27.01.1945

Evakuierung und Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz

Auschwitz-Birkenau State Museum

EVAKUIERUNG UND BEFREIUNG DES LAGERS

In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 überführte die SS angesichts der Erfolge der Roten Armee und der näher rückenden Ostfront etwa 65.000 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Auschwitz in Lager im Reichsinneren. Außerdem wurde damit begonnen, die Spuren der im KL begangenen Verbrechen zu beseitigen: Dokumente wurden verbrannt, die Gräben mit den menschlichen Ascheresten wurden zugeschüttet, das Krematorium IV wurde abgerissen und die Sprengung der anderen Krematorien wurde vorbereitet. Baumaterialien sowie der persönliche Besitz, der den jüdischen Opfern abgenommen worden war und in den Effektenlagern “Kanada” aufbewahrt wurde, wurden nun ebenfalls nach Deutschland gebracht. Es gelang den Deutschen jedoch nicht, alle Zeugnisse ihrer Verbrechen zu vernichten und alle geraubten Besitztümer wegzuschaffen.

Luftbild von Auschwitz I. Von den Alliierten am 14. Januar 1945, drei Tage vor Beginn der Evakuierung, aufgenommen. Quelle: Archiwum Państwowego Muzeum Auschwitz-Birkenau (Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, im Folgenden APMA-B)
Luftbild von Auschwitz II-Birkenau. Von den Alliierten am 14. Januar 1945, drei Tage vor Beginn der Evakuierung, aufgenommen. Quelle: APMA-B
Luftbild von Auschwitz III. Von den Alliierten am 14. Januar 1945, drei Tage vor Beginn der Evakuierung, aufgenommen. Quelle: APMA-B

Am 12. Januar 1945 begann die Rote Armee ihre Offensive im mittleren Weichsel-Gebiet und durchbrach die deutsche Verteidigungslinie. Als sich die sowjetischen Einheiten dem etwa 70 km von Auschwitz, polnisch Oświęcim, entfernten Krakau näherten, beschloss die SS, das Lager zu räumen.

Zwischen dem 17. und dem 21. Januar evakuierten SS-Wachleute etwa 56.000 Häftlinge aus den Lagern und Nebenlagern und zwangen sie, bei Schnee und eisiger Kälte Dutzende von Kilometern zu marschieren. Die Hauptmarschroute führte nach Wodzisław Śląski und Gliwice, von wo aus die Häftlinge in Eisenbahnwaggons zu anderen Konzentrationslagern transportiert wurden. Einige der Häftlinge wurden jedoch gezwungen, den ganzen Weg zum jeweiligen Lager zu Fuß zurückzulegen. Nur etwa 2.200 Häftlinge aus den Außenlagern Laurahütte und Eintrachthütte wurden am 23. und 24. Januar in Eisenbahnwaggons nach Mauthausen deportiert. Während der Evakuierung wurden Häftlinge, die zu erschöpft zum Weitergehen waren oder die versuchten zu fliehen, von der SS erschossen. Auf diese Weise kamen allein in Oberschlesien und im Bezirk Oppeln rund 3.000 Menschen ums Leben, während im Rahmen der gesamten Evakuierungsmaßnahmen insgesamt zwischen 9.000 und 15.000 Auschwitz-Häftlinge zu Tode kamen. Zur gleichen Zeit verließ auch die SS das Lager und nahm dabei einige der geraubten Habseligkeiten an sich. Vor ihrem Rückzug gelang es ihr zudem, die Mehrzahl von Dokumenten zu vernichten.

Jerzy Brandhuber, Evakuierung (1946). Quelle: Sammlung des PMA-B
Zbigniew Otfinowski, Evakuierungsmarsch (1946). Quelle: Sammlung des PMA-B
Mieczysław Kościelniak, Verbrennung von Dokumenten (1945). Quelle: Sammlung des PMA-B
Fragment eines Films, von Jindřich Kremer heimlich mit einer Amateur-Filmkamera aufgenommen. Zeigt einen Evakuierungstransport von Häftlingen aus dem Konzentrationslager Auschwitz, wie er am 24. Januar 1945 den Bahnhof von Kolin (Protektorat Böhmen und Mähren) passiert. Quelle: APMA-B

In den letzten Tagen verblieben 9.000 Häftlinge im Lagerkomplex von Auschwitz. Die meisten von ihnen waren krank oder völlig entkräftet. Viele waren überzeugt, dass die Deutschen vorhatten, sie zu ermorden. Es ist nicht ganz geklärt, ob ein solcher Befehl erteilt wurde. Es ist jedoch erwiesen, dass die SS in Birkenau eine Massenexekution von insgesamt etwa 300 Juden und mehreren sowjetischen Kriegsgefangenen durchführte. Darüber hinaus ermordete die SS etwa 400 jüdische Häftlinge in den Außenlagern Blechhammer, Fürstengrube, Gleiwitz IV und Tschechowitz-Vacuum, indem sie sie erschossen oder bei lebendigem Leib verbrannten. Dennoch überlebten die meisten der in den Lagern zurückgelassenen Häftlinge. Dies ist sehr wahrscheinlich der nachlassenden Disziplin und der Eile der SS-Leute zu verdanken, die Auschwitz so schnell wie möglich verlassen wollten.

Die SS-Wachen verließen ihre permanenten Wachposten im Lager am 20. oder 21. Januar. Ab diesem Zeitpunkt führte die SS nur noch Patrouillen durch. Außerdem passierten Wehrmachtssoldaten auf dem Rückzug das Lager und plünderten dabei oftmals die dortigen Magazine. Am 20. Januar, kurz nach der Evakuierung, sprengten die verbleibenden SS-Funktionäre die Krematorien und Gaskammern II und III. Am nächsten Tag setzten sie die Effektenlager “Kanada” in Birkenau in Brand, nachdem sie die geraubte Habe nicht mehr vollständig abtransportieren konnten. Sie brannten mehrere Tage, wobei die darin gelagerten Effekten praktisch völlig zerstört wurden. Am 26. Januar sprengte die SS zuletzt das Krematorium V.

Foto von Häftling Nummer 78161. Quelle: APMA-B
Foto von Häftling Nummer 7843. Quelle: APMA-B

Von der SS aufgenommene Fotos von Häftlingsakten mit sichtbaren Brandflecken auf den Negativen. In den letzten Tagen des Lagers sollten alle diese Akten vernichtet werden. Manche Häftlinge wagten jedoch, die ihnen von der SS zugeteilten Aufgaben zu vereiteln, und konnten so einen Teil von Dokumenten retten. So erhielten beispielsweise Wilhelm Brasse und Bronisław Jureczek den Befehl, Negative und Fotoabzüge von Häftlingen zu verbrennen. Entgegen dem Befehl löschten sie das Feuer, bevor die Negative zerstört wurden. Durch ihren mutigen Einsatz retteten diese Häftlinge 39.000 Negative, von denen nur wenige zum Teil beschädigt wurden. Quelle: APMA-B

The SS guards left their permanent sentry posts in the camp on 20 or 21 January. From then on the SS only conducted patrols. Moreover, retreating Wehrmacht soldiers passed through the camp, often plundering the warehouses there. On 20 January, shortly after the evacuation, the remaining SS functionaries blew up crematoria and gas chambers II and III. The next day, no longer able to ship out all the looted belongings, they set fire to the ‘Canada’ warehouses in Birkenau. The blaze lasted a few says and destroyed virtually all the belongings. On 26 January the SS finally blew up the crematorium V building.

