03.04.2017 bis 30.06.2017

buecher gar hübsch gemolt

Staatsbibliothek Bamberg

Deutsche Buchmalerei des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Eine Ausstellung der Staatsbibliothek Bamberg

Malerei auf Pergament
Im 15. Jahrhundert verzierten Maler nicht nur geschriebene oder gedruckte Bücher mit gemalten Illustrationen, sondern auch einzelne Blätter. Dieses Blatt ahmt ein Ehrenzeichen aus Stoff nach, das Teil der liturgischen Kleidung von Päpsten und Bischöfen war. Ein ähnlicher Brustschild wird im Alten Testament als Bestandteil des offiziellen Gewands der jüdischen Hohepriester erwähnt. Das so genannte "Bamberger Rationale" ähnelt einem liturgischen Textil, das im Diözesanmuseum Bamberg aufbewahrt wird. Es diente möglicherweise als eine Art "Schnittmuster" und wurde vermutlich von einem böhmischen Maler geschaffen, der vor den Hussitenkriegen nach Franken geflohen war.

Unter Christus als Weltenrichter steht im Zentrum des Blattes das Lamm der Apokalypse, das auf dem Kopf sieben Hörner mit sieben Augen trägt. Das Buch mit den sieben Siegeln liegt aufgeschlagen vor ihm. Die Symbole der vier Evangelisten und Büsten von sechs Aposteln umgeben es.

Unter den Heiligen am Rand des Blatts ist der heilige Bistumsgründer Kaiser Heinrich II. dargestellt.

Ihm gegenüber steht seine Gattin, Kaiserin Kunigunde. Sie hält ein Modell des Bamberger Doms in der rechten Hand.

Die Zeichnung entstand um 1420, aber das bischöfliche Gewand ist viel älter.

Im frühen 11. Jahrhundert stiftete Kaiser Heinrich II. den Bischofsornat an den Dom von Bamberg, wo das Textil heute im Diözesanmuseum zu sehen ist. Während der blaue Trägerstoff im 15. Jahrhundert erneuert wurde, stammt die Goldstickerei vom ursprünglichen frühmittelalterlichen Gewand.

Handschriften werden Massenware
Wegen der Klosterreformen stieg im 15. Jahrhundert der Bedarf an religiösen Büchern. Für das Stundengebet benötigte jeder Klosterangehörige ein Exemplar des Psalters. Trotzdem war jedes Exemplar verschieden, denn Maler versahen die Handschriften mit individuellem Buchschmuck. Deutsche Übersetzungen lateinischer Texte ermöglichten es Nonnen und Laien, die Bücher zu benutzen.

König David galt als Autor der Psalmen. Diese Federzeichnung entstand um 1418 im Elsass als "Titelbild" zu einer deutschen Psalterhandschrift. Heute ist sie in den Buchdeckel eingeklebt.

Nachdem der Text mit Tinte geschrieben war, ergänzte man rote und blaue Initialen, die einfachste Form der Buchmalerei. Hier ist der Text um einen Riss im Pergament herumgeschrieben, der vor der Benutzung genäht wurde.

Zwei Drachen sind im Körper der blauen Initiale B, des Anfangsbuchstaben eines Textabschnitts, ausgespart. Der Stil der Malerei und das rote Fleuronnée ist charakteristisch für Nürnberger Buchmalerei.

Bücher für fromme Frauen
Handschriften aus Frauenklöstern zeugen von einem intensiven Umgang der Leserinnen mit ihren Buchschätzen: Bilder zeigen vorbildliche Frauen, und deutsche Erklärungen helfen dabei, den lateinischen Text zu verstehen.

Poliertes Blattgold formt die Buchstaben ihs, ein Kürzel für den Namen Jesus. Eine Dominikanerin aus Nürnberg fügte dieses Blatt nachträglich in ihr Gebetbuch, das Brevier, ein.

Bereits vor der Erfindung des Buchdrucks ermög­lichten Holzschnitte eine qualität­volle Buchillustration mit geringem Aufwand. Der schwarz-weiße Druck wurde nachträglich farbig ausgemalt. Den Text schrieb eine Dominikanerin aus dem Nürnberger Katharinenkloster, wo die Handschrift für die Tischlesung benutzt wurde.

An den Einfassungslinien ist zu erkennen, dass das Motiv aus zwei separaten Holzstöcken zusammengesetzt wurde: Einer davon trug das Bild der heiligen Katharina, der andere die Bordüre mit Blumen und Blattranken.

Im Inneren der Initiale G sind die heiligen Margaretha und Agnes dargestellt, die Patroninnen des Strassburger Dominikanerinnenklosters, wo diese kleine Handschrift entstand. Die Priorin Agnes von Mülheim kniet demütig am unteren Rand des Blattes.

