1700 bis 1900

Der letzte Schrei: Damenmode aus dem 18. und 19. Jahrhundert

Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin

Lassen Sie sich vom Stil des 18. und 19. Jahrhunderts durch die Sammlung historischer Mode des Kunstgewerbemuseums Berlin inspirieren

Der letzte Schrei: Mode des 18. und 19. Jahrhunderts
Das 1867 gegründete Kunstgewerbemuseum Berlin ist das älteste Museum seiner Art in Deutschland und bereits in der Frühzeit des Museums konnten bedeutende Erwerbungen auf dem Gebiet der Textilien gemacht werden. Im Zentrum des Interesses standen die unterschiedlichen textilen Techniken und die Entwicklung der Ornamentik, insbesondere in der Seidenweberei. Anfang des 20. Jahrhunderts begann man, die Sammlung um historische Kleidung zu erweitern, der größte Teil der Sammlung fiel jedoch den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Erst in den 1970er Jahren begann man, die Sammlung wiederaufzubauen.

300 Jahre europäischer Kostümgeschichte

Mit der Erwerbung einer der weltweit bedeutendsten Privatsammlungen historischer Kleidung von Martin Kamer und Wolfgang Ruf im Jahr 2003 konnte das Kunstgewerbemuseum an die Bedeutung seiner reichen Textilsammlung anknüpfen und hinsichtlich der Präsenz historischer Mode zu vergleichbaren Häusern wie dem Victoria & Albert Museum in London, dem Museum of Modern Art in New York oder dem Musée des Arts décoratifs in Paris aufschließen. Dieser umfangreiche Neuzugang dokumentiert mit einzigartigen Objekten 300 Jahre europäische Modegeschichte und ermöglicht den Besuchern die Entwicklung der Kleidung durch die Jahrhunderte hindurch zu verfolgen und die neueste Mode jeder Ära zu entdecken.

Modegalerie

Die Modegalerien des Kunstgewerbemuseums sind nach historischen Epochen unterteilt. In diesem Kabinett kann die Damen- und Herrenmode des 18. Jahrhunderts erkundet werden.

Die Mode von 1715 bis 1789 – Die „Robe à la Française“
Bereits unter Ludwig XIV. (reg. 1643–1715) war Frankreich zur führenden Kulturnation Europas geworden. Französische Seidengewebe, Stickereien, Spitzen und Gazen, aber auch Fächer und Galanterien waren die „Must haves“ ihrer Zeit. In den 1730er Jahren entwickelte sich die „robe à la française“ und wurde zum Inbegriff der elegant-verspielten Mode des Rokoko.

Porträt eines Ehepaars im Park
Francis Wheatley, um 1770

Bis etwa 1780 wurde die robe à la française von den Frauen des Adels und des gehobenen Bürgertums getragen.

Silberlamékleid „robe à la française“
England, 1760-1765

Die robe à la française ist ein zweiteiliges Kleid, das aus einem vorn offenen Überkleid, dem manteau, und einem darunter getragenen Rock, der jupe, besteht. Ihr typisches Kennzeichen ist die lose Faltenpartie, die im Rücken ohne Unterbrechung vom Nacken bis zum Saum in einer Bahn herabfällt.

Die Accessoires

Das vollständige Ensemble der robe à la française bestand aus mehreren Accessoires. Neben der Unterwäsche, wie Büstenhalter, Strümpfen, Hüftkissen, wurden auch Reifröcke, Korsetts, Handschuhe und andere Accessoires benötigt.

Reifrock
England, um 1750

Die typische Silhouette der robe à la française mit ihrem seitlich weit nach außen schwingenden Rock wurde durch den darunter getragenen Reifrock erzielt.

Große Reifröcke erhielten mittels inwändig angebrachter Bindebänder eine abgeflachte, ovale Form, die der robe à la française ihre typische, seitlich ausladende Silhouette verlieh.

Vollversteiftes Korsett
Frankreich, 1720–1730

Den Oberkörper mit geradem Rücken, zurückgenommenen Schultern und hochgepresster Brust formte ein vollversteiftes Korsett. Wie unangenehm dies war, berichtet Wilhelmine von Bayreuth, die Schwester Friedrichs des Großen, in ihren Memoiren: „ […] und zum Unglück ließ mich die Königin, damit ich zierlicher erschiene, so entsetzlich schnüren, dass ich ganz schwarz im Gesicht wurde und mir der Atem ausging.“ (Wilhelmine von Bayreuth 1990, S. 82)

Corps fermé

Stecker mit Zierschnürung
England, um 1720

Dreieckige Zierstücke, sogenannte Stecker, wurden über dem Korsett im offenen Ausschnitt fixiert.

