Unterstützen Elefanten Frösche?

Museum für Naturkunde Berlin

Wie große Pflanzenfresser die Amphibienvielfalt in afrikanischen Savannen beeinflussen – Ein Beispiel aus den Forschungsprojekten des Museums für Naturkunde Berlin (Mark-Oliver Rödel)

Eine wichtige Forschungsfrage im Museum für Naturkunde Berlin ist: "Welche Faktoren beeinflussen die Diversität der Organismen?" Einige Faktoren sind gut bekannt, z.B. Verlust von Lebensräumen (hier: Regenwald) oder Einschläge von Meteoriten.

Andere Faktoren sind schwieriger zu verstehen. Vor einiger Zeit begannen wir z.B. zu erforschen, wie große Pflanzenfresser die Amphibienvielfalt in afrikanischen Savannen beeinflussen.

In westafrikanischen Savannen gibt es eine Vielzahl an Lebensräumen. Diese sind Heimat für eine sehr große Zahl von Pflanzen- und Tierarten, darunter mehr als 40 Schlangenarten und 30 Arten von Fröschen und Kröten.

Einige Beispiel der Vielfalt von Amphibien: Hoplobatrachus occipitalis

Hyperolius concolor

Ptychadena pumilio

Hyperolius igbettensis

Paar von Afrixalus vittiger

Ein Grund für die Vielfalt der Amphibien ist die Vielfalt der Fortpflanzungsgewässer. Diese reichen von winzigen, nur zeitweise wasserführenden Pfützen hin zu großen Seen, von beinahe vegetationsfreien Wasserflächen ...

... hin zu Tümpeln welche von Pflanzen überwachsen sind.

Der längerfristige Bestand der kleinen vegetationsfreien Tümpel ist wesentlich auf den Einfluss von Großsäugern wie z.B. Elefanten, Büffeln oder Warzenschweinen zurückzuführen. Diese nutzen die Tümpel für Schlammbäder. In den letzten Jahren durchlief die Elfenbeinküste jedoch eine Periode politischer Unruhen. Wilderer haben in dieser Zeit die Zahl der Großsäuger dramatisch reduziert.

Wandel
Im Ergebnis sind z.B. im Comoé Nationalpark fast alle Tümpel inzwischen stark mit Pflanzen bewachsen. Der hier gezeigte Tümpel war in der Mitte der 1990er Jahre noch tief und vegetationsfrei. Jetzt ist er flach und in Verlandung begriffen. Wir wollten untersuchen, welche Konsequenzen dies für die Amphibienpopulationen hat.

Glücklicherweise hatten wir umfangreiche Daten aus der Zeit vor dem Rückgang der großen Pflanzenfresser. Nun mussten wir nur noch die gleichen Tümpel wiederfinden ...

... und neue Daten zum Vergleich erheben.

Einige Arten (hier z.B. der Senegal-Rennfrosch, Kassina senegalensis schienen durch die Veränderungen nicht beeinflusst. Die Kaulquappen dieser Arten nutzen ein breites Spektrum sowohl tierischer als auch pflanzlicher Nahrung.

Die Vorkommen anderer Arten, wie der winzigen Bananenfrösche (Afrixalus) haben dramatisch zugenommen. Die Paare dieser Arten falten im Wasser stehende Grasblätter zusammen und legen ihre Eier hinein. Ungefähr eine Woche später schlüpfen die Kaulquappen und fallen beim nächsten Starkregen ins Wasser. Die Zunahme der Tümpelvegetation ist offensichtlich von Vorteil für diese Arten.

Der Afrikanische Schmuckfrosch (Hildebrandtia ornata) benötigt flache, offene Gewässer mit schlammigem Ufer. Er ist sehr selten geworden.

Ähnlich selten ist der zuvor fast überall anzutreffende Rote Wendehalsfrosch (Phrynomantis microps) geworden. Diese Art kann sich grundsätzlich in überwachsenen Tümpeln fortpflanzen. Allerdings bevorzugen die Kaulquappen offenes Wasser. Da sie nicht sehr schnell schwimmen können, bilden sie Schulen um ihren Fressfeinden, z.B. Libellenlarven, Schwimmkäfer oder Schildkröten, zu entkommen. Diese Strategie scheint vor allem im offenen Wasser zu funktionieren.

Zusammenfassung
Die Antwort auf unsere Frage, ob Elefanten (und andere große Säugetiere) Frösche unterstützen, ist also sowohl ja als auch nein. Manche Tiere profitieren, andere sind benachteiligt. Unterm Strich wird aber klar, dass Großsäuger die Vielfalt an Lebensräumen und damit auch den Artenreichtum von Fröschen erhöhen. Leider haben wir noch einen langen Weg vor uns, bis wir die Konsequenzen von Umweltveränderungen und menschlichen Eingriffen auf Artenreichtum und Ökosystemfunktionen präzise vorhersagen können. Das Feld der Klimaforschung gibt jedoch Hoffnung, dass auch schwierige Vorhersage-Probleme lösbar sind, vorausgesetzt es gibt politischen Willen, ausreichende Forschungsförderung und internationale Koalitionen. <i>Bild: Das "Chaucer Astrolabium" von 1326, ein frühes Werkzeug zur Modellierung und Vorhersage der Bewegungen der Himmelskörper; Britisches Museum</i>

(Für weitere Informationen empfehlen wir auch die Online-Ausstellungen von Frogs and Friends, insbesondere Frog Fields über Froschjagd in Afrika.)

Mitwirkende: Geschichte

Fotos: Mark-Oliver Rödel (Museum für Naturkunde Berlin); Chaucer Astrolabium: British Museum, used by permission.
Text: Mark-Oliver Rödel, Gregor Hagedorn (Museum für Naturkunde Berlin)

© www.naturkundemuseum.berlin

Quelle: Alle Medien
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