1940 bis 1945

Sonderkommando

Auschwitz-Birkenau State Museum

“Wir haben eine dunkle Ahnung, denn wir wissen es.”

Das erste Krematorium des von den Nazis errichteten Konzentrationslagers Auschwitz wurde im August 1940 in Betrieb genommen. Für die Arbeit dort wurde eine Handvoll polnischer Häftlinge ausgewählt.

Ursprünglich waren diese im Krematorium gar nicht als Sonderkommando, sondern als Heizer genannt. Aufgrund der ständig steigenden Sterblichkeit im Lager und des immer häufigeren Einsatzes der Gaskammer im selben Gebäude wurde die Belegschaft des Krematoriums im Frühjahr 1942 durch eine kleine Gruppe jüdischer Häftlinge ergänzt, zu denen auch Filip Müller gehörte.

Plan des KL Auschwitz I mit dem Krematoriumsgebäude. Quelle: APMA-B. 
Krematorium und Gaskammer I (aktuelle Aufnahme). Quelle: PMA-B.
Luftbild aus dem Jahr 1944, das Krematoriumsgebäude ist gekennzeichnet. Quelle: Archiwum Państwowego Muzeum Auschwitz-Birkenau (Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, im Folgenden APMA-B)
Häftlingspersonalkarte von Wacław Lipka, einem der ersten im Krematorium beschäftigten Häftlinge (Vorderseite). Quelle: APMA-B.
Häftlingspersonalkarte von Wacław Lipka, einem der ersten im Krematorium beschäftigten Häftlinge (Rückseite). Quelle: APMA-B.
Lagerfotografie von Wacław Lipka. Quelle: APMA-B.

Die im Krematorium arbeitenden Häftlinge lebten in den Wohngebäuden, “Blocks” genannt, auf dem Lagergelände. Dies war anfangs Block 4, später Block 15.

Die jüdischen Gefangenen, die von den Deutschen ab Frühjahr 1942 ebenfalls zur Arbeit im Krematorium gezwungen wurden, wohnten in isolierten Kellerräumen von Block 11, wo sie Zelle 13 belegten.

Block 15. Quelle: APMA-B.
Block 11. Quelle: APMA-B.
Zellen im Keller des Gebäudes. Quelle: PMA-B.

In den ersten Monaten des Jahres 1942 wurde das KL Auschwitz zu einem “Ort für die Endlösung der Judenfrage”. Die Bahntransporte mit den Juden, die von den Deutschen zur Vernichtung hierher gebracht wurden, endeten auf Gleisen in der unmittelbaren Nähe des Lagers Birkenau. Die ankommenden Juden wurden in Gaskammern in zwei Wohngebäuden unweit des Lagers geführt, die speziell zu diesem Zweck umgebaut worden waren.

In diesen behelfsmäßigen Gaskammern, die in der Lagerdokumentation als Bunker I und II bezeichnet werden, wurden die Juden mit Zyklon B getötet. Die Leichen wurden dann mit einer handbetriebenen Schmalspurbahn zu Gräbern in der Umgebung des Lagers gebracht. Zunächst wurden sie noch vergraben, ab Sommer 1942 dann auf Scheiterhaufen verbrannt.

Der im nordwestlichen Bereich des Lagers gekennzeichnete Abschnitt ist als Sperrgebiet ausgewiesen. Quelle: APMA-B.
Bruchstücke eines Plans, der das sogenannte "Interessengebiet" des Lagers und dasjenige von Birkenau darstellt. Quelle: APMA-B.
Aktuelle Satellitenaufnahme des Geländes von Auschwitz und Birkenau. Die gelben Markierungen kennzeichnen die Lage der Bunker, d. h. der provisorischen Gaskammern. Quelle: gemeinfrei

SS-Männer teilten junge männliche Juden aus ganz Europa dem Sonderkommando zu. Das Sonderkommando war für den Betrieb der Gaskammern und des Krematoriums zuständig. Die meisten von ihnen waren 20 bis 25 Jahre alt. Sie wurden mehrheitlich direkt bei ihrer Ankunft im Lager für das Sonderkommando ausgewählt.

