28.07.1914

"An Meine Völker"

Europeana

Erster Weltkrieg 1914 - 1918

Sesam öffne Dich!

Wir beginnen diese Ausstellung mit einem Spiel. Nach Besichtigung der Ausstellung können Sie dieses Rätsel vielleicht schon lösen. Wenn nicht, verraten wir Ihnen die Lösung.

Das Spiel besteht aus neun konzentrischen Scheiben. Auf der größten stehen die zu beantwortenden Fragen: „Wer begann und wer gewinnt den Krieg?“, der Verkaufspreis, das Preisgeld für die Auflösung, der Vertreiber des Spiels (das Kriegshilfebüro des k. k. Ministeriums des Innern) und der Hinweis auf die Erklärungen auf der Rückseite. Die Scheiben sind in der Mitte zusammengenietet, sodass man sie drehen kann. Auf jeder der acht anderen Scheiben befinden sich jeweils alle Buchstaben des Alphabets sowohl in Rot als auch in Schwarz. Dreht man die Scheiben richtig, beantworten acht rote Buchstaben die erste Frage. Die darunter liegenden acht schwarzen Buchstaben beantworten damit automatisch die zweite Frage. Das Spiel kostete eine Krone, auf die Lösung wurde ein Preis von 2500 Kronen ausgesetzt.

Kapitel 1

Krieg und Hofbibliothek

Die Hofbibliothek in Wien begann schon im August 1914 mit dem Aufbau einer historischen Quellensammlung zur „Großen Zeit“ des Kriegs. Es ergingen Aufrufe der Hofbibliothek an die Tagespresse und die Behörden, Plakate, Kundmachungen, Flugblätter, Tagebücher, Vivatbänder, Postkarten, Gedichte, Schulaufsätze, Zeichnungen, Fotos und vieles andere einzusenden, um späteren Generationen möglichst viele Aspekte des Kriegs verdeutlichen zu können. Die Reaktionen waren enorm. Aus allen Kronländern trafen offizielle und private Sendungen unterschiedlichster Qualität ein. Die Hofbibliothek stand auch in einem regen Tauschverkehr vor allem mit Budapest und Berlin. Bis Ende des Kriegs hatte die Bibliothek an die 52.000 Gegenstände und tausende Fotos gesammelt. Nach 1918 ließ die Bereitschaft, den verlorenen Krieg zu dokumentieren, merklich nach. In der Ersten und auch in der Zweiten Republik interessierte sich so gut wie niemand mehr für diese besondere Hinterlassenschaft der Jahre 1914 bis 1918.

Wenn es ein Dokument gibt, das als „Gründungsurkunde“ des Ersten Weltkriegs angesehen werden könnte, dann ist es das kaiserliche Manifest „An Meine Völker!“ vom 28. Juli 1914. Diese Kundmachung wurde in unzähligen Varianten in der ganzen Monarchie gedruckt. Häufig als Buchdruck in verschiedenen Schriftarten, aber auch in Schmuckversionen mit ornamentalem Rahmen. Vor allem wurde es in den neun offiziellen Landessprachen – Deutsch, Tschechisch, Polnisch, Ukrainisch, Slowenisch, Kroatisch, Serbisch, Rumänisch, Italienisch – im österreichischen Reichsteil kundgemacht.

Die allgemeine Mobilisierung wurde unmittelbar nach der Kriegserklärung an Serbien in Österreich-Ungarn plakatiert. Die Streitkräfte, die bei der allgemeinen Mobilmachung als Bewaffnete Macht oder auch Wehrmacht genannt wurden, setzten sich aus der k. u. k. Armee, der kaiserlich-königlichen Landwehr, der königlich ungarischen Landwehr und der k. u. k. Kriegsmarine zusammen. Teilweise waren diese Kundmachungen bereits vorgedruckt und wurden nur durch ein gestempeltes Datum ergänzt.

Allgemeine Mobilisierung der Nichtaktiven und landsturmpflichtigen Personen, Pferde, Transportmittel und Kriegsleistungen

Postkarte an die Illustrierte Kronenzeitung 

Die Illustrierte Kronenzeitung startete einen Aufruf, Feldpostkarten an die Redaktion zu senden, die danach in einer Auswahl veröffentlicht wurden. Die k. k. Hofbibliothek bat daraufhin den Chefredakteur, diese danach an die Kriegssammlung der Bibliothek abzuliefern wie z. B. diese Karte aus einem Lazarett in Fiume (Rijeka) an die „goldenen Wienerherzen“.