Auschwitz II-Birkenau. Teil der Überreste des Krematoriums und der Gaskammer II, die am 20. Januar 1945 gesprengt wurden. Im Vordergrund der Eingang des Entkleideraums. Das Foto wurde im Februar oder März 1945 von Stanisław Mucha aufgenommen. Quelle: APMA-B
Ausschnitt aus dem sowjetischen Film "Chronik der Befreiung", aufgenommen kurz nach der Befreiung des Lagers. Quelle: APMA-B

Abgesehen von den Kranken und Schwachen gab es im Lager eine kleine Gruppe von Häftlingen, die in verhältnismäßig guter Verfassung waren, denen es jedoch gelungen war, sich während der Evakuierung zu verstecken. Angehörige des medizinischen Personals der Häftlinge kümmerten sich soweit möglich um die Kranken und versorgten sie mit Medikamenten, wechselten ihre Verbände, ließen ihnen Essensrationen zukommen und sprachen ihnen Mut zu. Kinder erhielten besondere Zuwendung, vor allem solche ohne Eltern. Sie wurden in eigenen Baracken untergebracht und erhielten zusätzliche Nahrung. Nach der Evakuierung des Lagerkomplexes von Auschwitz wurden dort etwa 9.000 zumeist kranke und ausgemergelte Häftlinge zurückgelassen. Sie waren vor allem im Stammlager Auschwitz I, in Auschwitz II-Birkenau mit den Abschnitten B II e und B II f, in Auschwitz III-Monowitz und verschiedenen Außenlagern untergebracht.

Auschwitz II-Birkenau, Teil des Abschnitts B II. Im Vordergrund die Küche und sieben Baracken aus Abschnitt B II e, in denen Frauen mit Kindern untergebracht waren. Standbild aus dem sowjetischen Film "Chronik der Befreiung", aufgenommen kurz nach der Befreiung des Lagers. Quelle: APMA-B

BEFREIUNG

Am Vormittag des 27. Januar trafen Soldaten der 100. sowjetischen Infanteriedivision im Lager Monowitz ein, das die Deutschen bereits aufgegeben hatten. Gegen Mittag nahmen sie das Stadtzentrum von Oświęcim ein, ohne auf allzu viel Widerstand zu stoßen, und erreichten gegen 15.30 Uhr Birkenau. Am selben Tag zwischen 15.00 und 17.00 Uhr besetzten Soldaten der 322. Infanteriedivision das Stammlager und das umliegende Gebiet. Noch am selben Tag setzten sie ihren Vormarsch in südwestlicher Richtung fort. 231 Soldaten der Roten Armee kamen bei Kämpfen im Lagerkomplex von Auschwitz, in der Stadt Oświęcim und in den Dörfern der Umgebung ums Leben.

Irena Szczypiorska, Polin, am 13. Mai 1943 nach Auschwitz deportiert. Sie wurde als Häftling Nummer 44779 registriert. Im Januar 1945 war sie in der Krankenhauswäscherei der weiblichen Häftlinge beschäftigt. In Birkenau befreit.

Am 27. Januar um drei Uhr nachmittags rannte eine Russin, die ich kannte, auf mich zu und rief: “Irotschka, die Unseren sind im Lager.” Aber ich starrte vergeblich in die Richtung, in die sie zeigte. Ich konnte nichts erkennen außer Haufen von Schnee. Dann plötzlich… begann einer davon eindeutig, sich zu bewegen. Es waren Späher in weißen Overalls. Nach einer überschwänglichen Begrüßung sagten sie zu uns: “Geht in die Baracken, Frauen, und nehmt die Kinder mit. Lauft nicht draußen herum, das Lager ist vermint. Wir kommen morgen zurück.”

Tatsächlich kamen sie noch am selben Tag zurück, am Abend. Einer von ihnen war verwundet, er bat uns um einen Verband, wickelte ihn um seinen Arm und eilte dann weiter. Sie kamen in Gruppen. Wir umarmten sie mit Freudenschreien, die Frauen in den Betten hoben nur ihre Arme und warfen ihnen Küsse zu. Doch sie blieben nicht lange. Sie waren zu beschäftigt damit, den Deutschen nachzujagen. Erst am 28. Januar trafen größere Einheiten der Roten Armee ein. Wir nahmen die Brotlaibe direkt von den Lastwagen.

Quelle: APMA-B, Memoirs Collection, Band 19, Seite 169

Jakub Wolman, Häftling Nummer 33611, Arzt. Befreit in Auschwitz. Im Januar 1945 blieb er im Lager und kümmerte sich um kranke Häftlinge.

Es geschah am Nachmittag. Drei Russen kamen. Oder vielmehr drei sowjetische Späher in weißen Dienstmänteln, denn es war Winter. [Seite 155] Sie sahen aus wie Geister. Es ist schwer, ihre Gesichter zu beschreiben. Als sie eintrafen, kamen die Kranken aus den Blöcken gelaufen, in Decken gehüllt. ... Nachdem sie sich von den Umarmungen der sie begrüßenden Häftlinge befreit hatten, erklärte ich ihnen, wo sie sich befanden und dass es sich bei den in Decken gehüllten Gestalten um kranke Häftlinge handelte. Wie ich bereits erwähnt habe, setzten die ersten sowjetischen Truppen ihren Weg bald fort.

Quelle: APMA-B, Statements Collection, Band 134, Seite 154–155

Terezie Freundova-Jírová, Tschechin, Häftling Nummer 81315.

Erst am 27. Januar, also nach einem Interregnum von neun Tagen, zeigten sich die ersten Zeichen der Ankunft der sehnlichst erwarteten sowjetischen Truppen. Wie groß die Freude war! Einfach unbeschreiblich. Nach allem, was geschehen war, fühlten wir uns endlich als freie Menschen. Ja, Menschen! Bis dahin waren wir von der SS als minderwertig betrachtet und behandelt worden. Weniger wert als Vieh. 

Quelle: APMA-B, Memoirs Collection, Band 22, Seite 80 (aus dem Tschechischen übersetzt von Dr. Jacek Lachendro)

Fragment aus "Chronik der Befreiung", einem sowjetischen Film, der kurz nach der Befreiung des Lagers aufgenommen wurde. Quelle: APMA-B

Dank der Soldaten der 100. und 322. Division wurden 7.000 Häftlinge der drei Hauptlager von Auschwitz befreit. Die Soldaten anderer sowjetischer Einheiten befreiten ferner etwa 500 Häftlinge aus verschiedenen Außenlagern. Die meisten dieser Befreiten waren im Jahr 1944 nach Auschwitz gekommen. Es handelte sich vor allem um Juden, jedoch mit einer relativ großen Gruppe von Polen, die hauptsächlich infolge des Warschauer Aufstands hierher deportiert worden waren, sowie Weißrussen und Russen. Zum Zeitpunkt der Befreiung befanden sich fast 500 Kinder im Lager, von denen 60 dort geboren waren. Die meisten waren Juden, es waren jedoch auch einige Polen und Weißrussen darunter. Nur sehr wenige von ihnen lebten im Lager in der Obhut ihrer Eltern oder Verwandten.

MEDIZINISCHE VERSORGUNG

Wenige Tage nach der Befreiung wurden im Lager zwei Feldlazarette eingerichtet, in denen die Überlebenden ständig medizinisch betreut wurden. Zuvor hatten Soldaten nachrückender Einheiten, die durch das Lager zogen, erste Hilfe und improvisierte medizinische Versorgung geleistet.

Anfang Februar errichteten über 30 freiwillige Ärzte und Krankenschwestern aus Krakau ein Lazarett des Polnischen Roten Kreuzes (PRK). Die städtischen Behörden hatten entschieden, dieses Lazarett vor Ort in Auschwitz einzurichten, da die Krankenhäuser in Krakau nicht über die nötigen Kapazitäten für mehrere Tausend Patienten verfügten. Die Mitarbeiter des Polnischen Roten Kreuzes organisierten schnell die Zusammenarbeit mit den sowjetischen Feldlazaretten zur gemeinsamen Betreuung der Überlebenden des Lagers. In diesen Lazaretten arbeiteten auch 90 ehemalige Häftlinge – sowohl Personal der oberen und mittleren Ränge des ehemaligen Lagers als auch Verwaltungsmitarbeiter. Ihre Hilfe war vor allem in der Anfangszeit direkt nach Errichtung der Lazarette von großer Bedeutung, da zu dieser Zeit Mangel an Ärzten und Krankenschwestern herrschte.

