1882 bis 2015

Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker

Geschichte und Musik eines Weltorchesters

Ein Orchester von Weltrang
Leidenschaftliche Musiker, charismatische Dirigenten, herausragende Solisten – seit 1882

Am Anfang stand ein Akt der Rebellion: Im März 1882 weigerten sich 50 Mitglieder der Kapelle des populären Musikdirektors Benjamin Bilse ihre neuen Kontrakte zu unterscheiben – zu schlecht erschienen ihnen die Konditionen. Die Musiker beschlossen sich selbständig zu machen und fortan auf eigenes Risiko zu arbeiten.

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Hans von Bülow
Chefdirigent von 1887 bis 1892. Hans von Bülow verkörperte zu seiner Zeit den modernen Typ des Dirigenten: exzentrisch in der Gestik, kompromisslos, analytisch in der musikalischen Arbeit, ausdrucksstark im künstlerischen Ergebnis. Er war ein Orchestererzieher höchsten Grades und etablierte Standards, die die Grundlagen für den späteren Weltruhm der Philharmoniker bildeten.
Arthur Nikisch
Chefdirigent von 1895 bis 1922. Arthur  Nikisch, der mit einer ruhigen, sparsamen Gestik dirigierte, setzte auf eine romantische, sinnliche Farbgebung und eine rhapsodische, wie improvisiert wirkende Weite. Er verschob die programmatischen Schwerpunkte, lancierte nicht nur das deutsche Repertoire, sondern dirigierte Kompositionen von Tschaikowsky, Berlioz, Liszt, Strauss, Mahler – und vor allem Bruckner. Unter seiner Leitung gewann das Orchester international an Geltung, alle Solisten von Rang und Namen kamen nach Berlin, um mit den Philharmonikern aufzutreten. Doch nicht nur das. Nikisch unternahm mit dem Orchester viele Reisen und mehrte so dessen Weltruf.
Wilhelm Furtwängler 
Chefdirigent von 1922 bis 1934 und von 1952 bis 1954. Mit Wilhelm Furtwängler kam eine Musikerpersönlichkeit ans Pult der Berliner Philharmoniker, die auf den Errungenschaften seiner Vorgänger aufbaute und dem Orchester zu weiterhin steigendem Renommee verhalf.  Legendär war seine eigenwillige Schlagtechnik, die von den Musikern eine große Eigenverantwortlichkeit und Sensibilität forderte. Furtwängler formte die Berliner Philharmoniker zu seinem ureigensten Instrument, das seine interpretatorischen Vorstellungen kongenial umsetzte
Herbert von Karajan
Chefdirigent von 1956 bis 1989. Unter Herbert von Karajan entwickelten die Berliner Philharmoniker eine ganz eigene Spielkultur, die sich durch Klangschönheit, betörende Legati, Virtuosität und Perfektion auszeichnete. Er bediente bevorzugt das klassisch-romantische Repertoire: Beethoven, Brahms, Bruckner, Schumann, Tschaikowsky, Wagner und Strauss. Darüber hinaus widmete er sich der Zweiten Wiener Schule sowie führenden Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts. Während Karajans Amtszeit zogen die Philharmoniker 1963 in die von Scharoun gebaute Philharmonie. Mit ihm wurde das Orchester zum Medienstar. Und noch zwei Dinge verdankt es dem Dirigenten: die Salzburger Osterfestspiele, die er 1967 ins Leben rief, und die Orchester-Akademie.

Der Film von Beethovens Fünfter aus dem Jahr 1972 basiert auf einem Livekonzert vor geladenem Publikum in der Berliner Philharmonie. Der Orchesterklang verbindet dabei eine samtige Fülle, wie sie typisch für Nikisch und Furtwängler war, mit jener Brillanz und jenem packender Zugriff im Stile Toscaninis, um die Karajan die Berliner Tradition bereichert hatte.

Herbert von Karajan in der Digital Concert Hall


Herbert von Karajan dirigiert Tschaikowskys Sechste Symphonie (1973). Die lange und bedeutende Tschaikowsky-Tradition der Berliner Philharmoniker reicht zurück bis in die Anfangszeit des Orchesters. Der Komponist kannte und schätzte die beiden ersten Chefdirigenten der Berliner, Hans von Bülow und Artur Nikisch, und ihre inspirierte Lesart von Tschaikowskys Werken – vor allem der drei letzten Symphonien – fand eine ebenso engagierte und charismatische Fortsetzung durch Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan.

