war eine polnische Boxlegende. Er nahm an den Olympischen Spielen in Berlin teil, wurde 1939 Vizeeuropameister. In Auschwitz-Birkenau trug er mehr als ein Dutzend Schaukämpfe aus. Auch nach seiner Versetzung in das KZ Mauthausen-Gusen musste er boxen.

Sklaven und Fallschirmspringer
„Die Ausbeutung der Häftlinge als Arbeitskraft war in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß räuberisch. Keiner der Sklavenbesitzer war an einem schnellen Tod der für ihn Arbeitenden interessiert, aber die SS führte zwei Aufgaben durch: Vernichtung und Ausbeutung“, schrieb Stanisław Dobosiewicz, der seit 1940 in Gusen inhaftiert gewesen war. Die tägliche Arbeitszeit betrug im Sommer elf bis zwölf Stunden, im Winter etwa neun – unabhängig von Wetter, oft im Laufschritt, mit konstant herrschender Brutalität.. Die Häftlinge aus Gusen arbeiteten u.a. in den Steinbrüchen, beim Bau des Stollens in St. Georgen, in (Rüstungs-)Fabriken, beim Dammbau an der Donau und beim Bau einer Siedlung für SS-Angehörige sowie österreichische und deutsche Zivilisten, die in den Steinbrüchen und bei der Regulierung des Flusses Gusen arbeiteten.

Die Arbeit in den Steinbrüchen gehörte zu den schwersten und gefährlichsten. Die SS rechnete damit, dass die Kraft eines Häftlings für drei bis sechs Monate reicht, bevor er vor Erschöpfung stirbt.

Steinträger
Witold Domachowski: „Sobald er einen kleineren Stein packte, wurde er unter Schlägen zurückgeschickt. Dort gaben sie ihm einen 60 kg schweren Stein, den er nicht tragen konn¬te. Und so starb er.“

Rückkehr eines Arbeitskommandos: „Als wir zurückkehrten, griff niemand nach dem Essen, sondern jeder fiel auf die Pritsche und schlief ein. So erschöpft waren wir“, erzählte Pater Marian Żelazek.

Die berüchtigte „Todesstiege“. 31 Meter hoch und 186 Stufen. „Der Häftling ging ein Dutzend Stufen hoch, je nach seinen Kräften. Er stolperte, fiel hin, ließ den Stein fallen, stieß andere um“, erinnerte sich Stefan Rzepczak.

Zum Symbol des Grauens in Mauthausen wurde die „Todesstiege“, die das Hauptlager mit dem Steinbruch verband. Auf dem Foto die heutige Ansicht.

Heinrich Himmler an der „Todesstiege“ während eines Besuchs im KZ Mauthausen-Gusen 1941.

Die SS-Männer in Mauthausen-Gusen drangsalierten insbesondere die aus Polen, Ungarn oder den Niederlanden deportierten Juden. Sie stießen sie vom Felsen hinunter und ertränkten sie in der Abortgrube.

Auch Gusen hatte seine „Todesstiege“, die in den Steinbruch Kastenhofen führte. Beim Bau des Lagers mussten die Häftlinge im Laufschritt und unter ständigen Schlägen die Steine hinunterschleppen.

Gleich neben dem Lager Gusen I ist ein Schottersilo zu sehen, wo die Häftlinge ohne Maskenschutz arbeiten mussten. Das Einatmen des Staubes führte bereits nach wenigen Wochen zum Tod.

Das Schottersilo und der Anfang des polnischen Lager-Tangos „Janeczka“ sind auf dieser Postkarte zu sehen, die von einem Häftling gezeichnet wurde.

In diesem Stollen wurden die Flugzeugwerke Messerschmitt untergebracht. Für die geleistete Sklavenarbeit eines jeden Häftlings erhielt die SS ein Entgelt von deutschen und österreichischen Firmen.

Reinigung des Rumpfes vor der Lackierung. Auf der Rückseite der Kopie vermerkte der ehemalige Häftling Stanisław Dobosiewicz, dass der deutsche Meister Seider manchmal fluchte („Kruzifix“), sich aber human zeigte.

Satirische Zeichnung eines Häftlings über die Herstellung des 100. Rumpfes. Der Einsatz von gesundheitsschädlichen Farben, Gasen und Säuren bei der Produktion führte zum Tode vieler Häftlinge.

