Stoffe, Mode und Identität – Die Geschichte von IsiShweshwe

Iziko Museums of South Africa

Die Geschichte von IsiShweshwe ist lang und komplex und es geht dabei um interkontinentalen Handel und kulturellen Austausch. Die Wurzeln gehen auf den Kolonialismus zurück, aber es gibt auch Verbindungen zu missionarischen Bewegungen und politischem Widerstand.

IsiShweshwe und der Kolonialismus
Der Stoff, der als Amajamane, Amajerimane oder IsiShweshwe bekannt ist, hat seine Ursprünge im Osten und wurde ursprünglich aus Baumwolle und dem blauen Farbstoff der Indigo-Pflanze hergestellt. Über den Handel gelangte er in verschiedene Teile der Welt, so auch nach Südafrika, wo er zunächst von Sklaven, dem Volk der Khoisan und Kolonialisten getragen wurde. Die frühesten Ursprünge von IsiShweshwe lassen sich auf die Begeisterung für farbenfrohe Indienne-Stoffe (indische Baumwolle) zurückführen, die sich Mitte des 17. Jahrhunderts wie ein Lauffeuer in Europa ausbreitete. Die komplizierten Verfahren zur Herstellung mehrfarbiger Indienne-Stoffe in Mitteleuropa wurden schließlich für die ausschließliche Verwendung einer einzigen Farbe angepasst: Indigo.

Arbeitskittel, getragen von einem Hausangestellten

Indienne
Als eines der ältesten Artefakte in der IsiShweshwe-Sammlung ist dieses Kleid ein Beispiel für Indienne. Es ist aus indischer Baumwolle (Chintz oder Kattun) gefertigt und weist ein fortlaufendes Muster an feinen, ineinander verschlungenen Stängeln und Zweigen mit Blättern und Blumen auf. Das Kleid stammt von der Koromandelküste Indiens aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Indischer Chintz war im achtzehnten Jahrhundert äußerst beliebt und wurde von der Niederländischen Ostindien-Kompanie importiert, wodurch er auch an der Zwischenstation des Unternehmens am Kap der guten Hoffnung verfügbar wurde.
Blaudruck
Vereinfachte Reservefärbungsverfahren wurden verwendet, um einen Stoff mit kleinen weißen Mustern in regelmäßigen Abständen voneinander auf einem tiefblauen Hintergrund herzustellen. Diese Methode wurde in Deutschland als Blaudruck bezeichnet. Der Stoff fand in Bekleidung für Arbeiter und Bauern Verwendung und wurde zu einer typischen Kleidung in bestimmten europäischen Regionen und von Protestanten, mit dem auch nationalistische Einstellungen ausgedrückt wurden. Als deutsche Missionare und Händler Mitte des 19. Jahrhunderts zum Ostkap und in andere Teile des südlichen Afrikas immigrierten, brachten sie den Blaudruck mit und veräußerten ihn an die Menschen vor Ort. Er wurde bei Frauen in Missionsstationen populär. Später wurde der Stoff von IsiXhosa-Frauen im Ostkap übernommen, die damit Kleidungsstücke herstellten.
Herkunft des Namens
Es gibt zwei verschiedene Theorien zur Herkunft des Namens IsiShweshwe. Zum einen wird behauptet, er sei die lautmalerische Bezeichnung für das raschelnde Geräusch des Materials, wenn sich der Träger bewegt. Andere argumentieren, dass der Stoff nach dem König der Basotho, Moshoeshoe, benannt wurde, der Anfang der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts ein Tuch mit Indigodruck als Geschenk von französischen Missionaren erhielt.
IsiShweshwe und politischer Widerstand
Als sich die Identität der Träger im Laufe vieler Jahre veränderte, rückte die anfängliche Assoziation als Handelsartikel und missionarisch geprägte Bekleidung in den Hintergrund. Kleidungsstücke aus diesem Stoff wurden in großem Umfang als politisches Statement gegen die Apartheid in Südafrika und auch als Zeichen der Solidarität von Liberalen und linken politischen Gruppen verwendet.

Es ist üblich, dass Nelson Mandelas Gesicht auf isiShweshwe Stoff gedruckt is.

Nähunterricht

Mitte der 1980er Jahre wurde Marie Peacey im Rahmen einer Kampagne zur Förderung von Einnahmequellen für Frauen im Homeland Ciskei von Nico Ferreira, zu dieser Zeit Kanzler unter Lennox Sege (Präsident von Ciskei), eingeladen, Nähunterricht zu geben. Über einen Zeitraum von 13 Monaten verbrachte sie jede zweite Woche bei der Ciskeian Small Business Corporation in Mitford, wo sie Frauen beibrachte, rechteckige Mola-Applikationen anzufertigen, die dann auf Jacken, Westen usw. angebracht wurden, um diese in Bekleidungsboutiquen zu verkaufen.

Albertina Sisulu, bekannt als Ma Sisulu, war eine südafrikanische Anti–Apartheid Aktivistin und die Frau von Walter Sisulu, ebenfalls Aktivist.

In den 1980er Jahren was das Tragen von Kleidungsstücken mit isiShweshwe-Print ein Zeichen der Solidarität weißer Südafrikaner, Liberaler und linker Gruppierungen.

