1900 - 2017

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TextilTechnikum

Die Entstehungsgeschichte der weltweit größten Farbstoffsammlung der Hochschule Niederrhein

Über die Farbstoffsammlung im TextilTechnikum

Die Geschichte des Färbens
Das Färben von Textilien war bis ins 19. Jahrhundert hinein ein sehr aufwändiger und teurer Vorgang. Deshalb blieben die meisten Textilien unbehandelt und besaßen einfach die ursprüngliche Farbe des Garns.

Färbte man dagegen Kleidungsstücke, bei denen es aus repräsentativen oder anderen Gründen unumgänglich war, so gewann man die benötigten Farbstoffe in einem langwierigen Verfahren auf pflanzlicher (z.B. Waid) oder tierischer Basis (z.B. Läuse oder Schnecken).

In früheren Jahrhunderten waren Uniformen meist bunt gefärbt. Dies diente zur Unterscheidung der Truppen.

Die synthetische Herstellung von Farben und ihre Auswirkungen
Die Möglichkeit Farben synthetisch herzustellen führte zur Entstehung der chemischen Industrie. Überall in Europa wurden Firmen gegründet und Chemiker entdeckten immer mehr dieser neuen synthetischen Farbstoffe, die wegen ihrer Leuchtkraft beliebt waren.

Aus Kreisen der Krefelder Seidenindustrie gründete man beispielsweise 1877 die Firma Dr. Edmund ter Meer in Uerdingen.

In Frankfurt entstand 1870 die Chemie- und Farbenfabrik Leopold Casella & Co.

Musterbücher verschiedener Fabriken fungieren zudem als Zeugnis für die aufblühende Chemieindustrie im späten 19. Jahrhundert. Mit ihren zahlreichen Stoffproben beeindrucken sie durch ihr Reichtum an Farbnuancen.

Auch die Modeindustrie zeigte sich von der Vielfalt der Farbstoffe berührt. So wurden gemeinsam von Industrie und Handel wie beispielsweise dem Deutschen Modeinstitut Tendenzfarben in Form von Farbkarten festgelegt. Diese waren als Impulse für die saisonale Farbgestaltung der Frühjahr-/Sommer- und der Herbst-/Winterkollektion konzipiert.

Das größte Interesse an den Farbstoffen besaß die Textilwirtschaft als deren Hauptabnehmer und wichtigster Impulsgeber. An der Nahtstelle zwischen Forschung, Entwicklung und Produktion der Farben auf der einen, der Anwendung auf der anderen Seite befanden sich neue Einrichtungen wie die Krefelder Weberei- und Appreturschule, ein Vorläufer der heutigen Hochschule Niederrhein.

Hier wurden in Zusammenarbeit mit der Chemie Färberezepturen entwickelt und gleichzeitig die Fachleute aus der Textilbranche ausgebildet. Hochschulabsolventen und Textiler aus aller Welt – viele bereits promoviert – kamen an diese Institution, um die Chemie und die Techniken des Färbens zu lernen.

Die Entstehung der Farbstoffsammlung der Hochschule Niederrhein  
Wegen der großen Bekanntheit der Schule und der Spezialisierung auf diesen Zweig wurde es üblich, dass nahezu alle Hersteller von synthetischen Farbstoffen, darunter die Vorgängerfirmen von Bayer, BASF Ludwigshafen und andere internationale Unternehmen, Farbstoffproben an die Krefelder Schule sandten, um deren Eignung zum Färben von Textilien zu erproben. Auf diese Weise entstand eine Farbstoffsammlung von über 10.000 Farbpigmentfläschchen, deren Anfänge in die 1860er Jahre, die Gründerzeit der Teerfarbenproduktion und der chemischen Industrie, zurückreichen.

Nun gibt es im TextilTechnikum eine eigene Abteilung zu diesem Thema zu sehen. Ein besonderer Raum thematisiert das "Färben" an der Nahtstelle zwischen der Spinnerei und der Weberei.
Die Zahl der präsentierten Farbpigmentfläschchen wuchs auf über 3000 an.

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung werden nun im Forschungsprojekt "Weltbunt" die Wechselwirkungen zwischen der Entstehung der synthetischen Farbstoffe im 19. Jahrhundert und dem Einzug der Farben in den Alltag der Menschen erforscht.

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