Erfahre mehr über Kaufmannswesen und Hanseatischen Handel.

Das Kaufmannswesen
Im Mittelalter noch reisten die Kaufleute meist mit ihrer Ware. Im 15. Jahrhundert beginnt sich das Kaufmannswesen zu verändern: Die Schiffe konnten wesentlich mehr Waren transportieren, häufig besaß ein Kaufmann mehr als ein Schiff oder war über Handelspartnerschaften an mehreren Schiffen beteiligt, so dass er immer seltener bei jeder Transaktion selbst dabei sein konnte. Seit dem 14. Jahrhundert finden sich sogenannte Kontore in Hamburg, also Niederlassungen von ursprünglich hanseatischen Kaufleuten in den verschiedenen Hafenstädten.

Starb ein Kaufmann, Bankier oder Geldwechsler, war es nicht selten seine Witwe oder eine der Töchter, die das Unternehmen weiterführten. Das Bild stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Gemalt wurde es von Jurian Jacobsz, einem in Hamburg geborenen Maler, der in Holland Karriere machte. Eine ältere Frau ist zu sehen, die Goldmünzen zählt und wiegt.

Im Gegensatz zu den Silbermünzen, die meist nur in einer bestimmten Region oder in einer bestimmten Stadt gültig waren, benutzte man Goldmünzen vor allem für große Zahlungen im internationalen Handel. Jede Goldmünze hatte einen hohen Wert. Das richtige Gewicht der einzelnen Münzen zu kontrollieren war deshalb wichtig, weil besonders Goldmünzen häufig am Rand beschnitten oder auch gefälscht wurden.

Gerechnet wurde damals noch nicht mit den uns geläufigen arabischen Ziffern, sondern mit römischen Zahlzeichen. Dafür benötigte man ein Liniensystem, das verschiedene Werte bezeichnete und auf dem mit eigenen Rechenpfennigen gerechnet wurde.

Die im Museum präsentierte Kaufmannsdiele ist eine zweistöckige Rekonstruktion des für die in Hamburg, Bremen oder Lübeck ansässigen Fernhandelsleute speziellen Gebäudetyps. Sie diente bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wohlhabenden Kaufleuten und ihren Bediensteten als Wohnhaus, Arbeitsstätte und Lager in einem. Nach dem Verlust fast aller originaler Kaufmannshäuser vermittelt sie uns heute einen Eindruck von der großbürgerlichen Lebens- und Wohnkultur der Zeit zwischen 1650 und 1700.

Seht euch in der Kaufmannsdiele um!

Schiffswrack von Hamburg, Wittenbergen
Wo Kriege sind, lässt sich Geld verdienen – das war um 1600 nicht anders als heute. Damals erkämpften die Niederlande ihre Unabhängigkeit von der spanischen Krone. Über das neutrale Hamburg wurden Kriegsmaterialien und Lebensmittel gehandelt. Niederländische Schiffe patrouillierten in der Elbe und versuchten Waffenschmuggler auf dem Weg nach Spanien abzufangen. Die Schiffsladung dieses vor fast 400 Jahren gesunkenen Schiffs konnte zu einem großen Teil geborgen werden, dennoch hüten die Fundstücke das Geheimnis ihres Untergangs.

Die Schiffszimmermannswerkzeuge der Seeleute, die Handelsware mit unbekanntem Empfänger - Schalen und Messerklingen aus Süddeutschland - und die Waffen, die wahrscheinlich als Schmuggelware den Anlass für das Versenken des Schiffes gaben, wurden im Schiffswrack gefunden. Auch ein Kaufmann muss mit an Bord gewesen sein, worauf die Siegelstempel und Rechenpfennige hinweisen.

Das alles wurde im Schiffswrack gefunden!

