April 1942 bis Juli 1943

Fotos gegen das Vergessen

Auschwitz-Birkenau State Museum

Deportation von Juden aus Zagłębie Dąbrowskie nach Auschwitz

Nach der Befreiung von Birkenau wurde in den Trümmern ein Karton mit einer einzigartigen Fotosammlung gefunden. Sie befand sich möglicherweise in dem als „Kanada“ bezeichneten Bereich, wo das Gepäck der in den Gaskammern ermordeten Juden sortiert wurde. Hunderte von Gesichtern: lachend, glücklich, gedankenversunken, verspielt, melancholisch. Hochzeiten, Geburten, Urlaubsreisen mit Familie und Freunden. Eine für immer verschwundene Welt, auf Bildern verewigt. Die Welt polnischer Juden vor dem Holocaust. Die meisten der etwa 2400 Fotos zeigen jüdische Familien aus dem Gebiet Zagłębie: aus Będzin, Sosnowiec und Umgebung. Viele von ihnen stellen dieselben Personen an verschiedenen Orten, in verschiedenen Situationen, zu verschiedenen Zeiten dar, zusammen mit Angehörigen und Freunden. Es sind sowohl Amateuraufnahmen als auch professionelle Fotografien darunter. Schnappschüsse und Postkarten. Die Fotografen hielten Augenblicke fest, die sie in Erinnerung behalten wollten: eine Hochzeitsreise, ein Familientreffen, vor allem aber Szenen aus dem alltäglichen Leben – Spaziergänge auf der Straße, spielende Kinder und Freizeitvergnügen. Möglicherweise wurden die Fotos von Mitgliedern einer einzigen Familie mit ins Lager gebracht, oder sogar von Nachbarn aus demselben Haus – mit Sicherheit jedoch von Menschen, die mit demselben Transport ins Lager kamen. Höchstwahrscheinlich wurden die Bilder von den Gefangenen, die in „Kanada“ arbeiteten, in einen Karton oder einen Koffer gelegt, wo sie ganz einfach in Vergessenheit gerieten.

Die Familien Broder und Kohn

Die Broders lebten mit ihren sechs Kindern – Bronka, Lejb, Eli Aron, Hadasa, Chenoch und Idka – in der Małachowskiego Straße 52 in Będzin. Hier befand sich auch ihr Geschäft, in dem sie Schreibwaren, Drogerieartikel und Tabakwaren verkauften.

In den zwanziger Jahren planten die Broders eine Reise nach Palästina. "Unser Vater hatte eine Destillerie in Jaffa. Wir hatten alles vorbereitet. Kurz vor unserer Abreise erhielt unsere Mutter jedoch ein Telegramm von unserem Vater – bei der Arbeit war ihm ein Eisenfass aufs Bein gefallen und hatte ihn schwer verletzt. Er musste sechs Wochen lang in Tel Aviv im Krankenhaus bleiben", erinnert sich Eli Broder, das einzige Familienmitglied, das den Holocaust überleben sollte.

Fajgla Broder blieb mit den Kindern in Będzin. Der Vater verkaufte sein Unternehmen in Jaffa und kehrte nach Polen zurück.

Anfang der dreißiger Jahre heiratete die älteste Tochter, Bronka, Majer Kohn. Dessen Eltern, Nahum und Dina Kohn, besaßen ein Geschäft für Damenbekleidung in der Modrzejowska-Straße in Sosnowiec. Ihren Urlaub verbrachten sie für gewöhnlich in Krynica.

