Man fliegt fast vorwärts oder das Reisen mit der Schnellpost

Museum für Kommunikation Frankfurt, Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Die entscheidende Neuerung im Postreiseverkehr des 19. Jahrhunderts war die im Jahr 1821 eingeführte Schnellpost. Waren Reisende zwischen Berlin und Frankfurt um 1800 noch rund sechs Tage unterwegs, so benötigt die Schnellpost in den 1820er Jahren nur noch zweieinhalb Tage.

Die entscheidende Neuerung im Postreiseverkehr des 19. Jahrhunderts ist die Einführung der Schnellpost durch den preußischen Postrat Schmückert (1790-1862) im Jahr 1821.

Er fasst die Idee, den Personenverkehr auf die Stufe des Kurierwesens zu heben und Personen „mit der Geschwindigkeit der reitenden Post“ zu befördern. Die neuen Posten sollen auch für Reisende ein „vorzügliches Beförderungsmittel“ sein.

Französisches Vorbild
Als Vorläufer der Schnellpost werden die schnellen, französischen Diligencen im Deutschen auch als „Geschwind-Postkutschen“ bezeichnet. Das zentral verwaltete Königreich Frankreich weist – im Gegensatz zu den deutschen Kleinstaaten – ein modernes Straßennetz und ein hocheffizientes Postwesen auf.

Der erste preußische Schnellpostkurs wird 1821 auf der Strecke Koblenz-Köln-Düsseldorf eröffnet. Bald folgen Schnellposten in ganz Preußen und auch anderen europäischen Ländern.

Eine Meilen-Vergleichstabelle in der linken Kartenecke vermittelt anhand von 16 verschiedenen europäischer Meilenmaße einen Eindruck von der komplizierten Entfernungsberechnung über längere Distanzen.

Das Motiv der hölzernen Schützenscheibe ist der Einbindung der thüringischen Stadt Ohrdruf in das Eilwagensystem der Schnellpost von Berlin nach München am 2. Oktober 1834 gewidmet.

Beschleunigung des Reisens
Die technisch verbesserten Schnellpostwagen liegen auf englischen Druckfedern. Auf neu angelegten Kunststraßen (Chausseen) erhöhen sie den Komfort für die Reisenden. Diese schweben, so schwärmen die Zeitgenossen, „sanft dahin“. Die Schnellpostwagen befördern etwa sechs bis neun Personen und bieten im Beiwagen, der sog. Beichaise, den nötigen Raum für Briefpost und Reisegepäck.

Die Abläufe an den Poststationen, Pferdewechsel, Rast und Mahlzeit, die gesamte Organisation wird in nie gekannter Weise optimiert.

In dem Ölbild schreckt das Posthornsignal zum Zeichen der Abfahrt einen Bildungsreisenden aus seiner Mahlzeit. Denn die Eilpostkutsche verkehrt streng nach Fahrplan.

Streng getaktet
Zur Einhaltung von Fahrplänen sind die Postillione und Kondukteure mit verplombten Kursuhren ausgerüstet. Unterwegs kann damit die Uhrzeit exakt bestimmt werden – unabhängig von der Angabe der örtlichen Kirchturmuhren. Das aus Leder gefertigte Stück ist abschließbar und verhindert so den unbefugten Zugriff und Manipulation. Der Postillion muss bei Verspätungen mit einer Strafe rechnen.

Der Postraub kommt im 18. Jahrhundert regelrecht in Mode. Um die Reisenden und wertvolle Güter vor Räuberbanden zu schützen, sind die Postbediensteten bewaffnet.

Zur besseren Lesbarkeit unterwegs ist die Schnellpost-Kurskarte zwischen Berlin und Leipzig in Etappen zerlegt. Sie signalisiert: An den eingezeichneten Landesgrenzen ist mit Aufenthalten zu rechnen, die Zeiten an den Stationen wurden aufs äußerste beschränkt.

Allein durch eine Straffung der organisatorischen Abläufe an den Poststationen verkürzen sich die Fahrzeiten im Postkutschenzeitalter erheblich. Die Passagiere nehmen die Rationalisierungen als Beschleunigung des Reisetempos wahr.

Die Eilkutsche nach Stuttgart verlässt Frankfurt am 13. Februar 1823 pünktlich um 12 Uhr mittags. Der Reisende hat sich eine Stunde vor Abfahrt an der Poststation einzufinden, sein Handgepäck ist limitiert und dem Personal ist es untersagt, ein Trinkgeld anzunehmen.

Das Fahrplanschema der Berliner ankommenden und abgehenden Posten beeindruckt durch die Fülle seiner Verbindungen. In der preußischen Hauptstadt verkehren im Jahr 1830 pro Woche 93 Schnellpostkutschen sowie 137 gewöhnliche Postkutschen – neben einer unbestimmten Zahl an täglichen Extrapostfuhren.

Reisen als Privileg
Während Handbücher Reisende vor einem Übermaß an Koffern und Taschen warnen, was leicht als Indiz für Reichtum missverstanden werden könnte, besteht dennoch ein erheblicher Bedarf an Gepäck. Die aufwendige Kreuzsticherei der Reisetasche und der französische Schriftzug „Bon Voyage“ lassen auf eine wohlhabende Besitzerin schließen.

Das mehrteilige Essbesteck setzt sich zusammen aus einem in das Etui eingelassenen Trinkbecher, einem klappbaren Besteck mit Löffel, Gabel und Messer, einem Kaffeelöffel, Gewürzstreuer, Zahnstocher und Korkenzieher. Das auf Reisen unverzichtbare Utensil wurde vermutlich in Paris hergestellt.

Besonders Extrapostreisende, die sich ihrer eigenen Kutsche bedienen, sind unterwegs regelmäßig zu Zahlungen verpflichtet – im Gegensatz zur einmaligen Fahrgeldzahlung für die Schnellpostreise.

Die Fahrt mit der Extrapost von Berlin nach Potsdam im Jahr 1835 kostet für drei Pferde, Schmiergeld sowie Chaussee- und Brückengeld zusammen 4 Taler 28 Silbergroschen und 3 Pfennig.

Beliebt sind Brückengeld, auf den Kunststraßen Chaussee- und in den Städten Pflastergeld.

Ende der Postkutschen-Ära
Mit dem Aufkommen von Eisenbahn und Dampfkraft, etwa ab 1840, beschränkt sich der Postkutschenverkehr mehr auf Zubringerdienste zu den Bahnstationen. Bis zur Ablösung durch die Eisenbahn sind Eilwagen und Schnellpost die schnellsten Massenverkehrsmittel und stehen im eigentlichen Sinne am Beginn der Verkehrsmoderne.

Mitwirkende: Geschichte

Man fliegt fast vorwärts oder das Reisen mit der Schnellpost

Eine virtuelle Ausstellung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

Kuratorin: Katja Galinski

Alle Objekte aus dem Bestand der Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

www.museumsstiftung.de

Quellen:
Berliner Postgeschichte. Postgeschichtliche Hefte der Bezirksgruppe Berlin der Gesellschaft für deutsche Postgeschichte e.V. Nr. 1 1982.

Wolfgang Lotz (Hg.): Deutsche Postgeschichte. Essays und Bilder, Berlin 1989.

Quelle: Alle Medien
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