Verschlussmarken waren ab 1900 ein beliebtes Sammler- und Werbemedium. Man konnte diese Marken, die von Künstlern gestaltet waren, sammeln oder zusätzlich zu den offiziellen Briefmarken auf Postkarten oder Briefe kleben. Im Ersten Weltkrieg konnten sie gegen Spenden erworben werden, die meist der Kriegsfürsorge zugute kamen. Mit dem Erwerb dieser mit dem Wiener Wappen geschmückten Verschlussmarken wurden Gratisausspeisungen für Bedürftige unterstützt.

Nicht nur für mildtätige Zwecke wie der Kriegsfürsorge wurden Verschlussmarken gedruckt, auch für die Kriegspropaganda gibt es Beispiele. Diese Marke aus Waidhofen an der Ybbs zitiert den damals beliebten Spruch „Gott strafe England“, obwohl eigentlich kaum Truppen der k. u. k. Armee gegen britische Truppen kämpften. Die Bildsymbolik verweist auf die Waffenbrüderschaft zwischen Österreich-Ungarn, Deutschland und dem Osmanischen Reich.

„Gott strafe England“ 

Lotterieschein Kaiserin-Zita Tag 

Wie in Friedenszeiten wurden auch während des Krieges Lotterien veranstaltet, deren Einnahmen der Kriegsfürsorge dienten. Am 9. Mai 1917 gab es den Kaiserin-Zita-Kindertag, bei dem man Lose um 20 Heller erwerben konnte. Die künstlerische Ausstattung des kleinen Scheines stammt von Theo Zasche, einem bedeutenden Wiener Maler und Karikaturisten. Im Zentrum ist ein Porträt des damals vierjährigen Kronprinzen Otto (1912–2011) zu sehen.

Während des Krieges waren im Wiener Stadtbild die Plakate für die Kriegsanleihen stets präsent. Es wurde aber nicht nur mit diesen Großformaten geworben, sondern auch mit Postkarten und teilweise mit Abwürfen von Zetteln aus Flugzeugen. Im konkreten Fall wurden diese kleinen „Kunstwerke“ – mit Gebrauchsspuren – am 8. Juli 1918 über der Jesuitenwiese im Wiener Prater abgeworfen. Der Entwurf stammte vom Tiroler Maler und Grafiker Walter Kühn.

Zehn Monate nach dem ersten kaiserlichen Manifest waren in der gesamten Monarchie ein weiteres Mal die Worte „An Meine Völker!“ zu lesen. Diesmal war Kaiser Franz Joseph nicht der aktive Part, der Serbien den Krieg erklärte, sondern er befand sich in einer passiven Rolle nach der Kriegserklärung Italiens und formulierte defensiv: „Der König von Italien hat Mir den Krieg erklärt.“ Auch diese Kundmachung wurde in allen Landessprachen plakatiert, selbstverständlich auch auf Italienisch für die italienischsprachigen Gebiete im Trentino, im Küstenland und in Dalmatien.

Kundmachung „An Meine getreuen österreichischen Völker!“ Gegen Ende des Krieges gab es nochmals ein kaiserliches Manifest. Doch diesmal hieß es – am 16. Oktober 1918 – nicht mehr „An Meine Völker!“ sondern „An Meine getreuen österreichischen Völker!“. Polen, Tschechen, Südslawen, aber auch Ungarn gaben bereits zu verstehen, dass sie eigene Wege gehen wollten. Dieses sogenannte „Völkermanifest“ ist also bereits als „Auflösungsurkunde“ des Vielvölkerstaates zu verstehen.
Kundmachung „An das deutsche Volk in Österreich“ 

Ende Oktober 1918: Noch kämpften vereinzelt Truppen der k. u. k. Armee an den Fronten, die Auflösungstendenzen waren allerdings bereits offensichtlich. Am 30. Oktober 1918 wählten die deutschsprachigen Abgeordneten zum Reichsrat einen republikanischen Staatsrat, der Friedensverhandlungen einleiten und eine Befriedung der heiklen politischen Situation sichern sollte. Unterfertigt ist das Manifest – bereits ohne den Doppeladler als Hoheitszeichen – vom Deutschnationalen Franz Dinghofer, vom Christlichsozialen Johann Nepomuk Hauser und vom Sozialdemokraten Karl Seitz. Das Dokument darf als Gründungsurkunde der Republik Österreich angesehen werden.