Bronka und Majer Kohn hatten zwei Kinder: David und Renia. Das Leben der Kinder wurde in einer Reihe von Fotos verewigt, die bei Spaziergängen durch die Stadt und im Urlaub aufgenommen wurden. Professionelle Aufnahmen sind jedoch nicht darunter. Eli Broder, der die Geschichte seiner Familie erzählt hat, war ein leidenschaftlicher Fotograf. Aus der gesamten Sammlung von 2400 Fotografien suchte er diejenigen heraus, die er selbst aufgenommen hatte. Er erzählt: "Ich habe sehr viel fotografiert. Ich hatte eine Volkländer-Kamera, später dann eine Leica. Ich habe das Foto von Hudka (Hadasa) und Bronka mit den Kindern gemacht, als ich sie zufällig auf dem Heimweg von der Arbeit traf. Ich habe das Bild zu Hause entwickelt und ihnen dann geschenkt." Die Broders und die Kohns waren religiöse Familien und ihre Kinder besuchten jüdische Schulen in Będzin. Eli Broder erinnert sich an seine Kindheit: "Solange ich bei meiner Familie lebte, war ich religiös und lernte in einer Jeschiwa. Aber ich hatte kein gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Mein Vater war sehr streng. Einmal habe ich Schlittschuhe unter der Badewanne versteckt, und als mein Vater sie fand, gab er sie einem anderen Jungen."

Die Kindererziehung in religiösen Familien war auf eine fromme Lebensweise ausgerichtet. Die Söhne sollten die Traditionen ihrer Väter fortführen und besuchten Schulen, in denen sie den Talmud studierten und auf ein Leben nach den religiösen Regeln vorbereitet wurden. Eli Broder war ein begeisterter Radfahrer; Sport und körperliche Ertüchtigung gehörten jedoch nicht zu den Idealen einer orthodoxen Erziehung. Eli erinnert sich, dass dies häufig zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und seinem Vater führte.

1937 heiratete Eli Broder. Seine Eltern waren gegen die Heirat. Die Familie seiner Frau war nicht wohlhabend und ihre Brüder waren Kommunisten.

Nach dem Angriff der Deutschen auf Polen flohen Eli Broder und seine Frau in die Sowjetunion.

Seine Familie blieb in Będzin. Der nächste Bruder, Lejb Broder, heiratete zu Beginn des Krieges Fajgla Rypsztajn. 1941 heiratete Hadasa Broder David Szlezyngier.

1941 wurden Nahum und Majer Kohn auf dem Marktplatz in Sosnowiec erhängt.

Lejb Broder wurde bei der Räumung des Ghettos zwischen dem 22. und dem 26. Juni 1943 erschossen. David Szlezyngier wurde in ein Arbeitslager deportiert und ermordet. Andere Mitglieder der Familie wurden nach Auschwitz verschleppt. Niemand von ihnen überlebte den Holocaust.

Eli Broder und seine Frau leben in Israel.

Fajgla Broder und ihre Kinder: Hadasa, Fajgla, Idka, Lejb, Chenoch und Eli. Dieses Foto wurde vor der geplanten Reise nach Palästina für einen Pass aufgenommen. Die älteste Tochter, Bronka, die bereits verheiratet war, ist nicht mit im Bild. Będzin, 1926
Dina und Nahum Kohn. Krynica, in den zwanziger Jahren
Dina und Nahum Kohn. Krynica, in den zwanziger Jahren
Nahum Kohn mit seinen Töchtern. Polen, in den dreißiger Jahren
Majer Kohn vor dem Geschäft seiner Eltern in der Modrzejowska-Straße in Sosnowiec. Sosnowiec, in den dreißiger Jahren
Renia und David Kohn. Rajcza, 1939
David Kohn. Polen, 1936

„Ich habe sehr viel fotografiert. Ich hatte eine Volkländer-Kamera, später dann eine Leica. Ich habe das Foto von Hadasa und Bronka mit den Kindern gemacht, als ich sie zufällig auf dem Heimweg von der Arbeit traf. Ich habe das Bild zu Hause entwickelt und ihnen dann geschenkt.“

Eli Broder, das einzige Familienmitglied, das den Holocaust überlebte

Das letzte von Eli Broder aufgenommene Foto der Familie. Erste Reihe von links: David Kohn, Hadasa Broder, Renia Kohn; zweite Reihe: Bronka Kohn und das Kindermädchen. Będzin, 1939
Die Hochzeit von Fajgla Rypsztajn und Lejb Broder. Erste Reihe von links: Hadasa Broder, David Kohn, Renia Kohn, Fajgla Broder, Idka Broder; zweite Reihe: Bronka Kohn und Fajgla Broder. Będzin, 1941. Fotograf: Fotograf J. Goldcwajg
Verlobungsfoto von Hadasa Broder und David Szlezyngier. Będzin, nach 1939