Handelsmetropole Hamburg
Politisch und wirtschaftlich nahm Hamburg im 17. Jahrhundert einen ungeheuren Aufschwung. Schon seit der Mitte des 16. Jahrhunderts wirkte sich eine allgemeine Belebung der Nordseeschifffahrt aus, Hamburg erschloss sich allerdings auch ganz neue Fahrtgebiete. Die Schiffe fuhren nunmehr direkt England, die Niederlande, Portugal und Spanien an und bereisten alle Häfen des Mittelmeeres. Der Handel brachte großen Reichtum nach Hamburg.

Die Hamburger Konvoischiffe dieser Zeit sind an Eleganz kaum zu überbieten. Die großen Kriegsschiffe, die sich Hamburg im 17. und 18. Jahrhundert zum Schutz der Handelsschiffe leistete, waren furchteinflößend, in Konstruktion und Bewaffnung brauchten sie den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Gleichzeitig waren sie somit auch Sinnbild für ein selbstbewusstes Gemeinwesen, das wehrhaften Schutz mit Repräsentation verband.

Für die Wapen von Hamburg III, die 1722 vom Stapel lief, war der Hamburger Admiralität und Kaufmannschaft kein Aufwand zu groß. Die Wapen von Hamburg III orientiert sich an englischen Konstruktionsmustern ihrer Zeit. Wer durch die Heckfenster des Modells schaut, kann sehen, dass auch das Schiffsinnere opulent ausgestattet wurde.

Wenn wir heute von „Schwimmenden Barockpalästen“ sprechen, hat das durchaus einen realen Hintergrund, denn auf den Fahrten nach Cádiz und Lissabon gab der die Wapen von Hamburg kommandierende Kapitän Martin Tamm an Bord zahlreiche Empfänge und Festessen. Einflussreiche Militärs, Diplomaten und Gouverneure gingen hier ein und aus.

Walfang

Grönlandfahrt hieß die gefährliche Arbeit im Polarmeer, wo in den Sommermonaten Wale getötet wurden. Teile ihrer Körper verarbeitete man später an Land zu Tran, Öl und Fischbein. In Hamburg begann die große Zeit des Walfangs 1644 mit einem Fang-Privileg. Wer sich geschickt anstellte, konnte schnell viel Geld verdienen. Auf diesem Gemälde von 1680, also aus der Hochzeit des hamburgischen Walfangs, sieht die gefährliche Arbeit harmlos aus. Doch häufig wandte sich das bedrängte Tier gegen seine Verfolger. Ein Schlag mit der gewaltigen Schwanzflosse konnte die leichten Boote zum Kentern bringen oder sie gar zerschmettern.

War ein Wal erlegt, begann längsseits des Walfangschiffes die Verwertung des Kadavers. Ein Teil der Besatzung stieg hinunter auf das Tier und schnitt die Speckschicht mit großen Stilmessern ab. Der Speck wurde in Fässer verpackt und später an Land zu Tran ausgekocht, den man zum Brennen von Funzeln verwendete, die jahrhundertelang großen Teilen der Hamburger Bevölkerung als Lichtquelle dienten.

Das fächerförmige Walschulterblatt diente viele Jahre als Wirtshausschild und gaben der Hamburger Straße „Schulterblatt“ den Namen.

Im Zunftsaal im Museum für Hamburgische Geschichte ist nicht nur das Schulterblatt zu finden, sondern auch etliche andere spannende Objekte!

Piraten

Um die Handelsschiffe gegen Überfälle von Piraten zu sichern, schlossen sich die Hamburger Kaufleute zusammen und bauten schwer bewaffnete Fregatten als Begleitschutz. Ihr erstes Konvoischiff nannten sie „Leopold Primus“ nach dem damaligen Kaiser. Auf dem Gemälde vor uns sieht man das Schiff vor der Hamburger Stadtkulisse auf der Elbe liegen, gerahmt von zwei weiteren Großseglern. Der Blick auf die Stadt von der Elbe her ist typisch für Hamburger Stadtansichten ab der Mitte des 17. Jahrhunderts. Mit dieser Ansicht vom Wasser aus stellte sich Hamburg als reiche und wehrhafte Handelsstadt dar.

