1873 bis 1912

Grosser Auftritt – Mode der Ringstrassenzeit

Wien Museum

Als sich die mondäne Wiener Gesellschaft neu ausstaffierte, standen Eleganz und Opulenz auf der Tagesordnung. Die wichtigsten Modetrends der Ringstraßenzeit haben im Wien Museum ihren großen Auftritt: Extravagante Ballkleider und exaltierte Hüte, Brautkleider und Trauerroben, Korsett und Stiefelette.

Was trage ich wann?
Diese Frage beschäftigte Damen und Herren der Gesellschaft den ganzen Tag, im Sommer wie im Winter, bei allen Anlässen. Man besass Visitkleider für den Besuch, Teekleider für den Five o´clock Tea, Turftoiletten für den Rennplatz, Promenadenkleider für den Spaziergang und Firnisstoiletten für Vernissagen.

„Komplett“ gekleidet war die Dame nur mit Hut, Handschuhen und Fächer: Ohne diese Accessoires ging sie nicht aus dem Haus. Demonstrativer Konsum und eine strenge Etikette bestimmten den Alltag der vermögenden Familien der Gründerzeit. Das Wissen um die „feinen Unterschiede“ in Geschmack und Auftreten hatte großen Einfluss auf den gesellschaftlichen Erfolg.

Die Garderobe der Frauen war dekorativ, repräsentativ und sehr bunt.

Ganz im Gegensatz zur Herrenmode: Entsprechend den bürgerlichen Grundsätzen von Fleiß und Sparsamkeit dominierte hier einfache und funktionelle Kleidung in einfachen Farben.

Negligé, manchmal auch noch im 19. Jahrhundert Deshabillés genannt, stand für das elegante Haus und Morgenkleid. In diesem oft aufwendig mit Plissees und karoförmigen Stickereieinsätzen gestaltetem Kleid frühstückte die Dame des Hauses.

Offizielle Besuche wurden darin nicht empfangen, nur gut befreundete Damen und verheiratete Herrn.
Es glich im Schnitt den Tageskleidern, war aber etwas bequemer. Nicht umsonst hieß es: „Das Negligé ist das Siegesgewand der Frau.“

Das Trotteur (aus dem Französischen für „Laufen“, „Traben“, „zum Gehen geeignet“), in strenger Linienführung und aus festen Wollstoffen gearbeitet, wurde Ende des 19. Jahrhunderts zur gebräuchlichen Bezeichnung des englischen Schneiderkostüms.

1887 als Tailormade aus England kommend, erfreute es sich zunehmender Beliebtheit. Es war nur für Gänge außer Haus am Vormittag, mit korrekter Hemdbluse, gedacht und ist der Vorläufer unseres Kostüms.

Zum Freizeitvergnügen der Wiener gehörte der Bummel über die Ringstraße, eine Fortsetzung der alten Tradition des Spaziergangs auf der Stadtmauer.

Am meisten tat sich bei der Sirk-Ecke. Der Kritiker Ludwig Hevesi beobachtete: „Es sieht wie eine im Dunkeln schleichende Verschwörung aus, wenn auf der kurzen Strecke zwischen dem Kärntnertor und dem Schwarzenbergplatz, aber nur auf der Stadtseite, jeden Abend ein unheilvolles Gedränge stattfindet, ein cityhaftes Menschengewühl, das sich auf seine eigenen Füße tritt in Arm mit sich selber auf und nieder wogt. An der bekannten Straßenecke, wo alles auf Commando kehrt macht, stauen sich die Gruppen von Rittern des Chic, der Monokel-Adel, die Bügelfaltokratie.“

Carl Schuster, der die hier gezeigte Arbeit schuf, wurde in Purkersdorf geboren und war Maler und Illustrator in Wien.

Um 1850 kam der doppelreihige Salonrock mit in der Taille angesetzten, übereinanderliegenden, knielangen Schößen in Mode. Er blieb als formelle Tageskleidung bis um 1930 aktuell, wobei der Rock aus schwarzem unifarbenen, die Hose meist aus grau-schwarz längs gestreiftem Tuch gearbeitet war.