Herbert von Karajan in der Digital Concert Hall


Claudio Abbado
Chefdirigent von 1990 bis 2002. Claudio Abbado strebte einen transparenteren Orchesterklang an als sein Vorgänger Herbert von Karajan. Mit seinen Konzertprogrammen setzte er ganz eigene ästhetische Akzente. Kennzeichnend für die Ära Abbado waren die großen Konzertzyklen, die ein spezielles Thema in den Mittelpunkt stellten, beispielsweise Prometheus, Faust oder Shakespeare, und die Auseinandersetzung mit dem Werk Gustav Mahlers.

Nirgendwo sonst auf der Welt werden die Berliner Philharmoniker seit Jahrzehnten mit solcher Wärme und Begeisterung empfangen wie in Japan. Einen Eindruck hiervon vermittelt dieses Konzert mit Claudio Abbado, aufgezeichnet 1994 in der Suntory Hall in Tokio. Ein Programmpunkt des Konzerts: Strawinsky’s »Feuervogel«.

Claudio Abbado in der Digital Concert Hall

Mit dem Europakonzert des Jahres 2002 im Teatro Massimo von Palermo begann Abbados letzte Tournee an der Spitze des Orchesters. Sie führte quer durch seine italienische Heimat bis nach Wien, wo Abbado - mit Nachfolger Sir Simon Rattle im Publikum - am 13. Mai 2002 ein letztes Mal als Chefdirigent mit den Berliner Philharmonikern konzertierte. Er dirigierte u. a. Antonín Dvořáks Symphonie Nr. 9 »Aus der neuen Welt«.

Claudio Abbado in der Digital Concert Hall

Sir Simon Rattle
Chefdirigent seit 2002. Simon Rattle favorisiert einen noch transparenteren Orchesterklang, konfrontiert die Musiker mit Dirigenten, die als Spezialisten der historischen Aufführungspraxis gelten, und rückt die Werke der Wiener Klassik sowie zeitgenössischer Komponisten stärker in den Fokus. Und nicht nur das. Ganz der Absicht entsprechend, die klassische Musik aus ihrer elitären Enklave herauszuholen und dem Publikum neue Wege zur Musik zu weisen, etablierte Rattle das Education-Programm der Berliner Philharmoniker. Damit will das Orchester Menschen erreichen, die bislang wenig oder gar keinen Zugang zur klassischen Musik haben, insbesondere Kinder und Jugendliche.

Seit 1991 gastieren die Berliner Philharmoniker jedes Jahr am 1. Mai an einem europäischen Ort von besonderer (kultur-)historischer Bedeutung, um einerseits an ihre Gründung am 1. Mai 1882 zu erinnern und andererseits ein Zeichen zu setzen für das gemeinsame Erbe der Alten Welt. Im Olympiajahr 2004 fiel die Wahl auf Athen, die Wiege der abendländischen Kultur und Demokratie. Eine Premiere war, dass bei diesem Konzert Daniel Barenboim unter der Leitung von Sir Simon Rattle spielte; es war das erste gemeinsame Konzert der beiden Musiker überhaupt. Auf dem Programm stand das Erste Klavierkonzert von Johannes Brahms.

Die allerletzte Zugabe eines jeden Waldbühnenkonzerts: Paul Linkes »Berliner Luft«. 2005 rührte dafür der Chefdirigent selbst die große Trommel rührte.

Mit vielen Superlativen bedachten Rezensenten die Aufführung der Matthäus-Passion in der Philharmonie. Das RBB Kulturradio befand: »Eine Rattle-Sternstunde! Und einer der besten Abende bei den Philharmonikern seit Jahren.« Das Lob der Medien galt nicht allein den Berliner Philharmonikern und ihrem Chefdirigenten, sondern auch der so genannten »Ritualisierung« des amerikanischen Star-Regisseurs Peter Sellars.

