Schmetterlinge und Motten: Flügel, die ein Leben erzählen

The Natural History Museum

Schmetterlinge haben die menschliche Vorstellungskraft wie kein anderes Insekt angeregt. Und wir haben Schmetterlinge wie kein anderes Insekt mit Netzen gefangen und gesammelt. Die Lepidoptera-Sammlung (Schmetterlinge und Motten) weist 10 Millionen Exemplare auf und stellt damit die größte eigenständige Sammlung in den Gebäuden des Natural History Museum dar. Diese Galerie enthält unsere Sammlung und die Geschichten, die uns Lepidoptera über die Welt, in der wir leben, erzählen. Die Exemplare geben uns Einblicke in Evolution, Ökologie, Naturkunde und den Enthusiasmus der Sammler.

Verschiedene Schuppen
Die Bezeichnung "Lepidoptera" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Schuppenflügler". Diese Schuppen verleihen Schmetterlingen und Motten ihren einzigartigen Charakter. Die Schuppen selbst sind winzig, eine große Zahl davon zusammen ergibt jedoch die lebendigen Muster. Die Gesamtheit aller dieser Exemplare ergibt eine wissenschaftliche Sammlung mit großer Bedeutung für die ganze Welt.

Die Flügel des Großen Schillerfalters, Apatura iris, weisen aus bestimmten Blickwinkeln eine brillante violett-blaue Farbe auf, während sie von woanders aus betrachtet braun sind. Dieses Merkmal verschaffte dem Falter möglicherweise auch seinen Gattungsnamen, denn "apatao" bedeutet auf Griechisch "täuschen". Sich ändernde, metallische Farben wie bei diesem Beispiel ergeben sich aus den strukturellen Eigenschaften der Schuppen, die Licht mit einer bestimmten Wellenlänge brechen.

Der Augenfleck des Tagpfauenauges, Inachis io, besteht aus Hunderten Schuppen mit verschiedenen Farben, die zusammen ein größeres Bild ergeben. Dieses Bild wird von anderen Organismen, auch dem Menschen, als Augenfleck wahrgenommen.

Auf kleinen Motten können einzelne Schuppen sehr groß aussehen. Dies ist eine Nahaufnahme des Kopfes einer Palpenmotte, Deltophora phyllanthicella. Sie wurde erst 2016 von Taxonomen beschrieben, mit dabei Dr. Klaus Sattler vom Natural History Museum.

Harmonische Schuppen: Einige männliche Schwärmer produzieren Töne im Ultraschallbereich, die die Echoortung von Fledermäusen stört. Diese Töne entstehen durch das Reiben von Stridulationsschuppen – modifizierte Schuppen an den Genitalien – gegen die Schuppen am Unterleib.

Schuppen sind an der Produktion von Gerüchten beteiligt. Einige männliche Schmetterlinge verfügen über einen Fleck spezialisierter Duftschuppen am Vorderflügel, der ihnen dabei hilft, Pheromone zu verteilen, die von winzigen Organen auf den Flügeln produziert werden. Anhand des Musters dieser Schuppen können die männlichen Exemplare des Braunkolbigen Braun-Dickkopffalters (Thymelicus sylvestris, links) von den Männchen des Schwarzkolbigen Braun-Dickkopffalters (Thymelicus lineola, rechts) unterschieden werden. Schwieriger ist es, Weibchen auseinanderzuhalten. Bei diesen ist es erforderlich, die Unterseite der Antennenspitze in Augenschein zu nehmen.

Einige Motten haben Schwänze – richtige Schwänze, keine schwanzartigen Flügelfortsätze, die zum Beispiel dem Ritterfalter seinen Namen geben. Einige Schwärmer, wie dieser von der Gattung Cephonodes kingii, verfügen über manövrierbare Schwänze aus spezialisierten Schuppen, die durch die Bauchmuskeln angespannt werden können, wodurch sich die Agilität der Motte im Flug verbessert.

Im Muster eines Lepidoptera-Flügels verläuft ein komplexes Netz an Venen, die Zellen abgrenzen. Dies lässt sich am besten auf dem weitgehend durchsichtigen Flügel von Greta morgane oto beobachten. Von dem Muster der Lepidoptera-Flügelvenen kann die Evolution der Lepidoptera sowie anderer Insekten abgeleitet werden.

Auf die Flügel geschrieben
Die Geschichte ihrer Evolution zeichnet sich auf den Flügeln von Motten und Schmetterlingen ab. Durch die Erforschung der Flügelmustervariation gelangen Evolutionsbiologen Durchbrüche in den Bereichen Evolution und Entwicklungsbiologie.