Eines der wichtigsten und entscheidenden Kriterien für die Auswahl der Häftlinge war deren körperliche Verfassung und Kraft. Da die SS-Offiziere bei dieser extrem schweren Tätigkeit Wert auf schnelles und effizientes Arbeiten legten, übertrugen sie diese an Personen, die nicht schon durch einen langen Lageraufenthalt entkräftet waren, sondern noch robust genug wirkten, um die Arbeit zu bewältigen.

Auf Befehl Adolf Eichmanns wurden alle Gefangenen, die im Vernichtungsbereich des Lagers tätig waren, nach jeder größeren Vernichtungsaktion liquidiert. Allerdings stellten die Offiziere der SS in der Lagerverwaltung bald fest, dass diejenigen, die sich an diese Tätigkeiten gewöhnt hatten, bald wesentlich effizienter arbeiteten. Aus diesem Grund kam es nur einmal, im Dezember 1942, zu einer vollständigen Liquidierung des Sonderkommandos.

In den nachfolgenden Jahren wurden Teilliquidierungen durchgeführt, bei denen jeweils höchstens die Hälfte aller Angehörigen des Sonderkommandos umgebracht wurde.

Eine der wenigen erhaltenen Häftlingsbeschäftigungskarten, die in der Spalte "Arbeitsbereich" den Vermerk "Sonderkommando" enthält. Sie gehörte dem Gefangenen Eliezer Eisenschmidt, der von Dezember 1942 bis zur Einstellung des Lagerbetriebs Mitglied dieses Kommandos war. Quelle: APMA-B.

Die Ausweise der Gefangenen, die dem Sonderkommando angehörten, wurden von der "Politischen Abteilung" aufbewahrt, das heißt von der Lager-Gestapo. Die Mitglieder des Sonderkommandos galten als Geheimnisträger. In den Archiven, die in den Lagern zurückblieben, wurden zu ihnen nur sehr wenige Dokumente gefunden.

Im Frühjahr 1943 wurden in Birkenau vier große Krematorien in Betrieb genommen. Sie verfügten über geräumige Zimmer, in denen sich die zur Vernichtung vorgesehenen Opfer vollständig entkleiden mussten. Die modernen Gaskammern waren mit Imitationen von Sanitärinstallationen, einem Abwassersystem und einer mechanischen Lüftung ausgestattet. Außerdem gab es Aufzüge zum Transport der Leichen, Öfen zur Massenverbrennung der Opfer und andere Einrichtungen, die mit den Tötungen in Zusammenhang standen – beispielsweise Räume für Obduktionen.

Nach der Eröffnung der Krematorien in Birkenau wurde der Betrieb der Öfen in Auschwitz I eingestellt und die dort beschäftigten Häftlinge wurden nach Birkenau verlegt und dem Sonderkommando zugewiesen.

Lage des Krematoriums in Birkenau. Luftbild aus dem Jahr 1944. Quelle: APMA-B.
Gesamtansicht des Krematoriums III. Aufnahme der SS von 1943. Quelle: APMA-B.
Ofenhalle im Krematorium II.  Aufnahme der SS von 1943. Quelle: APMA-B.
Krematorium V.  Aufnahme der SS von 1943. Quelle: APMA-B.
Krematorium IV.  Aufnahme der SS von 1943. Quelle: APMA-B.  
Krematorium IV.  Aufnahme der SS von 1943. Quelle: APMA-B.  

