1621

UTRECHT - KUNSTZENTRUM DER NIEDERLANDE

Alte Pinakothek, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

View on the city of Utrecht, Joost Cornelisz. Droochsloot, 1650 - 1665, Aus der Sammlung von: Centraal Museum

Ter Brugghen, Honthorst und Baburen kehrten nach ihrem Italienaufenthalt in ihre Heimatstadt zurück, wo sie mit den charakteristischen Werken in der Verbindung aus caravaggesker Bildsprache und eigener Bildtradition äußerst erfolgreich waren. Ihre Malerei beeinflusste die nachfolgenden Generationen. Dass die drei Maler überhaupt nach Italien gingen, lag auch in der Tradition von Künstlerreisen begründet. Schon die vorangegangenen Malergenerationen aus Utrecht hatten Reisen nach Italien unternommen. Ein Grund dafür mag sein, dass Utrecht als katholische Stadt engen Kontakt zum katholischen Italien und insbesondere zu Rom pflegte.

Plan der Stadt Utrecht (mit Markierungen), Jan van Vianen, 1695, Originalquelle: Rijksmuseum Amsterdam

Das Stadtbild von Utrecht ist nach wie vor von mittelalterlichen Bauten geprägt. So lässt sich erahnen, wie die Stadt zur Zeit der Utrechter Caravaggisten ausgesehen haben muss. Wir wissen zudem von einigen Orten, an denen die Künstler zeitweise wohnten oder arbeiteten.

Plan der Stadt Utrecht (mit Markierungen), Jan van Vianen, 1695, Originalquelle: Rijksmuseum Amsterdam

Dirck van Baburen lebte in den Jahren 1621 bis 1624 als Junggeselle mit seiner Schwester und seiner Mutter am Jansdam (in der Karte Nr. 5), wo er im Jahr 1624 starb.

Plan der Stadt Utrecht (mit Markierungen), Jan van Vianen, 1695, Originalquelle: Rijksmuseum Amsterdam

Gerard van Honthorst war nach seiner Rückkehr aus Rom im Jahr 1620 äußerst erfolgreich. Von 1627 an bis zu seinem Tod im Jahr 1656 lebte er in unmittelbarer Nähe zum Utrechter Dom (in der Karte Nr. 4), dem bis heute bedeutendsten Bauwerk der Stadt.

Plan der Stadt Utrecht (mit Markierungen), Jan van Vianen, 1695, Originalquelle: Rijksmuseum Amsterdam

Ter Brugghen lebte und arbeitete in den Jahren 1626 bis 1629 an der Oudegracht, wo sich auch Honthorst im Jahr 1625 aufhielt (in der Karte Nr. 2 und 3). Er kehrte vermutlich schon 1614 aus Rom nach Utrecht zurück. Caravaggios Werke beeinflussten ter Brugghens Malweise auch nach seiner Rückkehr bis zu seinem Tod 1629.

The calling of Saint Matthew, Hendrick ter Brugghen, 1621, Aus der Sammlung von: Centraal Museum

„Die Berufung des Matthäus“ entstand im Jahr 1621. Hendrick ter Brugghen lebte zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon mehrere Jahre wieder in Utrecht. Obwohl die Orientierung an Caravaggios „Berufung des heiligen Matthäus“ in der Contarelli-Kapelle in Rom unverkennbar ist, setzte ter Brugghen die Szene auf seine eigene Art und Weise um.

The calling of Saint Matthew, Hendrick ter Brugghen, 1621, Aus der Sammlung von: Centraal Museum

Gleich fünf Hände weisen prominent im Bildzentrum in unterschiedliche Richtungen. Sie spiegeln die Verwirrung wider, die Christus auslöst, als er an die Gruppe Zöllner herantritt und Matthäus zu seinem Apostel beruft. Mit fragender Mimik zeigt er auf sich, ungläubig, der Berufene zu sein. Die Gesichter der dicht gedrängten Gruppe drücken Misstrauen, Unverständnis und Ignoranz aus.

The calling of Saint Matthew, Hendrick ter Brugghen, 1621, Aus der Sammlung von: Centraal Museum

Der mit einem Harnisch bekleideten Mannes scheint die Anwesenheit Christi noch gar nicht bemerkt zu haben. Seine Konzentration gilt gänzlich den auf dem Tisch liegenden Münzen, die er durch einen Kneifer zählt. Er interessiert sich ausschließlich für die materiellen Dinge und repräsentiert mit seiner wortwörtlichen Kurzsichtigkeit jene, die unfähig sind, die heilsgeschichtliche Tragweite der Berufung zu begreifen.

The calling of Saint Matthew, Hendrick ter Brugghen, 1621, Aus der Sammlung von: Centraal Museum

Obwohl die Dynamik des Werkes seinem Vorbild in der Contarelli-Kapelle ähnelt, geht ter Brugghen kompositorisch seinen eigenen Weg. Statt eines lebhaften Hell-Dunkel-Spiels dynamisieren vor allem die vielfältigen Gesten das Werk. Auch die breite Palette der verwendeten Farbtöne verdient besondere Aufmerksamkeit und weist Hendrick ter Brugghen als meisterhaften Koloristen aus.

Die Werke von Caravaggio in der Contarelli Kapelle in San Luigi dei Francesi, Rom

Alte Pinakothek, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Mitwirkende: Geschichte

Die Inhalte wurden im Zusammenhang mit der Ausstellung "Utrecht, Caravaggio und Europa" in der Alten Pinakothek München zusammengestellt. Klicke hier, um die Welt der Caravaggisti zu erkunden.

Quelle: Alle Medien
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