Der Birkenspanner, Biston betularia, ist das bekannteste Beispiel dafür, wie sich die Häufigkeit von Farbmustern aufgrund von Veränderungen im Lebensraum wandelt. In seinem Fall erhöhte sich die Anzahl dunkler Exemplare, als die industrielle Umweltverschmutzung dazu führte, dass Flechten auf Baumstämmen abstarben und sich dort stattdessen Ruß absetzte. Der Genetiker Bernard Kettlewell führte bahnbrechende Experimente zur Genetik des Farbmorphismus durch. Hier finden Sie einige seiner Züchtungen und seine Aufzeichnungen im Original. Dieser Fall wurde sehr viel komplizierter, als sich herausstellte, dass sich Birkenspanner gar nicht auf Baumstämmen niederließen. Zur Problematik trägt auch bei, dass es zwei dunkle Genotypen gibt.

Der afrikanische Schmetterling Papilio dardanus diente viele Jahre als Modell für Evolutionsbiologen. Diese Schmetterlinge tauchen in verschiedenen Varianten in verschiedenen Lebensräumen auf. Weibchen imitieren weniger genießbare Gattungen – einer von vielen interessanten Umständen, der mit dem Unterschied zwischen Männchen und Weibchen zu tun hat. Ein variierender Selektionsdruck auf die Geschlechter führt dazu, dass Weibchen stark unterschiedliche Flügelformen und Muster aufweisen.

Eine sehr große Anzahl an Forschungsarbeiten dreht sich um den kleinen braunen Schmetterling Bicyclus anynana. Dabei geht es um die Auswirkungen der Umgebung auf die verschiedenen Farbvarianten, einschließlich der Ausprägung von Augenflecken, und den Einfluss der sexuellen Selektion bei der Stabilisierung von Flügelmustern. Bicyclus anynana ist neben seiner ursprünglichen Heimat Afrika nun auch in sehr vielen Laboren beheimatet. Der Schmetterling befindet sich auch in der Gesellschaft einer immer größer werdenden Zahl an Schmetterlingen, deren Genom vollständig sequenziert wurde.

Das menschliche Auge nimmt Alphabete in der Natur wahr. Viele Bezeichnungen von Schmetterlingen und Motten gehen auf Buchstaben und Zahlen zurück, die auf ihren Flügeln erkennbar sind, wie zum Beispiel Autographa gamma, die Gammaeule.

Wenn Sie bereits Lichtfallen beobachtet haben, dann haben Sie möglicherweise auch gesehen, wie eine Motte auf einer weißen Unterlage landet und sich in ein Stück Zweig verwandelt. Der Mondvogel, Phalera bucephala, ist eine der vielen Gattungen, die sich im Zuge der Evolution so angepasst haben, dass sie mit dem Hintergrund verschmelzen. Gattungen wie der Mondvogel sehen ganz anders aus, wenn sie mit ausgebreiteten Flügeln angeheftet werden, weshalb sie Namen tragen, die sich auf helle Flecken auf ihrem Körper statt auf ihre ausgefallene Tarnung beziehen.

Migration
Lepidoptera-Flügel reißen leicht, und die Schuppen darauf lösen sich bereits bei leichten Berührungen. Hiervon kann jeder, der die Exemplare präpariert, ein Lied singen. Im Gegensatz zu Vogelflügeln gibt es keine Federn, die nachwachsen. Lepidoptera-Flügel müssen über die gesamte Zeit des Erwachsenendaseins von Schmetterlingen und Motten halten. Nichtsdestotrotz tragen sie die Tiere oft über große Distanzen.

Der Distelfalter, Vanessa cardui, begibt sich auf die bemerkenswerteste Reise unter den europäischen Schmetterlingen. Wenn die Populationen in Nordafrika explodieren, fliegen diese Schmetterlinge massenhaft Richtung Norden. Es sind jedoch nicht diese Tiere, die es bis nach Großbritannien schaffen. Aufeinanderfolgende Generationen paaren sich während des Sommers, und erst die Nachkommen fliegen noch weiter. Erstaunlicherweise treten die Schmetterlinge, die aus in Großbritannien gelegten Eiern schlüpfen, anschließend die Rückreise an und fliegen in den Süden, wobei sie den Weg, den ihre Vorfahren bereits im selben Jahr zurückgelegt haben, in entgegengesetzter Richtung zurücklegen. Viele Einzelheiten dieser Migration wurden unter Mitwirkung von Laien und mithilfe von Aufzeichnungen über die Schmetterlinge und ihre Bewegungen sowie unter Einsatz technologisch fortschrittlicher Radarsysteme und anderer Techniken zur Nachverfolgung von Insektenbewegungen zusammengestellt. Diese Exemplare demonstrieren die Belastung, der die Flügel von Schmetterlingen während ihrer relativ kurzen Lebensdauer ausgesetzt sind.

