Iris van Herpen: Transforming Fashion

High Museum of Art

High Museum of Art, Atlanta

Transforming Fashion
Iris van Herpen (Niederländerin, geb. 1984) arbeitet an der Schnittstelle von Mode, Design, Technologie und Wissenschaft. Mit einem dynamischen und bahnbrechenden Werk wird sie weit als wegweisende neue Stimme in der Mode angepriesen. 2007 produzierte sie ihre erste Kollektion, kurz nach dem Abschluss am ArtEZ Institute of the Arts in den Niederlanden. Mit Hauptsitz in Amsterdam, weit entfernt von der Pariser Welt der Haute Couture (sie ist Mitglied des Chambre Syndicale de Haute Couture seit 2012), unterteilt van Herpen ihre Zeit in der geborgenen Welt ihres Ateliers, ihr globales Netzwerk von Mitarbeitern und die internationale Bühne der Mode, wo ihre Designs regelmäßig in den halbjährlichen Pariser Laufsteg Shows erscheinen. In der Mode geht es um kurze Deadlines, internationale Plattformen und ein unersättliches Bedürfnis nach der nächsten neuen Sache. Es ist eine Disziplin, die eine gewaltige kreative Energie voraussetzt, um konstant zu produzieren und zu funktionieren. Van Herpen ist bekannt für ihre Bereitschaft zu experimentieren— neue Stoffe zu erforschen, kreiert durch Mischen von Stahl mit Seiden- oder Eisen-Spänen mit Harz, der Vereinigung von unerwarteten Materialien von Regenschirm-Zinken bis zu Magneten und stößt an die Grenzen von Technologien, wie zum Beispiel den 3-D-Druck. Van Herpen hat ein Werk erschaffen, das weiterhin den Erwartungen trotzt, neue Ideen und Inspirationen entfaltet und schmiedet, die beide sowohl auf der Natur als auch auf der Vision der zeitgenössischen Welt basieren. Die resultierenden Arbeiten, innerhalb der Modewelt als Couture definiert, werden normalerweise in Museen gesammelt und gezeigt, oft mehr als Kunstgegenstand angesehen anstatt als tragbares Zukunfts-Design. Diese Ausstellung dokumentiert die Evolution von Iris van Herpen's Couture durch eine Selektion ihrer Kollektionen von 2008 bis 2015 und illustriert die vielen Wege, auf die sie weiterhin Inspiration jenseits der Welt der traditionellen Handarbeit und Handwerkskunst sucht. "Iris van Herpen: Transforming Fashion" ist mitorganisiert vom High Museum of Art, Atlanta, und dem Groninger Museum der Niederlande; Fotografie von Bart Oomes, No 6 Studios. Die Ausstellung befindet sich derzeit auf einer Nordamerika-Tour mit Aufenthalt im Grand Rapids Art Museum, Okt. 23. Januar 2016 15. Februar 2017 Carnegie Museum of Art 4 - 1. Mai 2017 Dallas Museum of Art, 21. Mai - Aug. 20. Oktober 2017 Cincinnati Museum of Art 14. Januar 2017 7. Februar 2018 Phoenix Art Museum 4 – 6. Mai 2018 und dem Royal Ontario Museum von Juni – Aug. 2018.