Die Kranken wurden zunächst in allen drei Teilen des Lagerkomplexes von Auschwitz behandelt, also im ehemaligen Stammlager, in Birkenau und in Monowitz. Die Bedingungen in diesen Lazaretten waren nicht gut, insbesondere in den letzten beiden ehemaligen Lagern. Deshalb wurden die Patienten ab der ersten Februarhälfte nach und nach in das frühere Lager Auschwitz I verlegt, wo die Lebensbedingungen vergleichsweise besser waren.

In der Zwischenzeit wurden die verwaisten Kinder zuerst in Betreuungseinrichtungen in Krakau untergebracht und später in andere, weiter entfernt liegende Einrichtungen gebracht. Etwa ein Dutzend Kinder wurde von Einheimischen aufgenommen. Einige dieser Kinder wurden später adoptiert.

Im Juni 1945 übernahm die sowjetische Militärverwaltung die vollständige Kontrolle über das ehemalige Lager Auschwitz I und verwandelte es in ein Durchgangslager für deutsche Kriegsgefangene. Deshalb wurde das Lazarett für ehemalige Häftlinge in drei Baracken außerhalb des früheren Lagers, d. h. in das Verwaltungsgebäude, die Kommandantur und den SS-Krankenbau, sowie in vier nahe gelegene Baracken verlegt. Am 1. Oktober 1945 wurde das Lazarett endgültig geschlossen. Die meisten Patienten kehrten nach Hause zurück, während eine nun kleine Gruppe, die noch der Behandlung bedurfte, nach Krakau verlegt wurde.

Ehemaliges Lager Auschwitz I. Gebäude, in dem die Verwaltung des Polnischen Roten Kreuzes untergebracht war. Zuvor hatte es als Verwaltungsgebäude des SS-Standorts gedient, wie am Schild "SS-Standort-Verwaltung" über der Eingangstür zu erkennen ist. Das Foto wurde aufgenommen, als das Lazarett in Betrieb war. Quelle: APMA-B
Erste Seite einer Liste weiblicher ehemaliger Häftlinge, die sich in Block 22, Abschnitt B II e des ehemaligen Lagers Birkenau in der Obhut des Polnischen Roten Kreuzes befanden, Februar 1945. Die Liste enthält den Vor- und Nachnamen der Frauen, die Häftlingsnummer, den letzten Wohnort und das Herkunftsland. Die auf dieser Seite aufgeführten Frauen waren aus Ungarn, den Niederlanden, Italien, Polen, Frankreich und der Tschechoslowakei nach Auschwitz deportiert worden. Quelle: APMA-B
Erste Seite einer Liste männlicher und weiblicher Häftlinge, die sich in Block 14 des ehemaligen Lagers Auschwitz I in der Obhut des Polnischen Roten Kreuzes befanden. Die Liste enthält den Vor- und Nachnamen, das Geburtsdatum, die Häftlingsnummer, die Staatsangehörigkeit (das Herkunftsland) und die Adresse. Auf der Liste stehen russische, niederländische, französische, polnische, ungarische und jugoslawische Staatsbürger. Quelle: APMA-B
Ehemaliges Lager Auschwitz I. Personal des Polnischen Roten Kreuzes zusammen mit sowjetischen Ärzten und Krankenschwestern. Das Foto wurde vor dem ehemaligen SS-Krankenbau aufgenommen. Stehend Fünfter von links: Dr. Józef Bellert, Chefarzt des Lazaretts des Polnischen Roten Kreuzes. Neben ihm Major Zhylynskaya, Kommandeur eines der Feldlazarette. Quelle: APMA-B

Die Ärzte und Krankenschwestern eines der sowjetischen Feldlazarette, in denen Auschwitz-Überlebende betreut wurden. Aufnahme vom Februar 1945. Quelle: APMA-B

Zunächst wurden kranke ehemalige Häftlinge in allen drei früheren Auschwitz-Lagern, d. h. Auschwitz I, Birkenau und Monowitz, behandelt. Aufgrund schwieriger Bedingungen wurden die Patienten jedoch nach und nach in das ehemalige Stammlager verlegt.

Das Foto zeigt, wie die Kranken aus den Baracken in Birkenau geführt werden. Standbild aus dem sowjetischen Dokumentarfilm "Chronik der Befreiung". Quelle: APMA-B
Das Foto zeigt, wie die Kranken aus den Baracken in Birkenau geführt werden. Standbild aus dem sowjetischen Dokumentarfilm "Chronik der Befreiung". Quelle: APMA-B
Das Foto zeigt, wie die Kranken aus den Baracken in Birkenau geführt und transportiert werden. Aufnahme von B. Borisov aus dem März 1945. Quelle: APMA-B
Ehemaliges Lager Auschwitz I. Krankenstation im ersten Stock von Block 21. Die Krankenschwestern des Polnischen Roten Kreuzes versorgen die in der Mitte stehenden Patienten. Aufgenommen von Stanisław Mucha im Februar oder März 1945. Quelle: APMA-B

Die verwaisten Kinder wurden zuerst in Betreuungseinrichtungen in Krakau und später in anderen, weiter entfernt liegenden Einrichtungen untergebracht. Etwa ein Dutzend Kinder wurde von Einheimischen aufgenommen. Einige dieser Kinder wurden später adoptiert.

Das Foto zeigt Lyudmila Bezludova, Jahrgang 1940. Sie wurde am 15. April 1944 vom Konzentrationslager Majdanek nach Auschwitz deportiert und als Häftling Nummer 77263 registriert. Nach der Befreiung kam sie zusammen mit einer Gruppe weißrussischer Kinder in eine Betreuungseinrichtung in Krakau. Später wurde sie zuerst in ein Waisenhaus in Harbutowice bei Krakau und schließlich in das Vorsorgezentrum Bucze Harcerskie bei Skoczów gebracht. Dort wurde sie in Hanna Kosińska umbenannt. Im Jahr 1963 traf sie ihre Mutter und ihre Geschwister zum ersten Mal, nachdem sie in Majdanek getrennt worden waren. Zu diesem Zeitpunkt lebte ihre Familie im weißrussischen Orscha. Lyudmila blieb jedoch in Polen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1948. Quelle: APMA-B
Russisches Mädchen, Name unbekannt, etwa fünf Jahre alt. Sie wurde von sowjetischen Soldaten unmittelbar nach der Befreiung in Birkenau gefunden. Laut einem der Soldaten, Vladimir A. Gladyshev, der im Bild links steht, hatte sie kurz vor der Befreiung ihre Mutter verloren. Das Mädchen wurde in die Obhut einer Polin (sitzend, links) gegeben, deren Name nicht bekannt ist. Das Foto wurde 1945 in Oświęcim aufgenommen, bevor sich Vladimir A. Gladyshev von dem kleinen Mädchen und deren Betreuerin trennte. Quelle: APMA-B

Lusia Kałuszyner (Perla Spinka), ein jüdisches Mädchen aus Polen, das am 31. Juli 1944 mit ihrer Tante Sala Spinka und deren Tochter Janeczka aus einem Arbeitslager in Bliżyn deportiert wurde. Die Juden in diesem speziellen Transport wurden keiner Selektion auf der Rampe von Birkenau unterzogen, sodass alle, einschließlich der wenigen Kinder unter den Erwachsenen, ins Lager geschickt wurden. Lusia erhielt die Häftlingsnummer A-15515. Nach einer der Selektionen im Lager kamen Lusias Tante und Kusine in die Gaskammer. Andere weibliche Häftlinge nahmen sich jedoch ihrer an, sodass sie bis zur Befreiung überlebte. Am 29. Januar 1945 gelangte Lusia in die Obhut der 16-jährigen Kazimiera Nowak, einer Einwohnerin von Oświęcim. Anderthalb Monate später wurde sie von ihrer Mutter gefunden, die zuerst das Getto in Piotrków Trybunalski, wo sie getrennt worden waren, und anschließend ein Arbeitslager in Skarżysko überlebt hatte. Nach ihrer Wiedervereinigung in Oświęcim zogen Mutter und Tochter nach Łódź. Im Januar 1946 verließen sie Polen und gingen nach Palästina.

