1939 bis 1989

Trennungen von Familien

Museum der Geschichte Polens

Ziel des Projekts "Trennungen von Familien aufgrund geschichtlicher Ereignisse" ist es, eine der traumatischsten polnischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zu dokumentieren – die Trennung von Familien in den Jahren 1939–1989, die unter anderem auf Umsiedlungen und Deportationen während des Kriegs zurückzuführen war, ebenso auf politische Gefangenschaft und in der kommunistischen Ära auch auf die Entscheidung, aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen in den Westen zu emigrieren.

Wir möchten damit die Erinnerung an getrennte Familien bewahren, eine Verknüpfung zwischen der Geschichte des polnischen Volks im Lande und der Geschichte der polnischen Auswanderer herstellen und auch die junge Generation ermutigen, sich für die Geschichte ihrer Verwandten oder Bekannten zu interessieren.

Jeder Bericht, jede Geschichte ist von unschätzbarem Wert, da jede Familiengeschichte einzigartig ist. Sie alle verdienen es, aufgezeichnet zu werden, weil sie die Vielzahl der Erfahrungen und die Komplexität des Lebens in Polen und in anderen Ländern der Region im 20. Jahrhundert bezeugen.

Die Familie Imiłkowski teilte das Schicksal Tausender Polen, die in dem vom Dritten Reich annektierten Gebiet lebten und Massenhinrichtungen, Deportationen, KZ-Haft und Zwangsarbeit ausgesetzt waren. Die Geschichte der Familie Imiłkowski ist in erster Linie eine Geschichte hilfloser Kinder, die mit Gewalt und Tod konfrontiert waren, aber auch der Eltern, die ihre eigenen Kinder nicht vor Bösem und Leid schützen konnten.

Maria, die älteste Tochter von Irena und Zygmunt Imiłkowski, lebte mit ihren Eltern und den Geschwistern Halina, Zofia und Zbigniew in Plewno, einem Dorf in Pommern. Ihre Großeltern mütterlicherseits lebten in der Nähe. Im August 1939 verließ ihr Vater, Zygmunt Imiłkowski, die Familie, um in der Armee zu dienen. Zygmunt kämpfte im 29. leichten Artillerieregiment in Grodno, von wo aus er nach einer einmonatigen Odyssee nach Hause zurückkehrte.

Irena und Zygmunt Imiłkowski, 1937
Erinnerung von Maria Brylowska (geb. Imiłkowska), 2009
Plewno wurde in den Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs eingegliedert. Den Hof der Imiłkowskis übernahm ein Deutscher, der ihnen ein Zimmer in ihrem früheren Heim überließ.
Leon Kowalski, Marias Großvater, war ein bekannter Aktivist des Polnischen Westbunds, der im Ersten Weltkrieg in den Legionen kämpfte. Wie viele Vertreter der polnischen Elite wurde er im Herbst 1939 verhaftet, von einem Erschießungskommando exekutiert und in Górna Grupa (nahe Grudziądz) begraben.

Bei den Nazis galten die Polen und andere slawische Völker als minderwertige Rassen, die sie zu Sklaven machen wollten. Sie schlossen alle höheren Schulen und Hochschulen sowie kulturellen Einrichtungen. Die Angehörigen der polnischen Elite wurden entweder getötet oder in Konzentrationslager geschickt.

Zertifikat der Auszeichnung von Leon Kowalski mit dem Kreuz der Legion (Abzeichen der Vereinigung der Mitglieder der polnischen Legionen), 1927

Im Dezember 1941 wurde die Familie Imiłkowski in ein Lager in Potulice deportiert. Die Lagerbedingungen waren extrem schwierig und die Häftlinge litten unter Hunger, Krankheit und Kälte. Am schlimmsten aber waren die erzwungenen Trennungen. Als Erster wurde Marias Vater zur Arbeit in eine Flugzeugfabrik geschickt. Dann wurde ihre schwer kranke Schwester Halina in ein Krankenhaus in Bydgoszcz verlegt. Sie war so schwach, dass sie bei ihrer Rückkehr in das Lager nur am Stock laufen konnte. Am schwierigsten war jedoch die Trennung von ihrer Mutter, die im Frühjahr 1942 fortgeschickt wurde, um auf dem Anwesen eines Herrenhauses zu arbeiten. Einen Monat später brachte ein Lagerverwalter Zofia und Zbigniew fort. Maria und Halina blieben allein zurück.