Chemical Crows: Januar 2008
Chemical Crows war hauptsächlich inspiriert von Iris van Herpen's Beobachtungen von einer Gruppe von Krähen, die rund um ihr Studio hausten. Ihre Faszination für Vögel begann in einem frühen Alter, als sie junge Dohlen hatte. Krähen sind bekannt für ihre Intelligenz und Vorliebe für glitzernde Objekte und werden traditioneller Weise mit dem Geheimnisvollen und Symbolismus assoziiert. Van Herpen ist ebenso von schwarzer Magie und Alchemie fasziniert. Sie teilt eine Leidenschaft für die Kontrolle und Verwandlung von Materialien mit Alchimisten, was sie den Drang entwickeln ließ, die Krähen in Gold zu verwandeln. Wie Alchimisten versuchten, Basismetalle in Gold zu verwandeln, so wandelte van Herpen goldfarbene Regenschirm-Rippen in skurrile fächerähnliche Formen zur Verkörperung von Krähen um. Ebenso benutzte sie Tausende Meter Industriegarn zur Konstruktion von geschichtete Texturen, die die Impressionen eines sich bewegenden Federanzugs verleihen. Mit Leidenschaft und dem Drang, Kontrolle über ihre Materialien zu erlangen, hat van Herpen sie in diese erstaunliche Kollektion verwandelt. Chemical Crows ist van Herpen's erste Hauptkollektion und wurde vollkommen von Hand gefertigt. Die drei hier abgebildeten Arbeiten sind Teil der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Refinery Smoke: Juli 2008
Refinery Smoke basiert auf der erstaunlichen Schönheit, der Unklarheit und vor allem der Flüchtigkeit des industriellen Rauchs. Aus der Ferne betrachtet bietet Rauch ein faszinierendes und dynamisches Spektakel: ab und zu scheint es lebendig zu sein aber es beherbergt gleichzeitig auch etwas Unheimliches und kann sogar toxisch sein. Iris van Herpen fragte sich aufgrund dieser Eigenschaften in Verbindung mit der weichen, fließenden Textur, ob es möglich sei, Kontrolle über Rauch in einem solchen Ausmaß zu erlangen, dass er um den Körper getragen werden könnte. Van Herpen hat diese Ideen in einer metallischen Gaze manifestiert, das sie speziell für die Refinery Smoke-Kollektion gewebt hat. Das Material, welches unüblich in der Modewelt ist, besteht aus unzähligen feinen Metallfäden. Van Herpen verwandelte dieses steife Material zu einem tragbaren Gewebe, das weich und leicht erscheint. Die Kleider waren zuerst silbergrau, aber sind im Laufe der Zeit zu rötlich-braunen oxidiert, was zufälligerweise die doppelte Natur des industriellen Rauchs widerspiegelt. Die drei hier abgebildeten Arbeiten sind Teil der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Mummification: Januar 2009
Mummification reflektiert Iris van Herpen's Interesse an der makabren Schönheit der antiken ägyptischen Mumifizierung und an der intensiven Hingabe, die den Prozess umgibt. Die Idee von Wickeln, Umhüllen und Abdecken ist in vielen Stücken der Kollektion deutlich sichtbar, zusammen mit den für ägyptische Mumien charakteristischen geometrischen und grafischen Mustern. Die Art und Weise, in der die Ägypter diese traditionellen Praktiken nutzten um eine Form zu erschaffen, inspirierte sie, ihre eigene Welt mit vergleichbarer Hingabe zu entwerfen. Van Herpen fertigte diese Kollektion sorgfältig per Hand aus Leder an, das mit verschiedenen Techniken behandelt wurde, nebst Spitze, Zehntausende von Ösen, Kugelkette, Motorradkette und Tausende von Metallkugeln. Van Herpen erklärt die tiefen Verbindungen zwischen den ägyptischen Glaubensvorstellungen und ihrer Mummification Kollektion: "Die Ägypter versuchten die Wirklichkeit durch ihre Kunst zu erschaffen. Sie betrachteten die Wirklichkeit, die sie erschufen, als die Realität ihres Todes, während dessen ihr tägliches Leben eine Illusion war. Mit anderen Worten, glauben Sie nicht alles, was offensichtlich erscheint, sondern erschaffen Sie Ihre eigene Realität." Die drei hier abgebildeten Arbeiten sind Teil der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Radiation Invasion: Januar 2009