Im Zusammenhang mit der Ermordung der Opfer hatte das Sonderkommandos unter anderem folgende Pflichten:

• In den Entkleideräumen der Gaskammern: Die Mitglieder des Sonderkommandos mussten den Deportierten helfen, während diese sich für das sogenannte “Baden” entkleideten, und sie beruhigen. Darüber hinaus mussten sie Menschen, die Anzeichen von Panik zeigten, auf Anweisung der SS hinter das Gebäude führen und während der Exekution festhalten. Später, wenn alle Deportierten in die Gaskammer gegangen waren, hatten sie die im Entkleideraum zurückgebliebenen Habseligkeiten der Opfer in Lastwagen der Transportkolonne zu bringen, die in der Nähe warteten.

• In der Gaskammer: Nach der vollständigen Belüftung der Kammer mussten die Mitglieder des Sonderkommandos an den Leichen ausgetretene Körperflüssigkeiten abspülen, sie nach versteckten Wertsachen durchsuchen und Zähne und Prothesen aus Edelmetallen entfernen. Ferner wurde den weiblichen Opfern das Haar abgeschnitten.

• Transport der Leichen: Je nach Einsatzort brachten die Häftlinge die Leichen aus den Gaskammern zu den Aufzügen, mit denen sie zu den Verbrennungsöfen transportiert wurden, oder zu den Einäscherungsgruben.

• Leichenverbrennung: Die Häftlinge mussten unter anderem das Holz in den Einäscherungsgruben aufstapeln und später die Leichen der Opfer auf die brennenden Scheiterhaufen werfen. Die in den Krematorien eingesetzten Häftlinge legten die Leichen auf spezielle Rollwagen oder Metallbahren und schoben sie dann in die Öfen. Weitere Häftlinge waren für die Versorgung mit Brennstoff (Holz und Koks), die Aufrechterhaltung der erforderlichen Ofentemperatur, die Abfuhr der Leichenasche und das Zermahlen größerer Knochenstücke auf den Innenhöfen im Bereich der Vernichtungseinrichtungen zuständig.

• Sonstige Verwendung: Mitglieder des Sonderkommandos waren mit dem Sortieren von Wertgegenständen, dem Einschmelzen von Wertmetallen und mit dem Entfernen von Bändern, Haarnadeln (bis zum Frühjahr 1944) usw. aus dem abgeschnittenen Haar der weiblichen Opfer beschäftigt.

Die Anzahl der im Sonderkommando eingesetzten Häftlinge schwankte je nach Umfang der Massenvernichtungsaktionen und der Anzahl der aktiven Einrichtungen für die Massenvernichtung. In den Jahren 1942 und 1943 umfasste das Sonderkommando ca. 400 Häftlinge. Anfang 1944 fiel ihre Anzahl nach einer Selektion auf etwa 200, stieg in den Sommermonaten dann aber wieder auf 870 Personen an. Dies war Folge der Intensivierung des Massenmords: Bei der sogenannten "Ungarn-Aktion" Mitte 1944 wurden fast täglich mehrere Tausend ungarische Juden zur Vernichtung nach Auschwitz gebracht.

Liste der Häftlingskommandos von Mitte 1944. Die Zahl der zum Sonderkommando gehörenden Häftlinge, die während der Tag- und Nachtschichten tätig waren (im Dokument als "Heizer Krematorium" angegeben), betrug 870. Quelle: APMA-B.

Mitglieder des Sonderkommandos wurden von den anderen Häftlingen getrennt. Sie wohnten in speziell für sie ausgewiesenen Baracken, deren Höfe von Mauern umgeben waren. Hierdurch sollte der Kontakt mit anderen Lagerinsassen unmöglich gemacht werden.

Zu Beginn war dies Baracke 2 im Lagerabschnitt BIb, ab Mitte 1943 dann Baracke 13 im Abschnitt BIId. Im Sommer 1944 schließlich wurden die Häftlinge des Sonderkommandos im Dachgeschoss der Krematorien II und III sowie im Umkleideraum von Krematorium IV einquartiert (dieses war zum damaligen Zeitpunkt außer Betrieb).