Sie waren, wie dieser Stecker, kostbar ausgestattet.

Mitaines
Deutschland, um 1720

Mitaines sind halblange, fingerlose Handschuhe, die im gesamten
18. Jahrhundert sehr beliebt waren: Sie schmückten und wärmten
die in der Regel unbedeckten Unterarme.

Die Stickerei dieses Paares ist besonders kostbar. Verwendet wurden Silberlahn über gelber Seidenseele und überdrehte Effektfäden aus vergoldetem Silberlahn sowie Silberkanetillen für die Detailverzierung und zur Musterbildung.

Fächer
Frankreich, um 1750

Unentbehrliches modisches Accessoire im 18. Jahrhundert waren Fächer. Häufig zeigten ihre Blätter Historiendarstellungen.

Hier ist in Gouachemalerei die „Schlacht bei Issos“, der Sieg Alexanders des Großen über den Perserkönig Darius III., dargestellt.

Damenschuhe mit Bortenbesatz
England, 1730–1740

Die Damenschuhe aus hellblauer Seide zeigen die für die erste Jahrhunderthälfte typische langgezogene Vorderkappe, die in einer leicht nach oben weisenden Spitze endet.

Modische Muster
Schnitt und Stil der robe à la française änderten sich im Verlauf der Jahrzehnte kaum. Der modische Wechsel wurde durch das Material und den Ausputz bestimmt.

Detail eines Damenkleids
England, 1735–1740

Die prächtige Seide dieses Kleides zeigt vor dunkelgrünem Fond Papageientulpen und Chrysanthemen mit lichtem, farnkrautartigem Blätterwerk, ein naturalistisches Blütenmuster, wie es zwischen 1730 und 1740 modern war.

Galakleid “robe à la française”
Seide: Frankreich; Kleid: England, um 1775

In der zweiten Jahrhunderthälfte wurden gestreifte Seiden, die sogenannten Pekins, mit kleinen Blütenbouquets und Streublümchen in hellen, pastelligen Farbstellungen bis hin zu reinen Streifendessins modern.

Von besonderer Pracht ist das Gewebe dieser Robe, zwischen deren golddurchwebten Längsstreifen von Schleifen gehaltene Blütenbouquets und silberdurchwebte Schmetterlinge stehen.

Zu einem modischen Kleid gehörte außerdem ein farblich abgestimmter reicher Besatz von Rüschen, Volants, Schleifen, Gazen, Spitzen und Quasten.

Detail einer „robe à l’anglaise“
Frankreich oder England, um 1780

Die Vorliebe des späten 18. Jahrhunderts für leichte Gewebe in pastelligen Tönen kommt in diesem Kleid zum Ausdruck. Bedruckte Baumwollgewebe aus Indien waren seit dem 17. Jahrhundert in Europa beliebt. Im Januar 1786 berichtete das „Journal des Luxus und der Moden“ aus London, dass „in England feinste mit Blumen bedruckte und bemalte Musseline und ostindische Chintze en vogue und etwa viermal so teuer wie seidene Damenstoffe waren. Dennoch fanden sie reißenden Absatz und bis zu 6000 Londoner Seidenweber wurden arbeitslos“.

Neue Schnitte
Gleichzeitig entstanden neue Kleidtypen:

Robe à l’anglaise
Frankreich oder England, um 1780

In Frankreich wuchs das Interesse am englischen Lebensstil. Im Zuge dieser Anglomanie übernahm Frankreich in den 1770er Jahren den englischen Schnitt der morninggown mit anliegendem Rücken und machte es mit leichten Veränderungen zur robe à l’anglaise.

Robe à la polonaise
England, um 1775

Zur gleichen Zeit entwickelte sich auch die robe à la polonaise. Auch sie war ein zweiteiliges Kleid mit einem manteau, dessen Rock zu drei Puffs hochgenommen wurde.

Der Name des Kleides erinnerte an die Dreiteilung Polens ab 1772.

Promenade in Marly
Jean Michel Moreau, 1784

Illustration einer robe à la polonaise.