Ein interkontinentales Telefongespräch veranlasste Iris van Herpen, die unzähligen Datenströme digitaler Information, die uns wie Strahlen in jedem Moment und an jedem Ort umgeben, zu hinterfragen. Trotz der Allgegenwart dieser Informationen können wir auf diese nur durch die Nutzung spezieller Geräten zugreifen. Was würden wir mit unserer täglichen Überdosis elektromagnetischer Wellen und digitalen Informationsströmen machen, wenn wir sie sehen könnten? In Radiation Invasion scheint der Träger von einem Komplex aus wellenförmigen Strahlen, flackernden Mustern, vibrierenden Partikeln und reflektierenden Plissee umgeben zu sein. In der Kollektion geht es um die gleichzeitig erschreckende und faszinierende Präsenz von Strahlungsenergie (vor allem die von Elektronik erzeugte), die uns konstant umgibt. Van Herpen stellt in dieser Kollektion dar, wie es aussehen könnte, wenn wir Strahlung wahrnehmen und manipulieren könnten—wenn wir, wie Magnete, Anziehung und Abstoß ausüben könnten. Diese Kollektion ist der Anfang einer Thematik, die sich weiterhin durch die Arbeit von van Herpen zieht: die Rolle von Technologie und ihrer Beziehung zum Körper. Die drei hier abgebildeten Arbeiten sind Teil der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Synesthesia: Februar 2010
Synesthesia ist ein seltener spezieller neurologischer Gesundheitszustand, der in einer Kombination von Sinneswahrnehmungen resultiert. Beispielsweise können manche Menschen Farben schmecken und Geräusche sehen. Iris van Herpen interpretiert dieses Phänomen als eine halluzinatorische Sensation. Van Herpen nähert sich dem Körper als ein formbares, empfindliches und zerbrechliches Objekt. Mit Synesthesia vergrößert sie Körperteile durch Transparenz, Bewegung und extreme Wiederholung, um raffinierte Handwerkskunst zu betonen. Ausgehend von einer Vision der Zukunft, in der Kleidung eine Ergänzung oder Verstärkung der Sinneswahrnehmung sein könnte, hat van Herpen gewisse Elemente designed—wie hypersensible, vibrierende Instrumente oder Extra-Rezeptoren—die es dem Träger ermöglichen, die Welt auf eine vollkommen neue Art und Weise zu erleben. Mit der Nutzung von speziell behandeltem Leder, auf einer Seite mit glänzender Metallfolie beschichtet, erschuf sie einen auffallenden und verblüffenden visuellen Effekt, der es dem Betrachter schwer macht, zu erkennen, was genau er oder sie sieht. Synesthesia markiert van Herpen's erste Kollaboration mit United Nude für eine Kollektion von Schuhen, die auf dem gleichen Thema basieren. Die drei hier abgebildeten Arbeiten sind Teil der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Crystallization: Juli 2010
Das Design für die neue Erweiterung zum Amsterdamer Stedelijk Museum, welches den Spitznamen die Badewanne verdiente, inspirierte Iris van Herpen's Crystallization Kollektion. Sie wollte ein Kleid entwerfen, das wie ein Spritzer Wasser um den Träger kaskadieren würde. Die Eigenschaften von Wasser in verschiedenen Zuständen—wie das Potential seiner chaotischen und ungebundenen Natur, wenn es sich in flüssiger Form befindet und die mathematische Schönheit der harten kristallinen Strukturen, die erscheinen, wenn Wasser gefriert—sind in dieser Kollektion deutlich zu erkennen. Diese Assoziationen dienen auch als Metapher für den künstlerischen Prozess, wobei eine anfängliche Idee kristallisierte, um eine greifbare Kollektion zu formen. Um diese Kollektion zu kreieren nutzte van Herpen unkonventionelle Materialien und Techniken, die der Modewelt fremd waren. Das Stück, das wie eine lebensechte Imitation eines Wasserspritzers erscheint, würde vermuten lassen, das Ergebnis eines industriellen Verfahrens zu sein, wurde aber in der Tat mühsam von Hand mit einer Heißluftpistole, einer Zange und Plexiglas hergestellt. Im Kontrast dazu, das Kleid mit dem beeindruckenden Design, das an die Art und Weise erinnert, in der sich Ablagerungen von Kalkstein in Muscheln formen und verhärten, ist das erste 3-D-gedruckte Kleidungsstück, das jemals auf den Laufsteg geschickt wurde. Van Herpen erschuf es in Zusammenarbeit mit dem Architekten Daniel Widrig. Die drei hier abgebildeten Arbeiten sind Teil der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Escapism: Januar 2011