Kapitel 2

Attentat und Julikrise 1914,Krieg und Gedächtnis

Der Erste Weltkrieg nimmt seit 100 Jahren einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis der meisten europäischen und vieler außereuropäischer Staaten ein. In Österreich verschmilzt die Erinnerung an die Kriegsjahre von 1914 bis 1918 mit dem Bewusstsein vom Ende Österreich-Ungarns. Die Spuren einer Rückbesinnung auf die Zeit der Donaumonarchie wie auch auf den Krieg, der ihr Ende bedeutete, sind bis heute gegenwärtig. Der österreichisch-ungarischer Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie wurden am 28. Juni 1914 von einem jungen serbischen Nationalisten in Sarajevo ermordet. In Österreich-Ungarn herrschte vom ersten Augenblick an die Absicht, von Serbien Genugtuung zu verlangen – notfalls durch Krieg. Ein Ultimatum wurde vorbereitet. Auch und besonders Kaiser Franz Joseph war für den Einsatz der k. u. k. Armee. Da Serbien die Forderungen Österreich-Ungarns nicht im vollen Umfang erfüllen wollte, entfesselte schließlich die Habsburgermonarchie den Krieg. Wechselseitige Kriegserklärungen folgten Schlag auf Schlag. Ende 1914 stand Europa in Flammen.

Die jüdische Bevölkerung der Donaumonarchie galt als ganz besonders kaisertreu. Die Trauerbekundung der jüdischen Gemeinde von Ragusa (Dubrovnik) anlässlich der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gattin ist ein Dokument dafür. Sie wurde sowohl in italienischer als auch in kroatischer Sprache gedruckt.

Trauerbekundung der Jüdischen Gemeinde Ragusa (Dubrovnik) 
Bereits zwei Tage nach dem kaiserlichen Manifest wurde der Wiener Bevölkerung kundgetan, dass man eine „Zentralstelle der Fürsorge für Soldaten und ihre Familienangehörigen“ gegründet hatte, obwohl der patriotische Text suggerierte, dass die Soldaten wohl bald siegreich heimkehren würden.

„Der Krieg hat begonnen!“

Im 19. Jahrhundert waren Bilderbögen ein sehr populäres Medium. Im Ersten Weltkrieg wurden sie als Propagandamittel genutzt. Die 1823 gegründete Druckerei Robrahn & Co in Magdeburg spezialisierte sich auf solche Einblattdrucke und produzierte auch Motive für den österreichischen Bündnispartner wie z.B. hier „Die Beschießung von Belgrad“, wobei nur Siege ins Bild gerückt wurden.
Postkarte „Reiterlied“ 

Postkarten wurden während des Ersten Weltkriegs in Millionenauflage gedruckt. Teilweise waren sie künstlerisch gestaltet, teilweise waren es Fotoreproduktionen. Die Grafische Kunstanstalt Schulz in Prag produzierte eine Serie mit populären Soldatenliedern. Das Wallenstein-Reiterlied von Friedrich Schiller aus dem Jahr 1798 gehörte zum fixen Liedrepertoire der patriotischen Kriegslyrik.

Am 6. März 1915 wurde am Schwarzenbergplatz ein sogenannter „Wehrmann im Eisen“ aufgestellt, eigentlich eine Lindenholzfigur des Bildhauers Johann Müllner. Die Statue war eine Propagandamaßnahme für die Kriegsfürsorge. Gegen eine Spende durfte ein Nagel eingeschlagen werden und man erhielt eine Urkunde, die dies bestätigte. Solche Wehrmänner gab es in vielen Städten in Deutschland und in Österreich. Heute steht dieser Wehrmann unter den Arkaden des Hauses Rathausstraße/Felderstraße beim Wiener Rathaus.
Kundmachung „Mitbürger“ 

Diese Kundmachung des Wiener Bürgermeisters Richard Weiskirchner ist ein Propagandaplakat par excellence. Denn als es plakatiert wurde – wahrscheinlich am 3. Dezember 1914 – und man zudem die Häuser festlich beflaggen sollte, da war Belgrad bereits wieder in serbischer Hand und von „siegreich“ konnte keine mehr Rede sein.

“Es lebe unser Kaiser!”

Kundmachung „Lvov“ (Lemberg) Die Wiedereroberung der galizischen Hauptstadt Lemberg wurde in der gesamten Monarchie gefeiert. Vielfach wurde sie als patriotischer Akt auch auf den Plakatwänden bejubelt. In der böhmischen, mehrheitlich tschechischsprachigen Stadt Blatná wurde im Juni 1915 dieses Plakat gedruckt.
Plakat „6. Kriegsanleihe“ 

Für die 6. Kriegsanleihe beauftragte die Sparkasse Meran den Tiroler Maler und Grafiker Oswald Hengst (1870–1938). Er war auch Leiter der Grafischen Abteilung der Wagner’schen Druckerei in Innsbruck, wo dieses Plakat gedruckt wurde. Technische Neuerungen wie U-Boote waren ein beliebtes Motiv. Das Untersee-Boot der k. u. k. Marine verweist möglicherweise auf die Person des Maria-Theresien-Ritters Georg Ludwig von Trapp, der 1915 den französischen Panzerkreuzer „Leon Gambetta“ vor der Straße von Ottranto versenkte.