Die Familie Małach

Chana Pesia und Aron Josef Małach kamen aus Maków Mazowiecki, einer Kleinstadt in der Nähe von Warschau. 1905 verließen sie ihren Heimatort zusammen mit ihren acht Söhnen und zogen nach Będzin. Dort errichteten drei der Söhne eine Fabrik, in der aus Rinderdärmen Wursthäute für polnische Wurstwarenhersteller produziert wurden.

Der vierte Sohn, Welwel, handelte mit Rohstoffen für die Klebstoffproduktion. Hierzu gehörte auch Rinderblut, das er in einem Schlachthof erwarb und dann an andere Hersteller verkaufte. Vor dem Krieg wanderten zwei Brüder nach Palästina aus. 1939 kehrte einer von ihnen nach Polen zurück, da er in Palästina beruflich nicht erfolgreich war.

Rafael Małach, der nächste der acht Söhne von Chana Pesia und Aron Josef Małach, heiratete seine Cousine Malka Ruchel Blum. Zusammen zogen sie von Będzin nach Dąbrowa Górnicza, eine nahe gelegene Industriestadt in einer vom Bergbau dominierten Region. Dort errichtete Rafael Małach zusammen mit seinem Freund eine ähnliche Kischke-Fabrik wie seine Brüder. Die Firma ging jedoch bankrott und Rafael kehrte zum Familienunternehmen zurück. Rafael und Malka Ruchel Małach hatten sieben Kinder: Icchak, Zysze, Frymet, Syma, Estera, Wolf (jetzt Ze'ev) und Abraham.

Ze'ev Małach, der derzeit in Israel lebt, erzählt die Geschichte seiner Familie: „Wir waren eine kinderreiche Familie. Wenn wir uns zum Purimfest bei unserer Großmutter Chana Pesia trafen, waren wir viele Leute. Großmutter regierte die Familie wie ein Diktator. Sie sorgte dafür, dass die besser verdienenden Brüder den ärmeren oder verarmten wie meinem Vater halfen. Jeden Abend kam die gesamte Familie bei unserer Mutter in Będzin zusammen. Mein Vater ging drei- bis viermal die Woche zu Fuß zu ihr, um sie zu besuchen. Mein Großvater war kerngesund; Raschi las ohne Brille, hatte noch alle Zähne und nahm am täglichen Baderitual teil. Sein Haar war nur leicht ergraut. Nach der Mikwe aß er Hering, den er mit Wodka herunterspülte. Das verschaffte ihm ein Gefühl völliger Zufriedenheit.“

Zysze und Icchak, die ältesten Söhne von Rafael und Malka, waren sehr talentierte Heimwerker. Ze'ev erinnert sich, dass Icchak vor dem Krieg aus verschiedenen Teilen seinen eigenen Fotoapparat zusammenbaute. Vermutlich nahm er auch viele Familienfotos auf.

Alle Geschwister waren Mitglieder unterschiedlicher politischer Organisationen: Icchak und Zysze waren Kommunisten, Estera gehörte der Hashomer Hatzair an, Frymet war in der Gordonia aktiv, Syma im Bund und Ze'ev in Haschomer Hadati. Ze'ev erzählt: "Zu Hause hatten wir fünf Parteien, aber trotzdem waren wir eine Familie ohne interne ideologische Auseinandersetzungen." Einige der Geschwister gerieten aufgrund ihres politischen Engagements mit den polnischen Behörden in Konflikt. Einmal wurde Icchak Małach verhaftet, nachdem er eine rote Flagge gehisst hatte. 1937 musste Syma mit ihrem Mann David Krauze – einem aktiven Kommunisten in Dąbrowa Górnicza – aus Polen fliehen, da ihm eine Verhaftung drohte. Zwei Jahre lang lebten sie illegal in Frankreich. 1934 heiratete Icchak Małach Sara Ruda, mit der er nach Będzin zog.