Jeden Tag wurden wir weniger.
Und jeden Tag wurden wir weniger. Einige von denen, die in Turek verhaftet wurden, lebten nach einer Woche nicht mehr, zum Beispiel der Bruder von Frau Chlewska, in deren Laden ich als Verkäufer gearbeitet hatte, Kazimierz Chlewski, ein Beamter aus dem Finanz¬amt. Oder der Lehrer, Czesio Kozłowski, ein Freund meines Vaters, so schnell … ich weiß nicht mal, ob er die erste Woche überlebt hat. Wir waren alle in einer Baracke. Ich gucke, und der ist nicht mehr da, der auch nicht, und der auch …
Albtraum und Widerstand
„Wenn man keine Prügel abbekommen hat, dann war es ein glücklicher Tag. Jede Tätigkeit – ob Steine schleppen, Appell oder die Aufstellung von Lagergruppen – es war ein einziges Geschrei, ein einziges Prügeln, Morden. Und wenn wir noch den Hunger nach dem Abendessen dazu rechnen und den noch stärkeren Hunger am Morgen, denn wir bekamen bloß eine Kelle gewöhnlicher Kräuter, dann wurde der Mensch wirklich zum Tier“, erzählte Leon Ceglarz. Hunger und chronische Erschöpfung, Krankheiten, ständige Schikanen und Schläge, sadistische Strafen, Läuse und Dreck – so sah der Alltag in Mauthausen-Gusen aus. Trotzdem leisteten viele Häftlinge Widerstand: „Unsere Konspiration im Lager beruhte darauf“, so Wacław Pilarski, „dem anderen zu helfen, sein Leben retten. Das waren die wesentlichsten Dinge.“

Der Nährwert der Mahlzeiten betrug in Gusen anfangs 1800 Kalorien täglich, zum Ende des Krieges nur 1300. Dies lag unterhalb jeglicher Normen und genügte den entkräfteten Häftlingen nicht annähernd.

Häftlinge in Gusen, kurz nach der Befreiung. Ludwik Kosiarski: „Ich war hungrig. Wenn ich mich auf Menschenfleisch stürzen könnte … Manch­mal ging ich vors Krematorium, doch es gab keine Gelegenheit.“

Zeichnung des ehemaligen Häftlings Franciszek Znamirowski mit dem Titel „Der Traum von einem reichlich gedeckten Ostertisch“. Nahrung war eines der wichtigsten Themen in Gesprächen und Träumen der Häftlinge.

Essensausgabe in der Fabrikhalle von Messerschmitt. „Ein trauriger Muselmann“ lautet der Bildtitel. So wurden im KZ völlig ausgehungerte Häftlinge genannt, die kurz vor dem Hungertod standen.

Jean Bernard Aldebert – Tauschhandel in Gusen II. Esswaren waren am wertvollsten. Józef Szkuta: „Es war ein Hunger, den man sich nur schwer vorstellen kann, denn in der Freiheit gibt es ihn so nicht.“

Eine Baracke (Block) hatte zwei Stuben, A und B. Dazwischen lag ein Raum für den Blockältesten, den Schreiber und den Friseur. Auf den Pritschen schliefen zeitweise mehr als zwei Häftlinge auf einer Ebene.

Das sog. Revier, Lagerkrankenhaus in Gusen. Das medizinische Personal bestand hauptsächlich aus polnischen politischen Häftlingen, die um jeden Preis den anderen Häftlingen zu helfen versuchten.

Abteilung für pathologische Anatomie. Die SS führte hier zeitweise pseudomedizinische Experimente durch. Im Revier fehlte es dagegen an Medikamenten, Wunden wurden mit Zementsäcken verbunden.

Den Tagesrhythmus im Lager bestimmte eine Glocke mit der Aufschrift: „Ob Tag, ob Nacht / Stets mit Bedacht / Der Glocke Ruf erklingt / – ein Zeichen / Deine Pflicht beginnt“.

„… Wird‘s du keine Laus mehr haben!“ lautet die Unterschrift dieser Häftlingszeichnung. Im Winter wurden die Häftlinge oft mit eiskaltem Wasser begossen und anschließend nackt nach draußen geschickt.

Peitschenhiebe als Strafe. Für einen abgerissenen Knopf, Hände in den Taschen oder ein nicht ordentlich gemachtes Bett konnte man bestraft werden. Nach dem Auspeitschen starben viele der Häftlinge.

Eine Form der Peinigung von Häftlingen waren auch sinnlose und kräftezehrende körperliche Übungen. Auf dem Foto ist der Appellplatz des KZ Mauthausen zu sehen.

Pfahlbinden als Strafe: „Ich wurde nur einmal angebunden und das nur für fünf Minuten. Der Schmerz ist kaum zu beschreiben; als ob dir jemand die Arme ausreißen würde“, schrieb Stanisław Nogaj.

