1950 bis 1959

Geliebte Technik der 50er Jahre

Deutsches Museum

Zeitzeugen aus unserem Depot

Kochen

Die 50er Jahre brachten eine zunehmende Elektrifizierung des Haushalts mit sich. Einige Familien konnten sich schon einen Kühlschrank, eine Tiefkühltruhe und sogar eine Spülmaschine leisten. Eine spürbare Entlastung der Hausfrau bedeutete die Anschaffung von kleineren Geräten wie Mixer oder Toaster. Gleichzeitig waren noch viele mechanisch betriebene Geräte mit Handkurbel in Gebrauch, wie etwa Brotschneidemaschinen oder Kaffeemühlen.

In den neuen bunten Resopal-Einbauküchen wurden Leckereien wie Käseigel (Käse-Frucht-Spiesschen), kalter Hund (Kekskuchen) und Kullerpfirsich (Pfirsich in Schaumwein) zubereitet. Die Einfuhr von Südfrüchten bereicherte zusätzlich den Speiseplan. Der erste deutsche Fernsehkoch Clemens Wilmenrod machte seinem Publikum den beliebten Toast Hawaii schmackhaft.

Erleichterung im Haushalt

Wäsche und Körperpflege

Das Wäschewaschen erfuhr durch die Erfindung des Waschvollautomaten eine kleine Revolution. Die Hausfrau musste nur noch die Wäsche und ein Waschmittel einfüllen, den Rest erledigte die Maschine in nur zwei Stunden von selbst. Wegen der hohen Anschaffungskosten konnte sich der Waschvollautomat jedoch nur langsam durchsetzen. Viele Familien besaßen zumindest eine elektrisch beheizte Waschmaschine und einen Mangelautomaten. Einige aber mussten weiterhin die mühevolle Handarbeit mit Waschbrett und Zuber auf sich nehmen. Da das Waschen einfacher wurde, begannen die Menschen, ein neues Hygieneempfinden zu entwickeln. Sie wechselten nun ihre Kleider und das Bettzeug häufiger. Die Entwicklung des ersten Wäschetrockners im Jahr 1958 vereinfachte die Wäschepflege zusätzlich.

Waschen, spülen, schleudern – ein Kinderspiel!

Textilien und Kunststoffe

Moderne Fasern erobern die Damenbeine

Kleider aus neuartigen Kunststofffasern wie Polyamid kamen bei den Verbrauchern gut an und wurden unentbehrlich, weil sie schnell trockneten und weitestgehend bügelfrei waren. Während die Männer in den Nylonhemden schwitzen mussten, erfreuten sich die Damen an schicken Nylonstrümpfen. Diese galten seit ihrer Einführung vor dem Zweiten Weltkrieg als Statussymbol und zogen die Blicke der Männer auf sich. Mit etwa 5,90 DM waren sie allerdings sehr teuer: Ein Handwerker musste vier Stunden für ein Paar arbeiten.

Seit 1951 wurden Strümpfe aus noch feinerem Garn hergestellt, das besonders anfällig für Laufmaschen war. Es wurden daher eigens Repassiermaschinen entwickelt, mit denen Laufmaschen wieder repariert werden konnten. Der Siegeszug der Strumpfhose begann erst Mitte der 1960er: Sie passte einfach besser zum Minirock!

Radios

Im Jahr 1948 wurde der Kopenhagener Wellenplan verabschiedet, in dem die Neuvergabe der Rundfunkfrequenzen geregelt war. Da die vier Besatzungszonen in Deutschland nur wenige Frequenzen im MW-Bereich erhielten, beschlossen sie den Ausbau des UKWNetzes. 1951 gab es in der BRD 25 UKW-Sender, 1954 bereits 103.

Bei den Empfängern kamen große holzverkleidete Röhrengeräte in Mode, die sich gut in das Design der Wohnzimmer einfügten. Zudem stieg die Nachfrage nach Musiktruhen mit Plattenspieler. Daneben entwickelte die Industrie tragbare Kofferempfänger sowie transistorisierte Taschenempfänger als Zweitgeräte. Diese machten 1960 ein Drittel der Gesamtproduktion aus. Das Radioprogramm knüpfte an die Tradition des Weimarer Unterhaltungsrundfunks an: mit Musik, Hörspielen und Nachrichten aus Politik und Wirtschaft. 1956 führte der Bayerische Rundfunk Werbesendungen ein.

