Willkommen im Anthropozän

Deutsches Museum

Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde
Sonderausstellung bis 30. September 2016

URBANITÄT UND RESSOURCEN

Stoffwechsel der Stadt

Großstädte sind vollkommen menschliche Kreationen und inzwischen ein Organisationsprinzip unserer Welt. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt,städtische und ländliche Gebiete sind kaum noch zu unterscheiden.

Wie ein Spinnennetz bilden Stadtzentren weltweite Netzwerke die in Großstädten ineinanderfließen, aber auch immer tiefer in weniger bewohnte Gebiete der Erde hineinreichen. Als zentrale Knoten, die Menschen, Ideen und Dinge anziehen, funktionieren städtische Gebiete wie „Prozessoren“ für Ressourcen. In Städten werden die meisten Ressourcen gebraucht und umgestaltet, aber in ihnen beginnen auch neue Ideen ihre Reise um die Welt.

Einfach den Hahn aufdrehen: Warmwasser im Haus

Der Mensch hat es gern warm und sauber. Innovative Heiztechniken und Energieversorgungssysteme haben für  immer mehr Menschen ein warmes Zuhause geschaffen. 1894 reichte Johann Vaillant sein Patent für einen Gasbadeofen ein. Sein „geschlossenes System“ revolutionierte die Warmwasserbereitung, die nun hygienisch, ohne Gasverbrennungsrückstände möglich war.

Geräte wie der Gasbadeofen waren von Stromnetzen abhängig. Daher wurden sie vor allem in Städten genutzt, wo immer mehr Haushalte mit wachsenden Gas- oder Stromnetzwerken verbunden waren; nur dicht besiedelte Gebiete sicherten den Kraftwerken nötige Einnahmen.

 Mit der Zeit verschwanden die Heizungsvorrichtungen hinter Wänden, aber ihr Energiehunger ist nach wie vor auffallend: In Deutschland sind 60 % des privaten Energiekonsums dem Heizen und weitere 16 % der Warmwassererzeugung geschuldet. Ist die Zeit reif für neue städtische Energielösungen?

Der Abbau seltener Erden

Viele technische Produkte enthalten Elemente seltener Erden. Nicht alle dieser chemischen Elemente sind wirklich selten, aber seltene Erden sind oft mit anderen Mineralien vermischt und ihre Gewinnung und Trennung ist schwierig, teuer und oft gefährlich.

Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften sind seltene Erden zur Herstellung moderner Technologien weltweit heiß begehrt. Obwohl Geologen 440 irdische Lagerstätten bekannt sind, werden über 90 % der seltenen Erdelemente von China geliefert.

Einige leichte seltene Erden können zwar ersetzt werden, doch Engpässe an schweren seltenen Erden hemmen die Produktion und beeinträchtigen auch die Kapazitäten vieler „grüner Technologien“.

Wenn die Preise für primäre seltene Erden weiter ansteigen, wird das Recycling elektronischer Geräte wie von Mobiltelefonen, die auf den großen städtischen Müllhalden lagern, unverzichtbar. Noch ist die Rückgewinnung von Elementen aus komplexen Gegenständen schwierig und stellt eine Gefahr für Mensch und Umwelt dar.

Riesenkröten und Straßenkinder

Auf der Schachtel eines Paares von Gideon Schuhen steht: „Diese Schachtel hat eine Geschichte zu erzählen...“. Die Firma Gideon Shoes bezahlt australische Arbeiter fair, damit ihre Schuhe unter ethischen Konditionen hergestellt werden.

Aber sie verwendet auch einzigartige australische Materialien. Die Spezies der Riesenkröte ist in Australien weit verbreitet, sie schadet den Ökosystemen und gefährdet die Gesundheit der Menschen. Es gibt in Australien auch mehr Kängurus als Menschen, daher müssen Maßnahmen zur Bevölkerungskontrolle ergriffen werden. Während der Hauptanteil des Fleisches weltweit exportiert wird, wird das Fell für langlebige Lederhandschuhe und Schuhe genutzt.