Lagernummer der Familie Imiłkowski, ausgestellt auf den Vater, 1941
Im Lager Potulice entstandenes und von Kindern heimlich gesungenes Lied, 1941–1944

"Dann fuhren sie mit uns zur Baracke. Sie war unbeheizt, überfüllt, kalt und dunkel. Unserer sechsköpfigen Familie wurde ein Bereich mit einer Fläche von drei Quadratmetern zugeteilt. Wir lagen auf einem notdürftigen Lager auf dem nackten Boden. Die Baracke besaß keinen Fußboden. Die Wände waren von Rissen und Spalten durchzogen und es gab keine Fenster. Das Schrägdach reichte fast bis zum Boden. Es war nicht möglich, dort zu stehen oder zu sitzen – man konnte sich dort nur im Liegen aufhalten. Also lagen alle Familien eng zusammengedrängt, einer neben dem anderen: Männer, Frauen und Kinder. In der Baracke gab es kein fließendes Wasser und keine Kanalisation. Die Toiletten befanden sich draußen. Nur in der Mitte der Baracke konnte man aufrecht gehen.

Die Kinder nässten ein und litten an Durchfall, doch es gab keine Möglichkeit, sich zu waschen oder nasse Unterwäsche bzw. Kleidung zu trocknen. Es gab Läuse, Flöhe und die Krätze."

Aus den Memoiren von Maria Brylowska (geb. Imiłkowska), "Trennung von Familienmitgliedern als Folge von historischen Ereignissen", 2008
Wiktora Kowalska, Marias Großmutter, blieb als einziges Mitglied der Familie in Freiheit. Sie begab sich wie viele andere Polen zum Lager in Potulice, um – wenn auch durch Stacheldraht – ihre Tochter und ihre Enkelkinder in der Gefangenschaft zu besuchen und zu unterstützen.

"An Besuchstagen kamen viele Menschen in das Konzentrationslager, um ihre Familie und ihre Freunde zu besuchen. Auf beiden Seiten des Stacheldrahts war es beengt, die Menschen suchten nach bekannten Gesichtern und riefen einander lautstark zu. Jeder musste schreien, um sich verständlich zu machen. Wie da alle derart durch den Stacheldraht brüllten, wirkte es so, als wollte jeder die anderen unbedingt noch an Lautstärke übertreffen. Es war unbeschreiblich."

Aus den Memoiren von Maria Brylowska (geb. Imiłkowska), "Trennung von Familienmitgliedern als Folge von historischen Ereignissen", 2008
Die für die Imiłkowski-Schwestern schwierigste Zeit war ihr Aufenthalt im Lager Smukała. Viele Kinder starben dort an Hunger, Krankheit und Erschöpfung. Den Schwestern gelang es zu überleben und sie kehrten nach Potulice zurück.
Zwangsarbeit war eine der Repressionsformen der Besatzer und eine Möglichkeit, an billige Arbeitskräfte für Industrie und Landwirtschaft zu kommen. Marias Vater wurde in eine Flugzeugfabrik, sie selbst mit ihrer Mutter auf ein deutsches Anwesen geschickt. Zygmunt Imiłkowski (dritter von links) bei der Zwangsarbeit im Flugzeugwerk Gotenhafen, 1941–1945
Die Löhne von Zwangsarbeitern waren weitaus niedriger als die der deutschen Arbeiter. Das Geld, das Zygmunt Imiłkowski bei der Arbeit im Flugzeugwerk Gotenhafen verdiente, wurde zwar auf ein Konto im Lager Potulice transferiert, doch in Wirklichkeit wurde ihm niemals ein Lohn ausgezahlt. Zygmunt Imiłkowskis Bescheid über seine Lohngruppeneinstufung, 1944
Maria wurde auf ein deutsches Anwesen in Orłowo verschickt, wo sie körperliche Schwerstarbeit verrichten musste. Nach der Ankunft der Roten Armee fand ihre Großmutter sie und brachte sie zurück nach Plewno. Ihre Mutter erwartete sie bereits zu Hause. Maria Imiłkowskas Abmeldebescheinigung vom Anwesen in Orłowo, 1945
Zygmunt Imiłkowski wurde 1945 von Gdynia (Gotenhafen) in das Lager in Leubingen verlegt, wo er Luftangriffe überlebte und im April 1945 Zeuge der amerikanischen Befreiung wurde. Er blieb in Groß Gräfendorf.
Im Juli war Zygmunt Imiłkowski noch in Merseburg. Obwohl ihn keine Nachrichten über das Schicksal seiner Angehörigen erreicht hatten, verlor er nie die Hoffnung und beschloss, in seine Heimat, nach Plewno, zurückzukehren.