In dieser Szene schenkt die heilige Katharina von Siena dem gekreuzigten Christus ihr Herz. Die Malerin Sibylla von Bondorf war selbst Klosterfrau und wirkte in Konventen in Freiburg und Strassburg.

Hier empfängt der hl. Franziskus die Stigmata, die Wundmale Christi. Rote Linien verbinden seine Hände und Füße mit denen des Gekreuzigten. Die hl. Margaretha liegt ihm kniend zu Füßen.

Diese Initiale enthält eine Darstellung der Verkündigung an Maria. Die heilige Jungfrau sitzt auf einem geflochtenen Sessel im Innern des Buchstabens und liest in einem aufgeschlagenen Buch. Der Erzengel Gabriel schwebt von rechts oben herab.

Einflüsse des Nürnberger Stils zeigen sich im roten Fleuronnée und in dem weiß ausgesparten Drachen mit Zipfelmütze, aus dessen Maul Blätter herauswachsen, im zweifarbigen Buchstabenkörper.

Der Querbalken des Buchstabens E dient als Sitzgelegenheit für Maria - und für einen weiteren, winzigen Drachen.

Biblische Geschichte, verspielte Drachen und filigrane Fleuronnée-Verzierung sind in dieser kunstvollen Initiale kombiniert. Der Maler oder die Malerin imitierte den Nürnberger Stil und war vielleicht eine Zisterzienserin aus Sonnefeld oder ein Mitarbeiter einer Werkstatt in der Region.

Aus dem Kontext gelöst
Nicht immer überlebte das Buch als Ganzes die Jahrhunderte. Nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um das Jahr 1450 wurden viele Handschriften durch gedruckte Bücher ersetzt. Aber manchmal entging zumindest die malerische Ausstauch der Zerstörung: Sammler schnitten besonders schöne Initialen und andere Malereien aus und bewahrten sie so. Auf diese Weise blieben zahlreiche Fragmente vongroßer künstlerischen Qualität erhalten.

Eines der schönsten Beispiele für fränkische Buchmalerei des 15. Jahrhunderts ist diese Verkündigungsszene aus einem verlorenen Antiphonar. Die M-Initiale umgibt einen perspektivisch angelegten Raum, in dem sich der Verkündigungsengel und Maria begegnen. Die Buchmalerei stammt vielleicht aus der Werkstatt des Nürnberger Malers Hans Pleydenwurff.

Die Jungfrau Maria hält ein Buch in der linken Hand, dessen Seiten wie eine zeitgenössische Handschrift gestaltet sind: Der Text ist in schwarzer Tinte mit roten Überschriften geschrieben und mit Linien eingerahmt.

In dieser Initiale sind Ochse und Esel Zeugen ...

... der Geburt Christi. Joseph und Maria stehen betend neben dem neugeborenen Jesuskind, das durch die goldenen Strahlen als Licht der Welt leuchtet.

Diese historisierte P-Initiale zierte einst ein Graduale. Das Buch, aus dem während der Messfeier auf den Stufen des Altars gesungen wurde, entstand vermutlich am Rande Böhmens.

Die Himmelfahrt Christi entspricht einem gängigen mittelalterlichen Bildtypus: Nur die Füße Christi sind noch zu sehen, sein Körper ist schon aus dem Bildfeld und somit von der Erde entschwunden.

Maria und die Apostel blicken dem entschwindenden Christus nach. Die Initiale V eröffnet den Messgesang zum Kirchenfest Christi Himmelfahrt, der mit den Worten Viri galilei (Männer von Galilea) beginnt.

Der Autor als Leser
Lesen und Schreiben wird in der Buchmalerei immer wieder thematisiert. Schreiber werden mit der Feder dargestellt oder Leser an einem Pult mit einem aufgeschlagenen Buch. Viele Initialen am Textanfang enthalten eine Darstellung des Autors dem Durchblättern seines eigenen Werks.

In dieser Handschrift aus der Gegend von Mainz ist der heilige Bischof Augustinus zu sehen, dessen Briefe die Handschrift enthält. Er schreibt jedoch nicht den Text nieder, sondern liest in einem aufgeschlagenen Buch.

Auf der erste Textseite finden sich oft Wappen, mit sich der Auftraggeber oder Besitzer im Buch verewigte. Das Verewigen funktionierte in diesem Fall nicht - wem das Wappen gehörte, ist heute unbekannt.

