Entdecken Sie die Mode in Preußen um 1800 und lassen Sie sich vom Stil einer Königin inspirieren

Schloss und Park Sanssouci in Potsdam vereinen die Kunstrichtungen des 18. Jahrhunderts in den Städten und Höfen Europas. Sie stehen wie kein anderes Anwesen der Hohenzollerndynastie als Sinnbild für Preußens Glanz und Gloria.

Die Mode in Preußen um 1800 ist durchwebt mit Einflüssen des Klassizismus und Empire. Das beliebteste preußische Model ist die populärste Frau im Staat: Luise von Preußen. Ihr gelingt der Aufstieg von einer einflusslosen Prinzessin aus der Provinz zur verehrten Königin und modischen Dame von Welt.
Luise
Begeben wir uns zurück ins Preußen des späten 18. Jahrhunderts. Während in Frankreich im Zuge der Revolution die monarchischen Köpfe rollen, wartet man im königlichen Schloss in Berlin auf einen neuen Stern am Aristokratenhimmel.

Luise, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, geboren 1776, wächst bei der Großmutter am Hof von Darmstadt auf. Die Mutter ist früh verstorben. Friedrich Wilhelm II. entdeckt Luise und ihre Schwester Friederike auf einem Ball. Er holt die hübschen Mädchen als potentielle Bräute für seine Söhne nach Berlin. 1794 heiratet Luise in einer spektakulären Doppelhochzeit den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, ihre Schwester Friederike ehelicht dessen Bruder Ludwig. 1797 wird Luise Königin von Preußen.

Schon als junges Mädchen interessiert sich Luise für Mode. In ihr Schreibheft zeichnet sie Kleider, Frisuren und Hüte. In Briefen und Tagebüchern beschreibt sie mit sicherem Blick Stoffe, Farben und Schnitte. Später beobachtet die Kronprinzessin fasziniert auf einer Reise nach Pommern die ländliche Bevölkerung und notiert, dass diese "ihre Kleiderstoffe wie ihre Kleider mit eigener Hand machen". Das Volk werde eben nicht "vom Prunk der Städte und von den Launen der Mode, des größten Tyrannen unserer Tage" belästigt.

Als Luise an den preußischen Hof kommt, gilt noch die strikte Kleiderordnung des Ancièn Regime: eine Rangfolge in vier Stufen, bezeichnet in französischer Sprache. Die Robe de Cour ist die Kleidung am Hof bei einer Staatsgala. Die Grand Parure wird bei halboffiziellen Empfängen und Festen getragen, die Parure bezeichnet Kleider für Tag und Abend. Das Negligé ist ein Haus- und Reisekleid.

Silberlamékleid „robe à la française“
England, 1760-1765

Die robe à la française ist ein zweiteiliges Kleid, das aus einem vorn offenen Überkleid, dem manteau, und einem darunter getragenen Rock, der jupe, besteht. Ihr typisches Kennzeichen ist die lose Faltenpartie, die im Rücken ohne Unterbrechung vom Nacken bis zum Saum in einer Bahn herabfällt.

Reifrock
England, um 1750

Die typische Silhouette der robe à la française mit ihrem seitlich weit nach außen schwingenden Rock wird durch den darunter getragenen Reifrock erzielt.

Galakleid “robe à la française”
Seide: Frankreich; Kleid: England, um 1775

In der zweiten Jahrhunderthälfte werden gestreifte Seiden, die sogenannten Pekins, mit kleinen Blütenbouquets und Streublümchen in hellen, pastelligen Farbstellungen bis hin zu reinen Streifendessins modern.

Von besonderer Pracht ist das Gewebe dieser Robe. Zwischen deren golddurchwebten Längsstreifen finden sich Blütenbouquets und silberdurchwebte Schmetterlinge, die durch Schleifen gehalten werden.

Zu einem modischen Kleid gehört außerdem ein farblich abgestimmter reicher Besatz von Rüschen, Volants, Gazen, Spitzen und Quasten.

Luise bevorzugt die schlichtere Form des späten Rokoko und kleidet sich nach englischem Vorbild. An den Hof in Berlin bringt sie weder Korsett, Reifrock noch Aufpolsterungen mit. In Modejournalen informiert sich die junge Königin über die neuesten Trends und pflegt Kontakte zur höfischen Modewelt in ganz Europa. Trotz der französischen Revolution gilt der Blick immer zuerst Paris.