"Ich erinnere mich noch, dass mein Vater an einem heißen Sommertag heimkehrte. Wir erkannten ihn nicht. Er war gebeugt und glich mehr einem Bettler als dem Mann, den wir im Dezember 1941 das letzte Mal gesehen hatten. Vater kehrte in einem grau-grünen amerikanischen Militärmantel nach Hause zurück und er trug einen weiteren, blau-grauen amerikanischen Militärmantel in einem Koffer bei sich. Dies waren die einzigen Habseligkeiten, die er aus dem amerikanischen Lager mitbrachte. Ein Bekannter, Herr Dondziło, der Schneider war und den wir noch aus der Zeit vor dem Krieg kannten, nähte aus diesen Militärmänteln für uns Kinder Mäntel."

Aus den Memoiren von Maria Brylowska (geb. Imiłkowska), "Trennung von Familienmitgliedern als Folge von historischen Ereignissen", 2008
Im Jahr 1946 bekam die Familie Zuwachs: Zdzisław wurde geboren, das einzige Kind der Familie Imiłkowski, das von Kriegserfahrungen verschont blieb. Die Imiłkowski-Schwestern – (von links nach rechts) Maria, Zofia und Halina – mit ihrem Bruder Zdzisław, 1949
Irena und Zygmunt Imiłkowski, 1950er-Jahre

"Ich war 12 Jahre alt und konnte weder lesen noch schreiben. (...) Nachdem wir aus dem Lager in die Freiheit entlassen worden waren, erhielten wir keinerlei Hilfe. (...) Die Zeit nach dem Krieg – fast bis 1956 – war schwierig und voller Opfer für uns. Aber ich war froh, dass ich bei meinen Eltern und Geschwistern war und dass ich zur Schule gehen konnte."

Aus den Memoiren von Maria Brylowska (geb. Imiłkowska), "Trennung von Familienmitgliedern als Folge von historischen Ereignissen", 2008
Wege der getrennten Familie Imiłkowski während des Zweiten Weltkriegs
Die Geschichte der Familie Młyńczak kann als Beispiel für die Erfahrungen dienen, die die Polen unter der sowjetischen Besatzung machten. Der Krieg trennte Kazimierz und seine Frau Zofia für immer. In Zügen, die in fast entgegengesetzte Richtungen fuhren, gelangten sie in die Tiefen Russlands und auch das Jahr 1945 brachte ihnen keine Hoffnung. Aufgrund der Schreckensherrschaft der kommunistischen Behörden war für einen polnischen Polizisten, der mit der Anders-Armee nach Großbritannien gekommen war, eine Wiederzusammenführung mit seiner Frau und seinen in der Sowjetunion gefangenen Söhnen Waldemar und Jerzy ausgeschlossen.

Kazimierz Młyńczak diente als Grenzsoldat und absolvierte einen Lehrgang für Polizisten. Er begegnete der 17-jährigen Zofia Blidsztejn, die er in der Kirche St. Johannes in Vilnius heiratete. Ein Jahr später gebar Zofia einen Sohn, Waldemar Kazimierz, und im Jahr 1932 einen zweiten Sohn, Jerzy Henryk. In der Mitte der 1930er-Jahre wurde Kazimierz zum Polizeibeamten befördert und zog mit seiner Familie nach Kurzeniec in der Woiwodschaft Vilnius. Dort lebten sie, als der Krieg ausbrach.

Kazimierz Młyńczak in Polizeiuniform mit seinem Freund Jan Niedźwiedź, 1920er-Jahre
Zofia und Kazimierz Młyńczak – an die Eltern geschicktes Foto, Krasocin, 1928
Kazimierz Młyńczak mit seiner Frau und seinem Sohn Waldemar während ihres Aufenthalts bei ihren Eltern in Krasocin, 1930er-Jahre

Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Polen erhielt die Einheit von Kazimierz den Befehl, sich nach Litauen zurückzuziehen, wo Polizisten interniert wurden. Dies war der Beginn einer langen Odyssee durch die Sowjetunion. Zunächst wurde Kazimierz nach Norden nach Murmansk gebracht, später dann über die Halbinsel Kola nach Archangelsk.