Plakat „8. Kriegsanleihe“ Der Wiener akademische Maler Emil Ranzenhofer (1864–1930) schuf 1918 im Auftrag der Länderbank für die 8. und letzte österreichische Kriegsanleihe ein Motiv, das wohl nur als Visualisierung der für Österreich-Ungarn erfolgreichen 12. Isonzoschlacht interpretiert werden kann: das sogenannte „Wunder von Karfreit“. Zu sehen ist nicht die eigentliche Schlacht oder gar der dortige Einsatz von Giftgas, sondern der „Feldherrnhügel“, von dem der Blick auf eine scheinbar friedliche Landschaft fällt.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Österreichische Flottenverein gegründet, um ein wenig den reichsdeutschen Ambitionen zum Aufbau einer mächtigen Kriegsflotte nachzueifern. Der Verein sammelte Spenden zum Bau der größten Schiffsklasse, den sogenannten Dreadnoughts, wie der „SMS Viribus Unitis“ mit 1000 Mann Besatzung, die hier wohl dargestellt ist. Das andere Schiff, ein Passagierdampfer des Österreichischen Lloyd, verweist unbeabsichtigt auf den tragischen Beginn der österreichischen Schifffahrt im Ersten Weltkrieg. Das Linienschiff „Baron Gautsch“ fuhr am 13. August 1914 vor der Insel Brioni auf eine Mine auf, die die k. u. k. Marine zum Schutz des Kriegshafens Pula selbst gelegt hatte und sank. Dabei starben rund 150 Personen.

Plakat „Österreichischer Flottenverein“ 
Plakat „Kriegsfürsorge für die türkischen Truppen“ 

Nachdem Truppen aus dem Osmanischen Reich an der Ostfront in Galizien eingesetzt wurden und hohe Verluste zu beklagen hatten, wurde verstärkt die Waffenbrüderschaft zwischen Österreich-Ungarn und den türkischen Truppen in Bildmedien dokumentiert. Hier reicht ein Soldat der k. u. k. Armee seinem Waffenbruder die Hand. Wie man am Plakat erkennen kann, wurde die türkische Sprache vor den Reformen von Mustafa Kemal Atatürk noch mit arabischen Schriftzeichen notiert.

Kapitel 3

Flüchtlinge und Kriegsgefangene, Verwundete und Tote

Schon vor dem Beginn der Kampfhandlungen Ende Juli 1914 setzte in den Aufmarschräumen der Armeen die Flucht ein. Es folgten systematische Aussiedlungen, Vertreibungen und die Internierung von Verdächtigen oder solchen, die man verdächtigte. Noch viel größere Menschenmassen mussten in Kriegsgefangenenlagern untergebracht werden. Die Lager wuchsen rasch zu Barackenstädten, in denen 40.000 und mehr Kriegsgefangene untergebracht wurden. In Russland waren schließlich an die zwei Millionen Soldaten in Gefangenschaft; in Serbien rund 100.000. In den meisten Lagern herrschte tiefes Elend. Die Soldaten aller Armeen lebten vom ersten Kriegstag an mit der Gefahr von Verwundung und Tod. Zunächst wurden die Verlustlisten der k. u. k. Armee täglich veröffentlicht. Dann stellte man die Veröffentlichung ein: Es waren zu viele Namen geworden. Doch die traurige Wahrheit über die Verluste, die schließlich an die 1,2 Millionen Tote ausmachten, sickerte durch. Rund dreimal so viele Menschen wurden verwundet. Ein Teil von ihnen trug dauerhafte Schäden davon.

Hauseigentümer und Hausverwalter  wurden dazu verpflichtet, vor der Hilfeleistung für Kriegsgefangene zu warnen. Diese Kundmachungen waren  in den Wachstuben erhältlich und sollten binnen 48 Stunden plakatiert werden. Die Nichtbefolgung wurde strengstens bestraft. Die Kundmachung des k. k. Regierungsrates und Polizeidirektors von Tarangul erschien in Czernowitz am 20. März 1916 in rumänischer, deutscher und ukrainischer Sprache.

Kundmachung „Kriegsgefangene“ 
Kundmachung „Entweichung von Kriegsgefangenen“ Die Bezirkshauptmannschaft von Kimpolung im äußersten Osten der Bukowina versprach mit der Kundmachung vom 21. Juni 1915 für die Bekanntgabe von Informationen über geflohene Kriegsgefangenen ein Belohnung, wenn diese zur unmittelbare Festnahme dieser führte.