Überreste von Baracke 13 im Lagerabschnitt BIId. Quelle: PMA-B.
Archivaufnahme der Holzbaracke in Abschnitt BII des Lagers Birkenau. Quelle: APMA-B.
Lage der Wohnbauten für das Sonderkommando im Lager. Die roten Markierungen kennzeichnen die Wohnbauten für das Sonderkommando in den Lagerabschnitten Bib und BIId, die gelben die Krematorien, in die die Häftlinge 1944 umquartiert wurden. Quelle: APMA-B.

Die Angehörigen des Sonderkommandos genossen geringfügig bessere Lebensbedingungen als die übrigen Häftlinge im Lager. Um ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, gestattete ihnen die SS den Zugang zu den Habseligkeiten, die von den Opfern in den Entkleideräumen des Krematoriums zurückgelassen worden waren. So gelangten sie an zusätzliche Lebensmittel (meist in Form von Konserven) und andere nicht verderbliche Esswaren. Zudem trugen die Häftlinge im Sonderkommando Zivilkleidung, die von den Opfern in den Entkleideräumen hinterlassen worden war. Diese Kleidung wurde allerdings speziell gekennzeichnet, um eine mögliche Flucht aus dem Lager zu erschweren. So wurden auf Jacken und Hosen rote Streifen aufgemalt oder es wurden sogenannte "Fenster" ausgeschnitten und durch gestreiften Stoff ersetzt.

Trotz eines strengen Verbots schmuggelten Mitglieder des Sonderkommandos Lebensmittel, Medikamente und Kosmetika in das Lager. Diese wurden in kleinen Paketen durch die Hofmauer des Wohnbaus des Sonderkommandos an andere, häufig anonyme Häftlinge gereicht oder auch über die Mauer geworfen.

Die Mitglieder der Sonderkommandos waren sich über ihr bevorstehendes Schicksal vollkommen im Klaren. Als Augenzeugen der von den Deutschen in den Gaskammern begangenen Verbrechen würden sie natürlich niemals zurück in die Freiheit gelangen. Da sie überdies in ständiger Angst vor ihrer Tötung leben mussten, sahen sie ihre einzige Rettung in der Flucht. So gab es einige Fluchtversuche von Mitgliedern des Sonderkommandos, von denen jedoch kein einziger erfolgreich war.

Bericht aus dem Dienstbuch des diensthabenden SS-Offiziers vom 9. Dezember 1942. Vermerkt ist die Flucht von sechs Angehörigen des Sonderkommandos an diesem Tag sowie die Ergreifung von Häftlingen, die zwei Tage zuvor aus dem Sonderkommando geflohen waren. Quelle: APMA-B.
Auszug aus einem Befehl der Leitung des KL Auschwitz vom April 1943. Darin wird ein SS-Offizier lobend erwähnt, der zwei Angehörige des Sonderkommandos gefasst hat, die am 9. März 1943 zu fliehen versucht hatten. Quelle: APMA-B.
Salmen Lewental. Quelle: APMA-B.
Salmen Gradowski. Quelle: APMA-B.

Da den Angehörigen des Sonderkommandos bewusst war, dass die SS versuchen würde, alle Spuren der Verbrechen zu beseitigen, erstellten sie insgeheim Aufzeichnungen und beschrieben darin ihre Erlebnisse und das Geschehen in den Krematorien. Diese Aufzeichnungen wurden später auf den Innenhöfen der Vernichtungseinrichtungen vergraben. Einige der Notizbücher wurden nach dem Krieg aufgefunden, so etwa die von Salmen Lewental (links), Salmen Gradowski (rechts), Lejb Langfuß und Chaim Cherman.

