18.10.2011

DAS SCHAUDEPOT

Jüdisches Museum Wien

Die Sammlungen des Jüdischen Museums Wien 

Sammeln & Erinnern
Das Schaudepot gibt Einblicke in die bedeutenden Sammlungen des Hauses: die Bestände der Israelitischen Kultusgemeinde, die Sammlungen von Max Berger, Martin Schlaff und Eli Stern sowie Neuankäufe und Schenkungen. Die Objekte stammen aus Synagogen, Bethäusern, verschiedenen jüdischen Institutionen und aus privaten Haushalten. Sie wurden oft durch Gewalt aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen. Ein  Ordnungsprinzip entsteht durch Fenster, die einen Rückblick auf die Herkunft  der ausgestellten Stücke ermöglichen. Die Positionierung der Objekte und eine Computeranimation der Wiener Synagogen laden zu einer virtuellen Reise durch die jüdische Geschichte Wiens und anderer österreichischer Gemeinden ein. Die Sammlung Max Berger führt auf einen Streifzug durch Orte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Bis nach Jerusalem geht die Reise mit der Sammlung Eli Stern. Die Vitrine „Wien und die Welt“ gewährt einen Blick auf die jüdische Geschichte nach 1945 und die Gegenwart.
Die Sammlung der Israelitischen Kultusgemeinde 
Die weitaus größte Sammlung des Jüdischen Museums Wien ist die der Israelitischen Kultusgemeinde, die ihren Bestand 1992 dem Museum als Dauerleihgabe übergeben hat. Dabei handelt es sich allerdings nur zu einem Teil um eine Sammlung im klassisch musealen Sinne, nämlich um den Restbestand des weltweit ersten Jüdischen Museums, das 1895 in Wien gegründet worden war. Der zweite Teil des IKG-Bestandes ist eher als Einsammlung denn als Sammlung zu verstehen. Es handelt sich dabei um Kultobjekte, die in den ehemals zahlreichen Wiener Synagogen und Bethäusern sowie in jüdischen Gemeinden der Bundesländer in Verwendung standen, aus der sie 1938 buchstäblich herausgerissen wurden. Sie sind daher nicht nur Zeugen der glanzvollen Geschichte des österreichischen Judentums, sondern, indem sie heute in einen musealen Zusammenhang gezwungen sind, auch Zeugen ihrer Vernichtung. Dieser Bestand gemahnt daran, was diese Objekte jenseits aller Ästhetik und jenseits aller historischen Sensation auch sind: Dokumente von Zerstörung und Entmenschung.
Die Sammlung des Alten Jüdischen Museums
Vor 120 Jahren, am 24.2.1893 entstand die Sammlung des ersten jüdischen Museum der Welt. Das erste Objekt fehlt, wie die Hälfte der Sammlung. Vor genau 120 Jahren erfolgte die erste Inventarisierung eines Objektes in einem jüdischen Museum. Das erste Wiener Jüdische Museum – es war gleichzeitig das erste jüdische Museum weltweit – verzeichnete mit 24. Februar 1893 die Schenkung des Buches „Die alten jüdischen Heiligtümer, Gottesdienste und Gewohnheiten“ von Johannes Lundius, gedruckt am Beginn des 18. Jahrhunderts. Der Stifter war der Arzt Emanuel Kolisch, der am Ende desselben Jahres verstarb. Dieses Objekt, das am Beginn der Idee „Jüdische Museen“ steht, die heute in zahlreichen Ländern integrativer Bestandteil der Kunst- und Kulturlandschaft ist, gilt bis heute als vermisst. Das Objekt fehlt, so wie mehr als die Hälfte der Objekte dieses ersten Jüdischen Museums. Das Museum wurde im März 1938 von den Nationalsozialisten geschlossen, seine Sammlung von der Gestapo beschlagnahmt. Teile der Sammlung wurden vom Museum für Völkerkunde, der Österreichischen Nationalbibliothek, dem Naturhistorischen Museum und anderen Institutionen einverleibt. Dieses Raubgut ist zwischen 1949 und den 1990er Jahren an die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) als Rechtsnachfolgerin restituiert worden. Die restlichen Objekte bleiben verschollen, nur einzelne Objekte konnten am Kunst- und Antiquitätenmarkt wieder identifiziert werden.
Wien und die Welt - Die Sammlung des Jüdischen Museums Wien