Gideon Shoes nutzt diese sonst unerwünschten Wertstoffe, – Riesenkröten- und Känguruhaut – und macht daraus Modeartikel. Die Einnahmen fließen in die Finanzierung der Street University, die Sozial- und Bildungsarbeit für benachteiligte Kinder anbietet.

MOBILITÄT

Dämme - Menschgemachte Barrieren

Ob zu Land, Luft oder Wasser, Menschen bewegen sich schneller um die Welt, in größerer Anzahl und öfter als jemals zuvor. Als Verbraucher, Reisende und Flüchtlinge setzen wir die Welt in Gang.

Über die Jahrhunderte sind wir beides geworden, Träger und Barriere. Pflanzen und Tiere reisen in unserer Fracht mit und wir blockieren Bewegung mit Grenzen und Sperren, die den natürlichen Kreislauf umleiten oder sogar stoppen.

Durch unsere Mobilität ändern wir den Planeten.

Die Container-Revolution

Der Container gilt als eine wichtige Transportrevolution. Die Containerschifffahrt wurde in den 1960er Jahren zuerst in den USA auf den am stärksten frequentierten Schiffsrouten nach Europa und Japan eingeführt.

Um die Vorteile des Containertransports voll nutzen zu können, bedarf es maßangefertigter Spezialschiffe, gesonderter Hafenanlagen mit automatisierten Verladevorrichtungen und großer Lagerflächen.

Die Ware wird nur einmal verpackt und danach über lange Distanzen mit verschiedensten Verkehrsträgern wie Lastwagen, Eisenbahn oder Schiff transportiert. Die Kosten pro Tonnen-Seemeile für Hafengebühren, fürs Lagern und Verstauen, oder für lange Liegezeiten reduzieren sich erheblich.

Der Einsatz dieser genormten Transporteinheiten ermöglicht einen weltweiten Warentransport, der planbar, vergleichsweise sicher und für unseren weltweit wachsenden Warenhunger effizient ist.

Der Kasten, der die Welt in Bewegung setzte

Bis zum 19. Jahrhundert waren lebende Pflanzen schwer transportierbar. Im Sonnenlicht auf dem Deck positioniert, waren sie rauem Wetter, salziger Gischt und Temperaturschwankungen ausgesetzt. Sie schafften es selten lebend zu ihren endgültigen Zielen.

1829 veränderte sich dies als der englische Arzt und Naturforscher Nathanial B. Ward eher zufällig den Wardschen Kasten erfand. Pflanzen wurden mit feuchter Erde in die verglaste Holzkiste gesteckt, wo sie vom Wasserdampf profitierten, der durch die Tageshitze entstand. Somit konnten sie lange Reisen ohne Schäden besser überstehen.

Der Wardsche Kasten wurde ein sicherer Behälter, um lebende Pflanzen von ihren ursprünglichen Lebensräumen in andere Weltteile zu bringen, besonders zu fernen europäischen Kolonien in Asien und Afrika. Wichtige Knotenpunkte waren Botanische Gärten wie Kew in London oder die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien in Berlin. Dieser Kasten aus Berlin ist eines der wenigen erhaltenen Exemplare.

Invasive Arten: Ein globaler Trend

Sehr wenige Pflanzen können in der Antarktis überleben, aber seit kurzem wachsen dort einige Arten, wie das Behaarte Schaumkraut und die Butterblume, die man auch in München findet. Wissenschaftler und Sommertouristen tragen Samen und Pflanzenteile unbeabsichtigt in die eisige Umgebung: über Klettverschlüsse, Kamerahüllen, Stiefel. Schätzungsweise gelangen etwa 70 000 Samen und Pflanzenteile jeden Sommer in die Antarktis.