Fliehen aus der alltäglichen Wirklichkeit durch süchtig machende digitale Unterhaltung regt in Iris van Herpen nicht nur Gefühle der Leere an, sondern auch Assoziationen mit dem Grotesken, dem Extremen und dem Fantastischen. Eine andere wichtige Inspirationsquelle sind die üppigen barocken Skulpturen des amerikanischen Künstlers Kris Kuksi, in denen das Bizarre und das Fantastische mit heiteren und spirituellen Elementen vereinigt sind. Van Herpen hat dieses Thema durch allerart von Materialexperimenten zum Ausdruck gebracht. Zum Beispiel formte sie schwarze transparente Acryl-Blätter zu exzentrischen Kleidungsstücken mit sphärischen oder flügelförmigen Ornamenten, in dem sie sowohl alte, traditionelle Handarbeitstechniken als auch neue Technologie nutze. Schnelle Prototypenherstellung ermöglichte es ihr, in Zusammenarbeit mit dem Architekten Daniel Widrig, digitale Designs mit einem 3-D-Drucker zu materialisieren, zur Produktion einer spitzengleiche Struktur ohne jeglichem Bedarf von Nadel und Faden. Für eine Reihe von Outfits, welche erscheinen, als wurden sie teilweise von einer korallenartigen Struktur übernommen, benutzte van Herpen verschiedenste Techniken zur Handfertigung der Textur des Plissees (faltig oder gefaltet). Im Unterschied zu modernen, mechanisch gefalteten Plissees hat die Handarbeit einen viel organischeren Effekt. Die drei hier abgebildeten Arbeiten befinden sich in der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Capriole: Juli 2011
Iris van Herpen debütierte mit dieser Kollektion in Paris als Gastmitglied der Chambre Syndicale de la Haute Couture. Capriole, eine Zusammenstellung von Highlights aus früheren Kollektionen, zeigte auch fünf frappierend neue Outfits, die das Gefühl kurz vor und während eines Fallschirmsprungs im freien Fall heraufbeschwören. Capriole ist ein französisches Wort, das die Bedeutung von "Luftsprung" hat. Van Herpen erklärt dazu: "Kurz bevor ich aus dem Flugzeug springe, ist meine ganze Energie in meinem Kopf und ich fühle mich, als ob sich mein Geist durch Tausende von Kurven schlängelt. Der Augenblick des freien Falles ist das genaue Gegenteil: Die ganze Energie ist in meinem Körper konzentriert; ich kann jede Faser spüren und mein Verstand hört auf zu arbeiten Sobald ich sicher auf dem Boden angekommen bin, fühle ich mich neu geboren." Das "Schlangenkleid" besteht aus Schlangenformen aus Acrylfolie, die seine Trägerin umspielen. Mit dem gleichen Acrylmaterial schuf van Herpen Stücke mit gezackten Spikes, die an Eisschollen erinnern und von den algorithmischen Skulpturen des Architekten Michael Hansmeyer inspiriert wurden. Das im 3-D-Druck hergestellte "Skelettkleid" erinnert an den Moment des freien Falles, in dem der Körper sich anfühlt, als ob er sich in alle Richtungen ausdehnen würde. Die drei hier abgebildeten Arbeiten befinden sich in der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Micro: Januar 2012