Brief von Kazimierz Młyńczak an seine Eltern, geschrieben aus dem Lager Kozielsk, 1941

Am 17. September 1939 überfiel die Rote Armee Polen aus dem Osten und erfüllte damit Stalins Verpflichtungen gegenüber dem Dritten Reich, die in dem geheimen Zusatzprotokoll des Ribbentrop-Molotow-Pakts (Hitler-Stalin-Pakt) schriftlich vereinbart waren. Die Regierung der Sowjetunion erklärte, dass die 13,5 Millionen polnischen Staatsbürger, die das annektierte Land bewohnten, die sowjetische Staatsbürgerschaft annehmen müssten. Von Februar 1940 bis Juni 1941 wurden zahlreiche polnische Staatsbürger in sowjetisches Staatsgebiet deportiert. Die Deportationen betrafen die Familien von Offizieren, Bürokraten, Polizisten, Anwälten, Ärzten und anderen Vertretern der polnischen Intelligenz. Viele von ihnen überlebten die unmenschlichen Bedingungen des Transports und das harte Leben in Sibirien oder Kasachstan nicht.

Brief von Zofia Młyńczak an ihre Schwiegereltern, geschrieben aus Sibirien, wohin sie im April 1940 deportiert worden war. Zofia Młyńczak reiste mit dem achtjährigen Jerzy und dem 12-jährigen Waldemar mit verschiedenen Zügen immer weiter nach Osten: zuerst in Richtung Novosibirsk und dann auf Kolchosen in der Region Altai.

Nach der Invasion Nazi-Deutschlands in die Sowjetunion im Juni 1941 wurde zwischen der polnischen Exilregierung und Stalin ein Abkommen ausgehandelt, auf dessen Grundlage Tausende von polnischen Staatsbürgern aus Gefängnissen und Arbeitslagern freigelassen wurden. Gemäß dem Abkommen wurden die Polnischen Streitkräfte in der Sowjetunion unter dem Kommando von General Wladyslaw Anders aufgestellt. Später, im Jahr 1942, wurden 41.000 Soldaten der Anders-Armee und 74.000 begleitende Zivilisten in den Nahen Osten evakuiert. Als den Polen im Herbst 1941 die Amnestie gewährt wurde, meldete sich Kazimierz freiwillig bei der polnischen Armee von General Anders, die in Tatischtschew aufgestellt wurde. Im März des folgenden Jahres verließ er die UdSSR als Soldat. Kazimierz Młyńczak diente in einer Einheit der Militärpolizei und reiste mit dem 2. Polnischen Korps durch den Irak, Iran, Palästina und Ägypten nach Italien.

Kazimierz Młyńczak in den Polnischen Streitkräften im Nahen Osten, 1942

Am 12. September 1942 wurden die Armeen von General Anders und die Unabhängige Brigade der Karpatenschützen – Helden der Verteidigung von Tobruk im Jahr 1941 – zusammengelegt und die Polnischen Streitkräfte im Nahen Osten gegründet. Die Truppen waren zunächst im Irak stationiert und erlangten dort ihre Gesundheit zurück. Im Jahr 1943 wurde die Mehrheit der Einheiten aufgrund der Pläne der Alliierten zur Invasion Italiens nach Palästina verlegt.

Kazimierz Młyńczak diente in einer Einheit der Militärpolizei und reiste mit dem 2. Polnischen Korps durch den Irak, Iran, Palästina und Ägypten nach Italien.

Die größte Einheit der polnischen Armee war das 2. Polnische Korps (II Korpus Polski), das hauptsächlich aus Einheiten aus General Anders' Armee bestand. Es nahm am italienischen Feldzug im Jahr 1944 teil, erlangte in der Schlacht um Monte Cassino im Mai 1944 Ruhm und befreite später Ancona und Bologna.

Ruinen der Kleinstadt Piedimonte nach der Offensive (nahe Monte Cassino), 1944
Nach dem Krieg stellte General Anders in Erwartung eines Konflikts zwischen den Westalliierten und der UdSSR und in der Hoffnung auf die Befreiung der Länder von der sowjetischen Besatzung sein Korps zusammen. Anfang 1946 zählte es über 100.000 Soldaten. Kazimierz Młyńczak (erster von links) während seines Diensts in Italien, 1946

Im Februar 1946 beschloss die britische Regierung, die Polnischen Streitkräfte aufzulösen. Im September stimmte sie dann der Bildung des Polnischen Umsiedlungskorps zu. Hierbei ging es darum, die Demobilisierung durch eine entsprechende Vorbereitung der Soldaten auf das zivile Leben reibungslos zu gestalten. Die Soldaten wurden auf ehemalige Militärlager wie das in Foxley verteilt, das bis 1955 in Betrieb war.

