1740 bis 2010

Kleine Baugeschichte der Staatsoper Unter den Linden

Deutsche Staatsoper Berlin

Das Forum Friderizianum 
Noch zu seiner Rheinsberger Kronprinzenzeit hatte Friedrich der Große mit seinem Architekten Knobelsdorff das »Forum Friderizianum« konzipiert, dessen wichtigster Bau ein neues Königsschloss auf der Nordseite der Straße Unter den Linden werden sollte. Südlich der Linden war ein großer Platz vorgesehen, flankiert von einem Opernhaus sowie einem Gebäude für die Akademie der Wissenschaften. Nach dem Bau der Oper verlagerte sich das königliche Interesse jedoch auf die Anlage des Schlosses Sanssouci in Potsdam. Das »Forum Friderizianum « kam – auch aus finanziellen Gründen – nur in einer reduzierten Fassung zur Ausführung. Anstelle des Königsschlosses an der Straße Unter den Linden entstand 1748-65 das Stadtpalais des Prinzen Heinrich. An der Westseite des Opernplatzes wurde 1775-80 die Königliche Bibliothek errichtet, hinter dem Opernhaus entstand 1747-73 die katholische St. Hedwigs- Kirche. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, in dessen Zuge nur 16 der 64 Gebäude erhalten geblieben sind, wurden einige der historischen Gebäude, u. a. das Kronprinzen- und Prinzessinenpalais, komplett rekonstruiert.
»Perfection binnen zwei Monaten« –Das Opernhaus Friedrichs des Großen 
Kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahre 1740 erteilte der preußische König Friedrich II. seinem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff den Auftrag zum Bau eines Opernhauses und befahl diesem, die »Perfection binnen zwei Monaten«. Bereits im darauffolgenden Jahr, am 7. Dezember 1742 wurde das noch unvollendete Haus auf Drängen Friedrichs des Großen vorzeitig eröffnet. Knobelsdorff legte das Gebäude mit dem monumentalen Giebelportikus als einen tempelartigen Repräsentationsbau an. Vorbild für die Gestaltung des Opernhauses waren englische Landsitze, die im frühen 18. Jahrhundert entstanden waren. Mit dem großangelegten Neubau präsentierte sich der preußische König als großzügiger und weltoffener Förderer der Künste. Das Opernhaus war jedoch nicht nur Ausdruck der musikalischen Leidenschaft Friedrichs des Großen. Es bildete den Auftakt zum Bau des »Forum Friderizianum« am östlichen Teil der Straße Unter den Linden, mit dessen Repräsentationsbauten der Monarch das bisher eher soldatisch geprägte Berlin zur Metropole von europäischem Rang aufwerten wollte. Ihm gelang ein Maßstab setzendes Gebäude: Innerhalb der Geschichte des Theaterbaus in Europa nimmt das Berliner Opernhaus eine herausragende Stellung ein; insbesondere die Verwendung des Portikus als »Würdeformel« wurde im 18. und 19. Jahrhundert typenbildend.  
Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff
Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) wurde auf Gut Ku­ck­ä­del bei Cros­sen an der Oder (heute Ku­ladlo, Polen) ge­bo­ren. Nachdem er 1729 die Of­fi­ziers­lauf­bahn aufgegeben hatte, stu­dierte er Ar­chi­tek­tur und Ma­le­rei. 1732 lernte er den Kronprinzen und späteren König Friedrich II. kennen. Seine erste Arbeit als Architekt war ein Apol­lon­tem­pel im Schlosspark von Neu­rup­pin, der nach antikem Vorbild entstand. Er unternahm eine längere Italienreise und baute bis 1739 das Schloss Rheins­berg aus. Nach seiner Krönung zum König von Preußen ernannte Friedrich II. Knobelsdorff 1740 zum Ober­inten­dan­ten der kö­nig­li­chen Schlös­ser und Gär­ten. In seinen Bauten verband Knobelsdorff Elemente des englischen Klassizismus mit jenen des italienischen und französischen Barock und Rokoko und prägte somit den Stil des »friderizianischen Ro­koko«. Neben dem Bau des Opernhauses Unter den Linden (1741-43), erweiterte er das Schloss Charlottenburg (1742-46) um einen Flügel und entwarf in enger Abstimmung mit dem König das Schloss Sanssouci in Postdam. 1746 wurde er im Streit mit dem König von diesem entlassen.
1788 – Umbau durch Carl Gotthard Langhans (d. Ä.) 