Bedrucktes Damenkleid
Frankreich oder England, um 1790

Dieses einteilige Kleid zeigt die ab 1790 kürzere Taille und die modernen überlangen Ärmel. „Schornsteinfeger“, ramoneur, nannte man bedruckte Baumwollstoffe mit dunklem Grund. Sie waren beliebt, da man auf ihnen eventuelle Verschmutzungen nicht so leicht sah.

Schuhmode
Auch das Schuhwerk wurde den gängigen Modetrends angepasst:

Damenpantoffeln
England, 1760–1790

Pantoffeln oder mules waren im gesamten 18. Jahrhundert beliebt und konnten auch außerhalb des Hauses getragen werden. Ihre kapriziöse Form entspricht dem spielerischen Charakter der Rokokomode.

Geschlossene Damenschuhe
England, 1770–1780

Der schmale, stark taillierte Absatz dieses Schuhs ist ein italienischer Absatz, über den das „Gentlemans Magazine“ 1776 schrieb: „Heels to bear the precious charge,/More diminutive than large,/Slight and brittle, apt to break,/Of the true italian make“ (Absätze, die die teure Last tragen/ eher klein als groß/ schmal und zierlich, brechen gleich/ in der echten italienischen Art“. (Mackenzie, Althea, 2004, S. 44)

Der aktuellen Mode für Muster aus dieser Zeit folgend, zieren zwei zarte Blütenzweige in Metall- und Paillettenstickerei das Vorderblatt. Darüber befindet sich eine Bändchenrosette.

Damenschuhe im chinesischen Stil
England, um 1785

Im Januar 1786 berichtete das „Journal des Luxus und der Moden“ über diese neue englische Schuhmode: „Der englische Damenschuh unterscheidet sich durch die hochgezogene Spitze wie bei den ,sabots chinois‘ und zwar höher als ein Zoll über der Sohle. Die Schuhspitze ist außerdem mit Leder ausgesteift. Die Engländerinnen tragen diesen Schuh zum Spazieren Gehen. Der Vorteil ist, sie geben den Zehen Platz und die versteifte Kappe schützt sie vor Stößen an Steinen“.

Überschuh
England, um 1785

Dieser aus England stammende Über- oder „Kotschuh“ hat eine spitze Holzsohle mit eingearbeiteter Absatzkehle. Überschuhe dieser Art wurden in England vor allem von mittelständischen Bürgerinnen und Dienstmädchen getragen.

Das „Journal des Luxus und der Moden“ schrieb dazu im Januar 1786: „Hiermit geht man also bei schlechtem Wetter auf der Straße und legt sie am Hauseingang ab. Allerdings machen sie einen schweren, schleppenden Gang.“

Die Mode von 1789 bis 1815
Die von England inspirierte, einfachere und natürlichere Kleidung, die bereits in den 1780er Jahren in die Négligékleidung übernommen worden war, bildete die Voraussetzung für den radikalen Wechsel, den die Mode nach der Französischen Revolution erfuhr. Vorbild für diesen neuen Stil war die Antike.

Chemisenkleid mit Schleppe
England, um 1795–1800

In der Damenmode ersetzten schlichte Hemdkleider aus feiner weißer Baumwolle die steifen Seidenroben…

…und umspielten den Körper in fließendem Faltenwurf.

Zwei Chemisenkleider
Links: Frankreich, ca. 1800
Rechts: England, ca. 1805

Erstmals und nur für kurze Zeit konnten die Frauen auf Schnürleib, Reifrock oder Hüftkissen verzichten. Das Chemisenkleid war ein einteiliges Gewand mit hoher Taille und weitem Ausschnitt. Darunter wurden Unterkleider oder fleischfarbene Trikots getragen. Eine regelrechte Nuditäten-Mode, wie das „Journal des Luxus und der Moden“ im Juni 1794 berichtete: Das merkwürdigste aber ist eine neue Art von Kleidung die sie (die Pariserinnen) angenommen haben, die schon allgemein getragen wird, und auch für die Zukunft National-Tracht bleiben soll. Sie tragen nemlich, wie die Männer, Pantalons von fleischfarbenem Zeuche, und darüber einen Rock von feinstem Musseline … Die Taille ist ganz kurz, und mit einem dreyfarbigen Gürtel gefaßt.

Das Chemisenkleid

Damenslipper aus Silberlamé
England, 1795–1800

Die von der Antike inspirierte Mode der schlichten Chemisenkleider erforderte auch eine veränderte Schuhmode. Die Schuhe wurden nun flach getragen.