Kazimierz Młyńczak im Lager in Foxley (Großbritannien), 1947. Einige der Soldaten kehrten nach Polen zurück, wo sie von den kommunistischen Behörden unterdrückt wurden. Die Mehrheit jedoch erhielt das Recht, sich in den britischen Herrschaftsgebieten niederzulassen, und siedelten sich in Großbritannien, Kanada und Australien an.
Kazimierz Młyńczak erfuhr erst 1941, dass seine Frau und seine Söhne im Laufe der Massendeportationen von Familien im April 1940 nach Sibirien verbannt worden waren. Zu dieser Zeit diente er in den Polnischen Streitkräften und bemühte sich darum, seine Familie aus Russland herauszuholen. Reisepass, den Kazimierz in Bagdad für seine Frau und seine Söhne erhielt, 1943

Nach dem Krieg ließ sich Kazimierz Młyńczak in Großbritannien nieder und bemühte sich vergeblich darum, seine Frau und seine Söhne nachzuholen. Zofia musste die sowjetische Staatsbürgerschaft annehmen und konnte deswegen die UdSSR nicht mehr verlassen, um ihrem Mann nachzuziehen.

Unterdessen blieb die Familie durch Briefe und Fotos in Kontakt. In den 1990er-Jahren wurde Kazimierz in England von seiner Enkelin Olga, der Tochter seines ältesten Sohns Waldemar, besucht.

Zofia Młyńczak mit ihren Enkelkindern Olga und Wiktor, 1965
Waldemar Młyńczak mit seiner Frau Wala, 1957
Kazimierz Młyńczak in London, 1987
Memoiren "Meine Biografie". Kazimierz Młyńczak begann im Jahr 1939 im Gefangenenlager in Rokiszki, Litauen, mit der Niederschrift seiner Memoiren – allerdings wurden sie ihm gestohlen. In England verfasste er sie nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals. Zu Beginn der 1990er-Jahre gelangte das Manuskript in den Besitz seines Bruder Witalis in Polen.
Wege der getrennten Familie Młyńczak
Der Familie Szwajdler erlitt während des Kriegs eine lange Trennung und erfuhr den Tod nächster Angehöriger. Franciszek wurde von den Deutschen gefangen genommen und verbrachte den gesamten Krieg in einem Offizierslager (Oflag). Ihre Hoffnung auf ein Wiedersehen und eine gemeinsame Zukunft zerschlug sich durch den Tod von Franciszeks Frau und Sohn beim Warschauer Aufstand. Die Trennung dauerte länger als der Krieg. Franciszek durfte bis 1956 nicht nach Polen zurückkehren und seine erwachsenen Töchter wiedersehen.

Stanisława und Franciszek Szwajdler lebten in Łódź und bauten dort ein glückliches Familienleben auf. Er wurde erfolgreicher Anwalt, Stanisława teilte ihre Zeit zwischen ihrer Familie, sozialem Leben und gemeinnütziger Arbeit auf. Jeden Tag kamen Franciszek und Stanisława mit ihrer ständig wachsenden Hausgemeinschaft – ihrem ältesten Sohn Włodek, den Töchtern Barbara und Teresa, Großmutter Emilia Lutomska und Tante Adela, die alle Dela nannten – sowie der Sekretärin, dem Rechtsreferendar und zahlreichen anderen Verwandten und Gästen zum Abendessen zusammen.

Erinnerung von Teresa Rybicka (geb. Szwajdler), 2009

Im August 1939 wurde Franciszek Szwajdler während eines Familienurlaubs in die Armee einberufen. Er kam bereits in Uniform, um seiner Familie Lebewohl zu sagen, und dies war das letzte Mal, dass sie zusammen waren.

Als Folge des verlorenen Verteidigungskriegs im Jahr 1939 wurden rund 420.000 Soldaten der polnischen Armee in deutsche Kriegsgefangenenlager gebracht – Offiziere in sogenannte Oflags (Offizierlager), einfache Soldaten und Unteroffiziere in sogenannte Stalags (Stammlager). Franciszek wurde interniert und verbrachte die nächsten sechs Jahre in Kriegsgefangenenlagern in Groß Born, Sandbostel und Blomberg.

Auf den Fotos sind Stanisława Szwajdler und ihre Kinder Włodek, Barbara und Teresa zu sehen. Die Bilder stammen aus der Besatzungszeit in Piorunów, Warschau und Głowno in den Jahren 1941 bis 1944. Einige der Fotos wurden dem im Oflag gefangen gehaltenen Vater, Franciszek Szwajdler, in Briefen mitgeschickt.

