1650 bis 2000

Kleidermode im Wandel gesellschaftlicher Konventionen

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Textilerzeugnisse und europäische Kleidungsgewohnheiten in Bildwerken sowie Objekten aus der Textilsammlung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Mit Sitz in den historischen Räumen des Oldenburger Schlosses vermittelt das Landesmuseum nicht nur die Residenzgeschichte der einstigen Großherzöge von Oldenburg. Auch umfasst die Sammlung eine große Zahl an Kunstwerken aus ehemaligem Großherzoglichen Besitz sowie kulturgeschichtliche und kunstgewerbliche Bestände.
Die Textilsammlung im Landesmuseum
Das 1923 eröffnete Landesmuseum beherbergt unter anderem eine Textilsammlung, die bereits auf ein früheres Kunstgewerbemuseum in Oldenburg zurückgeht, das 1888 eröffnet und 1914 kriegsbedingt wieder geschlossen wurde. Der Beginn der Textilsammlung geht auf eine private Sammlung von Stoffmustern zurück, welche die Museumsträger 1889 vom Frankfurter Bildhauer Jakob Kraut erwarben. Auch die Oldenburger Großherzogin Elisabeth (1826–1896) beteiligte sich großzügig an Zuwendungen an das Museum aus dem textilen Bereich. In den folgenden Jahren wurden die Einzelmuster durch vollständig erhaltene Kleidung aus der Zeit zwischen 1750 bis 1900 ergänzt. Heute zählt die weitgehend magazinierte Sammlung „zu den umfangreichsten und bedeutendsten ihrer Art im nordwestdeutschen Raum“ (Siglinde Killisch). Sie umfasst neben der historischen Mustersammlung Kleidung, Accessoires sowie Häkel- und Klöppelspitzen.

Die weiße, gestärkte Haube, die in Mittelalter und früher Neuzeit von verheirateten Frauen getragen wurde, verdeckt vollständig das Haar der Cornelia Sandrin. Vermutlich entstand das Portrait anlässlich der Hochzeit mit dem Antwerpener Juristen Petrus Aegidius. Das filigrane Muster auf dem weißen Leinen ist nur bei genauem Hinsehen zu erkennen.

Die Textilsammlung im Landesmuseum
In die Dauerausstellung zur oldenburgischen Landesgeschichte im Oldenburger Schloss – dem Hauptgebäude des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg – ist eine Reihe von bedeutenden oder auch einfach nur zeittypischen Kleidergarnituren eingegangen. Das Totengewand des Grafen Anton Günther von Oldenburg (1583–1667) ist zweifellos als ältestes und fast komplett erhaltenes Kleidungsensemble das bemerkenswerteste Objekt: Es handelt sich jedoch nicht, wie der Name denken lässt, um ein speziell für den verstorbenen Oldenburger Herrscher angefertigtes Totengewand, sondern um gewöhnliche Alltagskleidung, in die der Graf nach seinem Tod zur öffentlichen Aufbahrung und Bestattung gewandet wurde. Die außerordentlich hohe Qualität der verwendeten Seidenstoffe ist für den sehr guten Erhaltungszustand verantwortlich. Das Gewand wurde 1938 bei Öffnung der gräflichen Grablege in der Oldenburger Lambertikirche geborgen und von der lokalen Denkmalpflege dem Museum übereignet. Gut erhaltene Kleidung aus dem 17. Jahrhundert ist sehr selten und stammt zumeist aus Gräbern.

Hersteller der Gewänder des beigesetzten Grafen könnte der Oldenburger Hofschneider Michel Semen (Michael Seemann) gewesen sein, der seine Stoffe gern aus Amsterdam und Paris bezog. Die Rückennähte bei Mantel und Wams sind in ganzer Länge geöffnet. So waren schleifengeschlossene Rückenteile eine Spezialität der Herrenmode etwa zwischen 1620 und 1660.

Die Textilsammlung im Landesmuseum
Aus dem 18. und dem 19. Jahrhundert verfügt das Museum über bürgerliche Kleidung, die sich meist lange in Familienbesitz befand und später dem Museum geschenkt wurde. Drei Ausstellungen zu den 1950er, den 1960er und den 1970er Jahren gaben Anlass, öffentlich um Leihgaben zeittypischer und noch gut erhaltener Kleidung aus jenen Jahrzehnten zu bitten. Daraus resultierte eine Reihe von generösen Schenkungen, denen das Landesmuseum mittlerweile einen repräsentativen Bestand an Modeartikeln des späteren 20. Jahrhunderts verdankt. Gegenwärtig liegt ein verstärktes Interesse an entsprechenden Objekten aus den 1980er Jahren. Über Kleidung hinaus ist jedoch auch die Materialsammlung von Spitzen und Stoffmustern beachtenswert. Die frühesten Objekte sind koptisch und stammen aus dem Ägypten des Frühen Christentums. Ein Schwerpunkt liegt auf Mustern des 17. und 18. Jahrhunderts. In der sogenannten Zeit des Historismus (ungefähr 1848 bis 1900) wurden diese Objekte gesammelt, weil sie als Vorbilder für zeitgenössische, an historischen Modellen orientierte Textilien dienen sollten.