Antike Kunst, neu erfunden
Der berühmteste Maler der klassischen Antike war Apelles, der im 4. Jahrhundert vor Christus in Griechenland lebte. Keines seiner Werke ist jedoch erhalten geblieben. Daher versuchten Künstler, seine Bilder aus literarischen Texten zu rekonstruieren. Nur aus einer Beschreibung des Satirendichters Lukian (2. Jahrhundert) ist ein Gemälde des Apelles bekannt, das die "Allegorie der Verleumdung" darstellte. Im Jahr 1496 illustrierte ein Heidelberger Student eine Abschrift der Werke Lukians mit der Szene - als erster Künstler nördlich der Alpen.

Auf einem Thron sitzt der junge König Midas mit langen blonden Locken. Sein Kopf ist durch lange Eselsohren verunstaltet, denn er lauscht den Einflüsterungen der Laster Verdächtigung, Unwissenheit, Schmeichelei und Täuschung - hier als Frauen dargestellt, die ein Herrscher meiden sollte.

Zwischen den Blumen und Ranken der kunstvollen Bordüre sind zwei Goldfinken zu entdecken - der eine scheint in das Ohr des anderen zu flüstern.

Das Blatt war ursprünglich Bestandteil einer Handschrift der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart.

Gedruckte Bücher mit gemalten Seiten
Nachdem der Buchdruck mit beweglichen Lettern um das Jahr 1450 erfunden wurde, verzierten Maler weiterhin Bücher mit der Hand. Viele Druckoffizinen arbeiteten mit Malerwerkstätten zusammen, die gedruckte Bücher mit farbigen Bordüren und Initialen ausstatteten. Bücher mit kolorierten Seiten waren kostspieliger als solche ohne Buchmalerei, und die Besitzer konnten Drucke auf diese Weise ihrem persönlichen Geschmack anpassen.

Diese gedruckte Ausgabe der deutschen Bibel wurde im Jahr 1483 in Nürnberg veröffentlicht. Der kolorierte Holzschnitt zeigt die Erschaffung Evas aus einer Rippe Adams. Im Garten Eden tummeln sich verschiedene Tiere, darunter sogar ein Einhorn. Die Erde ist umgeben vom Meer, in dem Fische und eine Meerjungfrau schwimmen. Ein Wolkenband trennt Himmel und Erde.

Die Erde wird durch das Wort Gottes erschaffen, das aus seinem Mund strömt. Engel umgeben den Kosmos, und in den Ecken blasen die vier Winde als Symbole der Himmelsrichtungen. Das Blattgold ist auf rotem Grund aufgetragen und mit Punzierung verziert.

Die Bibel, die Anton Koberger in Nürnberg druckte, erschien einige Jahrzehnte vor der berühmten Bibelübersetzung von Martin Luther. Sie ist die neunte von vierzehn Bibelausgaben in deutscher Sprache, die vor derjenigen Luthers herauskamen.

Zehn Jahre nachdem Johannes Gutenberg in Mainz die erste lateinische Bibel gedruckt hatte, ließen sich die ersten deutschen Drucker in Italien nieder. Wenn sie ihre Produkte nach Deutschland exportierten, transportierte man die losen Blätter in Fässern über die Alpen. Einbände und Buchmalerei fügte man später hinzu.

Diese Ausgabe der Werke von Platon erschien 1483 in Florenz. Die Buchmalerei wurde hinzugefügt, nachdem das Buch in Augsburg angekommen war, einem wichtigen Handelsplatz für Bücher aus Italien. Der Stil ist typisch für die Werkstatt von Johannes Bämler, in der zahlreiche Drucke mit farbigen Bordüren und Initialen verziert wurden.

Dieses Messbuch für die Diözese Regensburg erschien in Bamberg, wo es zu der Zeit nur eine einzige Druckerei gab. Danach transportierte man das Buch nach Regensburg, wo der berühmte Berthold Furtmeyr die malerische Vollendung überwachte.

Der Drucker Johann Sensenschmidt stelle die erste Ausgabe eines Messbuchs für die Diözese Bamberg her. Mehrere Exemplare kaufte der wohlhabende Nürnberger Bürger Sebald Schreyer für eine dortige Pfarrkirche. Die beiden Stifter knien hier vor dem Kirchenpatron St. Sebald, der ein Kirchenmodell in den Händen hältt.

Während eine handgemalte Miniatur mit dem Heiligen und den beiden Stiftern die Vorderseite des Blattes ziert ...

... trägt die Rückseite einen kolorierten Holzschnitt mit einer Darstellung der Kreuzigung, das so genannte Kanonbild. Neben dem Gekreuzigten stehen seine Mutter Maria und sein Lieblingsjünger Johannes.

Im Holzschnitt kommt das Leiden Christi dramatisch zum Ausdruck, und der Goldgrund und die farbige Bemalung verstärken die expressive Wirkung der Kreuzigungsszene noch.

