1968 bis 1997

Inhaftierungen ohne Gerichtsverfahren in John Vorster Square

South African History Archive (SAHA)

" ...die Institution mit Symbolcharakter für die Apartheidära, die Jahre der Folter, die Herrschaft der Sicherheitspolizei, die Herrschaft des Wahnsinns..."
Barbara Hogan, ehemalige Gefangene
Massaker von Sharpeville, 21. März 1960
Massaker von Sharpeville, 21. März 1960

Zwischen 1960 und 1990 setzten die stets von der Nationalen Partei gestellten Regierungen im von der Apartheid geprägten Südafrika im hohen Maß auf Inhaftierungen ohne Gerichtsverfahren als Waffe gegen die politische Opposition, den wachsenden Widerstand und die Revolten. 

Nach dem Massaker von Sharpeville im Jahr 1960 und dem anschließenden Verbot des African National Congress (ANC) sowie des Pan African Congress (PAC) und nach der Ausrufung eines teilweise verhängten Ausnahmezustands ernannte Premierminister Hendrik Frensch Verwoerd Balthazar Johannes Vorster zum Justizminister. 

Vorster, der nach Verwoerds Ermordung das Amt des Premierministers übernahm, war ein Hardliner und Nationalist, der warnte, dass der Zusammenbruch von Recht und Ordnung unter keinen Umständen toleriert werden würde. 

Der Ausnahmezustand blieb für fünf Monate verhängt, in dieser Zeit kam es zu mehr als 11.500 Inhaftierungen. Vorster verschärfte rasch die Sicherheitspolitik Südafrikas und etablierte eine "Null-Toleranz"-Haltung gegenüber jeglicher Form von Widerstand gegen den Staat. Außerdem sorgte er dafür, dass die Security Branch (Sicherheitspolizei) der South African Police (der nationalen Polizei in Südafrika) enorme Machtbefugnisse erhielt. 

Die Security Branch wurde ursprünglich in den 1940er-Jahren als Reaktion auf die Aktivitäten der damals noch legalen South African Communist Party (SACP) eingerichtet. Gemäß der verbreiteten antikommunistischen Stimmung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs sollte diese Einheit Kommunisten, schwarze Nationalisten und sogenannte "radikale" Organisationen überwachen. 

Unter Vorsters Verantwortung entwickelte sich die Sicherheitspolizei zu den landesweit gefürchteten "Mad Forces". 

Bericht in der Sunday Times vom August 1961 über den Aufstieg Vorsters

"Möglicherweise ist es nicht ganz unangebracht, die Herren Abgeordneten daran zu erinnern, dass der große amerikanische Jurist Wigmore einmal fragte, woher die plötzliche Sorge um Kriminelle rühre.

Meine Frage lautet, woher in Südafrika die plötzliche Sorge um Kommunisten rührt."

                                - B. J. Vorster spricht vor dem Parlament, 1962
Die Apartheidgegnerin und Politikerin Helen Suzman über B. J. Vorster
General Laws Amendment Act, 1963
Abschnitt 6 des Terrorism Act Nr. 83, 1967

Zusammen mit zahlreichen neuen Gesetzen, die darauf abzielten, Apartheidgegner mundtot zu machen, wurden gezielt Inhaftierungen ohne Gerichtsverfahren als Mittel zur Befragung und Bestrafung eingesetzt, aber auch um Einzelpersonen von ihren Gemeinschaften und Organisationen zu trennen. 

Die Möglichkeit zur Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren wurde erstmals mit den Bestimmungen des Gesetzes für öffentliche Sicherheit (Public Safety Act) von 1953 eröffnet, die als Reaktion auf die zunehmende Militanz und Opposition wie im Falle der Defiance Campaign (Missachtungskampagne gegen unfaire Gesetze) eingeführt wurden. 

1961 gestatte der General Laws Amendment Act eine bis zu 12 Tage andauernde Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren in Situationen, in denen keine Notlage besteht. Die Dauer wurde 1963 nach der Zunahme der bewaffneten Aktionen durch den ANC und den PAC auf 90 Tage Inhaftierung ausgedehnt. Später wurde diese Frist noch einmal verlängert, um eine 180-tägige Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren zu ermöglichen. 

Dies gipfelte schließlich in der Einführung des Terrorism Act von 1967, der eine unbegrenzte Inhaftierung zu Verhörzwecken vorsah. 

Den Inhaftierten wurden Besuche eines Amtsrichters gestattet, sie durften aber nicht vor Gericht erscheinen oder juristischen Beistand in Anspruch nehmen. 

