Kellers Insektengeschichten

Museum für Naturkunde Berlin

Die Insektenmodelle von Alfred Keller im Museum für Naturkunde

Einleitung
Insekten – nützlich, lästig, geheimnisvoll, beängstigend, wunderschön ... Weltmeister in unzähligen Kategorien. Aber meistens auch klein und schwer zu beobachten! Heute können wir in Filmen, REM-Fotos oder 3D-Modellen vieles dieser unsichtbaren Welt entdecken. Aber bereits zwischen 1930 und 1955 wurden zu diesem Zweck im Berliner Naturkundemuseen hervorragende wissenschaftliche Modelle erstellt.

Die besten Modelle schuf Alfred Keller, ein aufmerksamer Naturbeobachter, künstlerischer Handwerker und Erfinder neuer Modellierungsmethoden. In zum Teil jahrelanger Arbeit schuf er Werke, die nicht nur von faszinierender Ästhetik, sondern auch bis ins Detail wissenschaftlich korrekt sind. Die überlebenden, meist 30-40 cm großen Modelle können uns auch heute noch Geschichten aus der Welt der Insekten erzählen ...

Dieses Modell der Stubenfliege (Musca domestica) ist das Ergebnis von über einem Jahr Arbeit von Alfred Keller.

Die Stubenfliege gehört zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Die Vorderflügel (links) sind vollständig ausgebildet, die Hinterflügel hingegen zu Schwingkölbchen ("Halteren") reduziert. Sie können diese als helle Kölbchen in der unteren Mitte erkennen. Die Schwingkölbchen bewegen sich entgegengesetzt zu den Vorderflügeln und stabilisieren dadurch den Flug.

Die großen Komplexaugen bestehen aus jeweils ca. 4000 Einzelaugen (Ommatidien). Vorne befinden sich die kurzen Fühler, oben auf dem Kopf drei Punktaugen (Ocellen). Letztere sind bei den meisten Insekten vorhanden. Ihre Funktionen sind weiterhin nicht endgültig geklärt und ein aktives wissenschaftliches Forschungsfeld.

An den Füßen können Sie zwei Haftlappen sehen. Diese tragen eine große Zahl winziger Hafthaare, welche es den Fliegen ermöglichen, kopfüber oder an glatten Fensterscheiben zu laufen. Fliegen können übrigens mit den Füßen auch "schmecken"!

Weibliche Stubenfliegen legen bis zu 400 Eier in verfaulendes oder verwesendes organisches Material, welches die Nahrungsgrundlage der Larven bildet.

Die Larven schlüpfen nach 12-24 Stunden aus den Eiern und ernähren sich von verrottendem Material.

Nach zweimaligem Häuten der Larve bildet die Larve eine kleine dunkle Tönnchenpuppe. Nach 3–8 Tagen ist die Umwandlung (Metamorphose) von der Larve zur adulten Fliege abgeschlossen.

Modell einer Ahorn-Blattlaus (Drepanosiphum) mit Roter Gartenameise (Myrmica rubra). Blattläuse ernähren sich von Pflanzensäften, die sehr zuckerreich, aber eiweißarm sind. Die Läuse filtern daher die Eiweiße heraus und scheiden einen zuckerhaltigen "Honigtau" aus. Wenn unter Bäumen geparkte Autos überraschend verklebt sind: Es war nicht der Baum, sondern die Blattlaus! Honigtau ist gleichzeitig die wichtigste Kohlenhydratquelle vieler Ameisenarten. Hierbei hat sich eine Beziehung zum gegenseitigen Nutzen (mutualistische Symbiose) entwickelt: Ameisen beschützen die Blättläuse vor Fressfeinden wie z.B. Marienkäferlarven oder setzen sie auf neue Blätter und "melken" im Gegenzug den Honigtau, indem sie den Hinterleib der Blättläuse mit ihren Antennen bestreichen.

Eines der unglaublichsten Insekten der Welt ist die brasilianische Buckelzikade (Bocydium globulare). Sie ist in Wirklichkeit nur 6 mm groß und ernährt sich von Pflanzensäften. Bei Gefahr sind sie in der Lage, schnell wegzuspringen.

Das Halsschild der Buckelzikade hat skurril anmutende Auswüchse. Ihre Funktion ist bis heute nicht vollständig geklärt. Man vermutet eine Abschreckung der Fressfeinde oder eine tarnende Wirkung.

Ein erwachsener Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) mit einer Larve im Hintergrund. Der Kartoffelkäfer wurde 1922 aus Amerika nach Europa eingeschleppt. Larven und Käfer fressen die Kartoffelblätter und richten große Schäden in der Landwirtschaft an.