1937 wurde ihr Sohn Abraham geboren.

Saras Familie kam aus Warschau, wo ihr Vater im Judenviertel als Fischhändler tätig war.

Sara Małach war Hebamme und arbeitete im jüdischen Krankenhaus "Bikur Cholim" in Będzin.

Icchak Małach arbeitete zunächst in der Druckerei seines Onkels Aba, bevor er zusammen mit seinem Schwager seine eigene Firma gründete. Ze'ev berichtet: "Mein Vater wollte, dass ich Kaufmann werde. Ich arbeitete in einem Textilgeschäft, seit ich 14 war. Es gefiel mir jedoch nicht besonders, weshalb ich anfing, alle Reißverschlüsse im Laden zu ordnen. Außerdem hatte ich einen sehr guten Sinn für Farben. Wenn Frauen in den Laden kamen, wurde ich herbeigerufen, um sie zu beraten. Später arbeitete ich in der Druckerei meines Onkels." Ze'ev heiratete Itka kurz nach Kriegsausbruch und floh mit ihr in die Sowjetunion.

Icchak, Sara und Abraham Małach blieben in Będzin und überlebten den Holocaust nicht.

Die Großmutter, Chana Pesia, starb vor dem Krieg und Aron Josef wurde nach 1939 ermordet. Wo dies geschah, ist nicht bekannt.

Kurz vor dem Krieg wurden Syma Małach und David Krauze aus Frankreich nach Polen vertrieben. Danach flohen sie in die Sowjetunion. Ze'ev erzählt: "Syma starb 1943 in Samarkand in meinen Armen an einer Bauchhöhlenschwangerschaft. Auf der Flucht vor den Deutschen kamen Itka und ich nach Taschkumir in Sibirien. Dort arbeitete ich in einem Bergwerk. Als ich erfuhr, dass Syma krank war, machte ich mich unter großer Gefahr auf den Weg zu ihr. Syma starb in Samarkand und wurde dort begraben."

1939 floh Zysze Małach in die Sowjetunion. 1945 ging er zurück nach Polen. Ze'ev, Itka und die Kinder kehrten 1946 nach Polen zurück. Das einzige Mitglied ihrer 178-köpfigen Familie, das sie dort finden konnten, war Zysze. Sie beschlossen, Polen zu verlassen, und wanderten nach Palästina aus.

Zysze starb 1985 in Israel.

Ze'ev und Itka leben in Herzlia.

Chana und Aron Małach mit ihren Söhnen. Erste Reihe von links: Jankiel David, Aron Józef, Chana Pesia, Rafael Hirsz, Chana Pesia, Rafael Hirsz; zweite Reihe: Aba, Icchak Mordechai, Welwel Benjamin, Mosze Pinkas, Lajb, Jechi’el. Będzin, 31. Oktober 1928

"Wir waren eine kinderreiche Familie. Wenn wir uns zum Purimfest bei unserer Großmutter Chana Pesia trafen, waren wir viele Leute. Großmutter regierte die Familie wie ein Diktator. Sie sorgte dafür, dass die besser verdienenden Brüder den ärmeren oder verarmten wie meinem Vater halfen.

Jeden Abend kam die gesamte Familie bei unserer Mutter in Będzin zusammen. Mein Vater ging drei- bis viermal die Woche zu Fuß zu ihr, um sie zu besuchen."

Wolf (jetzt Ze'ev) Małach

Malka Ruchel und Rafael Małach mit ihren Kindern. Erste Reihe von links: Wolf, Malka Ruchel mit Abraham auf dem Schoß, Rafael Hirsz, Syma, Frymet; zweite Reihe: Estera, Icchak, Zysze. Polen, in den zwanziger Jahren

"Zu Hause hatten wir fünf Parteien, aber trotzdem waren wir eine Familie ohne interne ideologische Auseinandersetzungen." Wolf (jetzt Ze'ev) Małach