Sammeln im Museum bedeutet aber nicht nur die Bewahrung und Erforschung des materiellen jüdischen Erbes der Vergangenheit. Als identitätsstiftender Ort setzt sich ein jüdisches Museum auch mit zeitgenössischen Phänomenen auseinander. Aktuelle Themen wie Migration und Globalisierung und die Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft wirken sich auf das Selbstverständnis der jüdischen Gemeinden aus und spiegeln sich in zeitgenössischer Kunst, aber auch in Religion und Alltagskultur wider. In der Vitrine „Wien und die Welt“ werden daher Neuankäufe, Schenkungen und Dauerleihgaben präsentiert, die das Museum selbst in den letzten 25 Jahren seit seiner Gründung gesammelt hat.
Die Sammlung Berger 
Die Sammlung Berger zählt zu den herausragenden Judaica-Sammlungen der Welt. Die Objekte stammen größtenteils aus der Habsburger-Monarchie und reichen von der kunstvoll gearbeiteten Tora-Krone bis zur volkstümlichen Esther-Rolle. Max Berger wurde 1924 in Polen geboren und überlebte als einziger seiner Familie die Schoa. In den 1950er Jahre kam er nach Wien. In Erinnerung an seine Familie suchte er hier nach den Spuren einer zerstörten Welt und begann sein unermüdliches Sammeln – vor allem Gegenstände aus dem österreichisch-ungarischen Raum. Ihn faszinierten prächtige Objekte genauso wie folkloristisch-einfache. Bis zu seinem Tode im Jahr 1988 trug er rund 10 000 Objekte zusammen, die ein beeindruckendes Zeugnis jüdischen Lebens in der Donaumonarchie ablegen. Seinem Vermächtnis gemäß erwarb die Stadt Wien den Großteil dieser umfangreichen Sammlung. Die Sammlung Max Berger ist nach der Sammlung der IKG der größte Bestand des Jüdischen Museums Wien. 2010 erhielt das Jüdische Museum Wien nach dem Ableben von Frau Trude Berger, der Witwe Max Bergers, den Rest der Judaica-Sammlung als Legat. Dieser für das Museum neue Bestand enthält 3275 Objekte.
Martin Schlaff - Antisemitika-Sammlung
1993 stiftete Martin Schlaff seine ca. 5000 Objekte umfassende Sammlung dem Jüdischen Museum Wien. Unter den Beständen des Museums nimmt diese Sammlung eine Sonderstellung ein. Sie umfasst Figurinen, Alltagsgegenstände, Postkarten, Archivalien und Bücher, die judenfeindliche Einstellungen widerspiegeln. Die Intention des Sammlers war es einerseits, die Objekte und Dokumente zur wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung zu stellen, andererseits wollte er sie auch ganz bewusst dem Markt und Käufern mit antisemitischer Gesinnung entziehen. Im Schaudepot des Jüdischen Museums Wien werden die dreidimensionalen Objekte aus der Sammlung Schlaff gezeigt. Mit einem einfachen Kunstgriff soll vermittelt werden, dass Bilder im Kopf entstehen und Stereotypen vom kulturellen Gedächtnis geprägt sind, das unser Welt- und Selbstbild bestimmt. Die Vitrinen sind mit Spiegeln ausgekleidet, und die Figuren kehren dem Besucher den Rücken zu. Somit kann er deren Gesichter nur gebrochen betrachten und ist auch mit seinem eigenen Spiegelbild konfrontiert. In einem Interview, das gemeinsam mit der Sammlung im Schaudepot des Jüdischen Museums Wien gezeigt wird, beschreibt Martin Schlaff sehr persönlich, was ihn dazu bewegt hat, diese Sammlung aufzubauen und weshalb sie – seiner Meinung nach – in das Jüdische Museum gehört.
Die Sammlung Eli Stern
Die Stadt Wien hat im Jahr 1994 die große Privatsammlung von Eli Stern angekauft. Im Museumsinventar befinden sich 2826 Einträge, in der JMW-Bibliothek noch einmal über 700 Signaturen. Würde man jedoch jedes einzelne Objekt bis hin zum letzten Blatt Papier auflisten, so würden es weit über 10 000 Einzelstücke sein, darunter Sammelbüchsen, Palästina-Karten, Souvenirs aus Olivenholz, Plaketten, Abzeichen und Münzen sowie Ritualgegenstände, Personalausweise, Urkunden, Briefe, Fotografien, institutionelle Papiere, aber auch Eintrittskarten zu Wiener Synagogen. Den wohl größten Schatz der Sammlung Stern bilden die rund 2000 Postkarten aus der Zeit von 1900 bis 1950. Sie spiegeln auf überaus vielseitige Weise sehnsuchtsvolle Projektionen auf das „Heilige Land“ verschiedenster Herkunft wider. Diese Dokumentation ist auch deshalb von besonderem Reiz, weil sie die frühe Aufbauphase vor der Staatsgründung verewigt. Reproduktionen aus dieser Postkartensammlung hängen seit 2006 als Dauerausstellung im Österreichischen Hospiz in Jerusalem.
Quelle: Alle Medien
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