Da der Klimawandel das Gebiet erwärmt, können diese Arten sich viel einfacher in der Antarktis ausbreiten. Viele Konsequenzen zeigen sich erst nach Jahren, aber Wissenschaftler haben bereits bemerkt, dass Wechselbeziehungen zwischen mehreren fremden Arten wie Schwebfliegen, Butterblumen oder Schaumkraut, die negativen Auswirkungen verstärken könnten. Es gibt keine einheimischen Bäume oder Sträucher in der Antarktis. Nur zwei Arten blühender Pflanzen sind dort ursprünglich anzutreffen: Antarktische Schmiele (Deschampsia antarctica) und Antarktisches Mastkraut (Colobanthus quitensis).

MENSCH-MASCHINE

Technik im Alltag

Menschen sind einzigartig in ihrer technischen Schaffenskraft. Ganze Maschinen-Populationen bevölkern die Erde, vernetzen sich und durchdringen unser Tun und Sein. Ob Bewegungs-, Produktions-, Rechen-, Denk- oder Kampfmaschinen, alle werden von uns programmiert, automatisiert und autorisiert. Unserer Fantasie entsprungen, werfen sie gleichzeitig die Frage auf, ob und wie weit sie sich künftig verselbstständigen. Die geschaffene Technosphäre verändert uns und die Erde langfristig. Welche Maschinen wir entwickeln und anwenden wollen, ist eine wichtige globalgesellschaftliche Frage.

Luftbefeuchter „Defensor 505“, 1973

Im Zuge der steten Zunahme an Haushaltsgeräten wurden ab den 1970er Jahren Klimageräte für mehr Wohnkomfort und gesunde Raumluft angepriesen.

Meister und Sklave

Der SYNchron-TELe-MANipulator, kurz Syntelmann, bestand aus einem vom Menschen gesteuerten Exoskelett, dem „Meister“, und einem durch Kabel verbundenen „Sklaven“. Er arbeitete nicht autonom, sondern wurde fernmanipuliert.

Um in für den Menschen gefährlichen Umgebungen wie der Tiefsee, dem Weltraum oder Kernkraftwerken arbeiten zu können, wurden die vom „Meister“ ausgehenden Bewegungsabläufe elektrisch an den bis zu 100 Meter entfernten Manipulator übermittelt. Er besaß Sensoren, Kameras und elektromotorische Gelenke. Über die Forschungsphase kam der Syntelmann jedoch nicht hinaus.

Auch heutige Erkundungsroboter finden sich nur schwer zurecht, wenn die menschliche Fernsteuerung nicht möglich ist oder ausfällt. Die 2011 im zerstörten Kernreaktor Fukushima eingesetzten Roboter konnten sich wegen herumliegender Trümmer nur eingeschränkt bewegen. Sie waren mit den unkalkulierbaren Bedingungen überfordert. Stattdessen sicherten insgesamt 25 000 Menschen den Reaktor.

Ein folgenschwerer Versuch

Mit Geräten dieser Art experimentierten in den 1930er Jahren Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Straßmann auf der Suche nach „Transuranen“ – Atome, deren Kerne schwerer als Uran sind. Sie entdeckten die Kernspaltung und veränderten die Welt.

Auf die zufällige Entdeckung folgten schnell Bestrebungen, die bei der Kernspaltung frei werdende Energie zu nutzen. Während die Möglichkeit endloser Energie viele euphorisch stimmte, brachten die Atombombenabwürfe 1945 in Japan Hundertausenden den Tod.

Otto Hahn kämpfte in den 1950er Jahren gegen Atomwaffen und die radioaktive Verseuchung der Erde durch deren Tests. Der Kernenergie stand er wie viele andere positiver gegenüber; 1956 startete in England das erste kommerzielle Atomkraftwerk.

Atomwaffen bedrohen heute noch den Weltfrieden; die Kernenergie wird angesichts von Unfällen und Risiken, aber auch endlichen fossilen Energieträgern, heftig diskutiert. Ein sicheres Endlager für radioaktiven Abfall ist auch über 75 Jahre nach der Entdeckung der Kernspaltung nicht gefunden.