Die Bevölkerung wurde in dieser Kundmachung vom 31. März 1916 darauf aufmerksam gemacht, dass Feindseligkeiten gegen Kriegsgefangene zu vermeiden sind und prinzipiell jeder Verkehr mit Kriegsgefangenen verboten ist. Es war unzulässig Kriegsgefangenen Essen oder Rauchwaren zu geben oder ihnen in öffentlichen Lokalen alkoholische Getränke auszuschenken. Übertretungen wurden geahndet, für die Beteiligung an der Verfolgung flüchtiger Kriegsgefangener wurden Prämien ausgesetzt.

Kundmachung „Verkehr mit den Kriegsgefangenen“ 
Die Wiener Behörden teilten am  16. Dezember 1914 mit, dass Anfragen und Mitteilungen über vermisste Zivilpersonen aus Galizien und der Bukowina  an die Zentralstelle der Fürsorge für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina zu  richten sind. Die Ausforschung von Militärpersonen und die Vermittlung von Briefen und Geldsendungen war nicht Aufgabe der Zentralstelle.
Kundmachung „Vortrag Salo von Weisselberger“ Der jüdische Bürgermeister von Czernowitz, Salo von Weisselberger, war nach der Einnahme der Stadt durch die russische Armee 14 Monate in sibirischer Kriegsgefangenschaft. Darüber berichtete er – inzwischen hochdekoriert und nobilitiert -  in einem Vortrag, den er am 11. Dezember 1915 im Wiener Konzerthaus hielt. Nach dem Ersten Weltkrieg war Weisselberger Abgeordneter zum rumänischen Parlament.
Kundmachung „Verlustlisten“

Der Magistrat der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien informierte  die Bevölkerung im August 1914 über die sogenannten Verlustlisten (Vermisstenlisten):  die Verlustlisten der k. k. Hof- und Staatsdruckerei lagen bei den magistratischen Bezirksämtern und in den Gemeindekanzleien während der Amtsstunden zur Einsicht auf. Um die Kriegsmoral hoch zu halten wurden Listen von Gefallenen nicht öffentlich kundgetan, sondern waren nur an bestimmten Stellen wie den hier erwähnten einsehbar.

Der Regimentsarzt Robert Piowaty fand beim gefallenen Soldaten Karl Erhardt des Infanterie-Regiments Nr. 23 ein Schreiben, das er als “Kugelsegen” bezeichnete und sandte es an die Kriegssammlung der k. k. Hofbibliothek. Mit diesem “Kugelsegen” glaubte der Infanterist Erhardt sich vor den Kugeln des Feindes schützen zu können.
Kundmachung „Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide“ 

Die Landesstelle für Niederösterreich der k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide vermittelte Stellen aller Art. Das Büro befand sich am Wiener Neubaugürtel. Neben der Bekanntgabe der Vermittlungsstunden wurde auch um Anmeldung freier Arbeitsplätze gebeten.

Kundmachung „Opfertage“ Anlässlich des Namenstages von Kaisers Franz Joseph wurden vom 4. bis 8. Oktober 1916 Opfertage für Kriegsinvalide, tuberkulosekranken Krieger und Militär-Witwen und Waisen ausgerufen. Spenden, der Ankauf von Abzeichen und die Beteiligung an den Veranstaltungen bzw. der Beitritt zum Verein k. k. österreichischer Militär-Witwen- und Waisenfond wurde der Bevölkerung nahegelegt.
„Radialschiene nach Spitzy“ 

Dieses Bild stammt aus der Publikation „Unsere Kriegsinvaliden. Einrichtungen zur Heilung und Fürsorge“, das der berühmte Orthopäde Prof. Hans Spitzy 1915 verfasste. Die abgebildete Radialschiene war eine Art Prothese, die verletzte Finger wieder in Funktion setzen sollte. Auch dieser Heilbehelf war eine Erfindung von Spitzy.

Kapitel 4

Der alte und der junge Kaiser

Kaiser Franz Joseph spielte bei der Entfesselung des Kriegs 1914 eine ebenso große und wahrscheinlich entscheidende Rolle wie in dessen Verlauf. Ein Friedensschluss stand für ihn nie zur Diskussion. Die Kriegserklärung Italiens 1915 ließ bei ihm vollends jegliche Bereitschaft, den Krieg vorzeitig zu beenden, schwinden. Er wollte, dass ihn die Truppen seines Reichs bis zum Ende durchkämpften – was sie auch getan haben.Vom 30. Juli 1914 bis zu seinem Tod lebte er weitgehend isoliert in Schloss Schönbrunn und widmete einen Großteil seiner Tage den Berichten von der Front. Am 21. November 1916 starb Franz Joseph. An seinem Todestag wurde sein Großneffe Karl automatisch neuer Kaiser und König: in Österreich Kaiser Karl I., in Ungarn König Karl IV. Im Gegensatz zum verstorbenen Kaiser und König schien der 30-jährige Monarch allgegenwärtig zu sein. Er wollte den Eindruck eines dynamischen und Macht ausübenden Herrschers vermitteln. Dank einer geschickten Öffentlichkeitsarbeit wurde über Karls Besuche und Begegnungen an den Fronten und im Hinterland ebenso ausführlich berichtet wie über seine Fürsorge. Die Popularität des Herrschers war zumindest bis Anfang 1918 ungebrochen. Seine Absicht war klar: Kaiser Karl wollte so rasch wie möglich Frieden. Aber er konnte sich weder dem Bündnis mit Deutschland entziehen, noch den Zerfall seines Reichs verhindern.