IsiShweshwe in Afrika
IsiShweshwe wird derzeit vom Textilunternehmen Da Gama im Ostkap produziert, aber die Verwendung des Stoffes beschränkt sich nicht auf Südafrika. Er fand Einzug in verschiedene Gebräuche und Traditionen in ganz Afrika.

Das Makoti-Kleid

Dies ist ein Beispiel für ein Makoti-Kleid. Als Zeichen des Respekts und der Unterwerfung gegenüber ihrem Ehemann und ihren Schwiegereltern sah es die Tradition vor, dass eine frisch verheiratete Xhosa-Frau ihr Ikhetshemiya (Kopftuch) weit über die Stirn zog, ihre Schulter bedeckte, ihre Hüften mit einer Decke verhüllte und einen Rock und eine Schürze aus IsiShweshwe trug. Sie musste bis zu einem Jahr bei ihren Schwiegereltern verbringen, um mit ihrem Verhalten nachzuweisen, dass sie sich an die Ukuhlonipha-Traditionen des Respekts hielt. Teile dieser Praxis sind noch präsent, aber sie verschwinden im Zuge der Urbanisierung. Kopftuch, Decke und Tuch wurden leihweise von Siphokazi Mesele, Geburtsname Lindelwa Pamela Mbola, zur Verfügung gestellt, die sie als Makoti trug.

Amabutho-Kleidung der Swasi-Männer

Dies ist ein Beispiel für die Amabutho-Kleidung der Swasi-Männer. Der Sidvashi (Rock) kann aus rotem, rötlich braunem oder braunem IsiShweshwe bestehen und muss mit einem Majobo aus Leoparden-, Ducker-, Riedbock- oder auch Pavianfell bedeckt werden, der hinten und vorn getragen wird. Das Muster auf dem IsiShweshwe ist in diesem Fall Libululu (Schlange), das Lieblingsmotiv des Swasi-Königs.

Herero Frauen in Namibia mit ihrer unverwechselbaren Kopfbedeckung nutzen isiShweshwe.

Kleid des von Meiga Abdoulaye.Er bezieht seine Inspiration aus seiner Heimat, Timbuktu.

IsiShweshwe in der zeitgenössischen Mode
In den letzten Jahren ist IsiShweshwe in der internationalen Modeszene angekommen und wird auf dem afrikanischen Kontinent zunehmend in der Alltagskleidung verwendet. Der Stoff ist für viele zu einem unverzichtbaren modischen Element geworden.

Kleid, Design der berühmten südafrikanischen Designerin Amanda Laird Cherry

Kleid von Cheryl Arthur, Designer für Afro Diva für die Iziko Museums of South Africa IsiShweshwe Sammlung.

Rock, Design von Lisa Jaffe von der Lysof Design School.

Keilabsatzschuh, Design von Amanda Laird Cherry

IsiShweshwe Accessories, wie diese Geldbörsen des Etafeni Centre for Thunga, sind sehr beliebt bei Einheimischen und Touristen in Südafrika.

Iziko
In den Iziko-Museen der Social History Collection Südafrikas werden einzigartige, wertvolle, sehr seltene und kulturell bedeutende Artefakte ausgestellt. Dazu gehören Möbel, Kunstwerke, Textilien, Keramik, anthropologische Gegenstände, historische Objekte, Funde aus der Unterwasserarchäologie und Papiersammlungen. Die Ausstellungsstücke stellen die kulturelle Vielfalt Südafrikas dar und sind hinsichtlich ihres Wertes, ihrer Ästhetik und ihrer Seltenheit von Bedeutung. Es handelt sich dabei um Artefakte aus der frühen Steinzeit, der Sklaverei und der Kolonisationszeit bis zu Objekten über den Kampf gegen die Apartheid und die Erringung der Demokratie. Darüber hinaus kommen einige der Sammlungen, die sich von Antiquitäten bis zu aktuellen Objekten erstrecken, aus anderen Teilen der Welt, was die Verbindung Südafrikas mit anderen Ländern deutlich macht.

Das Iziko Social History Centre

Das Iziko Social History Centre befindet sich am Church Square, Kapstadt. Es ist im beindruckenden Gebäude der National Mutual Life Association of Australasia untergebracht, das von Sir Herbert Baker und Francis Masey im Jahr 1905 gestaltet wurde.

Die sozialgeschichtliche Iziko-Textilsammlung

In der sozialgeschichtlichen Iziko-Textilsammlung befindet sich ein Bereich mit IsiShweshwe-Ausstellungsstücken. Ein großer Teil dieser Artefakte wurde von Dr. Juliette Leeb-du Toit gespendet, einer Kunsthistorikern, die diesen Stoff viele Jahre lang im südafrikanischen Kontext studierte. Sie führte umfangreiche Forschungen in Bezug auf dessen Ursprünge und Bedeutung, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart, durch und untersuchte die Bedeutungsentwicklung in verschiedenen Teilgebieten der südafrikanischen Kultur, von den frühesten Anfängen bis zur heutigen Zeit.

Iziko Museums of South Africa
Mitwirkende: Geschichte

Quellen
Iziko-Museen Südafrikas
Kapstadt, SÜDAFRIKA
Gestaltet von Lynn Abrahams und Sarah Schäfer.
© Alle Rechte sind Eigentum der Iziko-Museen Südafrikas, sofern nichts anderes angegeben ist.

Quelle: Alle Medien
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