Bedruckte Damenschuhe
England, um 1795

Bedruckte Lederschuhe kamen gegen Ende des 18. Jahrhunderts als preisgünstige Alternative zu bestickten Schuhen in Mode.

Damenhandtasche in Muschelform
Frankreich, um 1810

Diese Tasche in antikisierender Muschelform ist aus geprägtem gelbem Pappmaché und hat einen geraden Bügel aus modischem cut steel mit Schnappverschluss.

Rotes Samtkleid mit Perlstickerei
England, 1805–1810

Dunkelroter Seidensamt ist das für die Zeit ungewöhnliche Material dieses schmal geschnittenen Festkleides. Anlässlich seiner Krönung zum französischen Kaiser 1804 führte Napoleon erneut eine Hofkleidung ein, Seide und Samt, aufwändig bestickt, kehrten zurück. Mit dieser Maßnahme stützte Napoleon gezielt die französische Seidenindustrie.

Seine Ehefrau, Joséphine de Beauharnais, eine begeisterte Befürworterin der „Antikenmode“, trug daher anlässlich der Krönung eine dunkelrote Samtschleppe mit Goldstickerei. Dies mag Vorbild für unser festliches Samtkleid gewesen sein.

Die Mode von 1815 bis 1900
Das 19. Jahrhundert stand im Zeichen der Industrialisierung. Mechanische Spinnmaschinen, Webstühle und Stoffdruckmaschinen hatten den Anfang der Industriellen Revolution eingeleitet und das Textilgewerbe grundlegend verändert. Erstmals war es einer breiteren Bevölkerung möglich, sich mit bedruckten Woll- und Baumwollstoffen modisch zu kleiden.

Promenadenkleid – Spenzer und Rock
England, um 1820

Ab 1815 rutschte die Taille auf ihre natürliche Höhe herab, das Korsett kehrte zurück. Die Säume der in der Taille noch glatt angesetzten Röcke wurden mittels gefütterter plastischer Besätze breit gespreizt, was den Röcken eine Dreiecksform verlieh. Sie blieben jedoch kurz genug, um die Knöchel sichtbar zu lassen.

Kurze Jäckchen, sogenannte Spenzer, waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr beliebt. Namensgeber war der englische Lord George John Spencer, der 2. Earl of Spencer (1758–1834), der die beschädigten Schöße seines Fracks abgeschnitten haben soll. Die Damenmode adoptierte das praktische Kleidungsstück als ideale Ergänzung zu den weit ausgeschnittenen Chemisenkleidern.

Die Biedermeier-Zeit

Bedrucktes Damenkleid mit Keulenärmeln
England, um 1830

Erst nach 1820 wurden die Röcke weiter und in der Taille kraus oder in Falten gelegt angesetzt. Parallel zu den voluminöser werdenden Röcken blähten sich die oberen Ärmel zu „Keulenärmeln“ auf und erreichten ihren größten Umfang zwischen 1830 und 1835.

Baumwollschute
England, 1820–30

Frisuren und Hüte, die ebenfalls immer größer wurden, bildeten den passenden optischen Ausgleich. Wie diese besonders exaltierte Form des hoch aufragenden Haubenteils.

Pelisse
France, um 1830

Diese weiten, losen Mäntel waren ideale Überkleidung für die Kleider mit ihren extra großen Keulenärmeln. Auf der Vorderseite sind in Ellbogenhöhe zwei samtbesetzte Armöffnungen eingearbeitet.

Familie im Stil des Biedermeiers
Ferdinand Neubauer, 1830

Damenkleid mit Fichutuch
England/Frankreich, 1836/37

„Die letzte zweifelhafte Frage ist nun entschieden: die anschließenden Ärmel haben den Sieg davon getragen … Die Damen sparen bei den Stoffen, die Männer gewinnen mehr Platz, sei es bei der Tafel oder im Theater und die Gänse werden nicht mehr unbarmherzig ihrer Daunen beraubt, um daraus Gigots zu bilden und auf unsere Schultern zu türmen“, hieß es im März 1836 im „Berliner Modenspiegel“. Fast über Nacht wurden die Keulenärmel unmodern. Das zart bedruckte Sommerkleid zeigt diese neue Linie.

Haubenhut mit Haarteilen
Stettin, um 1830

Unter dem Hut wurden Echthaarlocken getragen, die mit einem Samtband verbunden sind. Dies entsprach der um 1830 beliebten Haartracht der „Korkenzieherlocken“.