Sowohl die Nationalsozialisten als auch später die DDR-Führung beschuldigten die Amerikaner, sie hätten Kartoffelkäfer als biologische Waffe über Deutschland abgeworfen. Bertolt Brecht glaubte dies und dichtete: "Die Amiflieger fliegen, silbrig im Himmelszelt, Kartoffelkäfer liegen, in deutschem Feld." Tatsächlich gibt es jedoch keinerlei Belege dafür. Und es gibt viele Beispiele dafür, wie invasive Arten katastrophale Ernteausfälle ganz ohne die Hilfe von Flugzeugen erzeugen können. Die alte Propaganda hält sich aber hartnäckig: Wir sind wohl eher bereit an die Kraft des Krieges als die Kraft der Natur zu glauben!

Weibliche Stechmücke (Culex pipiens) in Flughaltung.

Nur weibliche Steckmücken saugen mit ihrem Stechrüssel Blut. Er besteht aus sechs Stechborsten, wovon zwei zum Bohren nach feinen Blutgefäßen dienen und die übrigen ein Rohrbündel bilden, um betäubenden Speichel einzuspritzen und Blut aufzusaugen.

Wie alle Wanzen, haben Beerenwanzen (Dolycoris baccarum), wenn sie aus dem Ei schlüpfen, bereits Wanzengestalt. Mit jeder ihrer fünf Häutungen nehmen die Larven immer mehr die Gestalt eines erwachsen, geschlechtsreifen Tieres (Imago) an.
Die Beerenwanzen saugen über einen Rüssel die Säfte von Früchten. Sie spritzen dabei auch Speichel ein, welcher die Früchte für den Menschen häufig ungenießbar macht.

Nur die erwachsenen Tiere haben vollständig ausgebildete Flügel.

Ein von Alfred Keller geschaffenes Modell des Kornkäfers (Sitophilus granarius) an einem Weizenkorn. Der Kornkäfer begleitet die Menschheit seit der Jungsteinzeit und ist einer der gefürchtetsten Vorratsschädlinge Europas.

An der Spitze des rüsselartig verlängerten Kopfes befinden sich die Mundwerkzeuge. Die Weibchen fressen damit winzige Löcher in Getreidekörner, legen ein Ei und verschließen die Stelle mit einem Sekret. Die Larven entwickeln sich vollständig innerhalb des Korns. Erst der fertige Käfer frisst sich seinen Weg aus dem ausgehöhlten Korn heraus.

Der Lebenszyklus der Mehlmotte (Ephestia kuehniella). Die Weibchen legen viele ...

... winzige Eier, aus welchen winzige Raupen schlüpfen, die nach einiger Zeit zu ...

... Mottenraupen in ansehlicher Größe werden und sich schließlich ...

... in Puppen verwandeln. Hier findet die Verwandlung (Metamorphose) zu dem erwachsenen Tier (der "Imago") statt.

Mehlmotten sind häufige Vorratschädlinge, deren Larven Getreideprodukte, Mehl, Getreideflocken, Nüsse und Sämereien befallen. Die Fraßgänge werden mit feinem Gespinst verklebt. Nach 40 Tagen verpuppt sich die Larve, nach weiteren 10 Tagen schlüpft der Falter, der keine Nahrung zu sich nimmt. (Modelle von Alfred Keller.)

Ein Menschenfloh (Pulex irritans). Diese flügellosen Insekten werden maximal 3 mm lang. Relativ zu ihrer Größe sind die von Flöhen erzielten Sprunghöhen (30 cm hoch und 50 cm weit) höchst erstaunlich. Auffällig ist der seitlich abgeflachte Körperbau, der die Fortbewegung zwischen den dicht stehenden Haaren erlaubt.
Aufgrund verbesserter hygienischer Bedingungen im Haushalt ist der Menschenfloh als blutsaugender Parasit des Menschen selten geworden. Man findet ihn jedoch weiter häufig bei Wild- und Haustieren. Flohstiche beim Menschen stammen übrigens häufig Tierflöhen, insbesondere dem Katzenfloh!

Insekten sind vermutlich die Organismengruppe mit den meisten Arten auf der Erde. Wenn wir sie einmal stark vergrößert beobachten können, erzählen sie uns eine Vielzahl faszinierender Geschichten.

Wir betrachten Alfred Keller sowohl als talentierten wissenschaftlichen Beobachter der Natur als auch als Künstler. Er arbeitete in enger Zusammenarbeit mit einem anderen Künstler - der Natur selbst.

Mitwirkende: Geschichte

Fotos: Carola Radke, Hwa Ja Götz (Museum für Naturkunde Berlin)
Text: Alice Chodura, Gregor Hagedorn (Museum für Naturkunde Berlin)
Mitarbeit: Dr. Johannes Frisch, Linda Gallé

© www.naturkundemuseum.berlin

Quelle: Alle Medien
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