Das Opernhaus Knobelsdorffs wies bereits einige Jahre nach seiner Fertigstellung Defizite auf. Bühnenraum und Seitenbühnen waren für aufwändige Dekorationen zu eng, die Sicht aus den meisten Logen war unbefriedigend. So entschloss sich Friedrich Wilhelm II., der Nachfolger Friedrichs des Großen, kurz nach seinem Regierungsantritt 1786 zu einem Umbau, mit dem er den Architekten Carl Gotthard Langhans (d. Ä., 1732-1808) beauftragte. Anstelle der hintereinander liegenden Festräume (Theatersaal und Korinthischer Saal) setzte Langhans ein Gegeneinander von Zuschauerraum und Bühne. Neben einer Verbreiterung der Bühnenöffnung verkürzte er die Logentrennwände, richtete sie konzentrisch auf die Mittelachse der Bühne aus und gewährleistete damit eine bessere Sicht von allen Plätzen. Neben einer festen Bestuhlung, zuvor hatte der größte Teil der Zuschauer den Vorstellungen stehend beigewohnt, erhielt das Opernhaus auch eine repräsentative Mittelloge für die königliche Familie im ersten Rang.  
1843 – »... eine unabsehbare Feuersäule« Brand des Opernhauses und weitere Umbauten
Der Architekt Carl Ferdinand Langhans (d. J., 1782-1869), der Sohn von Langhans d. Ä., hatte bereits ein umfassendes Projekt zur Neugestaltung des Hauses ausgearbeitet, als ein Brand das Gebäude in der Nacht vom 18. auf den 19. August 1843 bis auf die Umfassungsmauern zerstörte. Bereits drei Tage nach dem Brand, am 21. August 1843, erteilte Friedrich Wilhelm IV. den Befehl zum Wiederaufbau nach einem Entwurf von Langhans d. J. Die äußere Gestalt des Opernhauses sollte dabei auf Wunsch des Königs unverändert bleiben. Langhans d. J. gestaltete das Innere des Hauses im spätklassizistischen Stil um. Eine opulente, schwere Ausstattung in Weiß und Gold mit roten Textilien trat anstelle der heiteren, lichten Rokoko-Ornamentik Knobelsdorffs. Mit dem Langhans-Umbau gingen zahlreiche technische Verbesserungen einher. So löste eine neuinstallierte Ölgas-Beleuchtung das bislang übliche Kerzenlicht ab. Erst 1867 wurde nach Langhans’ Entwurf ein 1926 wieder beseitigter Anbau auf der Südseite (zur Hedwigskirche) angefügt und dadurch mehr Raum im Bühnenhaus geschaffen. Spätere technische Neuerungen waren der eiserne Vorhang (1881) und die Einrichtung einer elektrischen Beleuchtung (1887). Um große Prospekte vollständig aufziehen zu können, wurde 1910 erstmals ein Bühnenturm aufgesetzt. 
1926-1928 –Umbau und Neugestaltung
Um 1900 galt die Staatsoper als zu klein für die rasant wachsende Millionenstadt Berlin. Die Enge in Zuschauer- und Bühnenräumen stellte darüber hinaus ein Sicherheitsrisiko dar. In den zwanziger Jahren fiel die Entscheidung zum Umbau der Staatsoper. Um ein Verstellen der Ausgänge mit Bühnendekorationen zu verhindern,  wurde unter anderem die Erweiterung der Seitenbühnen erforderlich. Zugleich sollten die 1904 installierten, unschönen Nottreppenanbauten an den Fassaden entfernt werden. Die Neugestaltung in den Jahren 1926-28 betraf vor allem den Bühnenraum und dessen jahrzehntealte technische Ausstattung. Dazu wurde der rückwärtige Teil des Opernhauses weitgehend abgerissen, lediglich der 3.000 Tonnen schwere Bühnenturm aus dem Jahr 1910 blieb – gestützt auf eine aufwändige Stahlkonstruktion – erhalten. Um die moderne Bühnentechnik mitsamt einer Drehbühne einbauen zu können, wurde der Keller bis in eine Tiefe von 14 Metern unter Straßenniveau ausgehoben. Durch die Vergrößerung der Seitenbühnen veränderte sich das äußere Erscheinungsbild des Opernhauses erheblich. Der ursprüngliche Charakter des Knobelsdorffschen Baus, der ein Langhaus auf rechteckigem Grundriss gewesen war, ging endgültig verloren. 
Erste Kriegszerstörung und Wiederaufbau im 2. Weltkrieg 