Lusia mit ihrer Mutter. Quelle: APMA-B
Lusia mit ihrer Betreuerin Kazimiera Nowak. Quelle: APMA-B

Das medizinische Personal betreute 4.500 Patienten aus über 20 Ländern, bei denen es sich vor allem um Juden handelte. Etwa 80 Prozent von ihnen litten unter schwerer alimentärer Dystrophie oder Dystrophia alimentaris, die häufig die Form der Hungerkrankheit annahm. Die Symptome waren ständiger Durchfall, der Abbau von Körperfett, Rückbildung der Muskulatur, extremer Gewichtsverlust, wobei das Durchschnittsgewicht der Erwachsenen zwischen 25 und 35 kg lag, trockene, verfärbte Haut und Ödeme. Zudem litten die Patienten an Atemwegserkrankungen, insbesondere Tuberkulose. Viele Patienten mussten aufgrund von anhaltenden Verletzungen sowie Erfrierungen in Verbindung mit Wundbrand und Nekrose operiert werden. Darüber hinaus waren manche Gruppen von Patienten an Typhus oder an psychischen Störungen oder Nervenleiden erkrankt. In vielen Fällen litten Patienten unter mehreren Störungen oder Krankheiten gleichzeitig, was den Behandlungsprozess erheblich behinderte. Solange die Lazarette in Betrieb waren, starben mindestens 500 Patienten, die meisten von ihnen im Februar und März.

Istvan (Stefan Bleyer). Quelle: APMA-B

Istvan (Stefan) Bleyer, ein 14-jähriger jüdischer Junge aus Ungarn, der im Juli 1944 nach Auschwitz deportiert wurde. Er erhielt die Häftlingsnummer B-14615. Bei seiner Untersuchung diagnostizierten die Ärzte eine alimentäre Dystrophie zweiten Grades. Das Foto wurde während einer Untersuchung ehemaliger Häftlinge aufgenommen, die von Ärzten der Außerordentlichen Staatlichen Kommission der Sowjetunion für die Untersuchung der Gräueltaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge durchgeführt wurden, Februar‒März 1945. Quelle: APMA-B

Josef Hajman, ein vierjähriger Jude aus der Slowakei, der Anfang November 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde. Bei ihm wurden eine alimentäre Dystrophie dritten Grades bzw. ein Wasting-Syndrom sowie Vitaminmangel und innere Blutungen festgestellt. Er starb am 30. März 1945. Das Foto wurde während einer Untersuchung ehemaliger Häftlinge aufgenommen, die von Ärzten der Außerordentlichen Staatlichen Kommission der Sowjetunion für die Untersuchung der Gräueltaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge durchgeführt wurden, Februar‒März 1945. Quelle: APMA-B
Rechter Unterarm des weiblichen ehemaligen Häftlings Margarette Kantor, einer 36-jährigen Jüdin aus Belgien, die im April 1944 nach Auschwitz deportiert worden war. Nach der Befreiung wurde bei ihr eine alimentäre Dystrophie dritten Grades bzw. ein Wasting-Syndrom diagnostiziert. Darüber hinaus hatte sich an ihrem rechten Unterarm infolge von Schlägen eine Phlegmone gebildet. Margarette Kantor war 168 cm groß, wog jedoch nur 35 kg, während sie vor ihrer Einlieferung in das Lager 60 kg gewogen hatte. Das Foto wurde von Stanisław Łuczko im Lazarett des Polnischen Roten Kreuzes während einer Besichtigung aufgenommen, die von Mitgliedern der Krakauer Abteilung der Hauptkommission für die Erforschung deutscher Verbrechen in Polen durchgeführt wurde, Mai 1945. Quelle: APMA-B

HILFE FÜR BEFREITE HÄFTLINGE DURCH DIE EINWOHNER VON OSWIECIM, BRZESZCZE UND ANGRENZENDEN DÖRFERN

Hilfe in erheblichem Umfang erhielten die Auschwitz-Überlebenden von Freiwilligen, insbesondere Mitgliedern des Polnischen Roten Kreuzes in Oświęcim, Brzeszcze und anderen Orten. Kurz nach der Befreiung meldeten sich viele von ihnen in den Feldlazaretten und im PRK-Lazarett. Sie reinigten die Räume, brachten Wasser, transportierten und wuschen die Patienten, bereiteten die Mahlzeiten zu und trugen die Toten hinaus. Ferner transportierten sie Patienten mit Pferdewagen von den ehemaligen Lagern Birkenau und Monowitz in das ehemalige Stammlager. Einige Einheimische versorgten ehemalige Häftlinge, darunter Kinder, medizinisch bei sich zu Hause. Weitere Lazarette des Polnischen Roten Kreuzes wurden in der Stadt Oświęcim und in der Nähe von Brzeszcze eingerichtet. Die Dokumentation des Lazaretts im letztgenannten Ort ist weitgehend erhalten geblieben.

Antrag an den örtlichen Ausschuss für soziale Wohlfahrt in Brzeszcze auf Zahlung von 1.000 Zloty für Brot und Milch für 26 Mütter mit Kindern – ehemalige Auschwitz-Häftlinge, die im PRK-Lazarett behandelt wurden. Quelle: APMA-B
Erste Seite einer Liste von Personen, die Geld für das PRK-Lazarett in Brzeszcze spendeten. Neben den Namen der Spender erscheinen auf der Liste auch die jeweils gespendeten Beträge. Quelle: APMA-B
Liste der Personen, die verschiedene Nahrungsmittel an das PRK-Lazarett spendeten, darunter Eier, Mehl, Grieß, Zucker sowie Kaninchen und eine Henne. Quelle: APMA-B
Mitteilung von Dr. Józef Sierankiewicz an das Pfarramt in Brzeszcze über den Tod zweier Kinder, Marek Wincenty Zdrojewski und Leokadia Żuk, im PRK-Lazarett, die im Lager von Auschwitz geboren worden waren. Quelle: APMA-B
Auftrag an die Verwaltung des Kohlebergwerks von Brzeszcze für den Bau zweier kleiner Särge für Kinder, die im PRK-Lazarett gestorben waren. Die Namen der Kinder werden in diesem Dokument nicht genannt, lediglich ihre Größe wird angegeben: 70 und 55 cm. Möglicherweise waren die Särge für Marek Zdrojewski und Leokadia Żuk vorgesehen. Quelle: APMA-B
Bescheinigung für den ehemaligen Häftling Leokadia Niewiadomska und ihren Sohn Maciej, ausgestellt vom PRK-Vorstand in Brzeszcze am 7. März 1945. Die beiden brachen am selben Tag nach Wawer bei Warschau auf. Das Dokument enthält Angaben über die Behandlung, die sie seit dem 6. Februar 1945 im örtlichen Lazarett erhielten, sowie die Bitte an die Militär- und Verwaltungsbehörden, ihre Rückkehr zu ermöglichen und für die erforderliche Betreuung zu sorgen. Quelle: APMA-B

Antoni Leśniak, Lehrer, Mitglied des Polnischen Roten Kreuzes in Oświęcim, Organisator von Hilfsmaßnahmen für befreite Häftlinge.