Während der Besatzung hielt Stanisława Szwajdler ihre Familie durch versteckten Handel über Wasser, was allerdings strengstens verboten war. Mehrmals schaffte sie Dinge aus der Wohnung in Łódź, die sich nach dem Ausbruch des Kriegs innerhalb der Grenzen des Dritten Reichs befand, und setzte sich somit beim illegalen Überqueren der Grenze einer großen Gefahr aus.

Das Leben im Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete war durch zahlreiche Anordnungen und Verbote geprägt: Es wurde eine Ausgangssperre verhängt und den Menschen untersagt, Radioapparate zu besitzen, sich an Orten aufzuhalten, die als "nur für Deutsche" gekennzeichnet waren, sowie Lebensmittel zu tauschen. Jeder Rechtsverstoß wurde hart bestraft – so wurden die Menschen womöglich eingesperrt, nach Deutschland oder in Konzentrationslager deportiert oder gar zum Tode verurteilt.

Leben unter deutscher Besatzung. Schmuggel und illegaler Grenzübertritt

"Es war nicht leicht für sie, unsere wachsende Schar zu ernähren! Sie verkaufte an einem Zigarettenstand, für den sie eine Konzession erhielt, ein paar Zigaretten und sehr viele sogenannte "Zigaretten aus eigener Herstellung", die wir zu Hause drehten. Meine kleinen Hände waren für diese Aufgabe am besten geeignet, weil ich das Zigarettenpapier am schnellsten mit Tabak füllen konnte. (...) Mama und Basia stellten Blumenornamente aus Organdy für Broschen und Haarspangen her und wir alle flochten gemeinsam Einkaufstaschen. Włodek, der "Handwerker", reparierte Uhren und Elektrogeräte und fertigte Stoffschuhe an."

Aus den Memoiren von Teresa Rybicka (geb. Szwajdler) "Meine Mutter", 2007
Teresa und Barbara Szwajdler bei der Arbeit an einer Handtasche, die verkauft werden sollte, 1941–1943
Während des Kriegs gingen viele Briefe voller Liebe, Sorge und tröstender Worte zwischen dem Oflag und Warschau hin und her. Franciszek unterstützte seine Frau Stanisława aus der Ferne und half ihr bei der Erziehung der Kinder. Indes schickte ihm seine Familie heitere Briefe, in denen das mühselige Leben im besetzten Warschau mit keinem Wort erwähnt wurde.
Kriegsgefangene mussten auf speziellen Briefformularen oder Postkarten mit ihren Familien korrespondieren. Sie durften nur mit Bleistift geschrieben sein und wurden von Zensoren geprüft.

Tragischer Tod der Angehörigen

Barbara und Teresa verbrachten den Urlaub im Jahr 1944 mit Freunden der Eltern auf dem Lande in Głowno. Nach Warschau kehrten sie nie mehr zurück. Sie erhielten Nachricht vom Tod ihrer Mutter, ihres Bruders und Dela, die bei einer öffentlichen Hinrichtung in Warschau erschossen worden waren.

Auch nach Kriegsende blieb die Familie weiter getrennt. Franciszek Szwajdler konnte nicht nach Polen zurückkehren, da er fürchtete, dass seine politische Tätigkeit vor dem Krieg in den Reihen der konservativen Nationalen Partei, die – wie alle alternativen politischen Optionen – von den neuen kommunistischen Machthabern in Polen als feindliche Ideologie angesehen wurde, ein Nachspiel haben würde.

Franciszek Szwajdler in der Uniform der Polnischen Streitkräfte im Westen

Nach dem Krieg blieb Franciszek in Deutschland. Später ging er nach New York, reiste aber zunächst kurz nach Polen, um seine Töchter wiederzusehen. Erst im Jahr 1956 konnte er nach Polen zu seinen bereits erwachsenen Töchtern zurückkehren.