Damenschuhe mit Bindebändchen
London, um 1830

Die schlichten schwarzen Seidenschuhe mit den feinen Bindebändchen sind der Inbegriff der biedermeierlichen Schuhmode schlechthin. Bis weit in die 1830er Jahre hinein wurden flache Seidenschuhe getragen, die in Anlehnung an die Antike mit Seidenbändchen an der Wade hoch gebunden wurden.

Tageskleid
England, um 1845

Ab 1840 trug man die Ärmel meist glatt und anliegend. Die Schultern der Frau erschienen nun für viele Jahre zart und zerbrechlich, in wirkungsvollem Kontrast zu den immer weiter werdenden Röcken, die von 1850 bis 1869 die Krinolinenmode prägten.

<i<boteh< /i>-Motive (paisley), aus dem Indischen bota für Busch oder Blüte, waren ein zentrales Motiv der seit dem späten 18. Jahrhundert in Europa begehrten Kaschmirschals. Im 19. Jahrhundert wurden sie in Europa nachgewebt. Ihre Muster beeinflussten die Dessins gewebter wie bedruckter Stoffe nachhaltig und bildeten in Kombination mit europäischen Motiven eine eigene Formensprache.

Damenstiefelette
England, um 1850

In den 1840er Jahren wurde es modern, zu den weiter und länger werdenden Röcken tagsüber kleine, halbhohe Stiefel zu tragen. In England nannte man sie „Adelaides“ nach der Gemahlin von König Wilhelm IV. von Großbritannien.

Reisetasche
England, um 1840

Mit dem steten Ausbau des Eisenbahnnetzes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts benötigte man ein leichter zu handhabendes Reisegepäck. Geräumige Taschen mit einem verschließbaren Metallbügel wurden modern und können als Vorläufer der heutigen Damenhandtasche gelten.

Zweiteiliges Promenadenkleid
England, um 1855

Um 1855 wurden vorn offene Jäckchen beliebt, deren Schöße optisch den obersten Volant des Kleides bildeten. Die Röcke waren bereits ab 1845 zunehmend weiter und erreichten in den 1850er Jahren eine gleichmäßige Kuppelform, die häufig mit aufgesetzten Volants betont wurde.

Sehr modisch war der üppige Besatz mit seidenen Chenillefransen, die in kleinen posamentierten Holzperlen enden.

Rote Stahlreifen-Krinoline
England, 1860–63

Die englische Firma Thomson zählte zu den bedeutendsten Produzenten von Stahlreifenkrinolinen. Geschickt warb sie bei diesem Produkt mit dem Hinweis auf Kaiserin Eugenie, die das Modeideal ihrer Zeit verkörperte und maßgeblich zur Verbreitung der Krinolinenmode beitrug.

Blaue Damenstiefelette
England, 1860–1880

Die Fortschritte in der Chemieindustrie brachten 1856 die Entdeckung der Teer- und Anilinfarbstoffe, leuchtende Farben von bisher nicht bekannter Intensität bereicherten fortan das modische Angebot. Wie diese leuchtend blauen Lederstiefeletten zeigen.

Dreiteiliges Sommerkleid mit Röschendruck
Frankreich, um 1872

Aus feinstem, zartbedrucktem Baumwollbatist ist dieses dreiteilige Sommerkleid gearbeitet. Es zeigt die ab 1869 moderne Silhouette eines kurzen Oberteils über einem nah an den Körper herangeführten, gerade fallenden Rock.

Damenbildnis
Rudolf F. A. Henneberge, 1875

Die Betonung liegt nun im Rücken, über dem Gesäß, ein Effekt, der durch den halbkreisförmigen Überrock verstärkt wird. Dieser voluminöse Aufbau wurde über einer Tournüre getragen.

Tornüre
England, 1870–1875

Wie schon die Stahlreifen-Krinoline ist diese Tournüre aus kräftig rotem Stoff gefertigt. Mit der Erfindung der Anilinfarben, 1856, wurden warme Rottöne für Unterröcke beliebt.

Informelles Hauskleid Déshabillé
Charles Frederick Worth
Paris 1882/83

1882 kam die Tournüre unter der Bezeichnung Cul de Paris erneut und in extremerer Form zurück. Die Taille befand sich nun wieder an ihrer natürlichen Stelle und wurde, um sehr schlank zu erscheinen, stark geschnürt. Das Gesäßpolster stand fast waagerecht ab.