Menschenrechtsanwalt George Bizos berichtet über die unheilvollen Änderungen der Security Branch unter Vorster.

"John Vorster Square war der Inbegriff der Folterkammer."    

                                        – Jaki Seroke, ehemaliger Gefangener 
Zellenblock der Johannesburg Central Police Station

Vor mehr als 40 Jahren eröffnete Premierminister Balthazar Johannes Vorster an einem kühlen Tag Ende August 1968 die Wache John Vorster Square. Er pries das flache blaue Gebäude mit Blick auf die Schnellstraße in der Innenstadt von Johannesburg als moderne Polizeidienststelle, in der sich alle wichtigen Einheiten unter einem Dach befanden, und betonte, dass die strahlende neue Wache die größte Polizeidienststelle in Afrika war. 

Es scheint passend, dass das Gebäude nach Vorster – dem vormaligen Justizminister – benannt worden war. Er war es, der die Einführung strenger Sicherheitsgesetze überwacht hatte, die darauf abzielten, die Apartheidgegner auszuschalten und dafür zu sorgen, dass die Security Branch der South African Police (SAP) enorme Machtbefugnisse erlangte. 

John Vorster Square wurde bald zum Symbol für Brutalität und Folter und zur zentralen Stelle für Inhaftierungen und Verhöre am Witwatersrand während der 1970er- und 1980er-Jahre. 

Zwischen 1970 und 1990 starben acht Menschen, die in John Vorster Square gemäß der Verordnung zur Inhaftierung festgehalten wurden, an den Folgen der Inhaftierung.

B. J. Vorster hält eine Rede zur Eröffnung der Wache John Vorster Square im Jahr 1968 (mit freundlicher Genehmigung der SABC).
John Vorster Square während der Bauphase, 1968

Der Bau der neuen Wache, die das Revier am Marshall Square in Johannesburg ersetzen sollte, begann 1964 in der Commissioner Street Nr. 1. Entworfen wurde diese von der Firma Harris, Fels, Janks and Nussbaum und das Gebäude sollte dem wachsenden Platzbedarf der Security Branch für Inhaftierungen und Verhöre Rechnung tragen. 

Die Büros der Security Branch befanden sich im 9. und 10. Stockwerk der neuen Hauptwache. Der Zugang zum bald schon berüchtigten 10. Stockwerk wurde jedoch beschränkt, sodass man mit dem Fahrstuhl nur bis ins 9. Stockwerk gelangte. Politische Gefangene wurden die Treppen hinauf ins 10. Stockwerk geführt, wo eine unbekannte Zahl an Gefangenen gefoltert wurde. 

Die Zellen der Gefangenen befanden sich in den unteren Stockwerken und waren speziell für die Einzelhaft vorgesehen. Die Zellenwände waren dunkelgrau gestrichen und die Böden schwarz. In einer Ecke befand sich eine Matratze, in einer anderen eine Toilette. Dickes Fiberglas bedeckte die Fenster und Gitter. In der Mitte der hohen Decke war eine einzelne Glühbirne angebracht, die ununterbrochen brannte. Für die unzähligen Apartheidgegner, die in diesen Zellen einsaßen, war John Vorster Square die Hölle.

Blick aus dem 10. Stockwerk der Johannesburg Central Police Station

"Ich befand mich im Obergeschoss in einer Zelle mit dickem, schusssicherem Glas, gegen das sich nichts ausrichten ließ. Auch an der Seite war oben an den Gittern überall Glas angebracht, dadurch war die Zelle isoliert. Manchmal hatte ich das Gefühl, wahnsinnig geworden zu sein. Du denkst ununterbrochen, bis du nicht mehr denken kannst... Und dann dieser Geruch, du wirst Teil des Geruchs..."

                                                                                                                                           – Jabu Ngwenya, ehemaliger Gefangener, 1981
Bronzebüste von B. J. Vorster im Foyer der Wache John Vorster Square auf dem Titelbild der SAP-Zeitschrift vom März 1977

"Die Sicherheitspolizei hatte die grausame Gelassenheit von Menschen ohne Seele."

                                                – Molefe Pheto, ehemaliger Gefangener
Sicherheitsbeamte treffen sich nach der Arbeit im Clubhaus der Wache John Vorster Square. Datum unbekannt
Paul Erasmus, ehemaliger Sicherheitsbeamter

"Ein Revolutionskrieg ist sehr viel schwieriger als der Kampf gegen gewöhnliche Kriminelle. Sie dürfen nicht vergessen, dass Sie es teilweise mit der Crème de la Crème zu tun haben. Bei diesen Auseinandersetzungen sind die klügsten Köpfe Ihre Gegner und Sie müssen ihnen immer einen Schritt voraus sein. 