Caraco-Fourreau
1793

Aus dem Journal des Luxus und der Moden: "Junge Teutsche Dame in einem Caraco-Fourreau von schwarzem Flor mit bunter aufgelegter Arbeit".

Chemise
1796

Das Journal des Luxus und der Moden zeigt eine "Junge Teutsche Dame in neuester Mode-Tracht".

Aus Luft gewebt
Ende des 18. Jahrhunderts erreicht ein Hauch von Stoff den preußischen Hof. Zarte körperumschmeichelnde Gewänder erregen Aufsehen und Verzückung zugleich. Im Juni 1794 berichtet das „Journal des Luxus und der Moden“ von einem atemberaubenden Wandel in der französischen Mode: "Das merkwürdigste aber ist eine neue Art von Kleidung die sie (die Pariserinnen) angenommen haben, die schon allgemein getragen wird, und auch für die Zukunft National-Tracht bleiben soll. Sie tragen nemlich, wie die Männer, Pantalons von fleischfarbenem Zeuche, und darüber einen Rock von feinstem Musseline … Die Taille ist ganz kurz, und mit einem dreyfarbigen Gürtel gefaßt."

Als Vorlage für die "Nuditäten-Mode" gilt zum einen die schlichte, körperbetonte Mode à l'anglaise, zum anderen die klassischen Gewandformen der Antike.

Das Chemisenkleid

Zwei Chemisenkleider
Links: Frankreich, ca. 1800
Rechts: England, ca. 1805

Das Chemisenkleid ist ein einteiliges Gewand mit hoher Taille und weitem Ausschnitt. Darunter werden Unterkleider oder fleischfarbene Trikots getragen. Erstmals und nur für kurze Zeit können die Frauen auf Schnürleib, Reifrock oder Hüftkissen verzichten.

Chemisenkleid mit Schleppe
England, um 1795–1800

In der Damenmode ersetzen schlichte Hemdkleider aus feiner weißer Baumwolle die steifen Seidenroben und umspielen den Körper in fließendem Faltenwurf.

Offene Chemise
1797

Schon im April 1797 beklagt ein Berichterstatter im Journals des Luxus und der Moden eine um sich greifende "Nuditäten-Mode" bei vielen Damen. Hier eine "Junge Dame in einer offnen Chemise, oder sogenannten Puder-Mantel, mit einem Parasol à feuillage".

Das Chemisenkleid wird Luises Lieblingskleidungsstück. Es betont nicht nur ihre natürliche Weiblichkeit, sondern kaschiert sie ebenso. In 17 Jahren lassen sich zehn Schwangerschaften dezent darunter verbergen.

Während man sich in Preußen anfangs noch für die freizügige Damenmode und die Befreiung von Kleiderzwängen begeistert, wird schon bald die förmliche Nacktheit des weiblichen Körpers als schamlos verpönt. In den Modeblättern wird gespottet und auf die Gefahren für Sitte und Anstand durch das Tragen von transparenten Chemisen hingewiesen. In der Zeitung für die Elegante Welt heißt es 1811 gar: "Es wäre traurig, wenn es der Mode gelingen sollte, dass die edle Liebe des Mannes, der sich nur dem sittsamen Weibe und Mädchen gern näherte, immer misstrauischer gegen weibliche Tugend würde, und wenn dadurch der ehelichen Verbindungen immer weniger werden sollten."

Liebreizendes Doppel
Von Beginn an verzücken die Schwestern Luise und Friederike den preußischen Hof. Im zeitgenössischen Diskurs wird ihr Anmut als "Liebreiz und körperliche Attraktivität, derer sie sich selbst nicht bewusst sind," aufgefasst. Dabei werden den beiden Prinzessinnen differente Weiblichkeitsideale zugeordnet. Luise verkörpere Würde, Friederike Grazie.

Den Zauber des modebewussten Geschwisterpaares verewigt Johann Gottfried Schadow in seiner berühmten Prinzessinnengruppe. In seine Aufzeichnungen notiert der Bildhauer:

"In stiller Begeisterung arbeitete der Künstler an seinem Modell: er nahm die Maße nach der Natur; die hohen Damen gaben von ihrer Garderobe das, was er aussuchte, und hatte so die damalige Mode ihren Einfluss auf die Gewandung."

