17.06.2011 bis 31.12.2011

federflug — 150 Jahre Urvogel-Fund

Museum für Naturkunde Berlin

Eine Ausstellung anlässlich des 150. Jahrestages der Erstbeschreibung von Archaeopteryx lithographica. Die Ausstellung wurde von Juni 2011 bis Februar 2012 am Museum für Naturkunde Berlin gezeigt.

Federflug
Hermann von Meyer beschrieb 1861 einen Federfund aus dem Solnhofener Plattenkalk als Archaeopteryx lithographica und brachte ihn wenig später mit einem weiteren Fossilfund, dem "Skelett eines mit Federn bedeckten Thiers" in Verbindung. Der Wissenschaftler war sich zwar der Sensation bewusst, hatte aber nicht den Hauch einer Ahnung, welche Diskussionen sich bis in unsere Zeit um das berühmteste Fossil der Welt entzünden würden. Archaeopteryx ist heute das wohl berühmteste Fossil der Welt. Neben dem originalen "Berliner Exemplar" zeigte die Sonderausstellung auch erstmals die Gegenplatte und das Original der fossilen Feder, die dem Urvogel seinen Namen verlieh.

Ein Blick in die ehemalige Sonderausstellung "Federflug" am Museum für Naturkunde, Berlin

Von Dinosauriern zu Vögeln
Seit dem Fund der Archaeopteryx-Feder beschäftigt Wissenschaftler die Frage, wie sich ein solch komplexes Gebilde wie die Feder entwickeln konnte. Neuere Fossilfunde von gefiederten Dinosauriern gaben Hinweise darauf wie Vorläufer der modernen Federn ausgesehen haben. Zusätzliche Erkenntnisse aus der Entwicklungsbiologie ermöglichten es, die Entstehungsgeschichte der Feder genauer zu rekonstruieren. Nach diesem Modell standen am Anfang einfache hohle Filamente, aus denen sich die modernen Federn stufenweise entwickelten. Demnach hatte die Feder möglicherweise ursprünglich Funktionen wie Wärmeisolation oder Tarnung und wurde erst später für die Fortbewegung eingesetzt.

Bis heute ist die Archaeopteryx-Feder die einzige und älteste einzelne Feder aus der Jurazeit.

Die fossile "Mona Lisa": nur 11 Funde des Urvogels sind bekannt. Mit den detaillierten Federn und dem gut erhaltenen Schädel ist das Berliner Exemplar eines der vollständigsten und schönsten.

Der wissenschaftliche Wert der Gegenplatte ist unschätzbar. Sie zeigt Eindrücke der Federn in einzigartiger Detailgenauigkeit. Das macht sie besonders wertvoll für die Evolutionsforschung.

Es mag schwer vorstellbar sein, dass Vögel mit den gefährlichen Raubsauriern verwandt sein sollen. Wirft man aber einen Blick auf das Skelett des Straußes ist die Verbindung leichter herzustellen.

Vögel haben erfolgreich die verschiedensten
Lebensräume und Gebiete der Erde besiedelt. Experten schätzen, dass es insgesamt
300.000.000.000 (dreihundert Milliarden!) Vögel auf der Welt gibt.

Federn sind komplexe Strukturen und das charakteristische Merkmal der rezenten Vögel. Ihre Formen, Farben und Funktionen sind so vielfältig wie ihre Träger.

Federn bestehen – wie Haare und Nägel – aus Keratin. Gebildet werden sie von spezialisierten Hautzellen, die verhornen und anschließend absterben. Zurück bleiben äußerst stabile Keratin-strukturen.

Feder ist nicht gleich Feder!

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Federarten: Daunenfedern (büschelartige Gebilde) und Konturfedern.

Name: Daumenfittich Alula
Funktion: Steuerung

Name: Kleine Konturfedern (links) und Daunen (rechts)
Funktion: Isolation und Formgebung

Name: Steuerfedern
Funktion: Steuerung und Landung

Name: Armdecken und große Handdecken
Funktion: Bedeckung des Flügels

Name: Handschwingen und Armschwingen
Funktion: Generation von Auftrieb

Federn: Form, Farbe und Funktion
Federn sind das Hauptmerkmal rezenter Vögel und eine wichtige Voraussetzung für den Flug. Aber nicht alle Federn dienen zum Fliegen: ihre Funktionen sind divers und das Repertoire an Farben und Formen unerschöpflich.