Rückblickend ist es furchtbar, dass diese Dinge geschehen sind. Aus Perspektive meiner Gegner ist rückblickend ebenso furchtbar, dass bestimmte Polizisten bei Bombenangriffen und Anschlägen auf ihre Häuser getötet wurden. Aber beide Seiten wollten ihren Standpunkt deutlich machen und ergebnisorientiert vorgehen… Unsere Aufgabe war die Wahrung der internen Sicherheit der Republik. Manchmal war das sehr, sehr schwierig."

                                                                                                                       – Hennie Heymans, ehemaliger Sicherheitsbeamter

Ab den 1960er-Jahren wurden alle Mitglieder der Security Branch im Rahmen eines speziellen Trainingsprogramms in Foltertechniken geschult. 

Die Security Branch war berüchtigt für ihre extreme Bösartigkeit und Unmenschlichkeit, die sich in den Verhörmethoden zeigte, insbesondere in der Wache John Vorster Square. 

Grundlage aller Verhöre war der Schlafentzug. Dabei arbeiteten die Beamten in Gruppen rund um die Uhr, um die Gefangenen in einen Zustand der völligen Abhängigkeit zu versetzen. 

Der ehemalige Sicherheitsbeamte Paul Erasmus hinter seinem Schreibtisch in seinem Büro im 9. Stock der Wache John Vorster Square, Datum unbekannt
Der Journalist James Sanders über die Sicherheitskräfte der Apartheidära

"Laut General Coetzee waren wir ein Haufen Idioten, der die ganze Angelegenheit falsch verstanden hatte. Er behielt eine weiße Weste, denn er sagte einfach: "Dauerhafte Entfernung aus der Gesellschaft...", aber das war nicht, was er meinte. 

Es waren Trottel wie wir, die Mannschaftsdienstgrade, denke ich, die Idioten, die dies falsch verstanden hatten. In Wahrheit hatten wir jedoch in einem unglaublichen Ausmaß freie Hand zu töten und zu plündern, und dabei wussten wir, dass wir dafür nicht belangt werden würden, und genau das passiert dann auch."

                                                                           – Paul Erasmus, ehemaliger Sicherheitsbeamter
Gefangene Dr. Elizabeth Floyd über die Sicherheitspolizei

Er fiel aus dem neunten Stock

Er erhängte sich

Er rutschte beim Duschen auf einem Stück Seife aus

Er fiel aus dem neunten Stock

Er erhängte sich beim Duschen

Er fiel aus dem neunten Stock

Er erhängte sich im neunten Stock

Er rutschte im neunten Stock beim Duschen aus

Er fiel über ein Stück Seife, als er ausrutschte

Er erhängte sich im neunten Stock

Er wurde aus dem neunten Stock geschwemmt, als er ausrutschte

Er hing an einem Stück Seife, als er duschte

                                                                                                                                                      "In detention" von Chris van Wyk

Ahmed Timol – gestorben am 27. Oktober 1971

Im Jahr 1971 waren bereits 21 Inhaftierte in südafrikanischen Gefängnissen zu Tode gekommen. 

An diesem Tag kam in der Wache John Vorster Square ein weiterer Toter hinzu, als Ahmed Timol, ein 30 Jahre alter Lehrer, dort aus dem 10. Stock zu Tode stürzte. Er war Mitglied der zu diesem Zeitpunkt verbotenen South African Communist Party (SACP) und an einer Straßensperre der Polizei festgenommen worden, weil er verbotene Literatur bei sich hatte. 

Die Polizei behauptete, Timol habe Selbstmord begangen. Eine Behauptung, die im Rahmen einer offiziellen Untersuchung gestützt wurde, obwohl der Pathologe Dr. Jonathan Gluckman darauf hinwies, dass Timols Körper Anzeichen von Schlägen aufwies, die ihm vor seinem Tod zugefügt worden waren.

Die Sicherheitspolizei sagte den Gefangenen immer wieder, dass Indianer nicht fliegen könnten und nannten die Wache John Vorster Square als Anspielung "Timol Heights".

Timols Familie hatte gehofft, dass die Polizisten, die für seinen Tod verantwortlich waren, sich bei den Anhörungen der Truth and Reconciliation Commission (TRC) dazu äußern würden, wie er gestorben war – sie taten es nicht. 