Im 17. und 18. Jahrhundert war die Schifffahrt von nordafrikanischen Piraten bedroht. Zwischen 1719 und 1747 gingen 50 hamburgische Schiffe verloren und 682 Seeleute wurden von den Seeräubern in die Sklaverei verkauft.
Mit bittend vor der Brust gefalteten Händen stehen die einfachen Matrosen als kleine Statuen da, auf die oft ein grausames Schicksal wartete.

Bereits 1622 wurde in Hamburg für die Kapitäne und Steuerleute eine Art Lösegeldversicherung eingerichtet, die so genannte "Casse der Stücke von Achten".

In sie zahlte jedes Mitglied vor Antritt einer Schiffsreise einen Betrag ein, um im Notfall von den Piraten freigekauft werden zu können. Für einfache Seeleute war dieser Beitrag jedoch unerschwinglich. Doch schon bald wurde auch für sie eine solche Versicherung, die Hamburger Sklavenkasse, gegründet.

Hier waren es vor allem Spenden, mit denen die Männer ausgelöst wurden. In den Kirchen standen die Spendenkisten mit diesen Figuren.

Das Hafengebiet vor dem großen Brand

So wie in diesem Modell sah Hamburg vor dem großen Brand von 1842 aus: eine frühindustrielle Hafenstadt, noch ohne Eisenbahn, dafür mit einem auf die Elbe vorverlagerten Hafen für die großen Hochseeschiffe. Die damals neuartigen Dampfschiffe erhielten aus Sicherheitsgründen elbabwärts eigene Landungsbrücken. Es gab im Hafen keine Kaimauern. Stattdessen machten die Schiffe an so genannten Duckdalben fest, das sind – meist mehrere - in den Hafengrund gerammte Eichenpfähle. Nicht nur am und im Wasser wuchs die Stadt. In ihrem Kern war sie noch durch die mittelalterlichen schmalen Gassen und engste Hinterhofbebauung geprägt, doch an ihren Rändern entstanden neue Wohngebiete. Auf dem Wandrahm, links von den Werftanlagen, ist die barocke Wohnbebauung zu sehen, die 40 Jahre später der heutigen Speicherstadt weichen musste.

In den Hamburger Werftanlagen wird zu Beginn der Industrialisierung noch meist von Hand gearbeitet. Auf dem Grasbrook entstehen neue Segelschiffe und mit zahlreichen Winden und viel Muskelkraft zog man marode Schiffe zur Reparatur an Land. Für diese arbeitsintensiven Tätigkeiten wurden neben den eigentlichen Schiffzimmerern auch viele ungelernte Arbeitskräfte benötigt.

Wie die Reeperbahn zu ihre Namen kam

Die knapp einen Kilometer lange Reeperbahn ist bis heute die bekannteste Straße im Hamburger Vergnügungsviertel St. Pauli. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ließen sich hier, auf freiem Feld vor den Toren zwischen Hamburg und Altona, Reepschläger, Taumacher und Seiler nieder. Ein „Reep“ bezeichnet in der Seefahrt ein Tau oder eine Trosse. Um ein solches Tau herzustellen, braucht es eine etwa 300m lange, gerade Bahn.

Auf den langen Seilerbahnen drehte man das Material dann zusammen, und zwar abwechselnd – und unter großer Spannung – links und rechts herum. Der Bedarf war tatsächlich groß: Ein einziges Segelschiff von circa 50 Metern Länge braucht in etwa 6.000 Meter Tauwerk verschiedener Stärken.

Mitwirkende: Geschichte

Projektkoordination und Umsetzung: Anna Symanczyk, Martina Fritz
Texte: SHMH
Fotos: SHMH

Quelle: Alle Medien
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