Vom Baum hinab oder vom Boden hinauf - wie entstand der Vogelflug?

Das Brustbein (Sternum) dient als Ansatzstelle für die kräftige Brustmuskulatur, die den Flügel bewegt. Nicht die Federn selbst, sondern dieser Kiel ist die wichtigste Struktur zum Fliegen.

Ohne Federn kein Vogelflug – sie verleihen dem Vogel seine Stromlinienform und befähigen ihn durch ihre aerodynamischen Eigenschaften erst zum Fliegen.

Sperbergeier (Gyps rueppellii): Wendige Flugmanöver und Landungen ermöglichen die Federn an Daumen und Schwanz, da sie über die Muskulatur beim Fliegen gesteuert werden können.

Große Segelflieger, wie der Seeadler, fächern zudem die Federn an ihren Flügelspitzen während des Fluges auf. Dies führt zu einem geringeren Widerstand und spart so Energie.

Je abgenutzter eine Feder ist, desto schlechter sind ihre aerodynamischen Eigenschaften. Verschiedene Faktoren wie Wind, Sonne, oder auch die Pigmentierung beeinflussen, wie stark eine Feder abnutzt.

Schmuckfedern haben keinerlei Funktion für den Flug and scheinen manchmal eher hinderlich als förderlich für die Fortbewegung. Warum also hat die Evolution sie in dieser Vielfalt hervorgebracht?

Königsparadiesvogel (Cicinnurus regius)
Schwanzfeder (140 mm)

Königsparadiesvogel (Cicinnurus regius)
Schwanzfeder (140 mm)

Königsparadiesvogel (Cicinnurus regius)
Schwanzfeder (140 mm)

Sexuelle Selektion: In der Balzzeit spreizt der Argusfasan sein enormes Gefieder und präsentiert die schillernd-bunten Augenflecken auf den Federinnenseiten.

Beeindruckende Schmuckfedern

Das Schneehuhn ist ein Meister der Tarnung. Sein Gefieder ist passend zur Jahreszeit unterschiedlich gefärbt: Im Winter schneeweiß und im Sommer schwarz-braun gesprenkelt.

Daunenfedern als Winterkleid: Vögel sind warmblütig. Ihr Gefieder trägt entscheidend zur Thermoregulation bei – besonders bei Minusgraden: das Winterkleid hat meist eine höhere Federdichte.

Eine Ausstellung anlässlich des 150. Jahrestages der Erstbeschreibung von Archaeopteryx lithographics
Mitwirkende: Geschichte

Ausstellungseröffnung: 18. Juni 2011

Ausstellungsdesign: Benedikt Esch (Museum für Naturkunde Berlin)

Fotographie: Carola Radke, Hwa Ja Götz (Museum für Naturkunde Berlin)
Grafikdesign und Illustrationen: Nils Hoff (Museum für Naturkunde Berlin)

Medien: Valentin Henning (Museum für Naturkunde Berlin)

Kuratoren: Dr. Daniela Schwarz, Dr. Sylke Frahnert, Dr. Oliver Hampe (alle vom Museum für Naturkunde Berlin)

Präparation und Konservation: Robert Stein, Jürgen Fiebig, Detlev Matzke, Pascal Eckhoff, Ralf Bonke, Markus Brinkmann, Lutz Berner (alle vom Museum für Naturkunde Berlin)

Projektmanagement & Koordination: Uwe Moldrzyk, Linda Gallé (Museum für Naturkunde Berlin)

Realisiert in Zusammenarbeit mit: Thomas Schmid-Dankward, Hendrik Schneider, Holger Schick, Christy Hipsley, Annegret Henkel, Eva Patzschke, Konstantin Päßler, Tra Bouscaren

Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Gesine Steiner, Juliane Röhner, Lisa Kluckert

Ausstellungsbau: Ausstellungsmanufaktur Hertzer

Leihgeber: Naturkundemuseum Erfurt, Naturkundemuseum Potsdam, Senckenberg Museum Frankfurt, Klaus Wechsler, Bremen, Robert Stein, Pascal Eckhoff

© www.naturkundemuseum.berlin

Quelle: Alle Medien
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