Bericht des Justizministeriums über die Anhörung im Rahmen der Untersuchung von Timols Tod
Zeugenaussage von Hawa Timol über ihren Sohn Ahmed Timol vor dem Human Rights Violation Committee des TRC am 30. April 1996 (mit freundlicher Genehmigung der SABC)
Foto von Ahmed Timol auf einem Gedenkplakat des ANC 
Professor Kantilal Naik, Gefangener, Oktober 1971 bis Februar 1972
Von Naik während der Inhaftierung angefertigte Zeichnung eines Vernehmungsbeamten auf Toilettenpapier
Naik über die Inhaftierung und Folter mithilfe der "Helikoptermethode"

Ich habe das Bild des blauen Gebäudes nie vergessen, auch nicht im Exil. Ich konnte die blaue Farbe und die Form, das Aussehen des Gebäudes nicht vergessen. 

...die glänzenden Böden, die metallisch glänzenden grauen Böden im Korridor… das Klappern der Tore… die Gewalt und die klirrenden Schlüssel, fast jedes Mal hörte man Schlüssel klirren und fragte sich, welche Zelle sie öffnen oder ob sie zur eigenen Zelle kommen würden. 

                                                    – Molefe Pheto, Gefangener, 1975
Molefe Pheto, Gefangener, 1975
Eingang zum 9. Stock der Johannesburg Central Police Station
Aufstand in Soweto, 16. Juni 1976

Infolge des Aufstands in Soweto im Juni 1976 nahmen die Polizeikräfte noch mehr Inhaftierungen ohne Gerichtsverhandlungen vor. 

Dies wurde durch das Änderungsgesetz zur internen Sicherheit ermöglicht, welches die Inhaftierung von Verdächtigen für einen unbegrenzten Zeitraum ohne richterliche Anordnung gestattete.

"Sie stellten einen Generator auf und befahlen mir, mich auszuziehen, und ich sagte, dass ich ihnen nicht dabei helfen würde, mich zu foltern. Wenn sie mich foltern wollten, würden sie mich zuerst bewusstlos schlagen müssen, um mich auszuziehen... Schließlich waren sie so frustriert, dass sie mit Stühlen mit Stahlrahmen auf mich einprügelten. 

Da ich bereits aus der Nase und dem Mund blutete, bespuckte ich sie bei jeder ihrer Attacken mit meinem Blut, um sie zu provozieren. 

Ziel dieser Taktik war es, sie wütend zu machen, weil sie dann nicht mehr so rational und professionell denken können würden, wie es die Verhörverfahren vorsahen. Sobald sie einmal in Wut gerieten, würden sie einfach ausrasten und verwenden, was ihnen in den Sinn kam, und das taten sie dann auch, bis sie mich zusammengeschlagen hatten."

                                                                                                                                  – Zwelinzima Sizane, Gefangener, 1976
Zwelinzima Sizane, Gefangener, 1976
Panoramablick vom Dach der Hauptwache in Johannesburg
Joyce Dipale, Gefangene, 1976

"John Vorster Square... vier oder fünf Männer, dann ein Sack über dem Kopf und dann Elektroschocks und so weiter. Ich weiß nicht… Ich bin wütend. Ein Sack über dem Kopf und dann Folter, an meinen Brüsten, überall. Warum? Ich verstehe es nicht... Warum Folter? Es ist traurig… Und dann war ich wütend, also redete ich nicht. Warum Folter? Also sagte ich nichts. So wütend. Vergewaltigung oder was auch immer, das ist mir egal. Ich sage nichts."

                                                                                         – Joyce Dipale, Gefangene, 1976
Zeichnung von Clive van den Berg, die er gemeinsam mit Joyce Dipale angefertigt hat, um die Folter darzustellen, die sie während ihrer Inhaftierung erlitten hat.

"Ich wurde für 30 Tage lang festgehalten und in das obere Stockwerk gebracht, und dort stand ich 25 Tage lang, Tag und Nacht. Nach 25 Tagen brachten sie mich in meine Zelle. Sie können sich also vorstellen, dass mich ein erneuter Besuch dieses Orts an diese bitteren Nächte erinnert, in denen die Polizei endlos auf mich eingeschlagen hat."

                                                                         – Tsankie Modiakgotla, Gefangener, 1976
Tsankie Modiakgotla, Gefangener, 1976
Ansicht des Korridors des 9. Stocks der Johannesburg Central Police Station

" ...diese Augenblicke wahrhaftiger spiritueller Erkenntnis ... einen der wenigen derartigen Augenblicke meines Lebens erlebte ich hier, als ich nach dem ersten Verhör wieder zu mir kam, als ich allein in dieser Zelle war... die Wände waren grün und ich erinnere mich, dass ich umherlief und der festen Überzeugung war, dass wir gewinnen würden. 