Kaiser Franz Joseph als Übervater und oberster Heeresführer. Diese Postkarte zeigt einen übergroßen Kaiser, der das gerade angreifende Heer überragt. Der Text  „Gut und Blut für unsern Kaiser, Gut und Blut für’s Vaterland!“ entstammt der zweiten Strophe der Kaiserhymne.

Auf der Vorderseite dieser Faltpostkarte sieht man den knienden Kaiser Franz Joseph, daneben steht das Gedicht „Kaiser Franz Joseph im Gebet“ von Starko Lodzia Lachowitz, das jede Strophe des Vater Unsers aus der Sicht des Kaisers paraphrasiert. Diese ikonenhafte Darstellung des betenden Kaisers geht auf ein Foto des Hoffotografen Charles Scolik von der Fronleichnamsprozession aus dem Jahre 1910 zurück.

Faltpostkarte „Kaiser Franz Joseph im Gebet“ 
Auf diesem italienischsprachigen Druck aus der dalmatinischen Stadt Split ist ein  Sonett von Giuseppe Maroli zum 85. Geburtstag von Kaiser Franz Joseph  zu lesen. 
Auf dieser sehr stark bearbeiteten und retuschierten Postkarte mit dem Text „Unser Kaiser im Kreise der Familie des Thronfolgers“ aus dem Jahr 1914 sind Kaiser Franz Joseph, der Thronfolger Karl, seine Frau Zita sowie die  Kinder der beiden zu sehen. Zita hält die im Jänner 1914 geborene Adelheid, Erzherzogin von Österreich, auf ihrem Arm, der zweijährige Otto steht neben dem Kaiser.

Im Oberstkämmerer-Amt des Kaisers in der Hofburg langten aus allen Kronländern der Monarchie Gedichte, Zeichnungen, und liebevoll gestaltete private Huldigungsadressen, meist von einfachen Bürgern verfasst, ein. Sie wurden jährlich der Kriegssammlung der Hofbibliothek übergeben. Diese Huldigungadresse stammt aus Rossitz bei Brünn. Sie enthält ein Gedicht von Anton Trnka.

Huldigungsadresse „Kaiserliche Erhabenheit“ 

Der Reichsrat war von 1867 bis 1918 das Parlament der österreichischen Reichshälfte der Doppelmonarchie. Unter der Regentschaft von Kaiser Karl wurde der Reichsrat erstmals zu Kriegszeiten wieder einberufen. Aus diesem Anlass gab es am 31. Mai 1917 einen feierlichen Empfang im Zeremoniensaal der Hofburg für die Abgeordneten. Dafür wurden persönliche Eintrittskarten ausgegeben.

Das vom Autor H. Hillersperg handgeschriebene Gedicht „Der eiserne Karl“ über Kaiser Karl I. gelangte mit zahlreichen anderen Einsendungen beim Oberstkämmerer-Amt ein und wurde dann an die  Hofbibliothek weitergeleitet.

Mit dem Tod von Franz Joseph am 21. November 1916 wurde Karl Kaiser und König. Ungarn legte allerdings großen Wert auf die historische Krönungszeremonie, mit der der Eid auf die ungarische Verfassung verbunden war. Karl wurde am 30. Dezember 1916 als Karl IV. König von Ungarn. Bereits am 21. November ließ er diese Proklamation verlautbaren. Nach der Huldigung seines Vorgängers verspricht er, sein Leben und seine ganze Kraft in den Dienst der Monarchie zu stellen.

Diese 3 x 4,5 cm kleine farbige Spendenmarke der Offiziellen Kriegsfürsorge zeigt Kaiser Karl I. bei seinem Besuch am 6. August 1917 in Czernowitz. Über Karls Besuche und Begegnungen an den Fronten und im Hinterland wurde oft und ausführlich berichtet – er war einer der wenigen Monarchen, der oft Frontbesuche unternahm.