Unter Tailleur verstand man ein Kleid oder Kostüm in französischer Ausgestaltung. Diese stand für eine feminine Linienführung und die Verwendung von weichen Tuchen, Samten oder Taft, jeweils der Jahreszeit entsprechend, mit Besätzen aus Bändern, Borten und Schmucksteinen.

Man trug es zum Mittagskorso und am Nachmittag in der Konditorei. Dazu kamen die Bluse, ein Fantasiegebilde aus Spitze, Musselin oder Seide, eine Pelz- oder Federboa um den Hals, ein Gold- oder Silbertäschchen. Nicht zu vergessen der modische Hut und die Handschuhe.

Dieses zauberhafte Frühlings- bzw. Sommerkleid eignete sich vorzüglich zum Spazierengehen im Stadtpark, im Prater oder zu einem Plausch im Garten. Die einer Sanduhr vergleichbare Silhouette hatte folgende Kennzeichen: Weite Schinkenärmel, tailliertes Oberteil, enggeschnürte Wespentaille und einen glatt über die Hüften gespannten, ab der Kniehöhe glockenförmig ausschwingenden Rock.

Der Herrenanzug entwickelte sich in den 1860er-Jahren. Aus dem Jackett ging das einreihige Sakko hervor. Es war gerade lose geschnitten und wurde mit einer Hose aus dem gleichen Stoff getragen.

Ende des 19. Jahrhunderts war dieser Sakkoanzug mit kleinem Revers körperbetont geschnitten und fand dann seine Fortsetzung im Straßen- und Geschäftsanzug des 20. Jahrhunderts.

Dem jeweiligen modischen Trend entsprechend wurde und wird der Anzug einreihig oder doppelreihig, mit kleinem oder großem Revers, mit und ohne Schulterbetonung, gerade lose oder eng tailliert angeboten.

Visiten- oder Besuchskleider benötigte man zu einem Antrittsbesuch oder zum Five o’clock-Tea. Diese Toiletten entsprachen dem jeweiligen Modetrend in Schnitt und Farbe. Eine kleine Schleppe war Bedingung. Die Kleider waren aus Taft, Rips, Satin, Tüll und anschmiegsamen Wollstoffen aufwendig gearbeitet. Dieses in verschiedenen Blautönen ombrierte Kleid mit der Faltenpartie am Ärmel und der eng anliegenden Taille entspricht der Modelinie der ersten Tournüre.

Die Tournüre war entweder ein mit Rosshaar gefülltes halbmondförmiges Pölsterchen oder ein halbkreisförmiges Gestell aus Stahlreifen, eingearbeitet in der rückwärtigen Mitte des Unterrocks. Es hielt die Bauschungen und Raffungen des Oberrocks, um das überproportionale Gesäß zu erlangen.

Der Name ging später auf das gesamte Kleid und die kostümgeschichtliche Epoche über.

Die Differenzierung der Tageskleidung ging so weit, dass es eigene Toilettevorschläge für die sogenannten Firnisstage gab. Das war die Wiener Bezeichnung für den Tag einer Ausstellungseröffnung. Die Firnisstage galten als intimere Zusammenkunft jener gesellschaftlichen Kreise, die auch sonst rege Kontakte untereinander pflegten.

Die Kleider dafür sollten ein wenig auffällig sein, kleine Extravaganzen waren erwünscht. Beispielhaft ist dieses Seidenkleid im „engen Stil“ in auffälligem Flamingorosa, mit einem cremefarbenen Tüllspitzeneinsatz, Stehleiste und kecker Rosettenverzierung.

Unter Turftoilette versteht man ein extravagantes Kleid für den Rennplatz. In Wien war der 1. Mai der wichtigste Renntag. Bei Schönwetter fuhr alles, was Rang und Namen hatte, vom Kaiserhaus über Geburts- und Geldadel abwärts, unter lebhafter Anteilnahme der einfachen Wienerinnen und Wiener in Equipagen über die Prater Hauptallee in die Freudenau.

