Frauenbilder in Astronomie und Weltraumforschung

Adler Planetarium

Bilder aus vier Jahrhunderten zeigen den Wandel in der Anerkennung von Frauen in Astronomie und Weltraumforschung – aber auch Vorurteile und Stereotypen, die noch immer nicht abgebaut sind.

Johannes Hevelii Prodromus astronomiae : exhibens fundamenta, quae tam ad novum planè & correctiorem stellarum fixarum catalogum construendum, quàm ad omnium planetarum tabulas corrigendas omnimodè spectant; nec non novas & correctiores tabulas solares, aliasâque plurimas ad astronomiam pertinentes / Quibus additus est uterque Catalogus stellarum fixarum, tam major ad annum 1660, quàm minor ad annum completum 1700. Accessit corollarii loco Tabula motus lunae libratorii., Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die himmlische Muse
Auf diesem Bild aus dem 17. Jahrhundert sitzt Urania, die Muse der Sternkunde, einer imaginären Versammlung großer Astronomen der Geschichte vor – alle sind männlich. In astronomischen Büchern und Abbildungen dieser Zeit wurden Frauen oft als schmückendes Beiwerk dargestellt: als mythologische Gestalten, die Männer ermutigten, nach Wissen zu streben. Nicht aber als Wissenssuchende selbst.
Johannis Hevelii Machinae coelestis pars prior [-posterior]., Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die Gehilfin
Diese Abbildung aus dem 17. Jahrhundert zeigt den bekannten polnischen Astronomen Johannes Hevelius und seine Frau Elisabeth, die am hauseigenen Observatorium mit einem großen Sextanten arbeiten. Vor dem 20. Jahrhundert war eine enge familiäre Bindung zu einem Wissenschaftler oft die einzige Möglichkeit für Frauen, wissenschaftlich tätig zu sein. Meist beschränkte sich aber auch dies auf ein häusliches Umfeld. Frauen wie Elisabeth Hevelius waren selbst ausgezeichnete Wissenschaftlerinnen, wurden aber hauptsächlich als fleißige Gehilfinnen angesehen.
Illustration from Martin's General Magazine, 1755, Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die aufmerksame Zuhörerin
Auf dieser Zeichnung aus dem 18. Jahrhundert ist ein Student zu sehen, der seine aufmerksame Schwester in Astronomie unterrichtet. Sie ist lernbegierig, kann sich aber nicht selbst an einer Universität einschreiben, da dort ausschließlich Männer zugelassen sind. Darstellungen, auf denen ein Mann einer Frau Wissenschaft näherbringt, erfreuten sich damals großer Beliebtheit. Die Frauen wurden dabei gewöhnlich als eifrige Schülerinnen gezeigt. Allerdings wurden auch Geschlechterstereotypen bedient, da eindeutig war, wer die intellektuelle Überlegenheit besaß.
Plate from Walker's "Geography", Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die aktive Teilnehmerin
Diese Abbildung aus John Walkers "Elemente der Geografie" (Elements of Geography, erstveröffentlicht 1795) steht im Gegensatz zu anderen Darstellungen aus dieser Zeit. Denn sie zeigt, wie sich ganz "normale" Frauen – keine Musen – mit Astronomie beschäftigen. Männer sind darauf nicht zu sehen. Zwei Frauen erklären die Jahreszeiten auf der Erde und eine andere nimmt Beobachtungen mit einem Quadranten vor. Die Abbildung spiegelt Walkers Quäker-Glauben wider, der wissenschaftliche Bildung und eine aktive Rolle für Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft propagierte.
"Caroline Herschel", Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die renommierte Astronomin
Caroline Herschel war die erste Astronomin, die für ihre eigene wissenschaftliche Arbeit ein regelmäßiges Gehalt bekam. Eigentlich dazu bestimmt, häusliche Pflichten wahrzunehmen, unterstützte sie erst ihren Bruder William Herschel bei seinen astronomischen Forschungen und wurde schließlich selbst eine anerkannte Astronomin. Hier zeigt sie auf die Umlaufbahn eines Kometen. Zu ihren vielen Errungenschaften gehört auch die Entdeckung von acht Kometen.
A compendious system of astronomy : in a course of familiar lectures : in which the principles of that science are clearly elucidated, so as to be intelligible to those who have not studied the mathematics : also trigonometrical and celestial problems, with a key to the ephemeris, and a vocabulary of the terms of science used in the lectures : which latter are explained agreeably to their application in them / by Margaret Bryan., Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die engagierte Lehrerin
Margaret Bryan war eine angesehene Lehrerin, die Schulen für Mädchen leitete und Bücher über Astronomie und andere wissenschaftliche Themen verfasste. Dieses Bild aus ihrem Überblick über das System der Astronomie (A Compendious System of Astronomy, 1797) zeigt sie mit ihren beiden Töchtern. Die verschiedenen Instrumente auf dem Bild unterstreichen die Botschaft, dass Astronomie nicht ausschließlich Männern vorbehalten sein sollte.