Ohne Zweifel bestand die Gefahr, dass sie mich töteten, mir irgendetwas antun könnten, aber wir würden den Kampf gewinnen. Dieses ungeheure Vertrauen baute mich in dieser Zeit auf unglaubliche Weise auf…"

                                                                                    – Cedric Mayson, Gefangener, 1976

Wellington Tshazibane – gestorben am 11. Dezember 1976 

Nach seiner Verhaftung wegen angeblicher Komplizenschaft bei einem Anschlag auf das Carlton Centre in Johannesburg am 7. Dezember 1976 

wurde Wellington Tshazibane, ein Absolvent der Universität Oxford, in Zelle 311 der Wache John Vorster Square erhängt aufgefunden. 

Eine offizielle Untersuchung, die der Untersuchung des Todes von Timol glich, kam zu dem Ergebnis, dass der Polizei kein Fehlverhalten anzulasten sei.

 Wellington Tshazibanes Aussage gegenüber der Sicherheitspolizei vom 10. Dezember 1976

Elmon Malele – gestorben am 20. Januar 1977

Elmon Malele, verhaftet am 10. Januar 1977, starb an den Folgen einer Hirnblutung im Princess Nursing Home in Johannesburg. Er war dorthin gebracht worden, weil er angeblich das Gleichgewicht verloren hatte, nachdem er sechs Stunden lang gestanden hatte (eine Standard-Foltermethode), und mit seinem Kopf auf eine Tischkante aufgeschlagen war. 

Obwohl mit größter Wahrscheinlichkeit die Fahrlässigkeit und Gewalttätigkeit der Polizei Ursache für seinen Tod waren, wurde die Polizei abermals nicht zur Verantwortung gezogen. Einer Untersuchung zufolge starb Malele eines natürlichen Todes.

Aufnahme der Sicherheitspolizei von dem Büro, in dem Elmon Malele angeblich das Gleichgewicht verlor
Aufnahme der Stelle, von der Mabelane in den Tod stürzte
Foto des vermeintlichen Fußabdrucks Mabelanes auf dem Stuhl

Mattews Mabelane – gestorben am 15. Februar 1977

Kaum einen Monat nach Elmon Maleles Hirnblutung stürzte Matthews "Mojo" Mabelane aus dem 10. Stockwerk der Wache John Vorster Square zu Tode, nachdem er wegen des Verdachts festgenommen worden war, auf dem Weg nach Botswana zu einer militärischen Ausbildung zu sein. 

Die Polizei behauptete später, dass er aus dem Fenster geklettert sei, dann das Gleichgewicht verloren habe und auf ein Auto gestürzt sei. 

Mabelane war der 39. Gefangene, der unter derartigen Umständen in einem südafrikanischen Gefängnis starb. 

Foto des Autos, auf das Mabelane gestürzt war
Foto des Stuhls, den Mabelane angeblich verwendet hatte, um auf die Fensterbank zu klettern

"Mein Cousin Matthew Marwale Mabelane starb durch die Hand der Polizei in der Hauptwache John Vorster Square im Februar 1977. Es wurde behauptet, er sei aus dem berüchtigten 10. Stock des Gebäudes gesprungen und sofort tot gewesen. Angesichts der Tatsache, dass die Behauptungen über die Sprünge aus dem 10. Stock niemals der Wahrheit entsprachen und entsprechen werden, möchten wir wissen, warum die Mörder sich nicht dazu bekennen und sich für ihre Taten entschuldigen. Die Tricks der Täter, die für diese Gräueltaten verantwortlich sind, machen uns wütend, denn die Mörder werden nur dann über das Geschehene sprechen, wenn man sie entlarvt – andernfalls werden sie weiterhin schweigen. 

Glauben sie wirklich, dass ihre Opfer vergessen werden, was sie ihnen angetan haben? Oder glauben sie, dass die Menschen immer noch Angst vor ihnen haben und befürchten, dass sie mit Repressalien wie denen in der Vergangenheit rechnen müssen, wenn sie über die Taten sprechen? Die Angehörigen sind sehr aufgebracht, dass die Mörder von Matthew schweigen. Ihre Zeit läuft ab. Sie sollen sich bekennen und die Wahrheit sagen. Außerdem möchten wir wissen, wie sie aussehen – ob es tatsächlich menschliche Wesen sind mit Familien, Kindern, Verwandten und Freunden."