„Prinzessinnen von blauestem Geblüte und solche aus Thaliens und Terpsichorens Gefilden“, so ein zeitgenössischer Zuschauer, „erschienen in ihren allerneuesten, kostbaren Frühlingstoiletten zu einer großartigen Revue."

Für den Theater- oder Opern- und Konzertbesuch gab es eine ganze Reihe von Moderegeln. Ausschlaggebend waren die Saison, der Sitzplatz (Loge oder Parkett), das Stück (ernstes Schauspiel oder Operette) und die Tageszeit. Hüte waren in der Loge, nicht aber im Parkett erlaubt. Die Kleider durften nur in der Saison, sprich Faschingszeit, ein Halbdekolleté haben, ansonsten mussten sie hochgeschlossen sein.

Beim Schauspiel verlangte die Etikette einen gewissen Ernst in der Kleidung und bei der Operette und im Genretheater noble Zurückhaltung, da alles „Voyante“ den nicht gesellschaftsfähigen Damen, der sogenannten Demimonde, überlassen blieb.

Das Ballkleid gab der Frau die Gelegenheit, ihre Reize voll zu entfalten. Selbstverständlich musste auch hier die Etikette eingehalten werde.

Das zumeist große Dekolleté durfte den Ansatz der Büste nur erahnen lassen und junge Mädchen wurden zur Zurückhaltung aufgefordert. Es war mit kleinen Ärmeln oder Schulterträgern und einen oft verschwenderischen Aufputz aus Spitzen, Fransen, Kunstblumen, Perlen und Strasssteinen ausgestattet.

Bevorzugtes Material waren zum Teil schwere, zum Teil hauchdünne Stoffe wie Duchesse, Brokat, Samt, Taft, Moirè, Musselin, Tüll und Organdin, changierend, matt und glänzend in vielfach berauschenden Farben.

Fächer benötigte man beim Spazierengehen, bei Ausfahrten und Ausritten, in der Loge und beim Ball, um zu flirten und um nicht erkannt zu werden. Das wichtige Accessoire sollte dem jeweiligen Anlass und der jeweiligen Toilette in Farbe und Material angepasst sein. Das hier gezeigte Stück ist ein aufwendig gestalteter Ballfächer aus edlem Material. Fächer erlebten ihre Blütezeit im 18. Jahrhundert. In Wien nannte man sie „Waderl“. Als Schmuck-, Sammel-, Gebrauchsgegenstand und Mittel der Koketterie blieben die fragilen Accessoires jedoch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein unverzichtbar.

Das weiße Brautkleid begann seine Karriere erst im 19. Jahrhundert. Dazu trug die weiße Frauenkleidung des Klassizismus bei, aber auch adelige Bräute waren einflussreich.

Die englische Königin Victoria, Kaiserin Eugénie von Frankreich und Kaiserin Elisabeth von Österreich heirateten in Weiß. Die Farbe stand für Reinheit, Keuschheit und Jungfräulichkeit.

Selbstverständlich konnten sich nur gut situierte Familien ein weißes Brautkleid für den „schönsten Tag“ im Leben ihrer Tochter leisten.

Dieses besonders modische Brautkleid folgt dem Stil des Designers Paul Poiret (1879-1944), der sich vom Ballett Russe mit seinen fernöstlichen Kostümen inspirieren ließ. Es hat eine etwas höher angesetzte Taille, ein ärmelloses Spitzenoberteil, das seitlich in leicht drapierte Flatterteile übergeht.

Betont wird die Rückenpartie mit der besonders großen Masche. Entsprechend der Etikette verhüllt der Schnitt den gesamten Körper. Das Kleid schließt mit einer hohen Stehleiste und Dreiviertel-Ärmeln.

Diese Kombination war die charakteristische offizielle Form für Hochzeiten und Empfänge. Bei der Hochzeit trug der Bräutigam ein kleines Sträußchen Rosmarin oder Myrten im Knopfloch. Der festliche Herrenanzug für den Tag entwickelte sich aus dem Salonrock nach 1850. Sein Ursprung ist allerdings im Cutaway, dem englischen Reitrock aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu suchen.