Franciszek zeigte über die Jahre hinweg weiterhin seine Zuneigung und Sorge um seine Töchter und schickte ihnen liebevolle, ermutigende und sehnsüchtige Briefe – so wie er es auch schon während des Kriegs getan hatte.
Wege der getrennten Familie Szwajdler während und nach dem Zweiten Weltkrieg
Dies ist die Geschichte von zwei Menschen, die auf verschiedenen Wegen nach England gelangten, wo sie sich begegneten, heirateten und eine Familie gründeten. Während des Kriegs kreuzten sich ihre Wege nicht ein einziges Mal. Jeder von ihnen durchlebte ihn an einem anderen Ort: er unter der Besatzung durch die Deutschen, sie unter sowjetischer Besatzung.
Julian Stryjak wurde in Ochędzyn, einer Stadt in der Woiwodschaft Łódź, geboren und wuchs auch dort auf. Nach dem Abitur zog er nach Lemberg, wo er als Lehrer arbeitete.
Im Jahr 1936 heiratete er Irena Ciszewska, der er in der Stadt begegnet war. Sie war ebenfalls Lehrerin. Zwei Jahre später begann er sein Studium der Psychologie. Er hatte gerade sein erstes Studienjahr abgeschlossen, als der Krieg ausbrach.
Ende August 1939 wurde Julian Stryjak in die Armee einberufen. Am 1. September, als seine Einheit in den Krieg zog, sah er seine Frau zum letzten Mal. Sie war gekommen, um sich von ihm zu verabschieden.

Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen aus dem Norden, Westen und Südwesten an. Die polnische Armee war trotz entschlossenen Widerstands nicht in der Lage, die zahlenmäßig überlegenen und besser bewaffneten deutschen Truppen aufzuhalten.

Julian befehligte einen mit schweren Maschinengewehren bewaffneten Zug im 19. Infanterieregiment, das in der Nähe von Płock kämpfte. Bei einem Artilleriebeschuss wurde er verwundet und ins Krankenhaus gebracht.
Julian Stryjak in deutscher Kriegsgefangenschaft, Oflag XI B in Braunschweig, 1939. Als Folge des verlorenen Verteidigungskriegs im Jahr 1939 wurden rund 420.000 Soldaten der polnischen Armee der Republik Polen in deutsche Kriegsgefangenenlager gebracht – Offiziere in Oflags, einfache Soldaten und Unteroffiziere in Stalags.

Julian Stryjak verbrachte sechs Jahre in deutschen Kriegsgefangenenlagern. In der Gefangenschaft fand er heraus, dass seine Frau in die UdSSR deportiert worden war. Immer wieder versuchte er, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Zwar konnte er keinen direkten Kontakt herstellen, doch erhielt er durch einen Briefwechsel mit einem Cousin in Różniatowo (im besetzten Polen) Informationen über seine Frau.

Postkarte von Irena Stryjak, geschickt aus dem Exil in der UdSSR an den Cousin ihres Manns im besetzten Polen, 1941
Julian Stryjaks Brief aus dem Feldlazarett im Stalag Tangerhütte an seine Familie in Polen, 1944
Im Jahr 1942 blieben die Briefe von Irena Stryjak aus – sie war im fernen Guzar gestorben. Julian erfuhr jedoch erst nach dem Krieg von ihrem Tod. Bis dahin versuchte er herauszufinden, an welchen Ort im Nahen Osten seine Frau gebracht worden war.
Nach dem Krieg hatten Tausende von Menschen keine Informationen über ihre Angehörigen. Zivile und militärische Organisationen leisteten Hilfe bei der Suche und Wiederzusammenführung von Familien. Polnischen Staatsangehörigen wurde diese Art von Hilfe vor allem durch das Polnische Rote Kreuz bereitgestellt.

Im Jahr 1945 gelang es Julian, während der Evakuierung des Kriegsgefangenenlagers in Görlitz zu entkommen. Er reiste durch Böhmen und Deutschland nach Frankreich, wo er sich der polnischen Armee anschloss.

Julian Stryjak (zweiter von rechts) während einer Reise nach Lourdes, 1946
Julian Stryjak im polnischen Militärlager in La Courtine in Frankreich, 1946
Dienstbuch, das Julian Stryjaks Militärdienst dokumentiert, 1946
Beendigung des Militärdiensts im Zusammenhang mit der Auflösung des Polnischen Umsiedlungskorps, 1949
Julian Stryjak, Lager in Foxley (England), 1949. Nach der Demobilisierung begann er, als Uhrmacher zu arbeiten, und ließ sich in Manchester nieder, wo er seine neue Familie gründete...
Hilaria Borowska wurde in Białystok geboren und wuchs auch dort auf. Nach dem Abitur begann sie, als Angestellte zu arbeiten. Sie war 26, als der Krieg ausbrach.

Im Jahr 1941 wurden Hilaria Borowska, ihre Mutter und ihr Bruder Tadeusz auf verschiedenen Wegen nach Sibirien deportiert. Nur ihr Vater, Wincenty, und ihre jüngere Schwester, die für ihn sorgte, blieben in Białystok zurück.