Der Behälter, in dem Salmen Lewentals Notizbuch vergraben wurde. Quelle: APMA-B.
Das Notizbuch von Salmen Lewental, gefunden 1962 beim Krematorium III. Quelle: APMA-B.
Ein zusammen mit den Aufzeichnungen gefundenes Armband. Es stammt höchstwahrscheinlich aus dem Getto von Łódź. Quelle: APMA-B.
Seite aus dem Notizbuch von Salmen Lewental. Quelle: APMA-B.

Im Rahmen der Aktivitäten zur Dokumentation des Massenmordes machte eine geheime Gruppe von Angehörigen des Sonderkommandos im Sommer 1944 Aufnahmen, die zeigen, wie Frauen in die Gaskammer gebracht und Leichen in der Nähe des Krematoriums V verbrannt werden. Über Lagerinsassen, die im Widerstand tätig waren, gelangten diese Aufnahmen später an eine Widerstandsgruppe in Krakau.

Lage der Gaskammern im Krematorium V, auf dem Plan gelb markiert. Quelle: APMA-B.
Lage der Gaskammern im Krematorium V, auf diesem Luftbild von 1944 gelb markiert. Quelle: APMA-B.
Am Krematorium V in Birkenau gemachte Aufnahme, die zeigt, wie Frauen in den Tod in der Gaskammer geschickt werden. Aufnahme durch dem Sonderkommando zugeteilte Häftlinge. Quelle: APMA-B.
Leichenverbrennung. Aufnahme durch dem Sonderkommando zugeteilte Häftlinge. Quelle: APMA-B.
Leichenverbrennung. Aufnahme durch dem Sonderkommando zugeteilte Häftlinge. Quelle: APMA-B.

Angehörige des Sonderkommandos dokumentierten jedoch nicht nur die Verbrechen, sondern begannen auch mit Aktivitäten, die einen Lageraufstand vorbereiten sollten. Es gab mehrere Dutzend Verschwörer innerhalb des Sonderkommandos, darunter Jankiel Handelsman, Salmen Gradowski, Josef Warszawski (alias Dorębus), Josef Deresiński, Lejb Langfuß sowie Shlomo und Abraham Dragon.

Von Häftlingen, die in der sogenannten Waffenfabrik "Union" beschäftigt waren, erhielten sie Sprengstoff, mit dessen Hilfe sie einfache Handgranaten bauten. Der Sprengstoff sollte einem der wichtigsten Ziele des geplanten Aufstands dienen: der Zerstörung der Krematoriumsanlagen. Außerdem sahen die Pläne für den Aufstand den Einsatz von Messern und anderen für den Nahkampf geeigneten Gegenständen vor, die die Häftlinge gesammelt hatten.

Zdobyli oni za pośrednictwem więźniów i więźniarek zatrudnionych w zakładach Union materiał wybuchowy, z którego skonstruowali prymitywne granaty. Miały one posłużyć do realizacji jednego z kluczowych punktów planowanego buntu, czyli zniszczenia instalacji krematoryjnych.  Ponadto więźniowie wtajemniczeni w plany buntu gromadzili noże oraz inne przedmioty mogące służyć do walki wręcz.

Władysław Siwek, KL Auschwitz, Werkhalle. Quelle: Sammlung des PMA-B
Róża Robota, eine der weiblichen Häftlingen, die Sprengstoff für das Sonderkommando beschafften und schmuggelten. Quelle: APMA-B.

Im Herbst 1944 begann die SS damit, die Gefangenen des Sonderkommandos nach und nach zu liquidieren. Die ersten 200 Menschen wurden im September ermordet. Am 7. Oktober 1944, als die Lagerleitung eine weitere Häftlingsgruppe hinrichten lassen wollte, entschlossen sich die Angehörigen des Sonderkommandos zum Widerstand. Während des Aufstands versammelten sich die Gefangenen im Hof vor dem Krematorium IV, griffen die Wachen an und legten im Entkleidungsraum Feuer. Die bewaffneten SS-Truppen eröffneten das Feuer auf die Aufständischen und töteten die meisten von ihnen im Hof vor dem Krematorium IV. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde unter den Überlebenden des Sonderkommandos eine Selektion durchgeführt, in deren Folge einige von ihnen getötet wurden.