Als erstes Theater Berlins wurde die Staatsoper in der Nacht vom 9. zum 10. April 1941 während eines Luftangriffs schwer beschädigt. Auf Befehl Hitlers begann kurz darauf der Wiederaufbau. Am 12. Dezember 1942 wurde die Oper mit der Inszenierung »Die Meistersinger von Nürnberg« unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Furtwängler neu eingeweiht, kurz nach dem 200. Jahrestag der Eröffnung des Hauses.  Beim Wiederaufbau 1941/42 erhielt das Opernhaus äußerlich seine Vorkriegsgestalt zurück. Der Zuschauerraum wurde in Anlehnung an die Gestaltung Langhans’ d. J. vereinfachend wiederhergestellt, der vierte Rang wurde beibehalten. Die übrigen Innenräume erhielten hingegen eine völlig neue Gestaltung in historisierendem Stil. Wichtigstes Vorbild war das friderizianische Rokoko, dessen Ornamentik unter anderem in den Wandgestaltungen verwendet wurde. Der politisch verordnete, enge Zeitrahmen und die Lieferschwierigkeiten für Baumaterialien im Krieg erzwangen jedoch für die meisten Räume eine vergleichsweise einfache Ausstattung. Das Gebäude bot trotz dieser Einschränkungen ein homogenes Erscheinungsbild. Die frei erfundenen, historisierenden Raumausstattungen waren als Neuschöpfungen bestenfalls für Fachleute zu erkennen. 
1945 – Zweite Kriegszerstörung 
Das wiederaufgebaute Opernhaus hatte gerade 26 Monate Bestand, als es am 3. Februar 1945 zum zweiten Mal Opfer eines Luftangriffs wurde. Das Bühnenhaus hatte drei Bombenvolltreffer erhalten, die nicht nur das Dach, sondern auch die Grundmauern teilweise zerstört hatten. Alle nicht feuerbeständigen Teile des Zuschauerraums wurden ein Raub der Flammen. Geringere Schäden wies lediglich das nördliche Drittel des Gebäudes zur Straße Unter den Linden auf. Der Portikus und der Apollo-Saal mitsamt den Einbauten der Jahre 1941/42 blieben von den Kriegseinwirkungen weitgehend verschont.   
1952-55 – »Auferstanden aus Ruinen ...« 
Mit dem politisch durch den berühmten Dirigenten und ehemaligen Generalmusikdirektor Erich Kleiber angeregten Wiederaufbau wurde 1951 der Architekt Richard Paulick betraut. Dieser arbeitete in der Deutschen Bauakademie an der Planung zum Wiederaufbau des (Ost-)Berliner Stadtzentrums und übernahm nun auch den Entwurf eines der prominentesten Gebäude innerhalb dieses Planungsgebietes. Die Grundsteinlegung fand am 17. Juni 1952 statt. Paulick veränderte am Außenbau unter anderem die Treppenanlage der Lindenfront und gestaltete den Bühnenturm um. Außerdem schuf er eine neue Innengestaltung, die auch eine veränderte Wegeführung für die Opernbesucher umfasste. Der Besuchereingang wurde in das Sockelgeschoss der Lindenfront verlegt. Im Zuschauerraum reduzierte man die Zahl der Ränge von vier auf drei, um bessere Sichtverhältnisse zu schaffen. Bei der Gestaltung des Opernhauses griff Paulick auf historische Formen zurück. Die Decke des Zuschauerraums entstand in Anlehnung an die Kuppel des Marmorsaales im Schloss Sanssouci (1745-47). Paulick lehnte jedoch die üppigen Rokoko-Dekorationen ab, die viele Knobelsdorffbauten im Inneren prägten und die im Gegensatz deren strengerem Äußeren standen. 
Richard Paulick –Architekt des Wiederaufbaus 
Geboren am 7. November 1903 in Roßlau bei Dessau, wurde Richard Paulick nach seinem Studium von 1927 bis 1930 Mitarbeiter von Walter Gropius. Ab 1930 arbeitete er als selbstständiger Architekt und emigrierte er 1933 nach Shanghai. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland wählte der Kommunist Paulick bewußt die DDR als neue Wirkungsstätte. 1950 nahm er seine Tätigkeit in Berlin als Abteilungsleiter im Institut für Bauwesen in Berlin auf. Parallel zum Wiederaufbau der Staatsoper war er am wichtigsten architektonischen Prestigeprojekt der DDR beteiligt, dem Bau der Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee) in Berlin- Friedrichshain. Richard Paulick durchlief im Laufe seines Schaffens mehrere stilistische Phasen. Er vollzog den Wandel von der »Neuen Sachlichkeit « der zwanziger Jahre hin zu den historisierenden »nationalen Traditionen«, dem architektonischen Leitbild in der frühen DDR. Neben Hermann Henselmann war Paulick einer der wichtigsten und einflussreichsten Architekten in der DDR, der mit seinen städtebaulichen Entwürfen das Stadtbild Berlins maßgeblich prägte. Richard Paulick starb am 4. März 1979 in Berlin. 