Die schlanke Silhouette, die dieses déshabillé illustriert, war maßgeblich beeinflusst von Charles Frederick Worth (1825–1895), dem Begründer der Haute Couture. Als Erster präsentierte er regelmäßig saisongebundene Kollektionen und ließ sie von lebenden Mannequins einer exklusiven Klientel vorführen.

Charles F. Worth

Sarah Bernhardt als Fédora
L‘Art et la Mode, 1883

Zu den exklusiven Kundinnen des Modehauses zählten neben den Damen der europäischen Höfe reiche Amerikanerinnen, aber auch die bedeutenden Bühnenkünstlerinnen ihrer Zeit, wie beispielsweise die Schauspielerin Sarah Bernhardt. Für sie entwarf Worth 1883 ein déshabillé, das große Ähnlichkeit mit unserem Hauskleid hat. Sie trug es im dritten Akt von Sardous „Fédora“.

Sommerkostüm mit Keulenärmeln
USA/Europa, um 1895

„Seit man den Wert der körperlichen Bewegung kennen und schätzen gelernt, seitdem man das Spielen zum Sport erhoben hat, schafft die Mode auch auf diesem Gebiet immer Neues und Reizvolles“, berichtete 1894 der „Bazar“.

„Lawn-tennis“, Rudersport, Bergsteigen und Reiten fanden immer mehr Anhängerinnen und verstärkten den Bedarf an geeigneter Kleidung, bei der Konzentration auf das Material und Verzicht auf Dekor im Vordergrund standen, wie bei diesem Leinenkostüm.

Drei Damen beim Picknick
Unbekannt, 1898

Illustration der neuen Mode: costumes d'excursion.

Ballkleid
Jean-Philippe Worth
Paris, um 1895

Gegen Ende des Jahrhunderts verzichtete die Mode endgültig auf alle voluminösen Rock-Unterbauten. Die nun glockig geschnittenen Röcke lagen glatt auf der Hüfte und gewannen dank des neuen Schnitts ab Kniehöhe an schwingender Weite.

Ihr Saumumfang wurde ab 1893 von den zurückgekehrten Keulenärmeln ausbalanciert, die bei diesem Abendkleid aus dem Hause Worth von den extrem gereihten und gekrausten kurzen Flügelärmel zitiert werden.

Das Kleid stammt aus dem Besitz von Mary Goelet, die 1903 den 8. Duke of Roxburghe heiratete. Sie galt zu diesem Zeitpunkt als reichste amerikanische Erbin.

Ballkleid mit Stickerei
Madame Paquin
Paris, um 1897–98

Der Luxus des Fin de Siècle kommt auch in diesem zweiteiligen Ballkleid zum Ausdruck. Ihre elegante Linienführung und die leicht s-förmige Silhouette des Kleides nehmen die geschwungene Formensprache des Jugendstils auf. Das Kleid ist ein frühes Modell von Jeanne Paquin (1869–1936), die gerne pastellige Töne mit andersfarbigen Spitzen kombinierte.

Das Kleid ist ein frühes Modell von Jeanne Paquin (1869–1936), die gerne pastellige Töne mit andersfarbigen Spitzen kombinierte.

Schwarzes Abendcape mit Medicikragen
Jacques Doucet
Paris, um 1895

Das elegante Abendcape von Jacques Doucet (1853–1929) betont die für 1895 typische breite Schulterlinie. Jacques Doucet gehörte neben Charles Frederick Worth und Pingat zur ersten Generation der großen Haute-Couture-Häuser in Paris und war für seinen reichen, luxuriösen Stil bekannt.

Erst das Fin de Siècle brachte der Damenmode die Lösung vom ständigen Wechsel der künstlichen Silhouetten nach historischem Vorbild und bereitete das Terrain für eine moderne, zeitgemäße Kleidung, die der veränderten Rolle der Frau in der Gesellschaft entsprach.

Federführend sollte hier der französische Modeschöpfer Paul Poiret werden, dem es gelang das Korsett zu verbannen. In den 20er Jahren folgten ihm Madeleine Vionnet, Coco Chanel und Jeanne Lanvin, um nur einige zu nennen. Sie läuteten das Jahrhundert der Haute Couture ein.

Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin
Mitwirkende: Geschichte

Text: Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz / Christine Waidenschlager in: Mode Kunst Werke, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2014

Konzept / Redaktion / Umsetzung: Merle Walter

© Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz www.smb.museum

Quelle: Alle Medien
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