Zur Kreierung der Micro-Kollektion fokussierte Iris van Herpen auf die Welt der Mikroorganismen und ließ sich von der außergewöhnlichen Arbeit des wissenschaftlichen Fotografen Steve Gschmeissner inspirieren, der ein Rasterelektronenmikroskop benutzt, um die unglaubliche Schönheit dieser Parallelwelt herauszustellen. Die Entwürfe in dieser Kollektion spiegeln van Herpens Wunsch wider, eine Realität sichtbar zu machen, die uns jeden Tag umgibt, aber normalerweise verborgen bleibt (wie dies auch mit digitaler Information in der Kollektion "Radiation Invasion" der Fall war). Van Herpen war fasziniert von Gschmeissners Mikrophotographien und davon, dass die winzigen Wesen, die sie darstellen, so nah an unserer Haut sind, wir aber so wenig über sie wissen. Dies brachte sie dazu, eine Kollektion zu entwerfen, die Handwerk und Technologie kombiniert. Die Ergebnisse sind verblüffend: Skulpturen, deren Formen auf Zellstrukturen, Plasma und Tentakeln verweisen. Eigentümliche Wülste, gepanzerte Formen und Schuppen lassen den Betrachter nicht nur vermuten, was sie sind und woher sie kommen, sondern laden auch ein, über die Entwicklung mikroskopischer Formen nachzudenken. Die drei hier abgebildeten Arbeiten befinden sich in der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Hybrid Holism: Juli 2012
Die Arbeit des kanadischen Architekten und Künstlers Philip Beesley diente als Inspiration für van Herpens Kollektion "Hybrid Holism. Der Hylozoismus ist der alte Glaube, dass alle Dinge in gewisser Weise lebendig sind. Auf dieser Idee aufbauend atmet Beesleys scheinbar lebendige Umgebung, verschiebt sich und bewegt sich als Reaktion auf die Menschen, die durch sie hindurchgehen, sie berühren und spüren. Er integrierte Mikroprozessoren, um der Umgebung eine primitive oder insektenähnliche Intelligenz wie die eines Korallenriffs oder eines großen Schwarms zu geben. Solche Arbeiten lassen vermuten, dass Städte in Zukunft wie Lebewesen funktionieren könnten. Fasziniert von der Möglichkeit, halblebendige Systeme zu konstruieren, dachte sich van Herpen eine neue Form der Mode aus, in der Entwürfe wachsen, sich entwickeln und sogar unabhängig von uns existieren können. In einer Kultur, in der unmodern gewordene Entwürfe häufig ausgesondert werden, stellte van Herpen die These auf, dass Kleidung und Objekte sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln und verwandeln könnten. Mit einer Kombination von akribischer Handwerkskunst und modernster Technik, einschließlich von 3-D-Druck, übersetzte van Herpen diese futuristische Vision in eine hinsichtlich von Form, Struktur und Materialien hochkomplexe und unglaublich vielfältige Kollektion. Zwei der hier abgebildeten Arbeiten befinden sich im Besitz der Modeschöpferin und eine in der Sammlung des High Museum of Art, Atlanta.
Voltage: Januar 2013
Iris van Herpen erforscht in ihrer Voltage-Kollektion die Elektrizität des Körpers. Die Arbeiten des neuseeländischen Experimentalisten Carlos Van Camp, der mit Instrumenten von extremer Hochspannung (Tesla-Spulen) choreografiert, die durch die Bewegungen des Performers interagieren, spielten bei der Entwicklung dieser Kollektion eine wichtige Rolle. Van Herpen nutzte modernste Technologien um Stücke zu kreieren, die sowohl Schönheit als auch Gefahr heraufbeschwören. Ihre Entwürfe versuchen sowohl die unberechenbare Bewegung als auch die transformative Kraft der Elektrizität darzustellen. Van Herpen, der nachgesagt wird, dass ihr Modeansatz dem eines Alchemisten gleicht, geht gerne ständig neue Kollaborationen mit Künstlern, Architekten und Forschern ein und verschmilzt deren wissenschaftliche Erkenntnisse mit ihrer eigenen Vision. Van Herpen teilt die Faszination des kanadischen Architekten Philip Beesley für neue Materialien und unterhält mit ihm eine kontinuierliche Zusammenarbeit, um sich Entwürfe auszudenken, die auf die Energien ihrer Umgebung reagieren. Sie interessierten sich dafür, wie Chemie und Elektrizität bewirken können, dass Strukturen ihre Form ändern und zusammen mehrere 3-D-Stoffe entwickelten, die mittels dynamischer Vibration auf die Bewegungen des Körpers der Trägerin reagieren. Die drei hier abgebildeten Arbeiten befinden sich im Besitz der Modeschöpferin.