Nach dreijähriger Bauzeit wurde die Staatsoper am 4. September 1955 wiedereröffnet. Die Feierlichkeiten begannen um 11 Uhr vormittags mit einem Festakt der Regierung der DDR in Anwesenheit von Staatspräsident Wilhelm Pieck. Neben prominenten Vertretern aus Politik und Kultur waren 250 »Helden der Arbeit« geladen. In seiner Festrede bezeichnete Kulturminister Johannes R. Becher den Wiederaufbau als einen »Sieg des Friedens, ein[en] menschliche[n] Triumph«. Um 17.30 Uhr begann die Festaufführung von Richard Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« (Regie: Max Burghardt; Musikalische Leitung: Franz Konwitschny). Im Anschluss daran gab der Intendant Max Burghardt einen Empfang im Apollosaal der Staatsoper, an dem neben Wilhelm Pieck auch der Stellvertretende Ministerpräsident Walter Ulbricht, Volkskammerpräsident Johannes Dieckmann sowie die Mitglieder des Diplomatischen Korps und zahlreiche Ehrengäste teilnahmen.

Richard Wagner »Die Meistersinger von Nürnberg« - Ouvertüre
Apollo-Saal
Der Apollo-Saal, von Friedrich dem Großen als Festsaal konzipiert, wurde bereits im 19. Jahrhundert als Foyer und Konzertsaal genutzt. Heute dient er als Spielort für Konzerte und Ausstellungen, bietet aber auch Vorträgen und gesellschaftlichen Anlässen einen festlichen Rahmen. In seiner heutigen Gestaltung ist der Apollo- Saal eine Neuschöpfung des Architekten Richard Paulick aus den Jahren 1952-55. Lediglich in seinen Dimensionen entspricht der Raum dem einstigen Festsaal des friderizianischen Opernhauses. Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Brand von 1843 ließ der Architekt Langhans d. J. die Gestaltung des Saales stark verändern: Anstelle des ursprünglichen, friderizianischen Rokoko trat ein üppiges, spätklassizistisches Interieur mit Lisenen und Kassettendecke. Spiegel, Holz und Kristallleuchter verliehen dem Saal eine gediegene Erscheinung. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ließ Richard Paulick das Opernhaus größtenteils entkernen. Dabei orientierte er sich beim Entwurf für den Apollo- Saal 1952 an der Innenausstattung des Schlosses Sanssouci von Knobelsdorff. 
1742-2010 – Die bauliche Entwicklung 
Die Staatsoper wurde im Laufe ihrer über 250-jährigen Geschichte mehrfach durch Brände oder Bombentreffer stark beschädigt, fünfmal wurde das Gebäude grundlegend umgebaut. Jede Umgestaltung passte das Opernhaus an die wachsenden Anforderungen der Bühnentechnik, der Akustik, des Komforts der Besucher an. Auch wenn der Knobelsdorffsche Ursprungsbau im Äußeren nie mehr als unbedingt nötig verändert wurde, ist von der Bausubstanz des einstigen Opernhauses Friedrichs des Großen heute nur noch wenig vorhanden: Lediglich der Portikus an der Hauptfassade, das Giebelrelief auf der Rückseite und die Reliefs an den Seitenrisaliten sind erhalten. Eine Abfolge der Grundrisse des ersten Ranges veranschaulicht die Wandlung des Opernhauses von seiner Einweihung 1742 bis zur Gegenwart.  
seit 2010
Seit 2010 wird der historische Bau Unter den Linden im Herzen Berlins saniert und zu einem der modernsten Opernhäuser ausgebaut. Nach Abschluss der Baumaßnahmen wird die Staatsoper auf dem neuesten Stand der Technik baulich und funktional einen Spitzenplatz in Europa einnehmen. Sie wird vollständig barrierefrei zugänglich sein, eine deutlich verbesserte Akustik bieten und einen hohen Publikumskomfort aufweisen. Die Bühnentechnik wird umfassend modernisiert,  die Logistik den modernen Anforderungen eines Repertoirebetriebs angepasst sein und das Ensemble der Oper erhält Probebedingungen auf höchstem Niveau. Die mit Spannung erwartete Wiedereröffnung des Opernhauses Unter den Linden ist für Herbst 2017 geplant.
Mitwirkende: Geschichte

Kleine Baugeschichte der Staatsoper Unter den Linden - Frank Schmitz

Quelle: Alle Medien
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