Sie [die Überlebenden] befanden sich in erschreckenden unhygienischen Verhältnissen, sie lagen in Schmutz und Exkrementen, manche waren bereits nervlich erschöpft. Als sie uns [Freiwillige des PRK] erblickten, begannen sie zu rufen, zu weinen, flehten darum, so schnell wie möglich herausgeholt und nach Krakau oder Warschau gebracht zu werden. ... Die von der kommunalen PRK-Abteilung in das Lager entsandten Arbeitstrupps mussten die schwierigsten und schwersten Aufgaben ausführen. Sie mussten die Kranken aus dem Schmutz und den Exkrementen ziehen und in Baracken tragen, die sauberer waren. Gesündere ehemalige Häftlinge wurden mit einem Karren zu einem PRK-Lazarett transportiert, dem jetzigen Gerichtsgebäude. Dort wurden sie versorgt und anschließend zur weiteren Behandlung vom Polnischen Roten Kreuz nach Krakau verlegt. Ich erinnere mich, dass etwa 30 Häftlinge aus dem Lager in den Konvent der Seraphischen Schwestern in der Stadt gebracht wurden, wo sie auch medizinische Versorgung erhielten. Sie wurden im ersten Stock einquartiert.

Quelle: APMA-B, Statements Collection, Band 70, Seite 116

Jan Drzewiecki, Mitbegründer und Leiter des PRK-Lazaretts in Brzeszcze.

Das größte Problem bestand darin, diese Menschen [die Patienten] mit Nahrung versorgen zu müssen, aber hier zeigte unser Kollege Friebe Ernest unermüdlichen Einsatz und vollbrachte wahre Wunder, indem er rechtzeitig Nahrungsmittel beschaffte. Er bat die Stadtverwaltungen um Hilfe. Er zog von Dorf zu Dorf und sammelte auf Gehöften alles Essbare ein, das es gab. Jeden Tag machte er sich selbst mit einem Karren auf den langen Weg nach Miedźna jenseits der Weichsel, um 25 Liter Milch abzuholen. Darüber hinaus brachten die örtlichen Frauen alles vorbei, was sie bieten konnten, sodass die Nahrungsversorgung vor allem aus hausgemachten Marmeladen bestand.

Quelle: APMA-B, Memoirs Collection, Band 150, Seite 53

HEIMKEHR DER BEFREITEN HÄFTLINGE

Kurz nach der Befreiung brachen manche der Überlebenden, die in verhältnismäßig guter körperlicher Verfassung waren, auf eigene Faust aus dem Lager auf. In kleineren oder größeren Gruppen machten sie sich meist auf den Weg nach Krakau. Bürger der Sowjetunion, sowohl Männer als auch Frauen, wurden zu einem Sammelpunkt der Roten Armee geleitet. Dort wurden diejenigen, die nach Tests als körperlich tauglich eingestuft worden waren, in Reserveregimente geschickt. Die Verbleibenden wurden, nachdem sie durch den NKWD einer Befragung unterzogen worden waren, nach und nach zurück in die Sowjetunion transportiert. Bürger anderer Länder mussten nur den Befragungspunkt des NKWD durchlaufen und erhielten dann eine Bescheinigung über ihre Gefangenschaft im Lager, die es ihnen erlaubte, zu reisen. Derartige Bescheinigungen wurden auch von den örtlichen polnischen Verwaltungsstellen und Stationen der Bürgermiliz ausgestellt. Diejenigen wiederum, die länger im Lager blieben, darunter auch jene, die noch genesen mussten, erhielten solche Bescheinigungen von den Leitern des PRK-Lazaretts oder der Feldlazarette.

In Krakau bekamen ehemalige Häftlinge Hilfe von Mitarbeitern der polnischen Verwaltung und von Wohlfahrtseinrichtungen. Diese Hilfe umfasste unter anderem die Finanzierung und den Betrieb von Feldküchen, Verbandsplätzen und Schlafsälen. Auch die sowjetischen Militärbehörden boten Unterstützung. Einige der Auschwitz-Überlebenden, die ursprünglich aus Polen, der Slowakei oder Ungarn stammten, wo die Kämpfe mit den Deutschen bereits beendet waren, versuchten auf eigene Faust, nach Hause zurückzukehren. Diejenigen jedoch, die aus West- oder Südeuropa nach Auschwitz deportiert worden waren, konnten aufgrund der noch immer andauernden Kampfhandlungen in den zentralen Gebieten weiterhin nicht zurückkehren. Sie wurden deshalb in Durchgangslagern untergebracht, die von den sowjetischen Behörden in Katowice-Bogucice eingerichtet worden waren.

Kinder, die ohne Eltern oder Verwandte im Lager zurückgeblieben waren, wurden verschiedenen Betreuungseinrichtungen übergeben. Diese befanden sich unter anderem in Krakau, Harbutowice bei Krakau, Katowice, Rabka und Okęcie bei Warschau. Nur einige dieser Kinder wurden später wieder mit ihren Eltern vereint oder von polnischen Familien aufgenommen und adoptiert. Die Übrigen blieben in den Kinderheimen, bis sie das Erwachsenenalter erreicht hatten. Etwa ein Dutzend Kinder wurde von Bewohnern von Oświęcim und den umliegenden Orten aufgenommen. Einige dieser Kinder wurden später wieder mit ihren Familien vereint, andere blieben jedoch bei ihren Adoptiveltern.

Eine Gruppe weiblicher Häftlinge beim Verlassen des ehemaligen Lagers Birkenau. Im Hintergrund das Eingangstor von Birkenau. Aufgenommen von Henryk Makarewicz kurz nach der Befreiung des Lagers. Quelle: APMA-B

Genowefa Marczewska mit ihrem sechsjährigen Sohn Andrzej. Beide waren am 12. August 1944 während des Warschauer Aufstands aus dem Durchgangslager Pruszków nach Auschwitz deportiert worden. In Auschwitz wurde die Mutter als Häftling Nummer 83397 und ihr Sohn als Häftling Nummer 192850 registriert. Sie verließen das Lager kurz nach der Befreiung und erreichten Krakau.

Genowefa Marczewska mit ihrem Sohn. Das Foto entstand vor ihrer Deportation nach Auschwitz. Quelle: APMA-B
Für Genowefa Marczewska von der Zentrale der Bürgermiliz in Chrzanów am 1. Februar 1945 ausgestellter Pass. In der rechten unteren Ecke ist der Vermerk "Kehrt mit ihrem Sohn Andrzej aus dem Lager Auschwitz zurück" eingetragen. Quelle: APMA-B

Otto Klein wurde zusammen mit seinem Zwillingsbruder Ferenc, seiner Schwester und seiner Mutter mit einem Transport von Juden am 27. Juni 1944 aus Ungarn nach Auschwitz gebracht. Der damals Zwölfjährige und sein Zwillingsbruder erhielten die Häftlingsnummern A-5332 und A-5331. Sie wurden als Versuchsobjekte für die Experimente von Dr. Mengele ausgewählt. Beide überlebten und wurden befreit.