Der bekannteste migrierende Schmetterling ist der Monarchfalter, Danaus plexippus, von dem Millionen Tiere von vielen Regionen Nordamerikas zum Überwintern nach Mexiko und, in kleinerer Zahl, nach Kalifornien fliegen. Dass der Monarchfalter sowohl die Hin- als auch Rückreise antritt, ist im Reich der Schmetterlinge zudem sehr ungewöhnlich.

Monarchfalter legen extreme Strecken zurück und fliegen manchmal sogar über den Atlantik. Sie haben sich zudem auf den Kanarischen Inseln niedergelassen, wo sie sich abgeschottet fortpflanzen. Sie können noch nicht von ihren Ahnen in Nordamerika unterschieden werden, möglicherweise wird dies aber in der Zukunft möglich sein.

Der Bogong-Falter, Agrotis infusa, migriert ebenfalls, allerdings zu seinen bevorzugten Sommerregionen, wo er sich der Hitze und Dürre entzieht. Während dieser Migration gelangt in manchen Jahren eine sehr große Anzahl zu den Parlamentsgebäuden in Australien, wo sie durch die hellen Lichter angelockt werden.

Einige tropische Uraniidae begeben sich, abhängig von der Jahreszeit, auf spektakuläre Reisen. Die Motte Urania fulgens hat sedentäre und migratorische Phasen, abhängig von Niederschlagsmustern in ihrer Heimat Taiwan.

Lebenszyklen – vom Ei zur Imago
Das erwachsene Insekt, Imago genannt, stellt die Reproduktionsphase eines komplexen Lebenszyklus dar. Die Tiere machen eine vollständige Metamorphose durch, und viele Gattungen verbringen sehr viel mehr Zeit in der unentwickelten Phase ihres Lebens – als Ei, Larve oder Puppe bzw. Chrysalis. Larven machen von sehr vielen Möglichkeiten zur Nahrungsversorgung Gebrauch.

Raupen sind bekanntermaßen schwer zu präparieren und in attraktiver Form auszustellen. Im Gegensatz zur voll entwickelten Form sind sie weich, fallen in sich zusammen und verwesen. Das Museum verfügt über eine relativ kleine Sammlung an aufgeblasenen Raupen, zum Beispiel diesen Schwalbenschwanz, Papilio machaon, dessen Inneres entfernt und dessen Häutchen aufgeblasen und getrocknet wurde. Heutzutage ist es gängige Praxis, Larven in Alkohol zu konservieren.

Larven sind oft ideale Nahrung für Raubtiere. Zum Schutz haben sie im Laufe der Evolution in vielen Fällen Stacheln und giftige Substanzen entwickelt. Dieser südamerikanische Pfauenspinner von der Unterfamilie Hemileucinae ist so giftig, dass ein Mensch daran sterben kann.

In Großbritannien macht der Lindenschwärmer, Mimas tiliae, seinem Namen in der Regel alle Ehre, da er die Blätter von Linden (Gattung Tilia) frisst. Weiter südlich in Europa frisst er aber auch die Blätter von Birken (Betula). Eine Theorie dazu besagt, dass die Larven länger für die Entwicklung brauchen, wenn sie die weniger nahrhaften Birkenblätter fressen. Das würde bedeuten, dass während der kurzen Sommer in Großbritannien einfach nicht genügend Zeit ist, um den Lebenszyklus abzuschließen.

Die Entwicklung einer Raupe kann viel Zeit in Anspruch nehmen, wenn die Nahrungsquelle nicht nahrhaft genug und der Sommer zu kurz ist. Der Bärenspinner, Acsala anomala, bewohnt subarktische Regionen in Nordamerika, wo es in der Regel einige Jahre dauern kann, bis die Raupen genug gefressen haben.

Manchmal können Raupen anhand ihrer Merkmale einfacher identifiziert werden als die voll entwickelten Motten. Die Pfeileule (links) und die Dreizack-Pfeileule (rechts), Acronicta psi und Acronicta tridens, sehen voll entwickelt so gut wie identisch aus, lassen sich als Raupen jedoch leicht auseinanderhalten.