Wilderness Embodied: Juli 2013
Die mächtigen, ungezügelten Naturgewalten waren der Ansatzpunkt für Wilderness Embodied. Diese Sammlung erkundet Beispiele, in denen sich die wilden Naturgewalten in oder auf dem Körper manifestieren. Van Herpen sieht die rituellen und transformativen Qualitäten von Piercings, Skarifizierung und Chirurgie als Beispiele, die die Wildheit (Wildnis) der menschlichen Form unterstreichen. Mit der Gegenüberstellung von traditioneller Handwerkskunst und technologischer Innovation erinnern van Herpens Entwürfe an komplexe natürliche Formen, die aus dem Körper hervortreten und sogar von ihm Besitz ergreifen. Der kanadische Künstler David Altmejd, dessen hybride humanoide Figuren und Umgebungen das Interesse van Herpens an der Verschmelzung von Natur und Kultur widerspiegeln, war eine wichtige Inspiration für ihre Entwürfe. Für diese Kollektion arbeitete van Herpen mit dem niederländischen Künstler Jólan van der Wiel zusammen, der oft mit unorthodoxen Materialien und Techniken arbeitet, die die Naturgewalten in seine Entwürfe bringen. Seine Verwendung von Magnetismus, um schrittweise eine Reihe von "Gravity Stools" "wachsen" zu lassen, inspirierte die beiden Designer, Kleider zu kreieren, deren Krater-Topographie durch die Phänomene von Anziehung und Abstoßung erzeugt wird. Zwei der hier abgebildeten Arbeiten befinden sich im Besitz des Modeschöpferin und eines in der Sammlung des Groninger Museums, Niederlande.
Biopiracy: März 2014
In einem Zeitalter, in dem es möglich geworden ist, Patente für unsere Gene zu erwerben, verschwimmen die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem zunehmend. Die Biopiracy Kollektion von Iris van Herpen erkundet körperliche Unversehrtheit, Individualität und Autonomie und stellt die grundlegende Frage: Sind wir noch die alleinigen Eigentümer unserer Körper? Zusammen mit dem Künstler Lawrence Malstaf, der sich auf die Interaktion zwischen Biologie und Körperlichkeit spezialisiert hat, hat van Herpen eine ihrer schockierendsten Modeschauen geschaffen. In zwischen Schichten von transparentem PVC vakuumverpackte Models erscheinen embryonal, während sie in einer meditativen, unterbrochenen Animation schweben. In das Kleidungsstück eingearbeitete kostbare Elemente wie geblasene Feueropalperlen, die sich zum Teil dem Blick entziehen, sorgen für Individualität und Luxus. Ein lichtdurchlässiges schwarzes Halo-Kleid aus handgeblasenen Glaskugeln umstrahlt den Körper wie ein Halo. Ein weiteres Kleid, das van Herpen in Zusammenarbeit mit Julia Koerner entworfen hat, vermittelt den Eindruck von kinetischer Energie. Dabei brachte die Verschmelzung von Handwerk und Technik ein 3-D-gedrucktes Kleid hervor, das zu tanzen und die Bewegung der Trägerin zu verstärken scheint. Nach dem Druck wurde das Kleid mit Silikon beschichtet, um ein weiches, geschmeidig aussehendes Finish zu kreieren. Zwei der hier abgebildeten Arbeiten befinden sich im Besitz der Modeschöpferin und das dritte in der Sammlung des Phoenix Art Museums.