Die Front war sehr nah und in unserer Gruppe von Zwillingen gab es Befürchtungen, dass die Deutschen zurückkommen würden, was für uns nur den Tod bedeuten konnte. Deshalb beschlossen wir, das Lager zu verlassen. Dies taten wir schließlich am nächsten Tag, dem 28. Januar. Es gab jedoch niemanden, der uns zusammenrief, wir schlossen uns einfach einer nach dem anderen der Gruppe an. Wir machten uns auf den Weg nach Krakau. Die erste Nacht verbrachten wir in einer Scheune wenige Kilometer von Auschwitz entfernt. Wir konnten Geräusche von der Front und Kugeln hören, die durch die Luft flogen. Am nächsten Tag waren wir wieder zu Fuß unterwegs, als drei sowjetische Lastwagen anhielten, die auf dem Weg zur Front waren. Sie nahmen uns mit, sodass wir den Rest des Weges nach Krakau mit dem Lastwagen zurücklegten. Leider geriet der dritte Lastwagen kurz vor Krakau ins Schleudern und verursachte einen Unfall, in dem einer der Zwillinge ums Leben kam. Als wir endlich Krakau erreichten, bekamen wir Probleme, da wir keine Dokumente besaßen. Entlang des ganzen Flusses [der Weichsel] in Krakau befanden sich sowjetische Kontrollpunkte und ohne Papiere konnten wir nicht auf die andere Seite gelangen. Dann stellten uns die polnischen Behörden ein Dokument aus, das die Namen aller 33 Mitglieder unserer Gruppe enthielt. ... Unsere Reise durch Polen dauerte fünf Wochen. Es ging über Tarnau und Przemyśl in östlicher Richtung, meist mit dem Zug. In Przemyśl wurden wir von einem sowjetischen Soldaten angehalten, der uns fragte, wo wir herkamen und wohin wir wollten. Er war für den Eisenbahnverkehr verantwortlich und brachte uns in einem zusätzlichen Waggon unter, der an einen Zug angehängt war, der durch die Tschechoslowakei nach Ungarn fuhr. Er sagte uns auch, wo wir aussteigen mussten. Die Situation war zu diesem Zeitpunkt sehr schwierig. Es war sehr kalt und es gab nicht genug zu essen. … Ursprünglich hatte unsere Gruppe aus 36 Menschen bestanden, aber als wir Krakau verließen, waren wir nur noch 33. Einer war in dem Unfall außerhalb von Krakau ums Leben gekommen und zwei weitere blieben in Krakau. Von ihnen lag einer im Krankenhaus, da er schwere Verletzungen hatte, und sein Zwillingsbruder war bei ihm geblieben. Nachdem wir in Ungarn angekommen waren, … fanden wir unsere Familie.

Quelle: APMA-B, Statements Collection, Band 125, Seite 129‒130

Ferenc und Otto Klein – am 7. Juni 1932 geborene Zwillinge – zusammen mit ihrer Schwester und ihrer Mutter. Alle vier wurden mit einem Transport von Juden am 27. Juni 1944 aus Ungarn nach Auschwitz gebracht. Bei der Selektion wurden die Zwillinge ins Lager geschickt, um dem SS-Arzt Dr. Josef Mengele als Versuchsobjekte zu dienen. Sie überlebten und wurden am 27. Januar 1945 befreit. Am nächsten Tag machten sie sich in einer Gruppe von 30 Personen, die meisten von ihnen Zwillinge, auf den Weg nach Krakau, wo sie am 29. Januar ankamen. Das Foto entstand vor der Deportation. Quelle: APMA-B
Vom Bürgermeister von Krakau ausgestellte Bescheinigung für die Gruppe ehemaliger Häftlinge, die aus dem befreiten Lager nach Ungarn zurückkehrte. Die Namen von Ferenc und Otto Klein stehen am Ende der Liste. Die Bescheinigung ermöglichte es ihnen, beim Kriegskommandanten von Krakau einen Reisepass und bei den Sicherheitskräften Unterstützung zu beantragen. Die Fotokopien der Fotos wurden von Otto Klein zur Verfügung gestellt. Quelle: APMA-B

Anna wurde am 22. Februar 1944 nach Auschwitz verschleppt, wo sie die Häftlingsnummer 75560 erhielt. Dort brachte sie am 15. Oktober 1944 ihren Sohn zur Welt. Kurz nach der Befreiung erreichten sie Krakau, wo sie durch einen Sammelpunkt geleitet wurden. Wegen ihres Kindes wurde Anna nicht in ein Reserveregiment eingezogen, wie dies auch bei anderen weiblichen ehemaligen Häftlingen der Fall war, die Bürger der Sowjetunion waren. Nach einem Monat Aufenthalt in Krakau kehrten sie nach Jalta zurück.

Anna Polshchikova mit ihrem Sohn Viktor. Das Foto entstand kurz nach der Befreiung. Quelle: APMA-B
Bescheinigung, die am 27. Februar 1945 von der Abteilung der 1. Ukrainischen Front für die Repatriierung von Bürgern der Sowjetunion in Krakau für Anna Polshchikova ausgestellt wurde. Aus der Bescheinigung geht hervor, dass Anna von der Roten Armee aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde und zusammen mit ihrem Sohn an ihren ursprünglichen Wohnort Jalta zurückkehrt. Eine Fotokopie dieses Dokuments wurde von Anna Polshchikova zur Verfügung gestellt. Quelle: APMA-B

Die Zwillinge Eva und Miriam Mozes, jüdische Mädchen aus Rumänien. Sie wurden als Zehnjährige mit ihren Eltern und ihren beiden anderen Schwestern im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. Bei ihrer Ankunft wurden sie als Versuchsobjekte für die Experimente von Dr. Josef Mengele ausgewählt und in das Lager geschickt. Ihre Mutter und ihre Schwestern wurden in der Gaskammer ermordet. Ihr Vater kam ebenfalls im Lager ums Leben. Eva erhielt die Häftlingsnummer A-7063 und Miriam die Nummer A-7064. Beide Mädchen überlebten und wurden befreit. Im März 1945 wurden sie mit einer Gruppe jüdischer Kinder in ein Caritas-Zentrum in Katowice gebracht. Etwa drei Monate später wurden sie in die Obhut ehemaliger weiblicher Häftlinge im ukrainischen Czernowitz gegeben und anschließend ins weißrussische Sluzk gebracht. Im September 1945 erreichten sie ihr Heimatdorf, wo sich ihre Tante Irena als einzige überlebende Verwandte um sie kümmerte.

Auf dem Foto, das 1943 in Porţ aufgenommen wurde, sitzen die Zwillinge neben ihrer Mutter Zsenia. Eva sitzt links, Miriam rechts. Vor ihnen liegt ihr Cousin Hersch Schmilu. Hinter ihnen stehend, von links: ihre Schwester Aliz, ihr Vater Alexander, ihre Schwester Edit und Luci, eine Freundin. Quelle: APMA-B
Liste elternloser jüdischer Kinder im PRK-Lazarett. Die Kinder wurden im März 1945 in das Caritas-Zentrum in Katowice gebracht. Die Mozes-Schwestern sind als Nummer 12 und 13 erfasst. Quelle: APMA-B

BESTATTUNG DER LEICHEN

Nach der Befreiung der ehemaligen Lager Auschwitz I und Birkenau wurden über 600 Leichen von Häftlingen gefunden, die zu Beginn der Evakuierung oder kurz danach von der SS ermordet wurden oder gestorben waren. Die örtlichen Verwaltungs- und Militärbehörden veranlassten eine Bestattung der Opfer am 28. Februar 1945. Ihr wohnten mehrere Tausend Einwohner von Oświęcim und Bewohner der umliegenden Dörfer, ehemalige Häftlinge, Vertreter der polnischen und sowjetischen Militärbehörden sowie die örtlichen Geistlichen bei. Die Leichen der später im PRK-Lazarett und in den Feldlazaretten Verstorbenen wurden in kleineren Gräbern bestattet, die in der Nähe der bestehenden großen Gräber ausgehoben worden waren.