Möbelstücke und mobile Begleiter

Fernsehen

1952, als der Rundfunk noch unter Hoheit der Alliierten stand, startete in der BRD und der DDR – wie vor dem Weltkrieg – die Ausstrahlung regelmäßiger Fernsehprogramme. Während mehrere Millionen US-Amerikaner bereits stolze Besitzer eines Fernsehgeräts waren, gab es in der BRD gerade einmal 11.658 bei der Bundespost gemeldete Empfänger.

Die tägliche Sendedauer betrug zwei Stunden. Zusätzlich gab es Sondersendungen, wie bei der Krönung Elisabeth II. 1953 und bei der Fußballweltmeisterschaft 1954. Diese sahen sich die weniger betuchten Bürger meist in Gaststätten an. Letztere förderten die Akzeptanz des Fernsehens ebenso, wie es die Zunahme der ARD-Sendestationen tat.

Die Zahl der registrierten Fernsehempfänger in der BRD hatte 1959 die Viermillionengrenze überschritten; das Fernsehen entwickelte sich zu einem Massenmedium. Ab 1962 gab es mit dem ZDF ein zweites Programm. 1967 wurde das Farbfernsehen eingeführt, das in den USA bereits seit 1954 zur Verfügung stand.

Der Start des Massenmediums

Elektronische Musikinstrumente

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Grundlagen für die Nutzung der Elektrizität im Bereich der Musikinstrumente gelegt. Die Entwicklung von Verstärkerröhren und Lautsprechern ermöglichte ab den 1920er Jahren die Konstruktion der ersten spielfähigen elektronischen Musikinstrumente. Eine Produktion dieser Instrumente in größerem Maßstab begann jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Das wichtigste hier zu nennende Instrument ist die Orgel mit elektronischer Tonerzeugung. Sie wurde beispielsweise als Kirchenorgel eingesetzt, aber auch für Haus-, Konzert- und Unterhaltungsmusik. Die elektrischen Kirchenorgeln waren umstritten: In den 1950er und 1960er Jahren verbot man sie in einigen Kirchen.

Neben Tasteninstrumenten entstanden elektrische Schlagzeuge, Akkordeons und Gitarren.

Die Klänge der 1950er

Foto und Film

Knipsen und kurbeln

Auf der ersten Photokina in Köln 1951 ging es um eine Bestandsaufnahme der deutschen fotografischen Industrie. Neben altbekannten Firmen, die anfangs in Ost- und Westdeutschland vertreten waren, gab es eine Vielzahl neuer Hersteller, die in einem meist nur kurzlebigen Engagement den breiten Amateurmarkt zu befriedigen suchten. Die noch immer beliebte Balgenkamera und die preiswerte Box für das Mittelformat wurden durch Spiegelreflexkameras und starre Tubuskameras für das Kleinbild abgelöst. Erste Ansätze einer Automatisierung führten zu einer vereinfachten Bedienung der Apparate. Der Einsatz von Kunststoffen und eine bewusste Formgebung unterstrichen den Willen zu einer modernen Gestaltung.

Der Farbfilm belebte die Diaprojektion und auch das Filmen, doch für die meisten blieb die Farbe ein allzu teurer Spaß – die Bilder der 1950er Jahre zeigen das Leben daher meist noch immer in Schwarz-Weiß.

Bürotechnik

Jede Firma und jede Behörde hat ein Büro, um Korrespondenz zu erledigen und Gelder zu buchen. Neben Büromaschinen diente Papier als Hauptarbeitsmittel für Schriftstücke, Kalkulationen und Rechnungen.

Nach 1945 entwickelte man die Schreib- und Buchungsmaschinen, die es seit längerer Zeit gab, weiter: Die Gehäuse wurden bunt und die Schreibgeräusche mit Schaumstoff abgedämpft. Mit dem Telefon entstanden zusätzliche Organisationsaufgaben. Briefe wurden in der Regel vom Chef diktiert – entweder zur stenografischen Mitschrift oder auf Band. Die fertigen Schriftstücke brachte man zur Post, Durchschläge und Antworten füllten die Aktenordner an der Bürowand. Auch Schriftsteller tippten ihre Texte auf der Maschine, häufig auf den kostengünstigeren Reiseschreibmaschinen.