                                                                – Eintrag von K. C. Mabelane im Register of Reconciliation des TRC, 10. September 1998

"Die Beamten in der Wache John Vorster Square waren immer gleich. 

Wie sie waren? Geschäftsmäßig. Ihre Sicht auf die Dinge war einfach. Sie würden uns einschüchtern, sie würden uns foltern, sie würden uns verhören. 

Wir würden ihnen die Wahrheit sagen. Wir würden ihnen sagen, wer uns aufgehetzt hatte, wer uns Anweisungen gegeben hatte. Wir würden ihnen sagen, wer im ANC uns dazu geraten hatte, dies zu tun. Sollten wir uns weigern, würden sie uns schlagen und bedrohen."

                                                                       – Penelope "Baby" Twaya, Gefangene, 1977
Penelope "Baby" Twaya, Gefangene, 1977

"Es war ein Ort des Bösen, ein Ort an dem Menschen schreckliche Dinge angetan wurden... es war ein Ort der Folter und es war die Zentrale der Sicherheitspolizei. Es war ein Ort ohne Gnade und letztlich ein Tummelplatz für Psychopathen."

                                                                                     – Barbara Hogan, Gefangene, 1981

"Das Gurren der Tauben auf der Fensterbank wirkte beruhigend... um zu überleben, versuchte man, sich an Geräuschen festzuhalten, die in irgendeiner Form an das Leben erinnerten."

                                                                                     – Barbara Hogan, Gefangene, 1981
Tauben vor der Johannesburg Central Police Station
Barbara Hogan, Gefangene, 1981
Liste der Dinge, die sich zum Zeitpunkt des Todes von Neil Aggett in dessen Zelle befanden [auf Afrikaans]

Neil Aggett – gestorben am 5. Februar 1982

Dr. Neil Aggett unterstützte die Arbeiter beim Kampf für ihre Rechte und gehörte zu den Organisatoren der African Food and Canning Workers' Union. Er spielte eine zentrale Rolle beim Boykott von Fattis and Monis-Produkten, mit dem den Unternehmensinhabern verdeutlicht werden sollte, dass die Arbeiter das Recht haben, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren. Die Regierung empfand dieses Bestreben jedoch als Bedrohung und bezeichnete Aggett als Kommunisten. 

Nach einer regelrechten Welle von Festnahmen von Gewerkschaftsführern im Jahr 1981 wurde Aggett um 3:25 Uhr Ortszeit tot in seiner Zelle aufgefunden. Aggett hatte sich selbst mit einem Schal erhängt, den eine Freundin für ihn gestrickt hatte. Dieses Mal kam jedoch die Wahrheit über seinen Tod während der Inhaftierung ans Licht, da ein von George Bizos geführtes Gerichtsverfahren, das viel öffentliche Aufmerksamkeit erhielt, zeigte, wie das 80-stündige Verhör Aggetts am Wochenende vor seinem Tod zu seinem emotionalen Zusammenbruch geführt hatte. Doch wieder wurde die Polizei freigesprochen, da behauptet wurde, Aggett wäre seit Langem suizidgefährdet gewesen.

Bericht über Neil Aggett an das Justizministerium, erstellt und unterzeichnet vom Inspector of Detainees am 25. Januar 1982, weniger als zwei Wochen vor Aggetts Tod in der Haft 
Erklärung des Detainees' Parents Support Committee (DPSC) zum Tod des in der Haft verstorbenen Dr. Neil Aggett

"Es war wie ein Spiel, dessen Regeln von ihnen aufgestellt wurden, und man musste alles daran setzen, diese Regeln zu durchbrechen oder auszuweiten. Es wurde jedoch deutlich gemacht, dass weder uns selbst noch einem Anwalt der Kontakt gestattet würde. Wir hörten dann von anderen Betroffenen in ähnlichen Situationen, mit denen wir uns in Verbindung setzten, um nach einer Lösung zu suchen.

Bald erkannten wir, dass es Möglichkeiten gab, dass wir sie unter Druck setzen konnten. Und damit begann dann unser eigenes Spiel."

                                   – Max und Audrey Coleman, Eltern des ehemaligen Gefangenen Keith Coleman und DPSC-Gründingsmitglieder 
Der ehemalige Gefangene Jabu Ngwenya über die Kommunikation zwischen den Zellen während der Inhaftierung in der Wache John Vorster Square
Der ehemalige Gefangene Jabu Ngwenya über die Verhöre und Folter in der Wache John Vorster Square

Ernest Moabi Dipale – gestorben am 8. August 1982

Ernest Dipale stammte aus einer politisch aktiven Familie und wurde gleichzeitig mit Aggett im November 1981 inhaftiert. 

