1570 bis 2015

Die Berliner Staatsoper und die Staatskapelle Berlin - ein Gang durch die Geschichte

Deutsche Staatsoper Berlin

Die Staatsoper Unter den Linden – das ist das Opernhaus in der Mitte Berlins und zugleich eine Institution von hohem künstlerischen Rang und internationaler Ausstrahlungskraft. Musiktheater und Ballett von exzellenter Qualität sind hier zu Hause, aber auch eines der weltbesten Orchester: die Staatskapelle Berlin mit ihrem Generalmusikdirektor Daniel Barenboim an der Spitze. Die Geschichte der Staatsoper und der Staatskapelle umfasst jedoch weit mehr und wurzelt tief. So lässt sich die Tradition des Orchesters die Ersterwähnung der Kurbrandenburgischen Hofkapelle im Jahr 1570 zurückführen. Und mit der Eröffnung der Oper Unter den Linden 1742 fand die Berliner Hofkapelle eine neue Heimstatt und ein neues Wirkungsfeld, mit denen sie seit nunmehr mehr als 270 Jahren verbunden ist. Die Erfolgsgeschichte dauert bis heute an. 

1570
Die erste Kapellordnung wird vom brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. Hektor erlassen. 

1608
Johannes Eccard, einer der prominentesten Komponisten seiner Zeit, wird als Kapellmeister nach Berlin berufen. Sein Nachfolger Nikolaus Zangius, dem von 1612 bis 1618 die Leitung obliegt, erhöht die Zahl der Musiker deutlich.

1648
Infolge des für die Mark Brandenburg verheerenden Dreißigjährigen Krieges wird die Berliner Hofkapelle stark dezimiert, aber nicht aufgelöst. Unter dem »Großen Kurfürsten« Friedrich Wilhelm I. erfolgt ein neuer Aufschwung.

1684
Im Berliner Schloss finden unter Beteiligung der Hofkapelle die ersten Opernaufführungen statt.

1738
Carl Philipp Emanuel Bach wird als Cembalist in die Hofkapelle aufgenommen.

1740
Nach seiner Thronbesteigung beauftragt Friedrich II. den Architekten Georg Wenzeslaus Knobelsdorff, ein Opernhaus in der Allee Unter den Linden zu errichten.

1742
Die königlich-preußische Hofkapelle findet im neuen Opernhaus Unter den Linden ihr Zuhause. Zur Eröffnung wird Carl Heinrich Grauns Oper »Cleopatra e Cesare« gegeben. Die Hofkonzerte leitet Johann Joachim Quantz, der Flötenlehrer Friedrichs II.

1783
Eine erste Konzertserie unter Hofkapellmeister Johann Friedrich Reichardt wird ins Leben gerufen.

1806
Nach Preußens Niederlage gegen Napoleon werden vorerst keine Vorstellungen in der Hofoper mehr gegeben. Die Hofkapelle wird verkleinert, spielt aber weiterhin im Nationaltheater am Gendarmenmarkt.

1811
Hofoper und Nationaltheater vereinigen sich unter Leitung von »Generaldirektor« August Wilhelm Iffland zu den »Königlichen Schauspielen«, ebenso erfolgt der Zusammenschluss der beiden Orchester.

1820
Gasparo Spontini wird erster preußischer »General-Music-Director«. Während seiner 21-jährigen Amtszeit erhöht er die Zahl der Orchestermitglieder auf 94 und steigert auch die Qualität des Orchesters beträchtlich.

1821
Carl Maria von Webers Oper »Der Freischütz« wird im neu erbauten Schinkelschen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt uraufgeführt. Es spielt die Berliner Hofkapelle. 

1829
Mitglieder der königlichen Hofkapelle sind gemeinsam mit der Sing-Akademie an der ersten Aufführung von Bachs »Matthäuspassion« im 19. Jahrhundert beteiligt. Der junge Felix Mendelssohn Bartholdy dirigiert diese musikgeschichtlich hochbedeutsame Wiederentdeckung.

1842
Mit der ersten »Symphonie-Soiree« beginnen die regelmäßigen Sinfoniekonzerte der Hofkapelle in Berlin. Sie werden in diversen Spielstätten abgehalten, vornehmlich im Apollo-Saal der Lindenoper. Der berühmte Opernkomponist Giacomo Meyerbeer wird zum neuen Generalmusikdirektor berufen.