Die Kranken aus dem KZ Mauthausen-Gusen wurden teilweise in die Tötungsanstalt Hartheim gebracht und dort in der Gaskammer ermordet. „Injektion für einen Häftling“ lautet der Titel dieses Aquarells. Mit Benzin-, Phenol- oder Wasserstoffperoxid-Spritzen wurden Kranke ermordet.

Viele überlebten nur dank der Solidarität im Lager. Auf dem Bild: Messerschmitt-Malerwerke. Während der Abwesenheit des Meisters wärmen sich einige Häftlinge am Ofen auf. Ein anderer steht Wache.

Häftlingszeichnung von Zbigniew Filarski. Illegal erstellte Skizzen, Gedichte und Lieder waren eine Form des Widerstandes. Dafür drohte die Todesstrafe. Außerdem hatte sich ein Chor zusammengefunden, Vorträge wurden organisiert. Solche Aktivitäten wurden mit dem Tod bestraft.

Zur Fastenzeit 1945 bereiteten Häftlinge eine Kreuzwegandacht vor. Die nach Mauthausen-Gusen deportierten Geistlichen standen anderen Häftlingen bei, hielten heimlich Messen und nahmen die Beichte ab.

Asche-Würfel – Urnen aus Gusen. Häftlinge bauten sie aus Granit, Holz vom Galgen oder Kunststoff von einem abgeschossenen Flugzeug. Nach dem Krieg fügten sie die Würfel zu einem Rosenkranz zusammen.

Noch vor der Befreiung, im März 1945, veranstalteten die Häftlinge einen Abzeichen-Wettbewerb für die Gusen-Häftlinge. Gewonnen hatte das Projekt des Architekten Teodor Bursche.

Verbrechen und Befreiung
„Die Häftlinge starben durch Gewehrkugel, Schlagstock, Strick, Gas, Gift, Strom, vor Hunger, sie wurden lebendig begraben, verbrannt, gesteinigt, vom Felsen gestoßen usw. usw.”, erinnerte sich Stanisław Nogaj, Gusen-Häftling ab 1940. Die Revier-Ärzte attestierten „etwa 80 verschiedene Arten des plötzlichen Todes”. Im gesamten KZ Mauthausen-Gusen wurden mindestens 90.000 Menschen von über 40 Nationen ermordet. Die größte Gruppe machen dabei polnische Bürger aus: über 51.000 Deportierte, über 25.000 Tote. Am 5. Mai 1945 erreichten Soldaten der US Army das KZ Mauthausen-Gusen. Sie wurden von ca. 40.000 noch lebenden Häftlingen erwartet. In den folgenden Tagen starben viele aufgrund ihrer Erschöpfung, Unterernährung und Erkrankungen.

Verzweifelte Häftlinge begingen Selbstmord. Sowohl in Mauthausen als auch in Gusen stürzten sie sich oft „in die Drähte“, wie man im Lagerjargon sagte. Verzweifelte Häftlinge begingen Selbstmord. Sowohl in Mauthausen als auch in Gusen stürzten sie sich oft „in die Drähte“, wie man im Lagerjargon sagte. „Dies löste eine heftige elektrische Entladung aus, ein schreckliches Geräusch“, erinnerte sich Aldo Carpi.

Eine Transportliste nach Mauthausen, Januar 1941. Die durchgestrichenen und mit dem Buchstaben G versehenen Häftlinge kamen nach Gusen. Von diesen acht erwähnten Polen überlebte einer.

Krematoriumsofen in Gusen. Telesfor Matuszak: „Man konnte 120 Personen am Tag verbrennen. Als 1941 eine große Anzahl sowjetischer Gefangenen kam, wurde es schrecklich. Wir arbeiteten Tag und Nacht.“

Waschraum in Gusen. SS-Männer und Funktionshäftlinge ertränkten in den mit Wasser gefüllten Becken viele Häftlinge.

„Das Ertränken von Häftlingen“, Aquarell von Maksymilian Chmielewski.

Todesopfer im KZ Mauthausen-Gusen. Vor der Abfahrt des Transports aus Dachau warnte einer der Kapos den polnischen Häftling Albert Juszkiewicz, MAUThausen sei in Wirklichkeit ein MORDhausen.

Mauthausen-Gusen nach der Befreiung, Mai 1945.

„Die Menschen hüpften, tanzten… Es war, wie wenn man einen Hund von der Kette lässt, er rennt los wie ein Wilder“, erinnerte sich Lech Grześkowiak.

Brennende Baracken des Lagers Gusen II nach der Befreiung.