Er machte eine Aussage vor dem Amtsrichter, in der er sich über die Übergriffe und Folter durch Elektroschocks beschwerte. Diese Beschwerden blieben ohne Konsequenz. Nach dreieinhalb Monaten ließ man ihn schließlich wieder frei. 

Am 5. August 1982 wurde er erneut in der Wache John Vorster Square inhaftiert. 

Fünf Monate nach Neil Aggetts Tod wurde Ernest Dipale erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Er hatte sich mit einem in Streifen gerissenen Laken erhängt. 

Dipale, zum Zeitpunkt seines Todes erst 21 Jahre alt, war schwer misshandelt und gefoltert worden, unter anderem durch Elektroschocks. 

Brief des Amtsrichters über Dipale an den Justizminister

AC/2001/279 – Auszug über die Verschleppung Dipales aus dem Antrag von Butana Almond Nofomela an den Amnestieausschuss des TRC

"Der Antragsteller sagte aus, dass er Anweisungen von Captain Jan Coetzee und Lieutenant Koos Vermeulen erhalten habe, Moabi Dipale aus seinem Haus in Soweto zu Verhörzwecken zu entführen. Unterstützt wurde er dabei von Joe Mamasela. Sie wollten Informationen über seine Schwester erlangen, die im nächsten Vorfall eine Rolle spielt.

Sie gelangten zu seinem Haus in Soweto und fragten, ob er anwesend sei. Ein junges Mädchen sagte ihnen, dass dies nicht der Fall sei, aber nachdem sie sich Zutritt zum Haus verschafft hatten, fanden sie ihn, versteckt hinter einem Kleiderschrank. Mamasela beschuldigte ihn, Schulden nicht zurückgezahlt zu haben. Dies diente als Vorwand, um ihn dazu zu zwingen, mit ihnen zu kommen. 

Sie brachten ihn nach Roodepoort, wo sie Jan Coetzee und Vermeulen trafen. Anschließend ging es nach Zeerust und auf eine Farm in der Nähe. Dort wurde Moabi zum Aufenthaltsort seiner Schwester Joyce Dipale vernommen. Während des Verhörs wurde er so massiv von ihnen misshandelt, dass er das Bewusstsein verlor. Die Übergriffe erfolgten durch Nofomela, Mamasela und Vermeulen. Grobbelaar und Coetzee beteiligten sich nicht daran. Er konnte keine Aussage dazu machen, ob sie Informationen erhielten, die ihnen in Hinblick auf den späteren Übergriff auf Joyce Dipale in Botswana halfen. 

Später kehrten sie nach Vlakplaas zurück und er konnte nicht sagen, was anschließend mit Moabi Dipale geschah. Er weiß nicht, ob dieser inhaftiert oder freigelassen wurde. Der Ausschuss ist davon überzeugt, dass die Voraussetzungen für eine Amnestie erfüllt werden und Nofomela wird Amnestie in Hinblick auf alle Vergehen und Delikte GEWÄHRT, die unmittelbare Folge der Entführung und des Übergriffs auf Moabi Dipale in der Zeit um den Oktober 1981 waren."

Catherine Hunter, Gefangene, 1983

"Ich glaube, die "Wärter" hatten strikte Anweisungen, daher verhielten sie sich passiv, kalt und äußerst zurückhaltend. Sie verteilten lediglich das Essen. 

Es gab keinen Augenkontakt mit ihnen und ich hatte den Eindruck, dass sie es merkwürdig fanden, dass eine Weiße eine "Terroristin" sein sollte. Viele von ihnen waren weiße Afrikaanerinnen, daher entsprach ich in ihren Augen vermutlich nicht dem Klischee und dem Profil eines Terroristen."

                                          – Catherine Hunter, Gefangene, 1983
Gefängniszelle, von Catherine Hunter während der Inhaftierung mit grüner Tinte gezeichnet
Jaki Seroke, Gefangener, 1987

"Das Einzige, was einen am Leben hält, ist die moralische Überlegenheit. Wir kämpften für Freiheit und Demokratie, und das war eine gute Sache, daher konnten wir uns selbst sagen, dass wir alles, was man uns antun würde, wenigstens für eine gute Sache erleiden würden. Ich denke, dass vor allem dies die rettende Gnade war."

                                                                                                                                              – Jaki Seroke, Gefangener, 1987

Stanza Bopape – gestorben am 5. Juni 1988

Nach der Traktierung durch wiederholte Elektroschocks starb der Aktivist Stanza Bopape "unerwartet" an einem Herzinfarkt. Da man befürchtete, dass ein weiterer Todesfall unter den Inhaftierten ein schlechtes Licht auf die Polizei werfen würde, behauptete man, dass Bopape aus der Haft geflohen sei. 

