Alice G. Masaryková (1879 - 1966)

Museum T. G. Masaryk Lany

Gründerin des Tschoslowakischen Roten Kreuzes und dessen erste Vorsitzende

Alice G. Masaryková
Alice Garrigue Masaryková gehört zu den bedeutendsten Frauengestalten in der tschechischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Als Tochter des 1. tschechoslowakischen Präsidenten Tomas Garrigue Masaryk und als Gründungsvorsitzende des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes ist sie untrennbar mit der Geschichte der Tschechoslowakei verbunden. Einem Groβteil ihrer Lebenszeit widmete Alice der Sozialarbeit. Sie beschäftigte sich mit Fragen der Hygiene, Arbeitslosigkeit, Absicherung von Kindern und der Weiterbildung sozialer Facharbeiter. Sie gründete neue Schulen und Krankenhäuser. Sie unterstütze eine groβe Anzahl sozialer Projekte. Als ihre Mutter Charlotte ernsthaft krank wurde und später nach deren Tod übernahm Alice in den Jahren 1918-1935 die Verpflichtungen der ersten Dame im Staate. Ihr Leben verlief nicht besonders glücklich. Sie hatte nie geheiratet und hatte nie Familie oder Kinder. Die Liebe ihres Lebens hieβ Arbeit. Nach den tragischen Ereignissen im Jahr 1948, als die Tschechoslowakei einen kommunistischen Putsch erlebte und nach dem Tod ihres Bruders Jan Masaryk reiste sie aus der Tschechoslowakei ab und kehrte nie mehr in die Heimat zurück, Vereinsamt starb sie im tschechischen Altersheim in Chicago. Erst im Jahre 1994 wurden ihre sterblichen Überreste in das Familiengrab der Masaryk in Lány überführt.
Kindheit und Schülerjahre
Alice Masaryková se wurde am 3. Mai 1879 in Wien geboren. Als sie 3 Jahre alt war, übersiedelten ihre Eltern mach Prag. Ihr Vater Tomáš Garrigue Masaryk, begann, an der Prager Universität zu dozieren. Mit dreizehn Jahren trat Alice Masaryková von der städtischen Schule zur Minerva über, dem ersten Mädchengymnasium in Tschechien. Schon von klein auf träumte Alice Masaryková von einem Leben als Ärztin. Deshalb schrieb sie sich nach dem Abitur am Minerva im Jahr 1898 an der medizinschen Fakultät ein. Von den 50 Studenten war sie das einzige Mädchen. Sie belegte die Fächer Anatomie, Mineralogie, Botanik, Zoologie, Physik und Histologie. Zu dieser Zeit war es leider so, dass an der medizinischen Fakultät Frauen nur als Gasthörer aufgenommen wurden und als Studenten keine Prüfungen absolvieren konnten, sondern nur Kolloquien. Alice Masaryková hatte mit den Professoren und sogar mit ihrer Kurzsichtigkeit zu kämpfen (da es damals keine Brillen gab, so wie man sie heute kennt, mussten auch Mädchen Monokel tragen, was damals als etwas merkwürdig empfunden wurde). Nach den Studienjahren verabschiedete sie sich schweren Herzens von der Fakultät und schrieb sich in die philosophische Fakultät ein. Hier stellte sie erfolgreich Geschichtsprüfungen für die Mittelschule zusammen und entschied sich für eine Laufbahn als Lehrerin.
Alice Masaryková, als erste Dame der Republik Tschechoslowakei
Das Entstehen der Tschechoslowakischen Republik bedeutete für Alice Masaryková den Anfang eines neuen Lebensabschnittes. Im Oktober 1918 wurde sie für die Slowakei als Abgeordnete für die erste Nationalversammlung der Tschechoslowakischen Republik ernannt. Zu dieser Zeit begann auch das Tschechische Rote Kreuz sich herauszubilden. Alice Masaryková wurde im Jahr 1919 erste Vorsitzende. Damit konnte sie sich erstmals auf ihre Lieblingstätigkeit, die Sozialarbeit, konzentrieren, Zu der Zeit, als Alices Vater Präsident wurde, war ihre Mutter Charlotte bereits sehr krank. Deswegen nahm Alice unverzüglich die Rolle der ersten Dame im Staat ein. Als erste Dame im Staat hatte Alice Verantwortung für ein zahlreiches Hauspersonal auf der Prager Burg und in Lány. Gleichzeitig hatte sie Verantwortung für das offizielle Präsidentenprogramm, organisierte Mittagessen und Abendessen mit jeweils umfangreichen Gästelisten. Auβerdem organisierte sie die privaten Treffen ihres Vaters mit Staatsmännern, Wissenschaftlern, Schriftstellern und Journalisten und nahm an den verschiedensten Feierlichkeiten teil und begleitete den Präsidenten auf vielen Auslandsreisen.
Wie das Tschechoslowakische Rote Kreuz entstand