Seide
Vor Tausenden von Jahren haben Menschen die Fähigkeit der Raupen, Seide zu spinnen, für sich entdeckt. Der Seidenspinner ist ein eigentümliches Tier – die Fähigkeit zum Spinnen von Seide ist jedoch vielen Gattungen gemein, um Kokons zum Schutz ihrer Puppen und manchmal auch Netze zum Schutz von Larven zu errichten.

Der Seidenspinner, Bombyx mori, wurde bereits vor Tausenden von Jahren in China domestiziert, und von ihm stammt auch die meiste Seide, die wir nutzen. Er produziert Seide für seinen Kokon. Bombyx mori hat nahe wildlebende Verwandte, die Gattung ist heutzutage aber nur als domestizierte Art bekannt und findet sich nicht mehr auf seiner Hauptnahrungsquelle, dem Maulbeerbaum. Nach unzähligen Generationen von Seidenspinnern, die in Gefangenschaft gezüchtet wurden, finden die Larven keine Nahrung mehr, wenn sie nicht direkt auf die Blätter gelegt werden, und ausgewachsene Motten können trotz ihrer Flügel nicht mehr fliegen.

Raupen produzieren Seide in Spinndüsen, die sich in ihren Mundwerkzeugen befinden. Die Seide des Seidenspinners gilt als besonders, weil er sie zum Weben des Kokons in einem einzelnen feinen, fortlaufenden Strang ablegt. Raupen, die ihre Kokons unter der Erde errichten, bringen Seide großflächig auf, wie beim Verputzen, weshalb ihre Seide nicht für Textilien geeignet ist.

Auch die Seide einiger anderer wildlebenden Raupen wird genutzt, vor allem in Indien. Kokons von Gattungen wie Antheraea paphia werden geerntet, nachdem das voll entwickelte Tier geschlüpft ist. Im Gegensatz dazu werden die Tiere in Kokons von Bombyx mori getötet und der gesamte Kokon in einem langen Seidenfaden aufgetrennt.

Der feste braune Kokon des Eichenspinners, Lasiocampa quercus, ist ein typisches Beispiel für viele Motten, die sich im Offenen verpuppen. Die äußeren Schichten bestehen aus groben Seidensträngen, die inneren sind eng verwoben. An der Innenfläche befindet sich ein glänzendes Larvensekret, das den Kokon wasserdicht macht.

Puppen sind vielen Fressfeinden ausgesetzt. Einige Lepidoptera verpuppen sich daher im Verborgenen oder spinnen widerstandsfähige Kokons. Urodus parvula spinnt einen feinen, verschlungenen Kokon, der an eine Hängematte erinnert. Er weist trotz dieses zerbrechlichen Erscheinungsbildes jedoch viele Stacheln auf, die Fressfeinde abschrecken sollen.

Seide wird von den Larven einiger Gattungen auch zum Schutz beim Essen oder Ausruhen gesponnen. Die Traubenkirschen-Gespinstmotte, Yponomeuta evonymella, ernährt sich zusammen mit Artgenossen in Netzen, die sich auf Spindelsträuchern befinden. Einige dieser Seidennetze können spektakulär sein und große Flächen mit Büschen komplett bedecken.

Nahrung und Feinde
Die Puppen der Seidenraupe werden in China in großen Mengen verspeist. Und sie sind nicht die einzigen wirtschaftlich relevanten Lepidoptera auf der Speisekarte: In vielen Ländern stellen Raupen eine wichtige Proteinquelle dar und gelten häufig als Delikatessen. Raupen sind darüber hinaus und in sehr viel größeren Mengen eine Nahrungsquelle für viele Arten von parasitoiden Wespen sowie alle möglichen Raubtiere. Trotz dieser Faktoren, die die Zahl der Insekten stark reduziert, sind einige Arten von Motten und Schmetterlingen wirtschaftlich gesehen Schädlinge, die ein Problem für Land- und Forstwirtschaft darstellen.

Die Puppen der Seidenspinner (Bombyx mori) werden in der Regel gegessen, wenn sie getötet werden, und die Seide kann geerntet werden, bevor die Motte schlüpft und der fortlaufende Seidenstrang dabei reißt. Ein afrikanischer Pfauenspinner, Gonimbrasia belina, auch als Mopane-Wurm bezeichnet, wird ebenfalls in großen Mengen gegessen und kann eimerweise auf Märkten gekauft werden.