Strahlend weiß leuchtet die üppige Halskrause aus dem dunklen Bild heraus und korrespondiert mit den aparten Spitzenärmeln, die unter dem schwarzen Gewand hervorstechen. Der damaligen Herrenmode entsprechend trägt der Portraitierte eine Schärpe oder einen Mantel über den Bauch gerafft.

Durch die aufwendige und motivisch vielfältige Herstellung avancierten derartige Fächer zum gesellschaftlichen Statussymbol und modischen Accessoire der Damen. Das zentrale Motiv des hier gezeigten Fächers bildet ein Farbdruck auf Seidenatlas mit der Darstellung "Cornelia, die Mutter der Gracchen" nach dem Gemälde von Angelika Kauffmann, flankiert von antikisierenden Vasen mit plastischem Schmuck und alten gorischen Figuren in Wedgwoodmanier.

Das Manteau-Kleid, bis 1788 in verschiedenen modischen Erscheinungsformen wichtiger Bestandteil höfischer Kleidung, wurde auch in vornehmen bürgerlichen Kreisen getragen. Das hier vorgestellte Kleid städtisch-bürgerlicher Herkunft ist im Stil einer "robe à l'anglaise" gearbeitet.

Bei dieser um 1770 vom wirtschaftlich tätigen englischen Landadel kreierten Variante des französischen Manteau-Kleides deuten sich bereits die Befreiungswünsche von der einengenden traditionellen Kleidung des 18. Jahrhunderts an. So behielt man bei der "robe à l'anglaise" etwa die Schnürbrust bei, jedoch verzichtete man aus Gründen der Bequemlichkeit auf den ausladenden Reifrock. Stattdessen sorgten Hüftpolster oder mehrlagige Unterröcke für die körperästhetische Modellierung des Gewands. Ursprünglich könnte diese Robe wohl als Hochzeitskleid gedacht worden sein.

Als sichtbares Bekenntnis zu den Zielen der Französischen Revolution wurde in Frankreich ab 1789 die Kokarde in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot getragen. Von 1793 bis 1800 mussten auch Frauen sie tragen. Diese Kokarde gehörte vermutlich einst dem Oldenburger Herzog Peter Friedrich Ludwig. Vielleicht hat sie der Justizrat und führende Kopf der oldenburgischen Aufklärung Anton von Halem 1790 aus Paris mitgebracht.

Das hier vorgestellte Kostümensemble stammt aus dem Oldenburger Staatstheater und besteht aus einer originalen, sog. Courschleppe der Großherzogin Caecilie von Oldenburg (1807–1844), einem anlässlich einer Operettenaufführung im Jahr 1991/92 angefertigten Seidenkleid sowie einem separat an die Schleppe angenähten Miederteil.

Die Schleppe gelangte in den 1950er Jahren in den Kostümfundus des Oldenburger Staatstheaters. Sie gehörte ursprünglich der Schauspielerin Annemaria Korf, die sie von einem Mitglied der herzoglichen Familie erhalten haben soll. Die Schauspielerin und Sängerin Elisabeth-Maria Wachutka trug die Schleppe in ihrer Rolle als Anna Elisa in der Operette „Paganini“ nach der Musik von Franz Lehar, welche in der Spielzeit 1991/92 im Staatstheater aufgeführt wurde. Zu diesem Anlass wurde auch das Seidenkleid sowie das an die Schleppe genähte Mieder angefertigt.

Es handelt sich um ein einteiliges Damenkleid mit dekorativem Spitzenüberwurf auf cremefarbenem Seidenunterkleid. Das hochgeschlossene, blusenartige Oberteil weist reichhaltige Verzierung auf. Das Kleid stammt von Gut Loy bei Rastede. Die einstige Besitzerin und Trägerin des Kleides war Alma Funch, geb. de Cousser.

In seinem Stil vor allem von Tizian und Rubens beeinflusst, zählt Hans Makart zu den wichtigsten Portraitisten des Wiener Großbürgertums der Gründerzeit. Ausladende Sinnlichkeit sowie starkes Pathos in opulenten Dekor-Inszenierungen kennzeichnen seine Werke.

„In jene Zeit auch fiel es, daß ich ihm [Hans Makart] zu allem möglichen saß, was ihm durch den Kopf ging: bald sollte es eine griechische Bacchantin (…) – bald eine Venezianer Dogin“ sein, erinnert sich Helene von Racowitza in ihrer Autobiografie lebhaft an die Sitzungen bei Hans Makart, der seine Modelle häufig in historisierende Gewänder kleidete.

Die fließend herabfallende, bevorzugt in leichter Baumwolle gefertigte Chemise (so bezeichnet aufgrund ihres hemdartigen Schnitts) wurde mit Unterrock oder einem Unterkleid getragen. Die neue, leichte Kleidung wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts in England kreiert und orientierte sich an antiken
Vorbildern (Mode à la grecque). Anstelle von Künstlichkeit in Form von Korsett und Reifrock traten nun die im Zuge der Aufklärung und der Wiederentdeckung der klassischen Antike propagierten Ideale von
Einfachheit, Bequemlichkeit und Natürlichkeit.

