Das Erbe: Bergbau im Saarland - Teil V

Staatskanzlei des Saarlandes

Zwangsarbeit, Der Friedensschluss, Schacht und Heim

Nach über 250 Jahren ist die Steinkohleförderung im Saarland im Jahr 2012 zu Ende gegangen. Für das Saarland war das ein bedeutender Einschnitt, weil das Land über eine lange Zeit ohne den Bergbau überhaupt nicht vorstellbar war. Wohl und Wehe des gesamten Landes hingen eng mit der Kohle zusammen. Der Bergbau war in fast allen saarländischen Familien zuhause, weil entweder ein Angehöriger oder zumindest ein Vorfahre im Bergbau arbeitete. Dass der Steinkohlebergbau unserem Land sein Gesicht gegeben hat, ist vor allem das Verdienst der Menschen, die ihn betrieben haben: der saarländischen Bergleute. Sie haben mit ihrer harten Arbeit nicht nur die Grundlagen gelegt für die wirtschaftliche Entwicklung im Saarland und die Energie geliefert für das Wirtschaftswunder in Deutschland. Sie haben auch unser Land, seine Werte und seinen Zusammenhalt beeinflusst wie keine andere Berufsgruppe. Die bergmännische Kameradschaft und Solidarität waren das Vorbild für den Zusammenhalt der Menschen im Saarland. Deshalb stehen wir heute vor der Aufgabe, die Erinnerung an den Bergbau am Leben zu erhalten. Es gilt, das Wissen um die bergbaulichen Wurzeln unseres Landes zu bewahren und insbesondere an die jungen Menschen weiterzugeben. Die nun virtuelle Landesausstellung DAS ERBE spielt für diese Erinnerungskultur eine zentrale Rolle. Wir wollen damit die besondere Bedeutung der vom Bergbau geprägten Zeit für die heutige und zukünftige saarländische Gesellschaft deutlich machen. Die Ausstellung DAS ERBE stellt nicht Maschinen und Fördertürme in den Mittelpunkt, sondern die Bergleute, ihr Leben, ihre Familien, ihre Kultur, ihren Einfluss auf das Zusammensein im Saarland und das, was nach dem Ende des Steinkohlebergbaus davon bleibt. Die Ausstellung macht sichtbar, wie umfangreich und vielfältig das Erbe der Bergleute für unser Land ist.
Ich wünsche den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung „DAS ERBE“ – hier in der Saarland-Staatskanzlei Open Gallery des Google Cultural Institutes –, dass sie Neues über den Bergbau im Saarland erfahren und ein tieferes Verständnis von der Arbeit unter Tage gewinnen können.

Zwangsarbeit
Weil seit 1915 rund 40% der Stammbelegschaft der Saargruben zum Kriegsdienst eingezogen waren, setzte man zunehmend russische, italienische und französische Kriegs-gefangene unter Tage ein. 1918 mussten über 4.000 Gefangene im Saarbergbau arbeiten. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden vornehmlich Russen, Polen, Franzosen und Italiener eingesetzt, teils als Kriegsgefangene, teils als mehr oder weniger freiwillig gewonnene männliche und weibliche Zivilarbeiter. Sie wurden oft von der Straße weg deportiert und mussten unter menschenunwürdi-gen Bedingungen in Lagern leben und in den Montanbetrieben schuften. Spanier, Kroaten und Slowaken arbeiteten in der Regel unter besseren Bedingungen, denn sie kamen aus mit Deutschland verbündeten Ländern.
Der Friedensschluss
Im teilautonomen Saarland vollzog sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein politischer und gesellschaftlicher Friedensschluss: Die Montanmitbestimmung, noch in der Besatzungs­zeit 1947 von den Alliierten initiiert, wurde 1951 unterzeichnet und legte eine Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten und Vorständen des Bergbaus und der Eisen- und Stahlindustrie fest. Bereits 1947 warb Jean Monnet für eine überstaatliche Kontrolle der Produktion von Kohle, Stahl und Eisen, um einen dauerhaften Frieden in Europa zu sichern. Der französische Außenminister Robert Schuman stellte am 9. Mai 1950 seinen Plan für eine Montanunion vor. Der Vertrag wurde schließlich 1951 von den EGKS-Gründerstaaten Belgien, Deutsch-land, Frankreich, Italien, Luxemburg und Niederlande unterzeichnet. Robert Schuman, der damals eifrigste Streiter für den europäischen Einigungspro-zess, plädierte 1952 dafür, Saarbrücken zur Hauptstadt der Montanunion zu machen.
Schacht und Heim
In den 1950er Jahren erlebte der Saarbergbau in ökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Hinsicht eine der besten Phasen seiner langen Geschichte. Vor allem die Bergleute profitieren seit dieser Zeit von einem vorbildlichen Sozialwesen mit Unterstützungskassen für bedürftige Mitarbeiter, einer guten Versorgung in Knappschaftskrankenhäusern oder Zuwendungen aus einer Sterbekasse. Dazu gehörten auch die Kaffeeküchen, in denen besonders günstig Lebensmittel eingekauft werden konnten, oder die Deputatskohle, die aktiven wie bereits im Ruhestand befindlichen Bergleuten tariflich zugesichert war, sowie günstige Darlehen zur Finanzierung des Eigenheims. Ein Aushängeschild weit über die Lan-desgrenzen hinaus sind bis heute die zahlreichen Bergmannsvereine sowie die Bergkapelle und der Saarknappenchor.
Staatskanzlei des Saarlandes, Öffentlichkeitsarbeit
Quelle: Alle Medien
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