Icchak, Sara und Zysze Małach mit ihren Freunden. Vorne, Erster von links: Itche Gutman, Zweite von links: Sara; hinten, Vierte von links: Adela Schneiberg und Wowa Reichkind; rechts: Icchak. Polen, in den dreißiger Jahren
Sara Małach bei der Arbeit im Krankenhaus
Sara und Abraham Małach auf der Entbindungsstation
Die Familie Małach: Sara mit Abraham auf dem Schoß, daneben Saras Eltern, Rafael Hirsz und Icchak
Sara, Icchak und Abraham Małach. Będzin, 29. Dezember 1942
Abraham Małach. Będzin, 1943

Die Familie Koplowicz

Aron Koplowicz und seine Frau Rywka hatten sieben Kinder: Judl, Mirele, Helcia, Szlomo, Roza, Cesia und Sara. Aron Koplowicz war ein wohlhabender Kaufmann und Inhaber eines Textilgeschäfts am Alten Marktplatz in Będzin. Die Koplowicz' waren eine strenggläubige Familie – Aron gehörte dem Gerer-Rabbi Chassidim an, einer chassidischen Gruppe um einen Tzaddik aus Góra Kalwaria, und war ein angesehenes Mitglied der jüdischen Gemeinschaft.

Die Kinder von Aron und Rywka wurden streng religiös erzogen.

Das Familiengeschäft am Alten Marktplatz wurde von der ältesten Tochter geführt, Mirele, die früh starb. Nach ihrem frühen Tod übernahm Szlomo das Geschäft.

Die Familie Koplowicz reiste oft an ihre Lieblingsurlaubsorte wie Kamińsk, Krynica und Rabka, oder nach Łódź, wo ihre zweitälteste Tochter, Helcia Zajdman, mit ihrer Familie lebte. Chana Koplowicz, eine Verwandte, erinnert sich noch an deren Hochzeit, die in Będzin stattfand. "Ich war damals sehr beeindruckt von den Zajdman-Schwestern, die in goldenen Schuhen, mit langen Kleidern und sehr eleganten blonden Perücken aus Łódź zur Hochzeit kamen. Daran kann ich mich bis heute gut erinnern." Die Töchter von Aron Koplowicz waren ebenfalls immer modisch und elegant gekleidet, im krassen Gegensatz zum strengen Lebens- und Kleidungsstil ihres Vaters. Viele der Fotos zeigen Roza Koplowicz als moderne, lebensfrohe junge Frau. Nach der Besetzung Polens durch die Deutschen kehrte die älteste Tochter, Helcia Zajdman, mit ihrem Mann und ihren Kindern nach Będzin zurück. Die ganze Familie lebte in sehr beengten Verhältnissen: "Diese große Familie bewohnte mit fast 30 Personen drei kleine Zimmer im Ghetto. Helcia und ihre Kinder, ihr älterer Bruder Judl mit seinen sieben Kindern, die Eltern und die Geschwister lebten alle dort. Es war ein kleines, einstöckiges Haus." Das Textilgeschäft der Koplowicz' wurde konfisziert und einem deutschen Aufseher zugewiesen.

