23.06.2017 bis 07.01.2018

300 Jahre Freimaurer

Österreichische Nationalbibliothek

Das wahre Geheimnis

Die Anfänge in England
England um 1700: Das Land hatte eine lange Zeit der Glaubenskriege zwischen Katholiken und Protestanten und Machtkämpfe zwischen König und Parlament hinter sich. Zum Abbau der Feindseligkeiten trug eine neue Geselligkeitskultur bei, an der Bürger und liberale Adelige gleichermaßen teilhaben. Einer der neuen Begegnungsorte war durch besonders strenge Aufnahmeregeln gekennzeichnet: die Loge der Freimaurer. Rituale und Symbole wurden von den mittelalterlichen Steinmetzen (Masons) übernommen, die in Bauhütten (Lodges) organisiert waren. Der Überlieferung nach gründeten am 24. Juni 1717 vier Logen in London eine Großloge – der Gründungsakt der Freimaurerei.
Eine Idee breitet sich aus
In den 1730er-Jahren breitete sich die Freimaurerei auf dem Kontinent aus und passte sich dort den noch stark vom Adel geprägten Gesellschaften an. Es waren vor allem adelige Diplomaten, die in den Logen ihre Netzwerke ausbauten. Auch Franz Stephan, der zukünftige Gemahl von Maria Theresia, gehörte kurzfristig den Maurern an. Er wurde 1731 in Den Haag als Freimaurer aufgenommen und bald darauf in England zum Meister erhoben. Mehr weiß man nicht von seiner Laufbahn als Freimaurer. Aber die Engländer konnten nun einen mächtigen Thronanwärter zu den Ihren zählen.
Wolfgang Amadeus Mozart
Mozart trat im Jahre 1784 der Wiener Loge „Zur Wohltätigkeit“ bei, besuchte aber auch die Loge „Zur Wahren Eintracht". Er war von den Freimaurern derart begeistert, dass er auch Joseph Haydn und seinen Vater Leopold zum Eintritt in den Bund veranlasste. Mozart entfaltete ein beachtliches Engagement, sowohl in sozialer als auch in musikalischer Hinsicht und widmete eine Reihe seiner Werke den Freimaurern. Seine wohl berühmteste Oper, „Die Zauberflöte“, gehörte nicht dazu, wurde aber gerne im Zusammenhang mit der Freimaurerei interpretiert. Die in der Ausstellung gezeigten Kupferstiche aus dem Jahr 1794 sind die ältesten Szenenbilder der „Zauberflöte“, die sich erhalten haben.
„Hofmohr“ und Freimaurer
Angelo Soliman wurde als Kind in Afrika versklavt und nach Europa verschleppt. Er wurde Diener in Fürstenfamilien und stieg aufgrund seiner umfangreichen Sprachkenntnisse sogar zum Prinzenerzieher auf. Mit 60 Jahren fand Soliman Aufnahme in die Wiener Loge „Zur Wahren Eintracht“ und wurde nach vier Wochen in den Meistergrad erhoben. Seinem Dienstgeber Fürst Wenzel von Liechtenstein konnte er innerhalb der Loge als Bruder im Sinne zeremonieller Gleichheit begegnen, außerhalb der Loge galten jedoch weiterhin die strengen Standesunterschiede: Soliman ging stets zu Fuß hinter jener Kutsche, die den Fürsten zurück zum Palast brachte, in dem beide wohnten.
Arbeit im Verborgenen
1785 wurde das rasche Wachstum der Freimaurerei durch eine Verordnung von Joseph II. gestoppt, um den Wildwuchs an Alchemisten und Mystikern in den Reihen der Freimaurer einzubremsen. 1789 brach in Frankreich die Revolution aus, manche hielten Freimaurer für die Drahtzieher. In den 1790er Jahren wird die Freimaurerei in Österreich unter Kaiser Franz II. de facto eingestellt. Nach der Niederschlagung der Revolution 1848 blieb die Freimaurerei in den österreichischen Kronländern weiterhin verboten. Ungarn aber erhielt nach dem „Ausgleich“ von 1867 ein liberaleres Vereinsrecht. Hier durfte die Behörde keine Kontrollorgane zu Vereinssitzungen entsenden. Deshalb gründeten österreichische Freimaurer jenseits der Grenze in Sopron und Bratislava Logen, während sie in Wien nur „unpolitische Vereine“ betrieben.
Die neue Zeit