1843
In der Nacht vom 18. zum 19. August brennt das Opernhaus bis auf die Grundmauern ab.

1844
Im Januar dirigiert Richard Wagner die Berliner Erstaufführung seines »Fliegenden Holländer«. Am Ende des Jahres eröffnet das wieder aufgebaute Haus Unter den Linden mit der Uraufführung von Meyerbeers »Ein Feldlager in Schlesien«.

1898
Richard Strauss wird Hofkapellmeister, ab 1908 Generalmusikdirektor. Mehr als 1.000 Mal wird er das Orchester bei Opern- und Konzertaufführungen dirigieren.

1918/19
Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches geht die Trägerschaft der Hofkapelle auf das Land Preußen über. Das Orchester heißt fortan Staatskapelle Berlin.

1920
Für zwei Jahre dirigiert Wilhelm Furtwängler die Sinfoniekonzerte. Unter der Intendanz des Komponisten und Dirigenten Max von Schillings (bis 1925 im Amt) beginnt der künstlerische Höhenflug von Staatsoper und Staatskapelle.

1923
Der neu berufene Generalmusikdirektor Erich Kleiber dirigiert am 5. Dezember sein erstes Sinfoniekonzert. Die Uraufführung von Alban Bergs »Wozzeck« unter Kleibers Leitung 1925 wird zu einem Meilenstein der Kulturgeschichte der Weimarer Republik.

1927-1931
In der Staatsoper am Platz der Republik (der sogenannten »Kroll-Oper«) initiiert Generalmusikdirektor Otto Klemperer mit seinem eigenen Ensemble eine Reihe von legendären Opern- und Konzertaufführungen, sowohl des klassischen als auch des modernen Repertoires.

1933
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten werden zahlreiche jüdische Solisten, Dirigenten und Orchestermusiker in die Emigration getrieben. Wilhelm Furtwängler wird Operndirektor.

1940
Herbert von Karajan dirigiert bis 1945 die Sinfoniekonzerte der Staatskapelle. Zuvor hatte er bereits als Operndirigent im Haus Unter den Linden große Erfolge feiern können.

1941/1942
Die Staatsoper Unter den Linden wird durch Bomben zerstört, aus Prestigegründen jedoch sofort wieder aufgebaut. Ende 1942 wird das Haus mit Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« unter der Leitung Furtwänglers eingeweiht.

1945 
Die Lindenoper wird am 3. Februar abermals zerstört. Die letzten Sinfoniekonzerte während des Krieges finden an verschiedenen Spielstätten, u. a. im Schauspielhaus, statt. Nur wenige Wochen nach der »Stunde Null« tritt die Staatskapelle wieder mit Konzerten in Erscheinung. Am 30. Juni beginnt die »Deutsche Staatsoper Berlin« im Admiralspalast in der Friedrichstraße mit ihrem Spielbetrieb im zerstörten Berlin. 

1952
Die Familie Barenboim zieht von Argentinien nach Israel. Als Pianist tritt Daniel Barenboim erstmals in Wien und Rom auf.

1953/54
Daniel Barenboim nimmt in Salzburg an Dirigierklassen von Igor Markevich teil. Er lernt Wilhelm Furtwängler kennen, der ihn zu Auftritten mit ihm und den Berliner Philharmonikern einlädt. Es folgen erste Schallplattenaufnahmen als Pianist.

1955
Nach Konflikten mit den politischen Amtsträgern tritt Erich Kleiber als künstlerischer Leiter der Staatsoper zurück. An seiner Stelle wird Franz Konwitschny zum geschäftsführenden Generalmusikdirektor ernannt. Am 4. September dirigiert Konwitschny die Eröffnungspremiere (Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg«) der wiedererrichteten Lindenoper.

1964
Der Österreicher Otmar Suitner wird zum Generalmusikdirektor berufen, bis 1990 wird er dieses Amt ausüben. Die Staatsoper steht unter der Intendanz von Hans Pischner, der mit seinem Team einen ausgewogenen Spielplan von Klassikern des Repertoires (vor allem Mozart, Wagner, Verdi und Strauss) und Zeitgenössischem (u. a. Werke von Dessau, Schostakowitsch, Penderecki) realisiert.

1991
Daniel Barenboim wird Künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Staatsoper, Intendant ist Georg Quander. Am 30. Dezember gibt Daniel Barenboim sein erstes Konzert mit der Staatskapelle und Beethovens 9. Sinfonie. Zudem tritt er sein Amt als Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra an, das er bis 2006 ausübt. 