Schreiben, lochen, ablegen

Naturwissenschaften

 Die 50er Jahre waren eine Zeit bedeutender Entdeckungen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Die Bevölkerung zeigte sich begeistert von den neuen technischen Errungenschaften und glaubte ungebrochen an den Fortschritt. Man träumte von futuristischen Gebäuden, spektakulären Fahrzeugen und einem Leben im Weltraum und auf fremden Planeten.

Mit neuen Medikamenten und Impfungen konnte man einige Krankheiten heilen und anderen vorbeugen. Allmählich verbreiteten sich hygienische Einwegartikel aus Kunststoff, die die Infektionsgefahr verringerten. Doch der Fortschrittsglaube bekam einen starken Dämpfer: Der Contergan-Skandal zu Beginn der 1960er Jahre holte die Bevölkerung zurück in die Wirklichkeit.

Heikel war auch das Thema Kernkraft. Der erste Kernreaktor Deutschlands wurde in Garching bei München in Betrieb genommen. Dies geschah nur wenige Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki und parallel zu heftigen Diskussionen darüber, ob die Bundeswehr über Atomwaffen verfügen sollte. Furcht und Euphorie lagen hier nah beieinander.

Forscherdrang und Fortschrittsglaube

Motorräder

In Deutschland wurde die Massenmotorisierung anfangs von Zweirädern

mitgetragen. Denn Motorräder oder -roller waren in der Anschaffung preisgünstiger sowie im Betrieb und Benzinverbrauch sparsamer als ein Automobil. Als Zusatzausstattung wurde oft ein Beiwagen angeboten. Viele Zweiradfirmen wie Dürkopp, Zündapp und Heinkel stellten in den 50er Jahren nach italienischem Vorbild auch Motorroller her. Diese konnten in der Regel 60 bis 90 km/h schnell fahren. Die Vespa war und ist auch heute noch das wichtigste Kultobjekt unter den Motorrollern. Von Italien aus trat sie ihren Siegeszug über die Alpen an. Allein im Jahr 1951 wurden 12 000 Stück davon produziert. Eine preisgünstige Mittelstufe zwischen Motorroller und Auto waren die sogenannten Kabinenroller oder Rollermobile. Das dreirädrige Modell von Messerschmitt bot nur zwei hintereinandersitzenden Personen Platz. Den Spitznamen „Schneewittchensarg“ verdankte es dem transparenten Dach, das nach oben geklappt und somit als Einstieg genutzt werden konnte.

Die Motorisierung des kleinen Mannes

Autos

Die Jahre des Wirtschaftswunders brachten nicht nur den legendären Volkswagen Käfer auf den Weg, sondern zusätzlich eine Vielzahl kleinerer und größerer Fahrzeuge. In der Mitte der 1950er Jahre begann die Phase der Massenmotorisierung in Deutschland, mit der ein Ausbau des Straßenwesens einherging.

Bei Einsteigern waren oft Kleinstfahrzeuge sehr beliebt. Unvergessen bleiben beispielsweise die außergewöhnliche BMW Isetta, die „Knutschkugel“ mit dem Fronteinstieg, oder ihr Pendant, der Heinkel Kabinenroller. Für wohlhabende Bürger waren aber auch wieder größere Fahrzeuge mit technischem Komfort im Gewand der neuen Pontonkarosserien auf dem Markt. Traumautos wie Borgwards Isabella oder der Opel Kapitän boten Platz für mindestens vier Personen und einigen Reisekomfort – wie einen geräumigen Kofferraum.

Vermehrt fuhr man mit dem Automobil auch in den Urlaub. Neue Sozialstandards sorgten in der jungen Bundesrepublik dafür, dass sich nun viele eine Auszeit vom Alltag gönnen konnten. Heiß begehrt waren ein paar Tage in „bella Italia“. Wer sich noch keine weite Reise leisten konnte, entschied sich auch gern für den Campingurlaub im Allgäu oder an einem See in der Nähe.

Das Knattern der 1950er

Mitwirkende: Geschichte

Deutsches Museum

Quelle: Alle Medien
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