Die Rosskastanienminiermotte, Cameraria ohridella, wurde 1986 das erste Mal wissenschaftlich als neue Gattung beschrieben. In den letzten Jahren hat sie sich über einen großen Teil Europas ausgebreitet und richtet großen Schaden an Rosskastanien an.

Der Ursprung von Cameraria ohridella war ein Mysterium, bis Herbarexemplare von Rosskastanienblättern zeigten, dass die Motte bereits im 19. Jahrhundert auf dem Balkan lebte. Man geht davon aus, dass sich die Gattung dort entwickelte und nicht auffiel, bis sie anfing, sich in Richtung Norden auszubreiten. Das voll entwickelte Tier ist klein und hübsch anzusehen. Obwohl Cameraria ohridella gut fliegen kann, wird angenommen, dass die Motte unabsichtlich in Fahrzeugen über größere Bereiche verteilt wurde.

Der Schwalbenschwanz, Papilio machaon, ist der einzige Vertreter der Familie Papilionidae, der ausschließlich in Großbritannien vorkommt. Im Gegensatz zu seinen Verwandten im Rest von Europa ernährt sich die Population in Großbritannien ausschließlich vom Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre) in einigen Sümpfen in Norfolk, war in der Vergangenheit jedoch weiter verbreitet. Trotz der niedrigen Zahl existiert auch weiterhin ein auf diesen Falter spezialisierter Raubparasit in Großbritannien, die Schlupfwespe Trogus lapidator. Parasiten und Raubparasiten werden im besten Fall als Ärgernis empfunden, ein gesundes Ökosystem sollte allerdings ein großes Spektrum an Parasiten aufweisen. Puppen mit Parasitenbefall können an dem Loch erkannt werden, das die ausgewachsene Schlupfwespe in die Flügeldecke der Puppe bohrt.

Exemplare in Museumssammlungen laufen Gefahr, von Mottenschädlingen gefressen zu werden. In diesem Geweih befinden sich die Puppen von Tineidae, Ceratophaga vastella, die sich davon ernähren.

Nicht nur Kleidermotten
Die Bezeichnung "Motte" wird oft mit Kleidermotten und dem Schaden, den sie anrichten, in Verbindung gebracht. Allerdings frisst nur ein kleiner Teil der Motten unsere Kleidung und Teppiche. Hier finden Sie die Kleidermotten und einige ihrer weniger bekannten Verwandten, die oft wunderschöne Muster aufweisen und faszinierende Lebensgeschichten haben.

Die übliche Verdächtige, oft für den Mottenbefall zu Hause verantwortlich, ist die Pelzmotte, Tinea pelionella. Ihre Larven ernähren sich an ruhigen Orten von Naturfasern. Sie benötigen ein warmes Klima und fühlen sich in Wohnungen mit Zentralheizung wohl. Die vergangenen milden Winter begünstigen ihre Entwicklung ebenfalls.

Eine nahe Verwandte der Pelzmotte ist Tinea semifulvella, die in der Regel im Freien angetroffen wird und sich von Vogelnestern ernährt – wahrscheinlich das ursprüngliche Zuhause dieser Schädlinge.

Die Psychiden, auch als Echte Sackträger bekannt, sind evolutionsbiologisch nahe mit der Pelzmotte verwandt. Ihre Larven wachsen in aufwändig errichteten Säcken heran.

Bei vielen Psychidenarten haben die Weibchen keine Flügel und bleiben in ihren Säcken, auf denen sie nach der Paarung mit den fliegenden Männchen Eier legen.

Die Kleistermotte, Endrosis sarcitrella, ist eine weitere Art, die oft in Wohnungen anzutreffen ist und sich von Teppichen und anderen Naturfasern ernährt. Sie gehört jedoch zu einer anderen Familie als die Pelzmotten, nämlich zu den Oecophoridae.

Andere Motten der Familie der Oecophoridae können auffallend schön sein. Die relativ häufig vorkommende Motte Esperia sulphurella frisst totes Holz.

Die Motte Oecophora bractella kommt heutzutage relativ selten und wenn dann nur in sehr alten Wäldern vor, in denen ihre Larven totes Holz fressen.

Die primitivste Lebensart bei Motten lässt sich bei der archaischen Familie der Micropterigidae, den Urmotten, beobachten. Anders als alle anderen Lepidoptera verfügen voll entwickelte Urmotten über Mandibeln, mit denen sie Pollen kauen können. Ihre Larven fressen wohl Blattpartikel im Laubstreu oder möglicherweise Hyphen von Pilzen.