Eine Gruppe von Häftlingen des Sonderkommandos vom Krematorium II hatte sich dem am Krematorium IV begonnenen Aufstand angeschlossen. Drei Mitglieder dieser Gruppe unternahmen einen leider erfolglosen Versuch, die Verbrennungsöfen zu sprengen. Die übrigen Gefangenen durchschnitten die Lagerzäune um das Krematorium und das nahegelegene Frauenlager und flohen später Richtung Süden, wurden aber von den verfolgenden Wachmannschaften eingeholt und in etwa zwei Kilometer Entfernung vom Lager – noch innerhalb des sogenannten Lagerinteressengebiets – mit Maschinengewehren erschossen.

Der Aufstand endete mit dem Tod von 450 Häftlingen des Sonderkommandos und dreier SS-Leute.

Luftbild von 1944. Das Gelände ist gelb markiert. Quelle: APMA-B.
Hof vor dem Krematorium IV, auf dem am 7.  Oktober 1944 der Aufstand begann und der Kampf mit den SS-Leuten stattfand. Quelle: PMA-B.
Wahrscheinliche Fluchtroute der Häftlinge von Krematorium II nach Süden. Quelle: APMA-B.
Eintrag in das Dienstbuch der deutschen Polizeiwache von Auschwitz. Am 7. Oktober 1944 um 14 Uhr wurde ein Eintrag über eine Massenflucht von Häftlingen aus dem Lager vorgenommen. Quelle: APMA-B.
Standortbefehl vom 12. Oktober 1944. In Abschnitt 1 sind die Namen der drei beim Aufstand des Sonderkommandos getöteten SS-Männer aufgeführt. Quelle: APMA-B.

Als Folge des Aufstands wurde von der Lagerleitung eine Untersuchung mit dem Ziel durchgeführt, diejenigen Mitglieder des Sonderkommandos zu liquidieren, die sich an der Verschwörung beteiligt hatten, und jene Gefangenen aus der Munitionsfabrik “Union” zu ermitteln, die den Sprengstoff beschafft hatten. Diese Operation der SS führte zur Festnahme mehrere Angehöriger des Sonderkommandos und weiblicher Häftlinge, die in der Munitionsfabrik tätig gewesen waren. Die Juden, die dem Sonderkommando angehörten, wurden in Block 11 ermordet, die weiblichen Häftlinge – Ala Gertner, Róża Robota, Regina Safirsztajn und Ester Wajcblum – wurden im Januar 1945 öffentlich hingerichtet.

Im November 1944 wurde die Massenvernichtung der Juden im KL Auschwitz durch die Deutschen beendet.

Die SS-Behörden beschlossen den Abriss der Krematorien in Birkenau. Angehörige des Sonderkommandos wurden für den Abbau der Anlage und den Abriss der Krematorien II bis IV ebenso wie für den Weiterbetrieb des letzten verbleibenden Krematoriums V abgestellt.

Am 28. November 1944 fand die nächste Selektion statt, woraufhin 70 Häftlinge aus dem Lager an einen unbekannten Ort gebracht wurden. Polnische Häftlinge, die zuvor im letzten betriebsbereiten Krematorium I und später beim Sonderkommando Birkenau tätig waren, wurden von den übrigen Gruppen getrennt. Sie wurden in den ersten Tagen des Jahres 1945 in das KL Mauthausen transportiert und dort zwei Wochen vor Befreiung des Lagers ermordet.

Bestätigung der Verlegung polnischer Häftlinge, die im Krematorium tätig gewesen waren, vom KL Auschwitz in das KL Mauthausen. Quelle: APMA-B.