Was für eine Musik, die uns Sir Simon Rattle, die Sopranistin Barbara Hannigan und Mitglieder der Berliner Philharmoniker in dieser Late Night präsentieren: Frech, raffiniert, sexy, subversiv -ein bisschen Strawinsky, ein bisschen Weill. Das istWilliam Waltons 1923 aus der Taufe gehobenes »entertainment« Façade.

Für Simon Rattle ist Robert Schumann »the echt Romantic«. Und in der Tat: das Überschäumende dieser Epoche, ihre Leidenschaft ebenso wie ihre Melancholie lässt sich bis heute in Schumanns Musik mit einzigartiger Intensität nacherleben. Für die Berliner Philharmoniker gehören Schumanns Symphonien von jeher zum Kernrepertoire. Und so ist es nur naheliegend, dass die Berliner Philharmoniker ihr Label Berliner Philharmoniker Recordings 2014 mit einem Zyklus der vier Schumann-Symphonien eröffnen. Hier ein Auschnitt aus der Ersten Symphonie.

Zum 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer erklang am 9. November 2014 Beethovens Neunte Symphonie, die mit ihrem utopischen Gehalt von Einigkeit, Freude und Verbrüderung den kunstreligiösen Vorstellungen nachfolgender Generationen in idealer Weise entsprach.

Von der naiven Unschuld zur Femme fatale und Geächteten – die Fallhöhe der Heldin aus Abbé Prévosts Roman »L’Histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut ist hoch«. Mit der Vertonung dieses Stoffs, dem Dramma lirico »Manon Lescaut« gelang dem 35-jährigen Giacomo Puccini 1893 der künstlerische Durchbruch. Und die Berliner Philharmoniker feierten damit bei den Osterfestspielen 2014 einen großen Erfolg.

Ein Höhepunkt der Saison 2015/2016: der Beethoven-Zyklus der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Hier ein Ausschnitt aus der »Eroica«. Den gesamten Zyklus finden Sie in der Digital Concert Hall.

Zur Digital Concert Hall

Die Berliner Philharmoniker und ihre Gäste
Sehen und hören Sie in der Digital Concert Hall die größten Dirigenten und Solisten der klassischen Musik in Konzerten der Berliner Philharmoniker – live oder auf Abruf, wann immer Sie möchten.

Die Naturphilosophen des 19. Jahrhunderts hätten ihre wahre Freude gehabt an diesem Werk. Denn so gewaltig die Dritte Symphonie von Gustav Mahler in ihren Ausmaßen ist, so gewaltig ist hier das Erlebnis des Naturhaften, wird das Phänomen der Natur so sehr in den Fokus gestellt. Am Pult der Philharmoniker steht mit Zubin Mehta einer der dem Orchester am längsten verbundenen Dirigenten.

Ein »keckes Beserl« nannte Anton Bruckner seine Erste Symphonie. Und tatsächlich findet sich in wohl keinem anderen Werk des Komponisten eine derartige übersprudelnde Lebensfreude. Man mag es kaum glauben, dass die Berliner Philharmoniker diese originelle Symphonie bis zu dieser Aufführung mit Seiji Ozawa ein Vierteljahrhundert lang nicht auf dem Programm hatten.

Gustavo Dudamel nimmt unter den Musikern unserer Zeit eine herausragende Position ein – als Dirigent, der sich nicht durch entrückte Autorität von anderen abhebt, sondern durch unbedingte Hingabe an die Musik und eine einzigartige Fähigkeit, Orchester und Publikum mit seiner Energie zu inspirieren. Bei diesem Konzert stellt er seine Qualitäten unter anderem in Richard Strauss’ »Also sprach Zarathustra« unter Beweis.

Die Überraschung war perfekt: Am 21. Juni 2015 wählten die Berliner Philharmoniker mit großer Mehrheit Kirill Petrenko zum designierten neuen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker und Künstlerischen Leiter der Stiftung Berliner Philharmoniker. Der Russe stand 2006 erstmals am Pult des Orchesters. Hier dirigiert er Alexander Skrjabins »Le Poème de l’extase«. Ein mystisch-überhöhtes Orchesterwerk, dessen orgiastischer Klangrausch typisch für viele Kompositionen der Spätromantik ist.