Insekten einer kleinen Insel
Viele Informationen sind auf den Informationsschildern zu den einzelnen Exemplaren und auf ihren Flügeln zu finden. Das Natural History Museum stellt diese Daten im Zuge seines Programms zur Erfassung digitaler Sammlungen zusammen, bei dem die Exemplare und die zugehörigen Informationsschilder fotografiert werden. Mit den Informationen, die nun im Datenportal des Museums verfügbar sind, verändert sich bereits jetzt unser Verständnis von Verteilung und Flugzeiten von Schmetterlingen und Motten in Großbritannien über die vergangenen Jahrzehnte. Die Auswirkungen eines sich wandelnden Klimas und eine stark veränderte Landschaft haben tiefgreifende Veränderungen sowohl bei den Schlüpfzeiten unserer Schmetterlinge und Motten als auch andere, weniger erwartete Veränderungen in ihrer Ökologie mit sich gebracht.

Mit der Digitalisierung unserer gesamten Sammlung britischer Komma-Dickkopffalter, Hesperia comma, füllen die Daten des Museums frühere Wissenslücken. Durch das wärmere Klima schlüpft diese Art nun früher und weist voll entwickelt eine erhöhte Körpergröße auf.

Das Aussehen des Großen Wiesenvögelchens, Coenonympha tullia, variiert nun in dem begrenzten Lebensraum der Britischen Inseln. Exemplare im Norden von Schottland haben nur winzige oder gar keine Punkte, während die am südlichen Ende ihres hiesigen Lebensraums in den Niederungen Nordenglands lebende Exemplare ausgeprägte Punkte aufweisen. Wird sich dieses Punktmuster mit der Zeit verändern? Die genetische Forschung an einigen britischen Schmetterlingen hat gezeigt, dass manche Genotypen nur noch in Sammlungen von Museen vorkommen, womit wir den Beweis haben, dass die Spezies an Vielfalt eingebüßt hat, während ihre Populationen gesunken sind.

Dank der enthusiastischen Arbeit von ein paar Naturforschern haben wir einen nie dagewesenen Einblick in die Vielfalt innerhalb von einzelnen Schmetterlingspopulationen. Der Silbergrüne Bläuling, Polyommatus coridon, kommt nur lokal begrenzt in Großbritannien vor und ernährt sich lediglich von einer Pflanze, dem Gewöhnlichen Hufeisenklee (Hippocrepis comosa). Wo er jedoch vorkommt, können die Populationen erheblich und die Männchen auffällig sein. Eine große Auswahl an Exemplaren vermittelt einen guten Überblick über die Vielfalt innerhalb einer Gattung. Hier ist zum Beispiel ein Hybrid mit dem Himmelblauen Bläuling, Polyommatus bellargus, und ein seltener Gynander, zum Teil männlich, zum Teil weiblich, zu finden.

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) in Großbritannien sieht anders aus als seine Verwandten derselben Gattung im Rest Europas. Dies ist auf andere Lebensräume und Nährpflanzen zurückzuführen.

Der Baum-Weißling, Aporia crataegi, war in England früher relativ weit verbreitet, bevor er 1925 aus unbekannten Gründen plötzlich verschwand.

Das Kleine Fünffleck-Widderchen, Zygaena viciae, wurde zuletzt 1927 im Wald New Forest beobachtet. Befürchtungen, die Art könnte in Großbritannien ausgestorben sein, wurden glücklicherweise widerlegt, als eine Population am Vorsprung eines Berghangs in Schottland gefunden wurde. Seit dieser Entdeckung in den 60er Jahren hat sich die Population zwar leicht erholt, die Art tritt allerdings immer noch nur lokal begrenzt auf.

Der Ausbau der Sammlungen des Museums stützt sich vor allem auf die Bemühungen einer sehr großen Zahl an engagierten Laien-Entomologen. Ohne die Sammlungen und Aufzeichnungen dieser Menschen hätten wir nur sehr wenige Belege für Forscher, die die Veränderungen in unserer reichen und vielfältigen Flora und Fauna aufdecken möchten. Dieses Diagramm zeigt die hohe Anzahl an Aurorafaltern (Anthocharis cardamines) in unserer Sammlung, die an Wochenenden gefunden wurden.

Natural History Museum
Mitwirkende: Geschichte

All rights reserved © the Trustees of the Natural History Museum, London.

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And discover how the Museum is embarking on an epic journey to digitise millions of specimens.

Quelle: Alle Medien
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