"Ich bin ein Berliner"

Bundesarchiv

 Der Besuch von John F. Kennedy in der Bundesrepublik Deutschland
Bundesarchiv

Die Menge tobte, als John F. Kennedy die Tribüne betrat, die vor dem Schöneberger Rathaus aufgestellt worden war. Mehrere hunderttausend Menschen hatten sich versammelt, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu sehen. Doch hinter dem Besuch verbarg sich mehr als eine rein freundschaftliche Begegnung.

Kennedys erster Besuch in der Bundesrepublik war ein Versuch, die Beziehungen zur Bundesregierung und insbesondere zu Bundeskanzler Adenauer wieder zu verbessern. Grund für die angespannte Atmosphäre zwischen den beiden Staaten war die neue außenpolitische Ausrichtung des US-Präsidenten.

Dieser legte einen Schwerpunkt seiner Politik auf die Staaten der Dritten Welt. Seiner Meinung nach seien diese aufgrund ihrer Armut besonders anfällig für kommunistische Agitation. Durch Entwicklungsprogramme wollte Kennedy die Wirtschaft jener Staaten antreiben und sie näher an den Westen binden. Des Weiteren beabsichtigte er, infolge der Erfahrungen der Kuba-Krise und des Mauerbaus in Berlin, die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion abzubauen. Unter anderem plante Kennedy den Aufbau einer internationalen Zugangsbehörde zur Grenzkontrolle in Berlin, in der auch ostdeutsches Personal, gleichberechtigt mit dem westdeutschen, mitwirken sollte. Die Pläne wurden der Regierung Adenauer im Frühjahr 1962 mit der Bitte um Kommentierung vorgelegt.

Adenauer missfiel Kennedys Vorhaben. Denn zum einen wäre eine gleichberechtigte Beteiligung des ostdeutschen Personals einer Anerkennung der DDR gleichgekommen. Zum anderen fürchtete Adenauer, dass die USA ihrer Schutzfunktion für die Bundesrepublik nicht mehr nachkommen könnten, wenn der Fokus der Außenpolitik auf der Dritten Welt lag. Enttäuscht von der US-Regierung lehnte Adenauer die Pläne Kennedys ab und wandte sich in der Folge verstärkt Frankreich zu, das unter der Führung des USA-skeptischen Präsidenten Charles de Gaulle stand.

Diese Galerie entstand zum 50. Jahretag des Kennedy-Besuches vom 23. bis 26. Juni 1963 in der Bundesrepublik Deutschland. Quellen dazu finden sich  unter anderem in den Beständen B 136 Bundeskanzleramt und B 145 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung.

Information über einen geplanten Kennedy-Besuch in der Bundesrepublik (Quelle: BArch B 136/2083, fol. 38)
Ankunft auf dem Flughafen Köln-Wahn (Quelle: BPA B 145 Bild-00091408 / Egon Steiner)

Im Januar 1963 informierte der US-Botschafter in Bonn, Walther C. Dowling, die Adenauer-Regierung über den geplanten Kennedy-Besuch in der Bundesrepublik. Das Verhältnis zwischen Kennedy und Adenauer war nicht unproblematisch. Politisch waren beide weit voneinander entfernt. Mit seinem Besuch wollte er die Bundesrepublik wieder etwas näher an die USA rücken. 

Besuchsprogramm (Quelle: BArch B 136/2083, fol. 237)

Auf seiner Reise machte Kennedy Station in den Städten Köln, Bonn, Frankfurt und Berlin. Erst auf Wunsch des US-Präsidenten wurde Westberlin in das Besuchsprogramm aufgenommen.

Nach den ursprünglichen Plänen Adenauers sollte ein Besuch Kennedys in Berlin  vermieden werden. Mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen fürchtete Bundeskanzler Adenauer, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, die Beliebtheit des US-Präsidenten für sich nutzen könnte.

Anraten der CDU-Bundestagsfraktion (Quelle: BArch B 136/2083, fol. 107)

“Wir haben kein Interesse daran, dass die Reise des amerikanischen Präsidenten überwiegend der Opposition zugute kommt.”

                            Heinrich von Brentano
Empfang in der Villa Hammerschmidt (Quelle: BPA B 145 Bild-00091480 / Ludwig Wegmann)
Themen für die Besprechung (Quelle: BArch B 136/2083, fol. 251)

Bundespräsident Heinrich Lübke empfängt John F. Kennedy in der Villa Hamerschmidt, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Gemeinsam nehmen sie an der feierlichen Gründung des Deutschen Entwicklungsdienstes in der Villa Hammerschmidt teil. Der US-Präsident hatte sich ein solches “peace-corps“ in Deutschland, auch mit Blick auf die eigene Außenpolitik gewünscht. Weiteres Engagement in der Dritten Welt konnte Kennedy der Bundesregierung aber nicht entlocken.

Rede vor dem Berliner Rathaus (Quelle: BPA B 145 Bild-00004006 / Egon Steiner)

Am 26. Juni 1963 besuchte John F. Kennedy anlässlich des 15. Jahrestages der Berliner Luftbrücke West-Berlin.Zu seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus kamen schätzungsweise 450.000 Menschen. Kennedy ließ keinen Zweifel an seiner Solidarität mit Berlin und der Bundesrepublik Deutschland.

Aus der Rede von John F. Kennendy:

Vor zweitausend Jahren war der stolzeste Satz, den ein Mensch sagen konnte, der: Ich bin ein Bürger Roms. Heute ist der stolzeste Satz, den jemand in der freien Welt sagen kann: 

              Ich bin ein Berliner!

Mitwirkende: Geschichte

Text und Objektauswahl: — Florian Unterfrauner
Fotografen:  — Egon Steiner, Ludwig Wegmann

Quelle: Alle Medien
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