Sofort zu Beginn des Jahres 1919 begann Alice G. Masaryková am Entstehen der tschechoslowakischen Zweigstelle des roten Kreuzes aktiv mitzuarbeiten Auf dem Gebiet des neuen tschechoslowakischen Staates wirkte noch immer die ursprünglichen tschechischen und slowakischen Vereine des österreichischen und ungarischen Roten Kreuzes. Deren Zielrichtung und Tätigkeit entsprach leider nicht mehr den Anforderungen der modernen Tschechoslowakischen Republik. Bei der Schaffung einer neuen Organisation zeigte Alice ausgezeichnete organisatorische Fähigkeiten und eine sehr qualifizierte Orientierung auf dem Gebiet sozialer Angelegenheiten. Bei der Vorbereitung der Sitzung des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes am 1. Februar formulierte sie genau die Zukunftspläne und –tätigkeiten der Organisation und wurde nachfolgend zur Vorsitzenden gewählt.
Die Tätigkeit des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes
Ab dem Beginn seines Bestehens im Jahr 1918 war die Tätigkeit des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes breit gefächert. Vor allem wegen der aktiven Herangehensweise der ersten Vorsitzenden des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes und deren Mitarbeiter gelang es, die Arbeit auf eine wirklich breite soziale und gesundheitliche Basis in der Tschechoslowakischen Republik zu stellen.
Gedenksaal von Alice G. Masaryková
Alice G. Masaryková, lebte ab dem Jahr 1921 zusammen mit ihrem Vater Tomas G. Masaryk, in Lány. Damit wurde das Schloss Lány offizieller Sommersitz des Präsidenten. Alice gefiel es in Lány sehr. Als erste Dame kümmerte sie sich gewissenhaft um den Haushalt in Lány. Sie war für Arbeitsprogram von Masaryk verantwortlich, organisierte verschiedene Sitzungen, offizielle Mittagessen, Tee und empfing bedeutende Gäste. Hier arbeitete sie auch aktiv für das Tschechoslowakische Rote Kreuz. Trotz ihres sehr anspruchsvollen Arbeitspensums gelang es ihr, sich aktiv auszuruhen. Sie machte oft Spaziergänge in die schönen Wälder von Křivoklat in der Umgebung von Lány. In Lány lieβ Alice G. Masaryková für die örtlichen Einwohner ein soziales Musterhaus bauen, eine Beratungsstelle für Mütter mit Kindern.
Exil
Ende der 30er Jahre nahmen in der Tschechoslowakei und in ganz Europa die politischen Spannungen zu. Alice Masaryková glaubte bis zum letzten Augenblick daran, dass es nicht zum Krieg kommen würde. Deshalb war für sie das Münchner Diktat und die nachfolgende Besetzung von Teilen der Tschechoslowakei sehr schmerzhaft. Alice Masaryková reiste nach Amerika ab, wo sie eine Vortragsreihe organisieren wollte und die amerikanische Öffentlichkeit über die tschechoslowakische Tragödie informieren wollte. Die Vorträge jedoch stieβen auf kein Interesse. Alice musste die Vortragsreihe abbrechen. An Weihnachten 1939 brach sie physisch und psychisch zusammen. Bis Kriegende überlebte sie in mehreren amerikanischen Sanatorien. Im Jahr 1945 kehrte sie in die befreite Tschechoslowakei zurück. Sie wohnte in ihrem Haus in der Loretanska Straβe in Prag. Im Sommer besuchte sie Bystrička in der Slowakei, wo sie sich im Jahr 1920 ein Haus bauen lieβ. Nach dem Tod ihres Bruders Jan reiste Alice Masaryková aus der Tschechoslowakei ab. Ab den 50er Jahren lebte Alice Masaryková dann in Amerika. Sie hatte nie geheiratet. Sie starb am 29. November 1966 kinderlos in Chicago Im Jahr 1994 wurden ihre sterblichen Überreste in das Familiengrab der Masaryk in Lány überführt.
A. G. Masaryková 1879 - 1966
„Wir Tschechoslowaken haben als Symbol unseres Volkes einen Lindenbaum. Was bedeutet uns die Linde? Schauen wir das Blatt des Lindenbaums an und wir sehen ein Herz. Der Lindenbaum, Abzeichen des Volkes, ist aus einer unendlichen Zahl kleiner Herzen zusammengesetzt. Sei jeder von uns ein frisches Blatt – Herz des Volkes und schäme sich nicht zu erklären, dass er es völlig in die Dienste des allgemeinen Gutes gibt.“ A. G. Masaryková
Museum T. G. Masaryk in Lany - Archiv
Mitwirkende: Geschichte

Institut für Sozial- und Geschichtswissenschaften von Museum T. G. M. Rakovník

Quelle: Alle Medien
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