1992
Die erste Opernpremiere, die Daniel Barenboim an der Staatsoper Unter den Linden dirigiert, ist Wagners »Parsifal«.

1996
Die jährlich zu Ostern stattfindenden FESTTAGE mit prominent besetzten Opern- und Konzertaufführungen werden von Daniel Barenboim ins Leben gerufen. Die erste zyklische Aufführung der neuen »Ring«-Produktion, inszeniert von Harry Kupfer, steht im Mittelpunkt.

1999
Daniel Barenboim gründet gemeinsam mit Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra, das junge Musiker aus Israel, Palästina und den arabischen Ländern jeden Sommer zusammenführt.

2000
Die Staatskapelle Berlin wird erstmals von der »Opernwelt« zum »Orchester des Jahres« gewählt. Große sinfonische Zyklen werden sowohl in Berlin als auch in internationalen Musikzentren (u. a. in Wien, London und New York) präsentiert.
Die Musiker der Staatskapelle wählen Daniel Barenboim zum »Dirigenten auf Lebenszeit«.

2002 
Im Rahmen der FESTTAGE 2002 werden die zehn Hauptwerke Richard Wagners in zwei Zyklen aufgeführt, flankiert von Konzerten mit den Brahms-Sinfonien. Die Staatskapelle spielt fortan ihre Sinfoniekonzerte sowohl im Konzerthaus als auch in der Philharmonie. Mit Beginn der Spielzeit 2002/03 tritt Peter Mussbach sein Amt als Intendant der Staatsoper Unter den Linden an. 

2005
Die FESTTAGE 2005 bieten eine »Hommage à Pierre Boulez« anlässlich von dessen 80. Geburtstag. In einer Serie von acht Konzerten spielt Daniel Barenboim sämtliche Klaviersonaten Beethovens im Saal der Lindenoper. Auf seine Initiative hin wird der Musikkindergarten Berlin gegründet.

2007 
Zum ersten Mal gibt es »Staatsoper für alle« in Zusammenarbeit mit BMW Berlin, bestehend aus der Live-Übertragung einer Musiktheateraufführung aus dem Opernhaus sowie einem Oper-Air-Konzert der Staatskapelle auf dem Bebelplatz.
2010
Aufgrund der umfassenden Rekonstruktion des Hauses Unter den Linden ziehen Staatsoper und Staatskapelle in ihr Ausweichquartier, das Schiller Theater in Charlottenburg. Unter der Intendanz von Jürgen Flimm wird ein ambitionierter Spielplan entwickelt, der stärker als bislang Modernes und Zeitgenössisches mit einbezieht. Die Werkstatt des Schiller Theaters wird zum Ort für zeitgenössische Kammeroper sowie Musiktheater für Kinder und Jugendliche.

2011
Daniel Barenboim wird Musikdirektor der Mailänder Scala (bis 2014). Mit einer Neuproduktion von »Wozzeck« beginnt die systematische Erarbeitung der Musiktheater- und Orchesterwerke von Alban Berg. Im Wiener Musikverein präsentieren Daniel Barenboim und die Staatskapelle einen Zyklus mit allen Sinfonien Anton Bruckners.

2012
Im Kraftwerk Mitte bringt die Staatsoper Luigi Nonos »Al gran sole carico d’amore« zur Aufführung (Musikalische Leitung: Ingo Metzmacher, Regie: Katie Mitchell).

2013
Mit der Produktion »AscheMOND oder The Fairy Queen« mit Musik von Henry Purcell und Helmut Oehring (Regie: Claus Guth) wird eine Uraufführung realisiert, die Alte und Neue Musik zusammenbringt. Die neue »Ring«-Produktion, in Zusammenarbeit mit der Mailänder Scala seit 2010 im Entstehen begriffen, wird zu den FESTTAGEN erstmals zyklisch aufgeführt. Konzertant spielen die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim Wagners »Ring«-Tetralogie höchst erfolgreich auch bei den Londoner »Proms«.

2014
Das Musiktheaterprojekt »Rein Gold« (Text: Elfriede Jelinek, Musik: Richard Wagner, Regie: Nicolas Stemann) konfrontiert Schauspiel und Oper sowie großes Orchester und elektronische Musik miteinander.

2015
Die FESTTAGE bringen erneut eine »Hommage à Pierre Boulez« anlässlich des 90. Geburtstages des großen Komponisten und Vordenkers der Neuen Musik. Ein Alban-Berg-Zyklus versammelt Aufführungen der beiden Opern und des gesamten sinfonischen Werks im Schiller Theater und in der Philharmonie.

Quelle: Alle Medien
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