Archaeopteryx lithographica – das Berliner Exemplar des Urvogels

Museum für Naturkunde Berlin

Das Bindeglied zwischen Dinosauriern und Vögel

Das weltweit erste Fossil einer Feder wurde 1860 in einem Solnhofener Steinbruch gefunden. 1861 wurde es als Archaeopteryx – "Alte Feder, alter Flügel" – beschrieben.

Weitere umfangreichere Funde kamen wenig später hinzu. Da Archaeopteryx sowohl Merkmale der Dinosaurier als auch Vögel trägt, gilt der Fund als Bindeglied ("Missing Link") zwischen beiden Gruppen.

Die hier gezeigte Hauptplatte des Berliner Exemplars wird auch die "Mona Lisa" der Fossilien genannt. Seit dem Jahr 2007 ist sie dauerhaft im Museum für Naturkunde Berlin ausgestellt.

Fundgeschichte: Das „Berliner Exemplar“ von Archaeopteryx wurde zwischen 1874 und 1876 bei Eichstätt gefunden. Mit seinen deutlichen Federabdrücken und dem gut erhaltenen Schädel gilt es als das schönste und vollständigste Stück. Der ursprüngliche Finder tauschte seinen Fund für den Wert einer Kuh (ca. 150 Mark) bei einem Steinbruchbesitzer ein, welcher ihn für 2000 Mark an E.O. Häberlein verkaufte. Dieser präparierte die Platte und bot sie weltweit für 20 000 Mark an. Dieser für die damalige Zeit sehr hohe Betrag überstieg die finanziellen Möglichkeiten mehrerer Sammlungen. Schließlich erwarb Werner von Siemens (rechts) das Exemplar 1879 und übergab es als Leihgabe dem Museum der Humboldt-Universität zu Berlin. Zwei Jahre später konnte die Universität den Kaufpreis zurückzahlen und übernahm den "Berliner Archaeopteryx" damit endgültig in ihren Besitz.

Anders als moderne Vögel trägt Archaeopteryx keinen Schnabel, sondern Zähne.

Auffällig ist der stark nach hinten gekrümmte Hals. Dies wurde auch bei anderen Fossilien beobachtet. Wenn nach dem Tod eines Tieres Weichgewebe wie Sehnen oder Muskeln austrocknen, verkürzen sie sich und ziehen den Kopf in solch skurril anmutenden Positionen.

Der lange knöcherne Schwanz ist ein Dinosauriermerkmal, wohingegen die an jedem Schwanzwirbel ansetzenden Federn typisch für Vögel sind. Bei modernen Vögeln ist die Schwanzwirbelsäule stark verkürzt und zum Pygostyl zurückgebildet.

Während die langen asymmetrischen Flügelfedern, der verlängerte Unterarm und das Gabelbeins bereits an einen modernen Vogel erinnern, deuten die drei mit Krallen besetzten Finger auf die Verwandtschaft mit den Dinosauriern hin.

Unter modernen Vögeln tragen nur die Jungvögel des Hoatzin solche Krallen. Man nahm daher lange an, dass diese Vögel direkte Nachfahren des Archaeopteryx seien. Dies hat sich inzwischen jedoch als Irrtum herausgestellt

Die Gegenplatte des Berliner Exemplars ist aufgrund der schnellen Freilegung nur lückenhaft erhalten geblieben. Dennoch ist sie von unschätzbarem wissenschaftlichen Wert.

Wenn sie mehr über Archaeopteryx, Federn und Vogelflug erfahren wollen, schauen sie sich bitte auch unsere Online-Ausstellung "federflug — 150 Jahre Urvogel-Fund" an!

Mitwirkende: Geschichte

Fotos: Carola Radke, Hwa Ja Götz, Grafikdesign "Federflug": Nils Hoff (alle Museum für Naturkunde Berlin)
Text: Gregor Hagedorn, Alice Chodura
Kuratoren und wissenschaftliche Beratung: Dr. Daniela Schwarz, Dr. Sylke Frahnert, Museum für Naturkunde Berlin

© www.naturkundemuseum.berlin

Quelle: Alle Medien
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