Astronomie et météorologie a l'usage des jeunes personnes : d'apres Arago, Laplace et W. Herschell / par Ulliac-Trémadeure., Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Urania als Förderin des Wandels
Hier nimmt Urania eine junge Frau, die neben einer Reihe astronomischer Instrumente sitzt, auf eine Erkundungsreise mit in den Himmel. Nachdem sie früher als Muse ausschließlich männlicher Wissenschaftler galt, führt Urania nun auch Frauen an die Astronomie heran. Dieses Bild steht symbolisch für die Umbrüche des 19. Jahrhunderts, in dem Frauen für einen breiteren Zugang zu Wissenschaften und Bildung im Allgemeinen kämpften.
"Astronomie des dames", Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die zurückgezogenen Schülerinnen
Diese Darstellung aus dem 19. Jahrhundert zeigt eine Gruppe von Frauen, die sich aktiv mit Astronomie beschäftigen. Auf dem Bild manifestieren sich aber auch anhaltende Vorurteile. Alle Frauen sehen ähnlich aus, mit der gleichen reich verzierten Kleidung und der gleichen Frisur. Auf dem Bild ist kein Mann zu sehen. Dies legt nahe, dass Frauen sich den Wissenschaften nur abseits der traditionellen Lernorte widmen konnten, da diese weiterhin nur für Männer zugänglich waren.
Phillip Fox and American Astronomical Society meeting attendees with coelostat, Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Als Frau in einer Männerdomäne
Dieses Foto zeigt eine Gruppe von Astronomen am Adler Planetarium im Jahr 1930, anlässlich der 44. Tagung der American Astronomical Society (AAS). Annie Jump Cannon, die einen wesentlichen Beitrag zur modernen Klassifizierung von Sternen leistete, sticht aus einer ansonsten reinen Männerrunde hervor. Das Foto spiegelt das frappierende Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der AAS und der Astronomie generell zu dieser Zeit wider. Unter den 100 Teilnehmern der Tagung war Cannon eine von nur 12 Frauen.
Maude Bennot operating the Zeiss projector, Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Frauen in Führungsposition
Hier ist Maude Bennot bei der Bedienung des Zeiss II-Originalprojektors im Adler Planetarium zu sehen. Bennot gestaltete die ersten Projektionen und Ausstellungen des Adler Planetariums maßgeblich mit. 1937 übernahm sie den Posten der amtierenden Direktorin und war damit die erste Frau an der Spitze eines Planetariums weltweit. Trotz ihrer allseitigen Beliebtheit und klugen Geschäftsführung in Zeiten von Krieg und Wirtschaftskrise wurde Bennot 1944 entlassen und durch einen Mann ersetzt.
Stamp of Valentina Tereshkova, Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die Kosmonautin
Diese sowjetische Briefmarke zeigt Walentina Tereschkowa Seite an Seite mit einem anderen Kosmonauten. 1963, mitten im Kalten Krieg und in der heißen Phase des Wettlaufs ins All, war Walentina Tereschkowa die erste Frau im Weltraum. Diese Leistung zeigte den USA, dass wissenschaftliche und technologische Überlegenheit nur mit voller Teilhabe von Frauen zu erreichen war. Es sollte jedoch noch zwei Jahrzehnte dauern, bis auch die USA Frauen ins Weltall schickten.
Postal Envelope of women in space flight, Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Die Astronautinnen
Diese 6 Frauen gehörten zur ersten Gruppe von 35 Kandidatinnen, die für den Flug mit einer Raumfähre trainierten. Sally Ride (oben rechts) war schließlich 1983 die erste Amerikanerin im Weltraum. Alle diese Frauen absolvierten Weltraummissionen und setzen so Meilensteine für die Beteiligung von Frauen am US-Raumfahrtprogramm.
Mae Jemison at the University of Illinois Chicago Pavilion, Aus der Sammlung von: Adler Planetarium
Eine inspirierende Wegbereiterin
Ihr Flug an Bord der Raumfähre Endeavour im September 1992 machte Mae Jemison zur ersten Afroamerikanerin im All. Auf diesem Foto, das einen Monat später aufgenommen wurde, steht sie in einer Gruppe junger Menschen und hält einen Globus, der die Erde aus Sicht der Astronauten darstellt. Das Bild vermittelt eine wichtige Botschaft: Nur gemeinsam kann es uns gelingen, unseren Planeten zu verstehen und die Welt ein wenig besser zu machen. Allen, die daran teilhaben möchten, sollte dieser Weg offenstehen.
Mitwirkende: Geschichte

Vielen Dank an die Mitarbeiter des Adler Planetariums für ihre Unterstützung bei der Konzeption dieser Ausstellung.

Besuchen Sie uns unter http://www.adlerplanetarium.org

Quelle: Alle Medien
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