Ehemaliges Lager Birkenau. Trauerzug durch Abschnitt B I a. Alle Särge wurden von den Trauernden getragen, mit Ausnahme des Sarges eines zwei- oder dreijährigen Kindes im Vordergrund, der in einem Leichenwagen transportiert wurde. Quelle: APMA-B
Gruppe ehemaliger Häftlinge als Teilnehmer an der Bestattung. Quelle: APMA-B
Särge, unmittelbar vor der Bestattung in einem großen Grab unweit des ehemaligen Lagers Auschwitz I aufgestellt. Standbild aus dem sowjetischen Film "Chronik der Befreiung", der kurz nach der Befreiung des Lagers aufgenommen wurde. Quelle: APMA-B

KOMMISSIONEN ZUR UNTERSUCHUNG DER DEUTSCHEN VERBRECHEN IM EHEMALIGEN LAGER AUSCHWITZ: DIE SOWJETISCHE KOMMISSION

Im Februar und März wurden Untersuchungen der im Lager Auschwitz begangenen Verbrechen durch die Anklagebehörde der 1. Ukrainischen Front durchgeführt. Sie agierte unter der Aufsicht der Außerordentlichen Staatlichen Kommission der Sowjetunion für die Untersuchung der Gräueltaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge. Ihre Vertreter unterzogen die ehemaligen Lager, deren Gebäude, die Standorte der Krematorien und die Verbrennungsgräben in der Nähe des Krematoriums V, wo unter einer Erdschicht noch die Asche und die unverbrannten menschlichen Knochenreste zu finden waren, einer Inaugenscheinnahme. Darüber hinaus stellten sie als Beweis für die begangenen Verbrechen die geraubte Habe der ermordeten Juden sicher, die die SS nicht mehr nach Deutschland hatte bringen können. Diese umfasste u. a. fast 1,2 Millionen Kleidungsstücke, 43.500 Paar Schuhe, fast 70.000 Küchenutensilien, fast 50.000 Bürsten verschiedener Arten, 5.500 Gebetsschals, über 3.000 Koffer und fast 13.000 Brillen. In den Magazinen der Gerberei des ehemaligen Lagers fanden sie außerdem etwa sieben Tonnen Menschenhaar. Ferner befragten sie über 200 ehemalige Häftlinge zu verschiedenen Aspekten in Bezug auf das Lager, zum Beispiel den Tötungsmethoden, medizinischen Experimenten, der Behandlung der Häftlinge, den Lebensbedingungen und den Arbeiten, die verrichtet werden mussten. Außerdem stellte die Untersuchungskommission Dokumente aus Auschwitz sicher, die später leider jedoch nach Moskau gebracht wurden, nachdem die sowjetische Untersuchung abgeschlossen war. Zusätzlich wurden 2.800 Überlebende durch eine gerichtsmedizinische Kommission medizinisch untersucht. Bei den meisten von ihnen wurden Erkrankungen festgestellt, die sie sich im Lager zugezogen hatten ‒ vor allem alimentäre Dystrophie bzw. Dystrophia alimentaris, aber auch Tuberkulose, Phlegmonen und Erfrierungen. Diese Kommission führte darüber hinaus mehr als 500 Obduktionen durch, die ergaben, dass die meisten Todesfälle auf Unterernährung zurückzuführen waren.

Ehemaliges Lager Auschwitz I, Mitglieder der Außerordentlichen Staatlichen Kommission der Sowjetunion für die Untersuchung der Gräueltaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge. Das Foto wurde von Stanisław Mucha im Büro des ersten Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, im Februar oder März 1945 aufgenommen. Quelle: APMA-B
Mitglieder der sowjetischen Kommission während der Inaugenscheinnahme einer der Baracken im ehemaligen Lager Birkenau. Die Aufnahme stammt aus dem Februar oder März 1945. Quelle: APMA-B
Kleidungsstücke, die den nach Auschwitz deportierten und in den Gaskammern ermordeten Juden abgenommen worden waren. Das Foto wurde kurz nach der Befreiung in einem der Magazine des ehemaligen Lagers aufgenommen. Quelle: APMA-B
Mitglieder der sowjetischen Kommission bei der Besichtigung der Haare, die den in den Gaskammern ermordeten Frauen abgeschnitten worden waren. Das Foto wurde in der Gerberei des Lagers aufgenommen, wo die Haare für den Abtransport vorbereitet worden waren. Standbild aus dem sowjetischen Film "Chronik der Befreiung". Quelle: APMA-B
Schuhe, die den nach Auschwitz Deportierten abgenommen wurden. Quelle: APMA-B

Verschiedene Gegenstände, die ermordeten Juden abgenommen worden waren und die später von der sowjetischen Kommission in der sogenannten Lagererweiterung wenige hundert Meter nördlich von Auschwitz I sichergestellt wurden. Die Fotos wurden kurz nach der Befreiung des Lagers von Stanisław Mucha und sowjetischen Kameramännern aufgenommen. Quelle: APMA-B

Brillen, die den nach Auschwitz Deportierten abgenommen wurden. Quelle: APMA-B

Die Arbeit der Kommissionen, welche die von den Deutschen in Auschwitz begangenen Verbrechen untersuchten, umfasste auch die medizinische Untersuchung zahlreicher ehemaliger Häftlinge. Die Ärzte stellten fest, dass sich der Großteil dieser ehemaligen Häftlinge während ihrer Inhaftierung im Lager Krankheiten zugezogen hatte.

Jana Ecksteinova, ein neunjähriges jüdisches Mädchen aus der Tschechoslowakei. Wurde im Oktober 1944 aus dem Getto Theresienstadt nach Auschwitz gebracht. Bei ihr wurde eine alimentäre Dystrophie bzw. Dystrophia alimentaris zweiten Grades festgestellt. Standbild aus dem sowjetischen Film "Chronik der Befreiung". Quelle: APMA-B
Sophie Tencer (Tenzer), eine 22-jährige Jüdin aus Deutschland, die vermutlich im Oktober 1944 nach Auschwitz gebracht worden war und als Häftling Nummer 88972 registriert wurde. Bei der medizinischen Untersuchung wurde bei ihr eine alimentäre Dystrophie bzw. Dystrophia alimentaris zweiten Grades diagnostiziert. Das Foto entstand während der medizinischen Untersuchung der ehemaligen Häftlinge durch Ärzte der Außerordentlichen Staatlichen Kommission der Sowjetunion für die Untersuchung der Gräueltaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge, Februar‒März 1945. Quelle: APMA-B

Alexei Melnikow, ein 31-jähriger Russe, der im Februar 1944 nach Auschwitz deportiert wurde und die Häftlingsnummer 173989 erhielt. Im Lager wurde er geschlagen und mit einem Bajonett verletzt, woher die Narben auf seinem Rücken stammen. Das Foto entstand während der medizinischen Untersuchung der ehemaligen Häftlinge durch Ärzte der Außerordentlichen Staatlichen Kommission der Sowjetunion für die Untersuchung der Gräueltaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge, Februar‒März 1945. Quelle: APMA-B

Alexei Melnikow. Quelle: APMA-B
Foto des Rückens von Alexei Melnikow. Quelle: APMA-B

KOMMISSIONEN ZUR UNTERSUCHUNG DER DEUTSCHEN VERBRECHEN IM EHEMALIGEN LAGER AUSCHWITZ: DIE POLNISCHEN KOMMISSIONEN

Im April 1944 nahm die polnische Kommission zur Untersuchung der deutsch-faschistischen Verbrechen in Auschwitz ihre Arbeit auf. Ihre Mitglieder besichtigten die Überreste der Krematorien und Gaskammern in Birkenau und verschafften sich ein Bild von den Lebensbedingungen im Lager. Anschließend besichtigten sie das Stammlager, wo ehemalige Häftlinge ihnen von den Zuständen in Block 11 berichteten und ihnen die Galgen, die unterirdischen Zellen und die Hinrichtungsstätte zwischen Block 10 und 11 zeigten. Schließlich besuchten die Mitglieder der Kommission ehemalige Häftlinge im Lazarett des Polnischen Roten Kreuzes (PRK), die ihnen ihre persönlichen Erfahrungen im Lager schilderten. Sodann befragten sie in einer Plenarsitzung in Krakau ehemalige Häftlinge als Zeugen. Gleichzeitig wurden ehemalige Häftlinge auch von einer gerichtlichen Unterkommission als Zeugen gehört.

Im Mai 1945 führten die Mitglieder der gerichtlichen Unterkommission, später auch die Mitglieder der Krakauer Abteilung der neu gegründeten Hauptkommission für die Erforschung deutscher Verbrechen in Polen unter dem Vorsitz des Richters Jan Sehn, auf dem Gelände des ehemaligen Lagers eine gründliche Inspektion durch. Mit großer Entschlossenheit stellten sie noch existierende Lagerdokumente sicher. Darüber hinaus sicherten sie physische Spuren der begangenen Verbrechen, darunter Proben von den Haaren der Opfer sowie Entlüftungsteile aus den Gaskammern, die sie zur Analyse an das gerichtsmedizinische Forschungsinstitut in Krakau sandten. Laut dem Bericht des Instituts wurden Cyanwasserstoff (Blausäure) und abgeleitete Verbindungen festgestellt. Die Mitglieder der polnischen Kommission befragten ferner zahlreiche ehemalige Häftlinge. Die gesammelten Dokumente wurden später in Gerichtsverhandlungen gegen den ehemaligen Kommandanten Rudolf Höß sowie 40 weitere Mitglieder des Lagerpersonals von Auschwitz verwendet.