Der Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde, hieß laut den Evangelien Golgotha oder Schädelstätte. Nach der spätantiken Tradition war hier der Schädel Adams begraben.

Schreiben und Drucken in einem Bamberger Kloster
Seit dem frühen 11. Jahrhundert bestand ein Benediktinerkloster auf dem Bamberger Michelsberg. Die Abtei verfügte über ein leistungsfähiges Skriptorium und eine Druckerei. Einige Mönche waren auch schriftstellerisch tätig. Einer von ihnen war der Abt Andreas Lang, der von 1483 bis 1502 regierte. Er verfasste zwei historiographische Werke: eine Chronik der Äbte des Klosters und einen Katalog der Heiligen des Benediktinerordens. Kolorierte Zeichnungen und Holzschnitte illustrieren seine Werke.

In der Chronik der Michelsberger Äbte sind die Porträts von Hand gezeichnet und sorgfältig koloriert.

Im Katalog der benediktinischen Heiligen wurden die Bilder dagegen mit Hilfe von Holzschnitten an freigelassenen Stellen im Text eingestempelt und koloriert. So benötigte man nur 33 verschiedene Holzstöcke, um die über 1000 Biographien zu bebildern - eine effiziente Methode, den Aufwand und die Kosten zu reduzieren.

Nachdem Andreas Lang 1502 starb, wurde eine Beschreibung seines Lebens in dem Katalog der Michelsberger Äbte nachgetragen. Der Text preis seine Leistungen, besonders seine Sorge um die Klosterbibliothek.

Obwohl auf dieser Doppelseite der gleiche Holzschnitt mehrfach vorkommt, wirken die Büsten der heiligen Bischöfe durch das Kolorit doch unterschiedlich.

Dass diese Darstellung des Palmsonntags im Norden gemalt wurde, ist anhand von Details zu erkennen: Weidenkätzchen ersetzten nördlich der Alpen die Palmwedel, mit denen Christus von den Bewohnern Jerusalems begrüßt wird.

Jesus reitet auf einem Esel; drei Apostel begleiten ihn. Im Hintergrund ist eine Frühlingslandschaft zu erkennen. Die Miniatur stammt von einem Bamberger Maler und basiert auf einem Kupferstich des so genannten 'Meisters AG'.

Am ersten Sonntag im Advent wird in der Messe ein Auszug aus dem Matthäusevangelium vorgelesen, der den Einzug Christi in Jerusalem am Plamsonntag beschreibt. Dieses Perikopenbuch entstand im Skriptorium auf dem Bamberger Michelsberg.

Das Nachleben der Buchmalerei
Die Erfindung des Buchdrucks führte zu tiefgreifenden Änderungen in der Buchproduktion. Dennoch wurden noch im 16. Jahrhundert Bücher von Hand geschrieben und mit prachtvoller Buchmalerei ausgestattet. Bedeutende Kirchenfürsten und andere hochgestellte Personen gaben Bücher für ihren persönlichen Gebrauch in Auftrag. Farbige Malerei machte die Bücher individueller und repräsentativer als die Massenprodukte der Druckerpresse.

Ein Repräsentationsobjekt des höchsten geistlichen Würdenträgers seiner Zeit war dieses Brevier. Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545), ein erklärter Gegner Luthers, ließ das Buch schreiben und mit seinem Wappen ausmalen.

Georg Stierlein, der Hofschreiber des Kardinals und offenbar auch der Maler des Buches, versteckte seine Initialen in der Säulenbasis der Renaissance-Bordüre.

Geschützt und geschmückt
Bücher mit empfindlicher Buchmalerei bedürfen eines besonderen Schutzes. Im Mittelalter bewahrten Einbände aus festen lederbezogenen Holzdeckeln, die mit Schließen zusammengehalten wurden, die Bücher vor Schaden. Die kunstvoll verzierte Außenseite diente zugleich als Schmuck.

Drache oder Ornament? Diese Bronzeschließe aus dem 15. Jahrhundert erinnert aus dieser Perspektive an einen Tierkopf.

Metallene Schließen sorgten dafür, dass die Buchseiten in einem feuchtem Klima nicht aufquellen konnten.

Mitwirkende: Geschichte

"buecher gar hübsch gemolt". Deutsche Buchmalerei des 15. und frühen 16. Jahrhunderts
Ausstellung der Staatsbibliothek Bamberg
3. April – 30. Juni 2017

Staatsbibliothek Bamberg

Texte: Bettina Wagner und Ilka Mestemacher
Fotos: Gerald Raab

Quelle: Alle Medien
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