Nach dem Ersten Weltkrieg durften Freimaurer in Österreich wieder Logen gründen. Die Zahl der Mitglieder vervielfachte sich. Es war eine Zeit des Aufbruchs unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Zahlreiche Repräsentanten des „Roten Wien“ waren Freimaurer, obwohl die Sozialdemokratie den Freimaurern durchaus skeptisch gegenüber stand. Doch Politiker wie Julius Tandler und Ferdinand Hanusch sahen in ihren Projekten die Umsetzung alter Ideen des Freimaurerbundes – in der Kinderfürsorge ebenso wie im Kampf für Menschenrechte.
Die neue Zeit
Auch unter den Konservativen gab es bedeutende Freimaurer, wie etwa der langjährige Leiter der Nationalbibliothek, Josef Bick. In seiner Person vereinigten sich jedoch zahlreiche Widersprüche jener Zeit: So machte er sich in den 1920er-Jahren zwar um die internationale Ausrichtung der Bibliothek verdient (unter ihm wurde etwa das Esperantomuseum eröffnet), er war aber auch Mitgliedin der antimasonischen und antisemitischen „Deutschen Gemeinschaft“. 1921 wurde er in die Wiener Loge „Fortschritt“ aufgenommen, angeblich, um einigen Brüdern zu helfen, diese „judenrein“ zu machen.
Verboten und verfolgt
Auch die Gegner der Freimaurer ruhten in der Zwischenkriegszeit nicht. Sie machten diese für alle möglichen Katastrophen verantwortlich: die Oktoberrevolution, den Zusammenbruch der Monarchien, die Wirtschaftskrise. Die Gegner kamen verstärkt aus dem „völkischen“ Lager. Diese verfolgten die Freimaurerei vor allem deshalb, weil sie sie für „jüdisch unterwandert“ hielten.
„Der Mordprozeß gegen den Juden Bauer“
Im Frühjahr 1931 kam es zu einem aufsehenerregenden Mordprozess gegen den Kaufmann Gustav Bauer. In klerikalen und völkischen Zeitungen wurde behauptet, der Freispruch Bauers habe vor allem damit zu tun, dass es Verbindungen zu Freimaurern gebe. Der auf dem Plakat als Redner genannte Walter Riehl war eine Schlüsselfigur des frühen österreichischen Nationalsozialismus. Nach dem „Anschluss“ im Jahre 1938 wurden auch in Österreich Freimaurer durch die Nationalsozialisten verfolgt. Deportiert und ermordet wurden vor allem Juden und deklarierte Regimegegner unter ihnen.
Freimaurerei nach 1945
Das österreichische Kulturleben der Nachkriegszeit war von Nachwirkungen des Nationalsozialismus und einem konservativen Katholizismus geprägt. In diesem schwierigen Umfeld erlebte die Freimaurerei erneut eine Blütephase. Vor allem Schriftsteller, Journalisten, Schauspieler und Regisseure schlossen sich dem Bund an, um in den Logen jenseits von Parteiendünkel und Ideologien einander begegnen zu können. Besonders viele Freimaurer waren im neuen Medium Fernsehen tätig. Sie prägten es durch mutige Programme und innovative Sendeformate.
Freimaurerei nach 1945
Alexander Giese, der am ausgestellten Bild durch Schärpe, Bijoux, Schurz, weiße Handschuhe und den zweiköpfigen Hammer als Freimaurer erkennbar ist, war von 1975 bis 1987 Großmeister der Großloge von Österreich und stand bis zu seiner Pensionierung 1983 der Wissenschafts- und Bildungsabteilung des ORF-Fernsehens vor, wo er u. a. die Kulturberichterstattung forcierte.
Die Freimaurer - wer sind sie wirklich?
Durch ihre Rituale, ihre Symbole und die streng geregelte Aufnahme beflügeln die Freimaurer seit 300 Jahren die Fantasie. Ihre Gegner denunzieren sie als einen mächtigen Geheimbund, der international agiert und die Geschicke der Menschheit steuert. Tatsächlich ist die Freimaurerei eine der ältesten und bekanntesten Bruderschaften, die sich für ethische Werte und die Ziele der Aufklärung einsetzt. Sie ist fast weltweit vertreten, aber in verschiedene Systeme und Gruppierungen gespalten. Alleine in Österreich gibt es 78 Logen mit rund 3.500 Mitglieder.
"Das wahre Geheimnis" ab 23. Juni im Prunksaal
„300 Jahre Freimaurer“ erzählt die Geschichte dieser geheimnisvollen Bewegung in über 150 einzigartigen Exponaten aus nationalen und internationalen Sammlungen – ab 23. Juni 2017 im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek.
Österreichische Nationalbibliothek
Mitwirkende: Geschichte

Österreichische Nationalbibliothek
www.onb.ac.at

Quelle: Alle Medien
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