NATUR

Natur als Dienstleister

Seit es uns gibt, leben wir in und mit der Natur. Unsere Bilder von ihr sind vielfältig und unterliegen dem Wandel der Zeit. Natur dient als Nahrungsquelle und Rohstofflieferant, sie bietet Erholung und Inspiration und ist vieles mehr.

Ohne den Menschen ist Natur im Anthropozän nicht zu denken: Wir erforschen und nutzen, kontrollieren und verändern sie. Unsere Möglichkeiten, die Natur zu beeinflussen, sind kontinuierlich gewachsen. Natur und Kultur verschmelzen. Heute schaffen wir alte Naturen ab und formen neue, deren Lebensfähigkeit sich erst noch beweisen muss.

Die Erde mit neuen Augen sehen

Rembrandts pastorale Weiten, Cézannes geschwungene Hügel, die nebligen Meere Turners und die romantische Natur Friedrichs; Landschaftsbilder prägen unsere Wahrnehmung von Natur. Doch die Wirklichkeit sieht längst anders aus als auf diesen Gemälden. Durch Landwirtschaft, Fischerei, Industrie, Bergbau und Städtebau haben die Menschen erdweit „Kulturlandschaften“ geschaffen.

Manchmal zeigt sich der menschliche Einfluss mit erschreckender Wucht, manchmal versteckt und erst nach langer Zeit. Doch nicht alle neuen Landschaften sind schlecht und hässlich, viele besitzen eine ganz eigene Schönheit. Bilder von menschengeformter Neo-Natur fordern uns auf, die Erde mit neuen Augen zu sehen und Verantwortung für sie zu übernehmen.

Verstehbare Natur

Mit der Aufklärung brach sich in den Wissenschaften ein moderner Ordnungswille Bahn, der auch vor der Natur nicht Halt machte: Ihre verborgene Ordnung zu entschlüsseln galt vielen Forschern fortan an oberstes Ziel. Wegweisend war der schwedische Naturforscher Carl von Linné, indem er ein Klassifikationsschema für Botanik und Zoologie schuf.

Aber auch die Mineralogie erfreute sich großer Beliebtheit, unter anderem bei Johann Wolfgang von Goethe. Im Dienste von Herzog Karl August in Weimar war er mit der Erneuerung des Ilmenauer Bergbaus betraut und baute eine umfängliche Mineralien-Sammlung auf.

In Karlsbad lernte Goethe den Steinschneider Joseph Müller kennen, der örtliche Gesteinsproben als Souvenir an Kurgäste verkaufte. Er bat Goethe um eine fachmännische Systematisierung seiner Steine, die der Dichter bereitwillig vornahm. Goethe erhoffte sich von der Untersuchung einzelner Steine generelle Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Erde und ihrer Geschichte.

Über die Entstehung einer neuen Art

Ist die Entstehung eines 5-Klingen-Rasierers das Ergebnis menschlicher Bedürfnisse? Begrüßen Sie Razorius Gilletus – eine neue Spezies in unserer techno-ökonomischen Ökologie.

Die technische Entwicklung von Rasierern zeigt Ähnlichkeiten zu natürlichen Evolutionsprozessen: Jedes Modell baut auf den Merkmalen des Vorgängers auf. Erfolgreiche Adaptionen finden sich in künftigen Generationen, nicht erfolgreiche sterben dagegen aus. Ästhetische Merkmale haben oft keinen direkt erkennbaren Nutzen, außer dass sie helfen, sich gegen Rivalen durchzusetzen.

Rasierer sind aber menschengemacht, mag man einwenden, und sie können sich nicht fortpflanzen. Allerdings gilt dies heute auch bereits für viele domestizierte Früchte und manches Nutztier. Ist der Razorius Gilletus ein Zeichen dafür, dass Evolution mehr ist als ein DNA-basierter Prozess? Wenn ja, wer wird diese techno-biologische Evolution steuern?