Schadow nimmt die zeitgenössische Antikenmode auf und inszeniert die unterschiedlichen Attribute der Schwestern. Das Gewand von Luise fällt schlichter und unterstreicht ihre Erhabenheit. Das Gewand Friederikes erscheint lebendiger durch bewegtere Falten und betont ihre körperlichen Reize.

Trotzdem kritisieren Stimmen am preußischen Hof, dass Luise mit ihrem Kostüm zu indezent in Erscheinung getreten sei: "Die Frauenzimmer hatten nur ein Hemde und ein möglichst dünnes Kleid an, in welchen alle ihre Formen sichtbar waren."

Da auf der Berliner Akademie-Ausstellung 1795 die erste lebensgroße Gipsfassung sehr bewundert wird, werden rasch kleine Biskuit-Porzellan-Fassungen angefertigt und vertrieben.

Die beiden jungen Prinzessinnen verhelfen der neuen körperbetonten Mode zum Durchbruch.

Frisiert und gebunden
Nach den artifiziellen Hochfrisuren des Spätrokoko zeigt sich die Frisurenmode um 1800 aufgeklärt und bürgernah - gemäß der englischen Mode-Avantgarde. Puderfreie Hochsteckfrisuren werden lockiger und verspielter. Die beiden Preußenprinzessinnen favorisieren auch hier Natürlichkeit. Bei Friederike kann sich das bis zur demonstrativen Unfrisiertheit steigern. Diese unterstreicht ihre rebellische Gesinnung und findet modischen Beifall.
Luise hingegen sieht man locker frisiert à la grecque erst in späteren Jahren.

Auffällig ist die immer wiederkehrende Halsbinde. Zu Lebzeiten wie auch in der posthumen Ikonografie zählt die Kinnbinde zu Luises unverwechselbarem Kennzeichen. Ein Modetrend, den die Königin selbst geprägt haben soll.

Ein Modetrend, von dem wiederholt auch das Journal des Luxus und der Moden berichtet: "Morgenanzug. Der Kopfputz besteht aus einem weißen Atlasbande, das durch die Haare gezogen wird. Die Haare ringeln sich nachlässig in kleinen Locken [...]. Den Hals umgibt ein volles Musselingekröse, mit frisirten Spitzen besetzt."

Kopfputz
1796

Im Journals des Luxus und der Moden ist eine Dame mit feinem Leinentuch "zweymal über einander durch die leicht gelockten, ungepuderten Haare geschlagen, und unter dem Kinn gebunden" abgebildet.

Kopfputz
1795

Diese überaus populäre Haartracht ist mit Feder- und Perlenkettenschmuck verziert.

Kopfputz
1801

Um die Jahrhundertwende wird die Kopfbekleidung schlichter.

In Mode kommt auch die kurze, schoßlose Jacke, Spencer genannt. Das Kleidungsstück reicht bis kurz unter die Brust und betont dadurch die untere Körperhälfte besonders.

Schönheit, Eleganz, Spiel, Inszenierung – der Mythos Luise reicht bis in die heutige Zeit. Die Modeexpertin Barbara Vinken analysiert den Stil der Königin als einen, der die französische Revolution in Deutschland gewissermaße überflüssig machte. Sie beschreibt Luise als reformierte Königin im Mittelpunkt der preußischen Gesellschaft, "die in ihrer neuen bürgerlichen Paraderolle als Mutter, Gattin und Hausfrau eine Frau wie jede andere geworden war. Ihr Haushalt und ihre Ehe wurden zum Staatsmodell."
Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen Berlin
Mitwirkende: Geschichte

Text: Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz / Astrid Alexander / Christine Waidenschlager

Konzept / Redaktion / Umsetzung: Astrid Alexander

© Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz www.smb.museum

Quelle: Alle Medien
Der vorgestellte Beitrag wurde möglicherweise von einem unabhängigen Dritten erstellt und spiegelt nicht zwangsläufig die Ansichten der unten angegebenen Institutionen wider, die die Inhalte bereitgestellt haben.
Mit Google übersetzen
Startseite
Erkunden
In der Nähe
Profil