Das Gemälde des vom Jugendstil beeinflussten Oldenburger Künstlers Hugo Duphorn zeigt dessen Frau am Teich vom Rastede im Reformkleid. Ohne Korsett und andere einengende Partien ermöglichte es der Trägerin, sich freier zu bewegen. Die Entstehung des Reformkleids geht mit einem politisch-gesellschaftlichen sowie emanzipatorischen Wandel einher, der sich auch in der Kunst dieser Zeit widerspiegelt.

Die Chemise prägte von 1795 bis um 1815/20 im wesentlichen Maße das europäische Modebild. Bei dieser Chemise handelt es sich um ein spätes, betont schlichtes Beispiel dieses Kleidertypus. Die für die Chemise typischen kurzen Ärmel sind hier durch lange, enge Ärmel ersetzt worden. Das kaum dekolletierte Kleid ist mit einem kleinen Schnürleibchen ausgestattet.

Neben der sich durchsetzenden Erkenntnis, dass eine kühle und feuchte Witterung einer angemessen Kleidung bedarf, zeichnete sich mit der Tendenz der Verhüllung eine neue Kleiderlinie ab, die nach 1810 mit der zunehmenden Versteifung der Kleiderform und der Wiedereinführung des Korsetts erneut zu Zwängen in der weiblichen Bekleidung führte. Getragen wurde diese Chemise von einem jungen Mädchen, was ihre äußerst zierliche Form und die zurückhaltende Dekolletierung erklärt.

Dieser Rock war gewissermaßen die Berufskleidung Oldenburger Hofchargen und hoher Beamter, wenn sie vor ihren Landesherrn traten. Das Stück wurde für den Vorsitzenden des Staatsministeriums, Hofrat Friedrich Julius Ruhstrat (1854–1916), nach Maß angefertigt, konnte jedoch von seinem Besitzer nicht mehr getragen werden.

Stattdessen landete es nach der Revolution von 1918 im Fundus des Oldenburgischen Staatstheaters. Allerdings hat kein Schauspieler diesen Hofrock je getragen, denn die Knöpfe weisen zum Teil noch originale Schutzpapiere auf.

Während des Ersten Weltkriegs war Heinrich Vogeler, Jugendstilmaler und Gründer des Worpsweder Barkenhoffs, als Nachrichtenoffizier an der Ostfront stationiert. Im August 1915 gelangte er während seines Einsatzes auch nach Dolina, einem Ort in den Vorkarpaten, der heute zum westlichen Teil der Ukraine gehört und fertigte einige farbige Detailstudien der galizischen Bevölkerung an. In dem Mappenwerk „Aus dem Osten“ veröffentlichte Vogeler seine Eindrücke bereits 1916.

Die britische Modeschöpferin Mary Quant führte den Minirock in den 1960er Jahren wieder in die Modewelt ein. Schnell avancierte der Mary Quant-Look zum Markenzeichen einer Generation. Das hier gezeigte Minikleid wurde ab 1969 von einer jungen Lehrerin in ihrer Oldenburger Realschule getragen.

Zu den gesellschaftlichen Umwälzungen der Zwischenkriegszeit gehörte auch die Emanzipation der Frau und die Entwicklung eines neuen, selbstbewussten, bisweilen androgynen Frauenbildes, das in der Zeit der Weimarer Republik zu einem beliebten Thema von Malerei, Grafik und Fotografie wurde. Zeittypisch zeigt Willy Jaeckels Damenbildnis die ‚Neue Frau’ – in modischer Kleidung und Kurzhaarschnitt. Jaeckel war 1928 auch in der Ausstellung „Das moderne Frauenbildnis“ der Berliner Galerie Gurlitt vertreten und errang den hochdotierten Preis für „das bestgemalte Frauenbildnis des Jahres 1928“. In der Begründung der Jury hieß es dazu, dass in Jaeckels Bild „ein ausgeprägter Typus der modernen Frau mit allen künstlerischen Mitteln am stärksten zum Ausdruck gekommen sei“.

Eine faszinierende Serie im Werk August Mackes bilden die ab 1913 entstandenen ‚Schaufensterbilder‘. Mit ihnen wandelte Macke das Motiv des Spaziergangs ab, das zu seinen zentralen Themen gehörte. Einen Moment des Verweilens fängt der Künstler auch in der am Thuner See entstandenen Kohlzeichnung „Modegeschäft am Hafen“ ein: Hier betrachtet eine elegant gekleidete Dame versunken die Auslagen eines Hutgeschäfts.

Das Kleid vereinigt Stoffproben aus verschiedenen europäischen Ländern, die für die einzelnen Länder charakteristisch sind. Dies ist die Umsetzung der Idee: Wie könnte die Europäerin gekleidet sein, um außerhalb Europas als Europäerin erkannt zu werden?

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Mitwirkende: Geschichte

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Quelle: Alle Medien
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