ERNÄHRUNG

Globale Effekte des Fleischkonsums

Nichts hat die Erdoberfläche so stark geprägt wie die Landwirtschaft. Ernährung ist die Grundlage unseres Lebens, und Pflanzen bilden deren Basis. Im Anthropozän hat der Mensch erdweit tiefgreifend Böden, Lebensräume, Stoffkreisläufe, Wasserreservoire und das Klima verändert, um Pflanzen anzubauen oder Tiere zu halten.

Die Landflächen der Erde geraten zunehmend in Konkurrenz. Der Mensch sucht nach kreativen Lösungen und findet sie immer mehr im lokalen Umfeld.

Bodenlos

Bereits ein Drittel der Landoberfläche wird heute landwirtschaftlich genutzt. Was wir durch Rodung von Wäldern oder Umwandeln von Böden in Weideland dazu gewinnen, geht an anderer Stelle durch schlechte Nutzung oder Versiegelung durch Straßen- und Häuserbau verloren – jeweils auf Kosten der Natur.

Im Anthropozän greifen wir auf wenig geeignete Böden zurück, um die Weltbevölkerung ernähren zu können. Besonders die empfindlichen großen Trockengebiete der Erde  sind mittlerweile von Wüstenbildung bedroht. Einmal zerstörte Böden regenerieren sich nur in geologischen Zeiträumen. Weltweit benötigen wir schonende Bewirtschaftungsformen, um die Fruchtbarkeit der Böden und die Biodiversität zu erhalten und auf den Klimawandel durch Anpassung reagieren zu können.

Das Haber-Bosch-Verfahren

Mit der Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens gelang es zu Beginn des letzten Jahrhunderts, Ammoniak aus Luftstickstoff und Wasserstoff künstlich herzustellen. Im Ersten Weltkrieg ermöglichte die Ammoniaksynthese die massenhafte Produktion von Sprengstoffen. Nach Kriegsende konnte die Mineraldüngerproduktion zur Sicherung der Welternährung starten. Fritz Haber erhielt für die Ammoniaksynthese den Nobelpreis für Chemie des Jahres 1918. Der Demonstrationsapparat von Fritz Haber wandelt Stickstoff- (N2) und Wasserstoffgas (H2) in Ammoniak (NH3) um.

Im ersten Schritt werden die Gase gereinigt. Im Kontaktraum findet die eigentliche Reaktion statt. Sie wird erst durch einen Eisenkatalysator und einen hohen Druck von 200 bar ermöglicht. Die Temperatur von 500°C erhöht den Umsatz des Prozesses. Der Verflüssiger enthält das entstandene Ammoniak.

Urban Gardening

Was in Nordamerika in den 1970er Jahren mit Wurfgeschossen aus Samen und Erde als „Guerilla Gardening“ begann, lässt mittlerweile rund um den Globus Städte aufblühen. Beim „Urban Gardening“ bepflanzen Bewohner Brachflächen zwischen Parkplätzen, Straßen und Häuserschluchten.

Ob es der Wunsch nach dem Einfachen in einer zunehmend komplizierten Welt ist oder pure Überlebensstrategie: Das gemeinschaftliche Gärtnern hat einen ökologischen, sozialen und ökonomischen Mehrwert. Politiker, Stadtplaner und Bürger erkennen, dass eine nachhaltige Stadt grün und produktiv sein muss.

EVOLUTION

Fragile Ozeane

Der Mensch hat das Bedürfnis, seine Umwelt zu gestalten und zu verändern. Zu seinem eigenen Nutzen greift er tief in biologische Prozesse ein. Er schafft ab, was für ihn unvorteilhaft ist und kreiert Neues.

Die heutige Lebensweise des Menschen lässt die Artenvielfalt schwinden, die er jedoch für sein eigenes Überleben braucht. Sich seiner Verantwortung bewusst  tritt er aber auch als Bewahrer von Arten auf.