Durch die Arisierung jüdischer Unternehmen und Geschäfte verloren nicht nur die Inhaber ihr Eigentum, viele Juden verloren zudem auch ihre Arbeit und ihr Einkommen. Roza und Cesia Koplowicz arbeiteten in einem Geschäft, das von "Ariern" übernommen wurde. Dies bewahrte sie eine Zeit lang vor der Deportation. Chana Koplowicz berichtet von den Bemühungen der Menschen, die versuchten, im Ghetto zu überleben: "Die Aufseher in der Małachowskiego-Straße brauchten Buchhalter. Ich traf den Aufseher eines unserer jüdischen Nachbarn, die einmal eine Eisenwarenhandlung gehabt hatten. Dieser Aufseher war ein SA-Mann mit dem Namen Völkel. Er war für fünf jüdische Geschäfte verantwortlich. Ich setzte für jedes dieser Geschäfte ein anderes Familienmitglied ein. Auf diese Weise erhielten sie Sondergenehmigungen von speziellen SA-Männern, die für die Arbeit von Ausländern zuständig waren. Personen ohne eine solche Genehmigung wurden in Arbeitslager geschickt." Viele Paare heirateten im Ghetto. Dies bewahrte die Männer vorübergehend vor der Deportation. Zugleich zeugen diese Hochzeiten von den Bemühungen, die unternommen wurden, um unter diesen menschenunwürdigen Bedingungen den Anschein eines normalen Lebens zu erwecken. Roza Koplowicz heiratete Anfang 1943. Chana heiratete ebenfalls im Ghetto. Beide hatten Kinder, sie überlebten den Holocaust jedoch nicht. Bei der Schließung des Ghettos versteckten sich Chana und ihr Mann in einem Bunker. Nach ein paar Wochen gingen ihre Lebensmittelvorräte zu Ende. "Wir beschlossen, unser Versteck zu verlassen. Wir konnten uns waschen und der Aufseher, für den ich im Ghetto gearbeitet hatte, tat uns noch einmal einen Gefallen. Er sagte uns, dass ein deutscher Wachmann jeden Morgen eine Gruppe von 50 bis 60 Juden an seinem Haus vorbeiführte, vom Waisenhaus zum Ghetto. Abends führte er sie wieder zurück. Diese Juden arbeiteten im sogenannten "Aufräumungskommando" und hatten die Aufgabe, das verlassene Ghetto aufzuräumen. Der Aufseher überbrachte ihnen eine Nachricht von mir, in der ich sie bat, uns in ihre Gruppe aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt, nach der "Säuberung" der Juden, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder man suchte Schutz bei einem wohlgesinnten Nichtjuden auf der arischen Seite oder man wurde in das Aufräumungskommando aufgenommen. Uns wurde geraten, uns unbemerkt der Gruppe anzuschließen, wenn die Leute zum Ghetto geführt wurden. Unsere Ankunft musste koordiniert werden. Wir mussten den Platz derjenigen einnehmen, die sich für die Flucht entschieden hatten. Die Namensliste des deutschen Aufsehers musste stimmen – niemand durfte fehlen und es durften keine neuen Namen auftauchen. Im Laufe der Zeit wurde unsere Gruppe immer kleiner und es blieben nur noch die Leute mit Verbindungen übrig. Ich wurde in ein Arbeitslager gebracht." Die meisten Mitglieder der Familie Koplowicz wurden nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Chana Koplowicz erinnert sich: "Die Familie meines Onkels Aron Koplowicz wurde bei der "Säuberung" des Ghettos deportiert. Die einzigen, die ich wiedersah, waren Gelcia mit ihrem Mann und ihren Kindern. Sie versteckten sich in einem Bunker und ich begegnete ihnen bei der Arbeit im Aufräumungskommando. Ich weiß nicht, was später mit ihnen passierte. Vermutlich dasselbe wie mit den anderen. Sie wurden nach Auschwitz gebracht." Cesia ist das einzige Kind von Aron und Rywka Koplowicz, das den Holocaust überlebte. Nach dem Krieg wanderte sie nach Israel aus und starb in den achtziger Jahren in Jerusalem. Chana Koplowicz verließ Polen ebenfalls und lebte bis zu ihrem Tod 1997 in Israel.

Ryfka Koplowicz und ihre Kinder. Von links: Cesia, Sara und Roza; zweite Reihe: Szlomo, Rywka, Mirele und Gelcia. Kamińsk, 1928
Vor dem Textilgeschäft der Familie Koplowicz am Alten Marktplatz in Będzin. Am Eingang steht Roza Koplowicz. Będzin, in den dreißiger Jahren
Roza Koplowicz (Erste von links) und Cesia (Dritte von links). Bei dem Kind handelt es sich vermutlich um einen der Söhne von Gelcia Zajdman. Polen, in den dreißiger Jahren
Rywka und Aron Koplowicz. Krynica, in den dreißiger Jahren
Roza Koplowicz mit ihrer Mutter. Krynica, 1937
Roza Koplowicz (rechts). Polen, in den dreißiger Jahren
Roza Koplowicz. Polen, in den dreißiger Jahren
Roza Koplowicz. Krynica, 1937
Hochzeit von Roza Koplowicz. Będzin, 1943