Diese Verschlussmarke entstand 1916 und stellt den „alten Kaiser“  über seinen Schreibtisch gebeugt dar, daneben steht der Thronfolger Erzherzog Karl, der mit dem Tod von Franz Joseph am 21. November 1916 Kaiser und König wurde. Im Hintergrund ist ein Gemälde der Kaiserin und Königin Elisabeth zu sehen.  

Kapitel 5

Die Verwaltung des Mangels

Im Verlauf des Kriegs wurden immer mehr Güter rationiert und bewirtschaftet. 95 „Zentralen“ sorgten dafür, dass die Zuteilung von Rohstoffen und Lebensmitteln an Betriebe und Haushalte gleichmäßig erfolgte. Im April 1915 wurden Lebensmittelkarten eingeführt, die einen Anspruch auf ein gewisses Quantum an Nahrungsmitteln sichern sollten. Aber auch die wohlmeinendsten Steuerungsmaßnahmen konnten nicht verhindern, dass Lebensmittel knapp wurden und sich Hunger auszubreiten begann. Was gemeinhin als Abfall galt, wurde auf seine Verwertbarkeit hin untersucht, und vieles davon sollte gesammelt werden. Nachdem Glocken eingeschmolzen, Kupferbleche und Schnallen abmontiert worden waren, gab es freilich nur mehr wenig, das man den Metallsammlungen zuführen konnte. Doch es gab noch anderes und die „Wertstoffsammlungen“ des Ersten Weltkriegs hatten vor allem das Ziel, den Ausbruch einer Hungersnot zu verhindern und Alltagsgüter zu ersetzen. Es gab fast nichts, das man nicht sammeln konnte: Brennnesselstängel, die zu Textilien verarbeitet wurden, Maikäfer als Schweine- und Geflügelfutter und Kaffeesud zur Ölgewinnung für technische Geräte. Um die hellen Tagesstunden besser auszunützen, wurde 1916 die Sommerzeit eingeführt.

Der Wiener Magistrat verkündet, dass nach Ungarn und Deutschland ab 1. Mai 1916 auch in Österreich die Sommerzeit eingeführt wird. Die Regelung galt bis zum Herbstbeginn am 30. September und sollte eine Einsparung bei der künstlichen Beleuchtung bewirken. Die Bevölkerung wurde angehalten, ihre Tätigkeiten tatsächlich eine Stunde früher zu verrichten, damit die Maßnahme auch zielführend sei.

Da es auf einzelnen Märkten und in Geschäftsläden zu einer Preissteigerung wichtiger Konsummittel kam, appellierte der Wiener Bürgermeister Dr. Richard Weiskirchner am 28. Juli 1914 an die Bevölkerung, die Preissteigerungen zu unterlassen, andernfalls gäbe es strenge Maßnahmen. Hausfrauen wurden aufgefordert, Vorankäufe zu unterlassen, da diese die Marktlage erschweren. Die Regierung und die Gemeinde bemühten sich damit um die Sicherung der Lebensmittelversorgung Wiens.

Das k. k. Ministerium des Innern verordnete eine Aufnahme über Kartoffelvorräte. Zur Anmeldung bis zum Stichtag 20. März 1916 waren u. a. alle Händler, Bäcker, Zuckerbäcker, Gastwirte, Lagerhäuser, Gemeinden, oder Konsumvereine  verpflichtet. Bei unwahren Angaben wurde eine Strafe angedroht. 
Diese Kundmachung aus dem Jahr 1916 stammt von Kärntner Landesregierungsrat Rudolf Freiherr von Myrbach  und fordert die Bevölkerung, vor allem die Schuljugend auf, Brennnesselstengeln zu sammeln. Die Faser der Brennnessel liefere einen vorzüglichen Ersatz für Textilfasern und diese Eigenschaft sollte man für die Zwecke der Armee nutzen.

Die Kundmachung der Grazer Abfallverwertung des k. k. Landeskultur-Inspektorates ruft zum Maikäfer-Sammeln auf. Im Ofen getrocknete Maikäfer seien ein gutes Hühner- und Schweinefutter und werden in abgetötetem, aber frischem Zustand von der Abfallverwertung zu 20 Heller pro Kilogramm abgenommen.

Diese Kundmachung machte auf eine Verkaufsstelle von Kriegskaffee aufmerksam. Der Kriegskaffee bestand hauptsächlich aus Karamell, einem Teil Zuckerrübenmehl und einem Teil Kaffee. Außerdem wurden Gerste, Zichorienwurzeln, Feigen, Malz, Lupinen- und Eichelmehl verwendet.