Andris Nelsons, der 2008 als 30-Jähriger in indirekter Nachfolge von Sir Simon Rattle das City of Birmingham Symphony Orchestra übernahm und 2010 bei den Berliner Philharmonikern debütierte, dirigiert Richard Wagners »Tannhäuser«-Vorspiel.

Am Pult der Berliner Philharmoniker ist Herbert Blomstedt regelmäßig zu Gast, oft als bedeutender Anwalt der brucknerschen Symphonik. Für seine Konzerte im Februar 2014 hat der Maestro nun Hector Berlioz’ »Symphonie fantastique« aufs Programm gesetzt.

Schon immer haben die Berliner Philharmoniker ihre Osterfestspiele zum Anlass genommen, erstmals mit jungen, aufstrebenden Solisten zusammenzuarbeiten. So war es auch 2014 in Baden-Baden, wo die argentinische Cellistin Sol Gabetta mit Edward Elgars Cellokonzert ihr philharmonisches Debüt gab.

Martha Argerich und Riccardo Chailly verbindet eine langjährige künstlerische Freundschaft mit den Berliner Philharmonikern. Dass sie gemeinsam in den Konzerten des Orchesters mitwirken, ist allerdings ein Ereignis mit Seltenheitswert. Erst zwei Mal, 1983 und 1989, konnte das Berliner Publikum die beiden zusammen auf dem Podium erleben. Diesmal haben sich die beiden das Klavierkonzert a-Moll von Robert Schumann vorgenommen. Dieses Werk bildet einen Gegenentwurf zu den damals beliebten, brillanten Virtuosenkonzerten

Bemerkenswert ist die Liste der Dirigenten, die bei den Berliner Philharmonikern seit dem Tod Herbert von Karajans »Ein deutsches Requiem« von Johannes Brahms dirigiert haben: Carlo Maria Giulini, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Bernard Haitink, Simon Rattle und zuletzt Donald Runnicles. In dieser Afunahme nimmt sich Christian Thielemann des Meisterwerks an.

Bernard Haitink, seit mehr als 50 Jahren geschätzter Gastdirigent der Berliner Philharmoniker, dirigierte im Mai 2015 ein Werk, das er bislang noch nie mit dem Orchester aufgeführt hat: Franz Schuberts Fünfte Symphonie B-Dur.

Krystian Zimerman ist einer, der mit schonungsloser Kompromisslosigkeit nach der Wahrheit hinter den Noten sucht – weshalb jede seiner Aufnahmen einer kostbaren Rarität gleichkommt. In der Digital Concert Hall zeigen wir nun seine Interpretation von Brahms’ Klavierkonzerts Nr. 1 vom Juni 2015.

Digital Concert Hall
Das virtuelle Konzerthaus der Berliner Philharmoniker

Die Internetplattform bietet jede Saison über 40 Live-Übertragungen in High Definition, hunderte Mitschnitte im Konzertarchiv, historische Konzerte mit Herbert von Karajan und Claudio Abbado, kostenlose Interviews mit Dirigenten und Solisten, umfangreiche Dokumentationen, darunter »Rhythm is it!« und »Trip to Asia« sowie kostenlose Kinderkonzerte für die ganze Familie

Zur Digital Concert Hall

Für die Online-Übertragungen der Berliner Philharmoniker in der Digital Concert Hall sind sieben Kameras im Saal installiert. Die Kameras sind auf Schwenk-Neige-Köpfen montiert und werden aus dem Videostudio der Philharmonie ferngesteuert. Dank besonders empfindlicher Objektive benötigen sie keine zusätzliche Beleuchtung, um ein hochqualitatives HD-Bild zu liefern.

In diesem ursprünglich für Schallplattenaufnahmen eingerichteten Studio ist seit 2008 die Videotechnik der Philharmonie installiert. Bildregisseure und Kameramänner steuern von hier aus sieben im Saal montierte HD-Kameras für die Online-Übertragungen der Berliner Philharmoniker in der Digital Concert Hall. Auf diesem Wege werden jede Saison rund 40 Konzerte live übertragen und anschließend im Videoarchiv der Digital Concert Hall angeboten.

Berliner Philharmoniker
Mitwirkende: Geschichte

Stiftung Berliner Philharmoniker/PhilMedia

Quelle: Alle Medien
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