Dabei handelte es sich um einen Schoßrock mit zurückgeschnittenen Schößen, ähnlich dem Frack. Er war stets einreihig geschnitten und hatte ein steigendes Revers. Der Cut war aus schwarzem oder grauem Tuch gearbeitet und wurde ab etwa 1900 mit einer schwarz-grau längs gestreiften stulpenlosen Hose getragen.

Ein schwarzes Kleid für die Braut mag heute ungewöhnlich erscheinen, im 19. Jahrhundert konnte man es jedoch häufig antreffen. Das „Schwarzseidene“ war das beste Kleid einer Frau aus nicht allzu vermögenden Verhältnissen.

Es diente als Visitenkleid, um Besuche zu machen, mit etwas Schmuck trug man es zu festlichen Gelegenheiten und sogar zur Trauerrobe konnte es im Notfall umfunktioniert werden.

Dieser direkte Vorläufer des „Little Black Dress“ sollte auf jeden Fall fixer Bestandteil einer jeden Aussteuer sein. Am Hochzeitstag durften aber auch bei ärmeren Bräuten ein weißer Schleier und ein passender Brautstrauß nicht fehlen.

Die Modejournale präsentierten laufend Brauttoiletten in der gerade aktuellen Silhouette, rieten aber auch ganz dezidiert von einem rein weißen Kleid ab, da dieses den Teint blass erscheinen lasse. Stattdessen wurde ein „gebrochenes“ Weiß aus Satin, Duchesse, Taft oder Crepe de Chine vorgeschlagen.

Geschmückt waren die Brautkleider oft mit Myrten und Rosmarin, immergrüne Symbole der Liebe, und mit Orangenblüten, Zeichen der Fruchtbarkeit.

Trauerkleidung symbolisierte Demut und Respekt vor den Toten. Die nach außen hin sichtbare Trauer lastete besonders schwer auf den Frauen, die zumindest ein Jahr lang tiefe Trauer tragen sollten. Adelige Witwen wie etwa Queen Victoria und Maria Theresia trugen Trauer bis ans Ende ihrer Tage.

Trauergarderobe musste schwarz und aus glanzlosen Stoffen hergestellt sein. Besonders Krepp wurde mit Trauer assoziiert. Während bei Männern ein schwarzes Kreppband um den Oberarm genügte, waren Frauen verpflichtet, schwarze Kleider, Hüte und schwere Kreppschleier zu tragen.

Erst im zweiten Trauerjahr konnte eine Frau wieder Farben wie Grau oder Mauve tragen.

Statussymbol eines Herrn von Distinktion war der „Stadtpelz“, die typische Mantelform für den Winter aus schwerem Wollstoff mit einem Pelzkragen, Posamentrieverschlüssen und Pelzfutter.

In über 1000 Aquarellen hat der Sohn des Malers Jakob Alt seine Zeit festgehalten, viele Bilder haben Wien zum Thema. Rudolf von Alts Technik kam der Wiedergabe von Atmosphäre sehr entgegen.

Hier sind „reich und arm“ vor der Oper dargestellt: Ein Offizier in Uniform, ein Herr von Welt in Salonrock und Zylinder, die elegante Wienerin in berauschender Seide mit rundem Hütchen und fragilem Sonnenschirm und das arme Mädel, die Veilchenverkäuferin, vermitteln das vielschichtige, bunte Treiben auf der Opernkreuzung.

Wien Museum
Mitwirkende: Geschichte

Wien Museum

Quelle: Alle Medien
Der vorgestellte Beitrag wurde möglicherweise von einem unabhängigen Dritten erstellt und spiegelt nicht zwangsläufig die Ansichten der unten angegebenen Institutionen wider, die die Inhalte bereitgestellt haben.
Mit Google übersetzen
Startseite
Erkunden
In der Nähe
Profil