Allerdings gab die Polizei 1997 während der Anhörungen vor der Truth and Reconciliation Commission schließlich zu, dass Bopape in der Haft umgekommen und seine Leiche in den Fluss Nkomati an der Grenze zu Mosambik geworfen worden war.

Der Leichnam von Stanza Bopape wurde nie gefunden.

30. Januar 1990 – Clayton Sithole stirbt in der Haft

Nur zwei Tage vor der Freilassung Nelson Mandelas aus dem Gefängnis, wurde Clayton Sithole im Alter von 20 Jahren erhängt in seiner Zelle aufgefunden. 

Vor seinem Selbstmord hatte Sithole angeblich belastende Beweise für strafbares Verhalten von Winnie Mandela und ihrer Tochter Zinzi vorgebracht. Sithole war der Vater eines der Enkelkinder Nelson Mandelas.

Nach der Freilassung von Nelson Mandela im Jahr 1990 wurden weitreichende Änderungen an den Sicherheitsgesetzen des Landes vorgenommen.

Die Möglichkeit der Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren wurde aus den Gesetzbüchern gestrichen. 1991 wurde die Security Branch im Wesentlichen aufgelöst und zusammen mit der Criminal Investigation Division zu einer Einheit mit der Bezeichnung "Crime Combating and Investigation" umstrukturiert. 1995 wurde dann der South African Police Service eingeführt. 

Im offiziellen Bericht der Truth and Reconciliation Commission ist von 75 Todesfällen in der Haft die Rede. Trotz der eindeutigen Beweise, die belegten, dass die Gefangenen durch die Polizei gefoltert worden waren, wurde kein einziger Polizist für den Tod eines Inhaftierten zur Verantwortung gezogen.

"Diejenigen, die zu diesem Zeitpunkt in die Sache involviert waren und nun in der Öffentlichkeit als Schuldige und Verantwortliche hingestellt werden, wenden sich an ihre ehemaligen Gefangenen, um sie um Unterstützung zu bitten, weil dies die einzigen Menschen sind, die verstehen, worum es tatsächlich geht. 

Es ist äußerst interessant, dass sich die Täter an ihre Opfer wenden, um Verständnis für das Vorgefallene zu erhalten. Ich denke, dass die Gefangenen sich besser über das im Klaren waren, was vor sich ging, als die Menschen draußen. Es war ein Kampf und dies war der Hauptschauplatz…"

              – Dr. Elizabeth Floyd, ehemalige Gefangene, 1981 bis 1992, und Freundin von Neil Aggett
Umbenennung der Wache John Vorster Square, 1997 (mit freundlicher Genehmigung der SABC)

1997 wurde die Bronzebüste von B. J. Vorster aus dem Foyer der berüchtigten Wache John Vorster Square entfernt. 

Die Wache wurde in Johannesburg Central Police Station umbenannt und ist nun zur Verbrechensbekämpfung in Johannesburg vorgesehen. 

Trotz aller Veränderungen sind die düsteren Innenräume und der unangenehme Geruch geblieben. Die Geister der früheren Nutzer sind noch lange nicht vertrieben.

...das ist die Erinnerung an die Revolution und wenn diese verschwindet, gibt es keinen Grund mehr, irgendjemandem zu erzählen, wie dieser Ort einmal ausgesehen hat... weil diese Dinge veranschaulichen, was sie getan haben, um uns Leid zuzufügen, weil den meisten Menschen durch dieses System Leid zugefügt wurde, und wenn Sie diese Dinge fortschaffen, geht ein großer Teil der Geschichte verloren...

                                                                                                                               - Molefe Pheto, Gefangener, 1975
Eingang der Johannesburg Central Police Station, 2007
Mitwirkende: Geschichte

Curator — Catherine Kennedy (SAHA)
Archivist — Debora Matthews (SAHA)
Photographs — Craig Matthew (Doxa Productions)
Archival video footage — South African Broadcasting Corporation (SABC)
Background — This exhibit is based on the interactive DVD, 'Between life and death: stories from John Vorster Square', developed by Doxa Productions on behalf of SAHA in 2007, as part of the SAHA / Sunday Times Heritage Project, funded by the Atlantic Philanthropies. Please see DVD for full research and image credits. For more information about the SAHA / Sunday Times Heritage Project, please visit sthp.saha.org.za 

Quelle: Alle Medien
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