Hilaria traf im Jahr 1942 in Pahlevi (Iran) ein und schloss sich dort der polnischen Armee von General Anders an, wo sie als Quartiermeister arbeitete.
Hilaria Borowska (dritte in der linken Reihe) in einem Frauenhilfsdienst der Anders-Armee, 1943–1944

Der Frauenhilfsdienst wurde neben den Polnischen Streitkräften in der Sowjetunion von General Anders gegründet und basierte auf denselben organisatorischen Prinzipien und hierarchischen Strukturen wie die Armee. Er bestand aus etwa fünftausend Freiwilligen, die mit Aufgaben in den Bereichen Erste Hilfe, Kultur, Propaganda, Transport, Verwaltung, Wachdienst und Kommunikation betraut waren. Diese Truppe wurde 1946 aufgelöst.

Hilaria Borowska reiste mit der Anders-Armee nach Teheran, wo sie mit ihrem Bruder Tadeusz zusammentraf, den sie seit ihrer Verhaftung im Jahr 1941 nicht mehr gesehen hatte. Im Februar 1944 heiratete Tadeusz in Karachi Janina Marszewska. Sie brachen gemeinsam zu Lagern in Afrika auf – zuerst in Daressalam und später in Kigoma. Tadeusz starb im Mai 1945 an einem Herzleiden und hinterließ eine sechs Monate alte Tochter, Barbara.

Im Herbst 1947 segelte Hilaria auf der "Empress of Australia" nach England.

Hilaria Borowska, zweite von links in der vorderen Reihe, Lager des Polnischen Umsiedlungskorps in Witley, 1949
Hilaria Borowska auf dem Trafalgar Square, 1949
Hilaria Borowska und Julian Stryjak lernten sich über Bekannte kennen, heirateten und ließen sich in Manchester nieder. Tag ihrer Hochzeit im Jahr 1950
Hilaria und Julian Stryjak mit ihren Kindern Andrzej und Barbara, 1957

Die Stryjaks reisten im Jahr 1971 zum ersten Mal seit dem Krieg zurück nach Polen – nach 30-jähriger Abwesenheit überschritt Hilaria erstmals wieder die Schwelle ihres Elternhauses.

Barbara, die Tochter von Hilaria und Julian Stryjak, erzählt vom Schicksal ihrer Eltern während des Zweiten Weltkriegs.
Die Wege, die von Hilaria Stryjak (geb. Borowska) während des Zweiten Weltkriegs durch den Nahen Osten zurückgelegt wurden, in einem Brief an ihre Tochter geschickt, die auf den Spuren ihrer Mutter in den Nahen Osten reisen wollte

"Ich schicke dir eine Karte, in der ich meine dortige Reise dokumentiert habe, damit du sie besser nachvollziehen kannst. Von Teheran fuhren wir Anfang April mit dem Zug – durch mehr als hundert Tunnel – nach Ahvaz, von Ahvaz mit dem Auto nach Basra und von Basra mit einem sehr kleinen Zug mit kleinen Waggons weiter. Der Chamsin begleitete uns auf der gesamten Strecke. Auf eine Armlänge Entfernung konnte man außer dem aufgewirbelten, im heulenden Wind wehenden roten Wüstenstaub nichts sehen. Die Autofahrt von Bagdad nach Jerusalem dauerte vier Tage – nichts als Wüste und schwarze Steine, nicht ein einziger Grashalm. Erst nachdem wir die Grenze zu Palästina überquert hatten, war wieder Ackerland zu sehen. Im April war es schon sehr warm dort und ich trug eine leichte Baumwolluniform – einen Rock und ein kurzärmeliges Popelinehemd."

Aus einem Brief von Hilaria Stryjak an ihre Tochter Barbara, 29. April 1975
Barbara Stryjak mit ihren Eltern vor der Berliner Mauer, 1987
Wege der getrennten Familie Stryjak während und nach dem Zweiten Weltkrieg
Mitwirkende: Geschichte

The Polish History Museum in Warsaw expresses its sincere appreciation for their kind and helpful involvement in the project to — Maria Brylowska, Teresa Rybicka, Barbara Stryjak
Curation — Ewa Wójcicka, Polish History Museum
Proofreading — Barbara Stryjak, Tomasz Wiścicki
IT support — Artur Szymański
Exhibit's origin  — the presentation is part of the “Families Separated by History” project run by the Polish History Museum, rodziny.muzhp.pl

Quelle: Alle Medien
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