Der Mensch ist selbst Teil der Evolution, die nie stillsteht. Im Anthropozän ist er so dominant geworden, dass sich alle Lebewesen an die von ihm geschaffenen Bedingungen anpassen müssen, auch er selbst.

Mais – ein Korn für alle 

Aus einem einfachen Süßgras in Mexiko wurde das meistangebaute Getreide der Erde. Es spielt heute eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Weltbevölkerung. Die Veränderung dieser Pflanze gilt als eine der größten Domestizierungsleistungen der Menschheit.

Indigene Völker Mittelamerikas kultivierten das Wildgras Teosinte. Bereits zu Kolumbus‘ Zeiten war es mehr als jede andere Pflanze verändert worden und spezieller Mais wurde für Maismehl oder Popcorn genutzt. 5000 Kultursorten werden mittlerweile weltweit, von den heißen Tropen bis in die rauen Hochgebirgslagen angebaut.

Mais wird nicht nur gegessen. Er steckt auch in Einweggeschirr, Verpackungsmaterial, T-Shirts und landet im Tank. Enorme Erträge liefert, vor allem in den letzten Jahrzehnten,  Hybrid- und transgener Mais, der ein Viertel der weltweiten Getreideanbauflächen einnimmt. Das führt zu diversen ökologischen und gesellschaftlichen Problemen und ist umstritten.

Auf den Hund gekommen 

Seit 15.000 Jahren hat der Mensch Wölfe gekreuzt und Hunde gezüchtet. Dabei wurde der „Freund des Menschen“ ständig angepasst: Erst war der Hund schneller Jagdhelfer, dann starker Bewacher. Mit der Industrialisierung verlor er seine Bedeutung als Nutztier und wurde zum ‚Lifestyleobjekt‘.

Dass sie so unterschiedlich aussehen können und so gefügig sind, zumal in der Stadt, macht Hunde so geeignet, als Schoß- und Haustiere gehalten zu werden. Mittlerweile existieren Hunderte von Rassen mit unterschiedlichem Aussehen und Charakter.

Hunde nützen heute eher als Familienmitglied oder Sozialpartner. Kein anderes Tier versteht die Gesten und Blicke eines Menschen so gut wie der Hund. Da er den gleichen Umweltfaktoren ausgesetzt ist wie der Mensch, leidet er an ähnlichen Krankheiten, wie etwa Diabetes. Im Verlauf der Domestizierung haben Hunde viele sozial-kognitive Fähigkeiten des Menschen übernommen; somit hat eine gemeinsame Evolution stattgefunden.

Monotonie im Garten Eden 

Seit die Menschen vor 13 000 Jahren sesshaft wurden, haben sie an Klima, Boden und Höhenlagen angepasste Nutzpflanzen gezüchtet. Die überlebenswichtige Vielfalt schwindet jedoch seit einigen Jahrzehnten rasant.

Mittlerweile ernähren wir uns von nur noch wenigen, auf Hochleistung gezüchteten Pflanzensorten, die zudem in Monokultur angebaut werden. Sie sind jedoch anfällig für Krankheiten oder Schädlinge. 

Rund um den Globus existieren rund 1400 Saatgutbanken. Dort werden landestypische Nutzpflanzensorten gesammelt, die sonst für immer verloren gehen könnten. Seit 2009 vereint eine sie alle: die Svalbard Global Seed Vault, ein gut geschützter, unterirdischer Samentresor in Norwegen.

ZUKUNFT

Wie wird die Zukunft im Anthropozän aussehen? Die AusstellungsbesucherInnen haben ihre Ideen aufgeschrieben und mit ihnen die Papierblumenlandschaft der Zukunft „bepflanzt“. Sehen Sie selbst…

Mitwirkende: Geschichte

Nina Möllers (Projektleitung), Daniela Menge, Luke Keogh, Helmuth
Trischler

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Rachel Carson Center for Environment and Society.

Quelle: Alle Medien
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