Parteien und Organisationen der DDR im Prozess der Wiedervereinigung

German Federal Archives

Der Generalsekretär des ZK der SED, Erich Honecker, empfängt am 13.10.1989 in Berlin die Vorsitzenden der Blockparteien und den Präsidenten des Nationalrates der Nationalen Front zu einem Gespräch.

Die Lage in der DDR verschärfte sich im Herbst 1989 unter dem Druck einer massiven Ausreisewelle und anhaltender Massenproteste. Die Forderung, die alte politische Führungsriege abzulösen, wurde immer stärker. Den Sturz Erich Honeckers bereitete eine Gruppe um Egon Krenz vor und inszenierte die Ablösung als freiwilligen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. So nahm am 18. Oktober 1989 das ZK auf seiner 9. Tagung den Rücktritt des schwer erkrankten Generalsekretärs entgegen.

Armeegeneral Heinz Kessler informierte am 6. November 1989 den Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrats der DDR Egon Krenz über die Grenzverletzungen im Oktober 1989 und die Aktivitäten der Grenztruppen. Als Anlage findet sich neben der ausführlichen schriftlichen Information auch ein graphisch gestalteter statistischer Bericht über die Grenzverletzungen. Bei dem Schriftstück handelt es sich um eine vertrauliche Verschluss-Sache. Egon Krenz verfügte am 10. November mit den Worten „Genossen des PB“, dass die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros diese Information zur Kenntnis erhalten sollten.

Egon Krenz, als Generalsekretär des ZK der SED und Staatsratsvorsitzender, informierte Michail S. Gorbatschow in einem Telegramm am 10. November über die Lage und das geplante weitere Vorgehen in Berlin. Da diese plötzliche Grenzöffnung weder mit der sowjetischen Partei- und Staatsführung noch mit dem sowjetischen Generalstab abgestimmt war, sollten so Verstimmungen zwischen der Sowjetunion und der DDR vermieden werden.

Westberliner Schüler bilden am 10. November 1989 am Grenzübergang Bornholmer Straße Spalier zum Empfang von Besuchern aus der DDR.

Zur aktuellen Lage in der DDR
Die Mitarbeiter der Abteilung Parteiorgane im ZK der SED erarbeiteten für die Parteiführung vom 18. Oktober bis 1. Dezember 1989 Informationsberichte zu den wichtigsten politischen Ereignissen. Dabei wurde insbesondere über die aktuelle Lage in der DDR und über Probleme in der SED berichtet. 
Kurzfristige Ausstellung von Pässen und Visa erfolgte nach der Grenzöffnung am 10. November 1989 in den Dienststellen der Volkspolizei, hier in der Marchlewskistraße Berlin-Friedrichshain.

Armeegeneral Heinz Keßler informierte am 13. November 1989 den Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrats der DDR Egon Krenz über ein Fernschreiben von Generalleutnant Walerij Fursin an den Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef des Hauptstabes der NVA Generaloberst Fritz Streletz. Der Stab der Westgruppe der Streitkräfte der UdSSR hatte sich auf Bitte des Ministers für Nationale Verteidigung Heinz Keßler an die westlichen Alliierten mit der Aufforderung gewandt, sich in Berlin neutral zu verhalten.

Der Leiter des Volkspolizei-Kreisamtes Cottbus übermittelte eine Zusammenstellung von Vorschlägen und Meinungen der SED-Mitglieder der Kriminalpolizei des Kreisamtes Cottbus zur Verbesserung der Polizeiarbeit. Es ging auch um Fragen, wie neuen Erscheinungsformen der Kriminalität in Folge der neuen Reiseregelung begegnet werden kann.

Der Arbeitsausschuss des Gehörlosen- und Schwerhörigen Verbandes der DDR wandte sich am 29. Januar 1990 an Günther Maleuda, um auf die besondere Situation seiner etwa 17000 hörgeschädigten Mitglieder aufmerksam zu machen. Er äußerte insbesondere die Sorge, dass die Belange der Behinderten im Einigungsprozess nicht genügend berücksichtigt werden könnten und forderte die Demokratische Bauernpartei Deutschlands auf, sich für deren Interessen einzusetzen.

Rollstuhlfaher fordern, sie nicht länger durch Barrieren vom kulturellen Leben auszuschließen.

Forderungen zur Unterstützung der Wiedervereinigung
Der 14. Parteitag der National-Demokratischen Partei Deutschlands fand an drei Tagen statt, am 20. und 21. Januar sowie am 11. Februar 1990. Die Partei suchte eine politische Neuorientierung und grenzte sich sowohl von der SED-PDS als auch von den ehemaligen Blockparteien Christlich Demokratische Union Deutschlands, Liberal-Demokratische Partei Deutschlands und Demokratische Bauernpartei Deutschlands ab. Sie definierte sich als nationale und politische Kraft in der Mitte der DDR.

Auswertung von Bürger-Zuschriften zu Fragen der Wiedervereinigung

"Mit Befremden und Empörung erlebe ich die gegenwärtige Entwicklung in der DDR. Wer hat Ihnen erlaubt, mein Land den Wölfen vorzuwerfen ... Ich fordere einen Volksentscheid! Leipzig ist nicht die DDR!"

Auf Initiative der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ wurde ein Zentraler Runder Tisch eingerichtet, der vom 7. Dezember 1989 bis zum 12. März 1990 sechzehnmal tagte. Er unterbreitete Vorschläge, wie die gesellschaftliche Umgestaltung in der DDR erfolgen sollte.

6. Sitzung des Zentralen Runden Tisches im Schloss Niederschönhausen am 9. Januar 1990

Werbung für die Unterstützung des Demokratischen Aufbruchs in Erfurt, Januar 1990

Die Grüne Partei in der DDR und der Unabhängige Frauenverband gingen bei der Volkskammerwahl im März 1990 ein Wahlbündnis ein. Dieses errang 2 Prozent und somit acht Sitze. Die verschiedenen Ziele des gemeinsamen Wahlprogramms wurden im Vorfeld auf Flugzetteln, die sich jeweils einem bestimmten Thema widmeten, verbreitet.

14. Sitzung des Zentralen Runden Tisches im Schloss Niederschönhausen am 26. Februar 1990. Im Mittelpunkt der Gespräche standen u. a. Probleme der Kulturpolitik.

Flugzettel mit der Position der Deutschen Sozialen Union zur Wiedervereinigung vom August 1990.
Die Deutsche Soziale Union wurde von mehr als zehn christlichen, liberalen und bürgerlich-konservativen Oppositionsgruppen am 20. Januar in Leipzig gegründet. Dazu zählten u.a. die Forumpartei, die Fortschrittliche Volkspartei, die Deutsche Friedensunion und Vereinigte Union Sachsen. Insbesondere in Thüringen und Sachsen erzielte die DSU bei der Volkskammerwahl am 18. März 1990 hohe Ergebnisse. Obwohl sie mit dem Demokratischen Aufbruch und CDU (Ost) das Wahlbündnis „Allianz für Deutschland“ einging, bildete sie nach der Wahl eine eigene Fraktion mit 25 Sitzen und beteiligte sich an der letzten DDR-Regierung. Sie verfolgte christlich-konservative Ziele und sprach sich stets für einen sofortigen Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland aus.
Credits: Story

Erarbeitung der Galerie: Ute Räuber, Bundesarchiv

DY 30 - Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)
DY 16 - National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD)
DY 60 - Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD)
SgY 20 - Parteien, Organisationen, Bewegungen in der Wendezeit
Bild 183 - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst - Zentralbild" und "Alltagsfotos"

Credits: All media
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