"Die Familie meines Onkels Aron Koplowicz wurde bei der "Säuberung" des Ghettos deportiert. Die einzigen, die ich wiedersah, waren Gelcia mit ihrem Mann und ihren Kindern. Sie versteckten sich in einem Bunker und ich begegnete ihnen bei der Arbeit im Aufräumungskommando. Ich weiß nicht, was später mit ihnen passierte. Vermutlich dasselbe wie mit den anderen. Sie wurden nach Auschwitz gebracht." Chana Koplowicz (verheiratete Zuberman), eine Verwandte

Die Familie Huppert

Über die Familie Huppert ist nur das bekannt, was sich aus den Fotos und den Grüßen und Kommentaren herauslesen lässt, die ihre Besitzer darauf hinterlassen haben. Es wurde niemand gefunden, der sich an die Familie erinnert.

Die Hupperts kamen aus Cieszyn, einer Stadt an der polnisch-tschechischen Grenze. Roza und Josef hatten sechs Kinder: Arthur, Adolf, Ferdynand, Mizzi und einen weiteren Sohn und eine Tochter, deren Namen unbekannt sind. Die Familie war wohlhabend und führte ein vornehmes Leben. Die Fotos aus den zwanziger Jahren zeigen nicht nur einzelne Szenen aus dem Leben der Familie, sondern sind auch Ausdruck der besonderen Atmosphäre, die sie umgab. Arthur Huppert und seine Frau Grete heirateten am 9. Januar 1938 in Opava. Nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 1938 lebten sie in Olmütz. Arthur fotografierte sein Kind regelmäßig und sandte Fotos mit ausführlichen Beschreibungen an seine Eltern.

Arthur, Grete und Peter Huppert wurden im Sommer 1944 ermordet.

Am 29. April wurde die gesamte Familie von Theresienstadt nach Baranawitschy gebracht, wo sie auch starb.

Rosa und Josef Huppert mit ihren Kindern. Der Name des Kindes vorn im Bild ist nicht bekannt. Hinten in der Mitte ist Mizzi zu sehen, umgeben von Ihren Brüdern Adolf, Arthur und Ferdynand. Der Name des vierten Bruders ist nicht bekannt. Cieszyn, in den dreißiger Jahren
Adolf Huppert. Tschechoslowakei, in den dreißiger Jahren
Arthur Huppert. Tschechoslowakei, in den dreißiger Jahren
Mizzi Huppert. Cieszyn, 1933
Hochzeit von Mizzi Huppert. Tschechoslowakei, in den dreißiger Jahren
Hochzeitsfoto von Ferdynand und Hilda Huppert. Tschechoslowakei, in den dreißiger Jahren
Hochzeit von Arthur und Grete Huppert. Opava, 1938. Fotograf: Fotograf Robert Spurny, Opava
Peter, Sohn von Arthur und Grete Huppert. Cieszyn, 1939. Fotograf: Fotograf Elsner, Cieszyn
Arthur und Peter Huppert. Olmütz (Tschechoslowakei), um 1940
Arthur, Peter und Grete Huppert. Olmütz (Tschechoslowakei), 1940
Peter Huppert. Olmütz (Tschechoslowakei), 1940
Mitwirkende: Geschichte

Teksty zaczerpnięto z książki "Zanim odeszli... Fotografie odnalezione w Auschwitz" pod red. Kersten Brandt, Hanno Loewy, Krystyna Oleksy.
Curator — Dr Maria Martyniak
Curator — Agnieszka Juskowiak-Sawicka
Excerpts taken from the book "Zanim odeszli... Fotografie odnalezione w Auschwitz" ("Before they perished... Photographs found in Auschwitz") by Kersten Brandt, Hanno Loewy, Krystyna Oleksy.
Curator — Dr Maria Martyniak
Curator — Agnieszka Juskowiak-Sawicka

Quelle: Alle Medien
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