Krankensaal in Gusen. Polnische Häftlinge versuchen einen italienischen Häftling zu retten, der sich am Tag der Befreiung die Kehle durchgeschnitten hat. Foto aus dem Archiv von Stanisław Dobosiewicz.

„Mein Bett war am Fenster und wenn ich aus raus schaute, konnte ich das Krematorium sehen, wo Haufen von Leichen lagen. Plötzlich fuhr ein amerikanischer Panzer herein“, schilderte Jan Chodakowski.

Rettung und Zerstörung
Vom Sommer 1945 bis 1955 verwalteten sowjetische Besatzungsbehörden das Gelände des Lagers. Die österreichischen Behörden begannen danach mit dem Verkauf der Lagergebäude an Privatpersonen. Alle Spuren des Lagers wären verschwunden, wenn nicht ehemalige Häftlinge aktiv geworden wären. Dank ihrer Entschlossenheit ist es gelungen, den Krematoriumsofen vor seiner Verlagerung nach Mauthausen zu bewahren. An der Stelle des Lagers sollte eine Siedlung entstehen. 1965 wurde allerdings dank des Einsatzes ehemaliger Häftlinge das Memorial KZ Gusen eröffnet. Die Trägerschaft hat das österreichische Bundesministerium für Inneres übernommen, allerdings erst 1997. Gusen ist nicht nur ein Mahnmal für die tragische Geschichte, sondern auch ein schockierendes Beispiel, wie einfach Erinnerung zerstört werden kann (auf dem Foto: eine Gruppe von ehemaligen Häftlingen vor dem Jourhaus, bevor das Gebäude in Privatbesitz überführt wurde.).
Jourhaus
Das Jourhaus bzw. Schuhhaus war das Tor ins Lager. In seinen Kellern wurden Häftlinge gefoltert und ermordet. 1965 wurde es an die Gemeinde Langenstein verkauft. Ein Kindergarten sollte dort entstehen. Heute ist das Jourhaus eine private Villa. Das Gebäude, das den Haupteingang ins KZ Dachau bildete, trug damals den gleichen Namen. Heute dient es als Eingangstor in die dortige Gedenkstätte.

Die charakteristische Fassade des Jourhauses war schon zu Kriegszeiten das Symbol für Gusen, was diese Häftlingspostkarte veranschaulicht.

Schottersilo, stone grinding mill – right after liberation

Schottersilo – kurz nach der Befreiung und heute.

Überreste des Krematoriums. Das Foto schoss Simone Bonnet, Tochter eines französischen Häftlings, nachdem sie von den sowjetischen Behörden die Erlaubnis erhalten hatte, das Gelände zu betreten.

Gedenkstätte in Gusen – errichtet dank der Spenden ehemaliger Häftlinge und ihrer Familien. Heutige Ansicht.

Ermordete Häftlinge, deren Leichen die SS nicht rechtzeitig verbrennen konnte, wurden nach der Befreiung in Gusen beerdigt.

Nach zehn Jahren ordneten die österreichischen Behörden die Auflösung des Friedhofs in Gusen an. Die Überreste wurden in die Gedenkstätte Mauthausen überführt.

Ehemalige Häftlinge dokumentierten, was mit dem Gelände des ehemaligen Lagers passierte. Ein Foto aus dem Archiv des ehemaligen Häftlings Stanisław Dobosiewicz, Lagernummer 166.

Im Juni 2016 richteten Vertreter von Opferorganisationen eine Forderung an die österreichischen Behörden, die „Zerstörung der Überreste des KZ Gusen“ zu stoppen.

Am Anfang wollte man möglichst fern von all dem sein – vom Lager. Doch es geht nicht, es kommt immer wieder. Jetzt, wo ich Rentner bin, kommen die Gedanken, die Erinnerungen an das Lager wieder. Ich kann mich nicht losreißen.

Museum der Geschichte Polens
Mitwirkende: Geschichte

Ausstellungskonzept:
Marek Zając, Dariusz Pawłoś (Fundacja Polsko-Niemieckie Pojednanie)

Übersetzung:
Jette Helberg (Deutsch und Englisch), Brandon Lewis (Englisch), Witold Milczarek Englisch), Monika Partyka (Englisch), David Rojkowski (Deutsch)


Ein Teil der in der Ausstellung verwendeten Zitate wurden im Rahmen des Projektes „Errettet aus Mauthausens“ gesammelt.
Einige Zitate wurden leicht gekürzt, doch die allgemeine Aussage wurde erhalten.

Redaktion:
Jette Helberg, Ingeborga Jaworska-Róg, Brandon Lewis, Monika Partyka, Dariusz Pawłoś

Quelle: Alle Medien
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