Magnetic Motion: September 2014
Anfang 2014 besuchten Iris van Herpen und Philip Beesley CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung, um den Großen Hadronen-Speicherring zu sehen, dessen Magnetfeld 100.000 Mal stärker als das der Erde ist. Van Herpen war von diesem Zusammenspiel magnetischer Kräfte fasziniert und sagte: "Ich finde Schönheit in der ständigen Gestaltung von Chaos, das so klar die Urgewalt der Natur verkörpert." Van Herpens geschichtete, dreidimensionalen Strukturen - die innovative Techniken wie den 3-D-Druck mit komplexer Handarbeit kombinieren - erkunden die dynamischen Kräfte von Anziehung und Abstoßung. Van Herpen arbeitete mit Beesley zusammen, um leuchtende, dreidimensionale Textilien zu schaffen, die winzige Gewebe aus lasergeschnittenem Acryl enthalten, die die Bewegungen des Körpers wiederholen. In der ganzen Kollektion kontrastiert die kontrollierte Struktur der Kleidung, wie beispielsweise die eines kristallinen 3-D-gedruckten Kleides, mit Accessoires mit individuellen, sogar chaotischen Formen. Van Herpen arbeitete mit dem Künstler Jólan van der Wiel zusammen, um eine Reihe von Schuhen zu kreieren; sie verwendeten dabei die gleiche Technik magnetischen Wachstums wie bei ihrer Zusammenarbeit bei Wilderness Embodied. Zwei der hier abgebildeten Arbeiten befinden sich im Besitz der Modeschöpferin und eine in der Sammlung des High Museum of Art, Atlanta.
Hacking Infinity: März 2015
Hacking Infinity erkundet die Idee des Terraforming: die erdähnliche Umformung der Oberfläche eines anderen Planeten. Diese Kollektion handelt von der Möglichkeit neuer Geographien und unseres Platzes in ihnen. Van Herpen benutzte den Kreis - die Form der Planetenkörper und ein Symbol für Unendlichkeit - als formalen Ausgangspunkt für Silhouette und Schnitt ihrer Kollektion. Van Herpen erweitert die ganze Kollektion hindurch die Grenzen des menschlichen Körpers durch die Schaffung synthetischer Terrains und neuer Gewebe. Sie entwickelte einen leichten, lichtdurchlässigen Stoff, der durch Zusammenweben winziger Fäden aus rostfreiem Stahl gefertigt wurde. Jedes Kleidungsstück wurde von Hand poliert um dem Stoff aus Stahl einen nebligen Farbschimmer zu geben. Der heiße Stoff wurde dann in eine als Plissee bezeichnete Fächerform gefaltet, um den Körper zu konturieren und wiederzugeben. Dabei setzt van Herpen ihre Erkundung der Dreidimensionalität fort und kreiert innovative, voluminöse Textilien wie ein halo-artiges Maschenwerk aus flexiblem, lasergeschnittenem Acryl das mit Leder, Seide und Kristallen kombiniert ist. Bei einem anderen Entwurf umhüllen lichtdurchlässige, 3-D-gedruckte Mineralien den Körper innerhalb einer kristallinen Topographie. Die drei hier abgebildeten Arbeiten befinden sich im Besitz der Modeschöpferin.
Mitwirkende: Geschichte

Nachweise

High Museum of Art

Atlanta, GA
Alle Arbeiten sind von Iris van Herpen entworfen und geschaffen worden. Bei einzelnen Arbeiten sind falls zutreffend Mitarbeiter - Personen oder Unternehmen - aufgeführt.

"Iris van Herpen: Transforming Fashion" wird zusammen vom High Museum of Art, Atlanta, und dem Groninger Museum, Niederlande, veranstaltet. Kuratoren der Ausstellung waren Sarah Schleuning, High Museum of Art, und Mark Wilson sowie Sue-an van der Zijpp, Groninger Museum.

Fotografien von Bart Oomes, No 6 Studios.

Quelle: Alle Medien
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