Die letzte Häftlingsgruppe des Sonderkommandos – insgesamt ca. 100 Personen – blieb bis zur Evakuierung des Lagers am 18. Januar 1945 auf dem Lagergelände. An diesem Tag wurden sie gemeinsam mit den übrigen Häftlingen des KL Auschwitz auf den sogenannten Todesmärschen nach Wodzisław Śląski gebracht, von wo aus der Eisenbahntransport in andere Lager im Innern des Dritten Reiches organisiert wurde. Während dieses Marsches gelang es Henryk Tauber, Shlomo Dragon, Eliezer Eisenschmidt, Henryk Mandelbaum und Alter Feinsilber (alias Stanisław Jankowski), vom Transport zu fliehen. Es gelang ihnen mithilfe der Unterstützung von Menschen aus der Umgebung, zu überleben und auf die Befreiung zu warten.

Viele andere Angehörige des Sonderkommandos, die während des Transports nicht fliehen konnten, nutzten das allgemeine Durcheinander, um sich unter die anderen Häftlingsgruppen zu mischen und auf diese Weise ihre Mitgliedschaft im Sonderkommando zu verheimlichen. Diese Strategie war in vielen Fällen erfolgreich, weswegen ca. 40–50 Häftlinge aus dem Sonderkommando den Krieg überlebten.

Zbigniew Otwinowski, Evakuierung von Auschwitz-Häftlingen (1946). Quelle: Sammlung des PMA-B
Akte von Abraham Dragon, Häftling und Mitglied des Sonderkommandos, angelegt im KL Mauthausen. Die Tatsache, dass der Häftling Mitglied des Sonderkommandos war, wird nicht erwähnt. Quelle: APMA-B.

Bereits wenige Tage nach der Befreiung des KL Auschwitz begannen die ermittelnden Stellen, das Ausmaß der Verbrechen zu untersuchen, die von den deutschen Nazis im Lager begangen worden waren. Die ersten Verfahren wurden von der sowjetischen “Außerordentlichen Staatlichen Kommission für die Feststellung und Untersuchung der Gräueltaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge” eingeleitet. Dabei wurden auch Angehörige des Sonderkommandos befragt, die bei den Transporten geflohen waren. Außerdem sagten bei der Verhandlung gegen den früheren Kommandanten des KL Auschwitz, Rudolf Höß, auch frühere Häftlinge im Sonderkommando – namentlich Henryk Tauber, Shlomo Dragon und Henryk Mandelbaum – als Zeugen aus.

Henryk Tauber als Zeuge vor der Außerordentlichen Staatlichen Kommission. Abbildung aus der Chronik der Befreiung des KL Auschwitz. Quelle: APMA-B.

Viele Jahre lang beteiligten sich Angehörige des Sonderkommandos an Erinnerungs- und Bildungsmaßnahmen. Sie schrieben zahlreiche Berichte und erweiterten so den im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau vorhandenen Wissensstand zur Funktionsweise der Gaskammern und Krematorien im KL Auschwitz. Darüber hinaus verfassten sie eine Reihe von in Buchform veröffentlichten Memoiren und gaben ausführliche Interviews.

Auf dem Foto: Henryk Mandelbaum im Gespräch mit Lehrern vor den Ruinen des Krematoriums V (Oktober 2004). Quelle: PMA-B.
Mitwirkende: Geschichte

Autor — Dr Igor Bartosik, Centrum Badań PMA-B
Kurator — Agnieszka Juskowiak-Sawicka
Tłumacz na język angielski — Piotr Krasnowolski
Korekta wersji angielskiej — Beata Kłos
Korekta wersji niemieckiej — Łukasz Martyniak, Centrum Badań PMA-B
Korekta wersji rosyjskiej — Dr Igor Bartosik, Centrum Badań PMA-B
Korekta wersji holenderskiej — Janna Ebbens
Korekta wersji francuskiej  — Jarek Mensfelt

Quelle: Alle Medien
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