Anhörung des ehemaligen Häftlings Géza Mansfeld, auf dem Bild rechts. Das Foto entstand im April 1945 während seiner Zeugenaussage vor der Kommission zur Untersuchung der deutsch-faschistischen Verbrechen in Auschwitz. Quelle: APMA-B

Géza Mansfeld, ungarischer Jude, geboren am 26. Februar 1882 in Budapest, Pharmakologe, Professor an der Universität Pécs. Er wurde im März 1944 verhaftet und in das Konzentrationslager Mauthausen gebracht. Am 15. Juni 1944 wurde er nach Auschwitz überführt und als Häftling Nummer 189121 registriert. Während der meisten Zeit seiner Inhaftierung war er im Hygiene-Institut der SS in Rajsko beschäftigt. Nach der Befreiung arbeitete er im PRK-Lazarett am Standort des ehemaligen Lagers.

Luigi Ferri, ein am 9. September 1932 in Mailand geborener Italiener. Zusammen mit seiner Großmutter, die jüdischer Herkunft war, wurde er in Triest verhaftet und mit einem Transport italienischer Juden im Juni 1944 nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er als Häftling Nummer B-7525 registriert und kam mit anderen männlichen Häftlingen in das Quarantänelager von Birkenau, Abschnitt B II a. Dank der Betreuung durch den Häftlingsarzt Otto Wolken überlebte Ferri und wurde befreit.

Anhörung von Luigi Ferri. Das Foto wurde im April 1945 während einer Anhörung vor der Kommission zur Untersuchung der deutsch-faschistischen Verbrechen in Auschwitz aufgenommen. Quelle: APMA-B

Im Herbst 1944 erhielten Häftlinge von der SS den Befehl, die Gaskammern und technischen Anlagen der Krematorien zu demontieren, sodass sie zu anderen Konzentrationslagern in Deutschland transportiert werden könnten. Dieser Plan wurde jedoch nur zum Teil umgesetzt. Deshalb verblieben diverse Elemente im Bauhof von Auschwitz. Im Mai 1945 wurden diese Elemente von der Krakauer Abteilung der Kommission für die Erforschung deutscher Verbrechen in Polen fotografiert und beschrieben.

Im Vordergrund sind Feuerhaken zu sehen, die von Häftlingen des Sonderkommandos bei der Verbrennung von Leichen in den Krematoriumsöfen verwendet wurden. Weiter hinten rechts befineden sich Kästen zur Entnahme der Asche sowie links Ofengitter. Foto: Stanisław Łuczko, Mai 1945. Quelle: APMA-B
Eingangstür einer Gaskammer, wahrscheinlich von Krematorium IV. Foto: Stanisław Łuczko, Mai 1945. Quelle: APMA-B
Entlüftungsrohre des Krematoriums II oder III. Foto: Stanisław Łuczko, Mai 1945. Quelle: APMA-B
Das Innere eines der Lagergebäude mit auf dem Boden verstreuten, zerrissenen Lagerdokumenten. Genauer Standort unbekannt. Foto: Stanisław Łuczko, Mai 1945. Quelle: APMA-B
Kommissionsmitglieder bei der Besichtigung der Überreste der Gaskammer und des Krematoriums II. Erster von links ist Dr. Jan Sehn, Dritter von rechts der ehemalige Häftling Otto Wolken. Foto: Stanisław Łuczko, Mai 1945. Quelle: APMA-B

Henryk Tauber, polnischer Jude, geboren am 8. Juli 1917 in Chrzanów. Wurde am 19. Januar 1943 aus dem Getto Krakau nach Auschwitz gebracht und als Häftling Nummer 90124 registriert. Anfang Februar war er im Krematorium von Auschwitz I beschäftigt. Einen Monat später wurde er nach Birkenau überführt, wo er in das Sonderkommando des Krematoriums II eingeteilt wurde.Tauber gelang auf dem Evakuierungsmarsch im Januar 1945 die Flucht. Im Mai 1945 machte er vor der Krakauer Abteilung der Hauptkommission für die Untersuchung deutscher Verbrechen in Polen eine umfassende Zeugenaussage. Quelle: APMA-B

Henryk Tauber. Quelle: APMA-B

NACHWORT

Die Arbeit der polnischen Kommission wurde durch die sowjetischen Behörden behindert, die im Frühjahr 1945 im ehemaligen Stammlager und in einem Teil des Lagers Birkenau mehrere Durchgangslager für deutsche Kriegsgefangene einrichteten. Das Durchgangslager im ehemaligen Lager Auschwitz I war bis zum Herbst desselben Jahres in Betrieb, das Durchgangslager in Birkenau wurde Anfang 1946 aufgelöst. Nach Auflösung der Kriegsgefangenenlager übergaben die sowjetischen Behörden die ehemaligen Lagergelände Auschwitz I und Birkenau an die polnische Verwaltung. Auf die Initiative ehemaliger Häftlinge hin ergriffen die Warschauer Behörden Maßnahmen zur Erhaltung der ehemaligen Lageranlagen und zur Einrichtung eines Museums. Die ersten diesbezüglichen Vorschläge wurden von Mitgliedern beider polnischer Kommissionen vorgelegt. Ihre Umsetzung war jedoch nicht möglich, solange die Lager für deutsche Kriegsgefangene bestanden.

Als Folge der von den Warschauer Behörden ergriffenen Maßnahmen wurde der Ausschuss zur Erhaltung der ehemaligen Lageranlagen gegründet. Seine Mitglieder trafen im April 1946 in Oświęcim ein. Daraufhin wurde mit Erhaltungsmaßnahmen an den Lageranlagen und der Einrichtung des Museums begonnen. Die Mitarbeiter dieser neuen Einrichtung waren vor allem ehemalige Häftlinge, die sich um die Erhaltung von Bestandteilen des ehemaligen Lagers kümmerten, Ausstellungen vorbereiteten und als Besucherführer arbeiteten. Dank ihres Einsatzes konnte das Museum am 14. Juni 1947 offiziell eröffnet werden – dem siebten Jahrestag der Ankunft der ersten politischen Häftlinge in Auschwitz.

Ehemaliges Lager Auschwitz I. Eingangstor mit dem Schild "Staatliches Museum Auschwitz". Foto: Antonin Ćenek, 1946. Quelle: APMA-B

Obwohl das Museum erst am 14. Juni 1947 offiziell eröffnet wurde, war es bereits seit dem Frühjahr des Vorjahres in Betrieb. Seine Mitarbeiter kümmerten sich um die Erhaltung der ehemaligen Lageranlagen, bereiteten Ausstellungen vor und boten Führungen für Besucher an. Das Foto zeigt eine der vielen Besuchergruppen, die das Lager im Jahr 1946 besichtigten.

Mitwirkende: Geschichte

Autor — Dr Jacek Lachendro, Centrum Badań PMA-B
Kurator — Agnieszka Juskowiak-Sawicka, MCEAH
Tłumacz na język angielski — Witold Zbirohowski-Kościa
Korekta wersji niemieckiej — Łukasz Martyniak, Centrum Badań PMA-B
Korekta wersji rosyjskiej — Nadia Ivanets
Korekta wersji angielskiej — Beata Kłos
Korekta wersji holenderskiej — Janna Ebbens
Korekta wersji francuskiej — Jarek Mensfelt

Quelle: Alle Medien
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