Viele Rohstoffe und Lebensmittel waren nur mit Bezugsscheinen erhältlich. Diese Kundmachung des Wiener Bürgermeisters  kündigt die Aufnahme von Kohlenbestellungen an. Die Bevölkerung konnte bei der städtischen Kohlenverteilungsstelle je nach Nummer der Bezugsscheine an einem bestimmten Tag Kohle bestellen.

Dieser Aufruf richtete sich an die Eltern und die Schuljugend. Kaffeesatz soll nicht weggeworfen, sondern gesammelt und getrocknet werden. Gekennzeichnete Geschäftslokale nehmen der Bevölkerung den Kaffeesud ab, denn daraus könne Öl gewonnen werden. 

Kapitel 6

„Meine lieben Schüler“

Die Beschäftigung mit der eigenen und weniger mit der fremden Geschichte, die vor dem Krieg noch in den Rahmen der „vaterländischen Erziehung“ gefallen war, wurde ab dem Herbst 1914 rasch zur patriotischen Erziehung von Kindern und Jugendlichen mit dem Ziel, ihre Kriegsbegeisterung zu wecken und zu erhalten. Dass dabei die eigenen Truppen die „Helden“ und die feindlichen Soldaten „Feiglinge“ waren, verstand sich fast von selbst. Unzählige Aufsätze wurden geschrieben und darin geschildert, wie man England besiegen, mit U-Booten feindliche Schiffe versenken und generell den Krieg gewinnen könnte. Frieden schien kein Thema zu sein. Lehrer schrieben von der Front an ihre „lieben Schüler“, Kriegsspielzeuge wurden beliebte Geschenke. Landesverteidigungs- und Kriegsminister ließen Schreiben an die „Lieben Kinder“ als Kleinplakate veröffentlichen. Kinder und Jugendliche sammelten, jubelten und trauerten. Kaiser Karl verfügte schließlich im Herbst 1917, dass die Väter von sechs oder mehr Kindern aus der Armee zu entlassen waren. Es waren nicht mehr viele. Den Kriegswaisen galten dann die Kriegerwaisentage 1917.

Leo Benzing, ehemaliger Lehrer der 3. Bürgerschulklasse aus Wagstadt (heute Bílovec) in Österreichisch Schlesien, schrieb an seine ehemaligen Schüler am Ostersonntag 1915 aus Russland einen Feldpostbrief, in dem er bedauert, dass seine Schüler zurzeit keinen Unterricht haben. Er beschrieb seine Erlebnisse und schloss mit den Worten „Mit einem Hoch auf den Sieg Österreichs sendet Euch herzlichen Ostergruß Euer Lehrer Leo Benzing“.
Kinderzeichnung „Beschuss durch ein österreichisches Kriegsschiff“ 

Die mit Wasserfarben kolorierte Zeichnung des Schülers J. Tschikof aus der Doppel-Bürgerschule am rechten Murufer in Graz stellt ein österreichisches Kriegsschiff dar, auf dem fünf Matrosen ein Geschütz bedienen und auf die – vermutlich – montenegrinische Küste feuern, hinter ihnen steht ein Offizier. Bereits im Herbst 1914 hatte der Verband der Zeichenlehrer dazu aufgerufen, die Schüler und Schülerinnen zum Zeichnen von Kriegsgeschehnissen zu animieren.

Die kolorierte Zeichnung mit dem Titel„Barmherzigkeit“ stammt aus einer Bürgerschule in Graz. Sie stellt eine Frau dar, die einem Soldaten einen Wasserkrug reicht. Die Zeichnung trägt den Vermerk „Gesehen“ sowie die Unterschrift des Lehrers. 

Auf dieser Schülerzeichnung führen zwei Soldaten einen Delinquenten zu einem Galgen, neben dem ein Priester, ein Wachposten und ein weiterer Soldat mit einem Schriftstück stehen.  Mit großer Wahrscheinlichkeit stellt diese Szene die Hinrichtung des Reichratsabgeordneten Cesare Battisti am 12. Juli 1916 in Trient dar, wobei die Szenerie der Fantasie des Schülers entstammt und nicht der Realität entsprach.

Der Schüler R. Übleis aus der 3. Klasse der Doppel-Bürgerschule am rechten Murufer in Graz zeichnete Kavalleriesoldaten auf dem Schlachtfeld. Bei der Motivauswahl war das eher die Ausnahme. Die meisten Schüler und Schülerinnen bevorzugten Darstellungen auf denen neue technische Entwicklungen zu sehen war, wie U-Boote, Schlachtschiffe, Zeppeline oder großkalibrige Kanonen.
Auch diese Kinderzeichnung des Schülers Leopold Wawronek stammt aus einer Bürgerschule in Graz und stellt den Beschuss durch den berühmten 30,5cm Belagerungsmörser von den Škoda-Werke in Pilsen  dar. Ob der exakten Darstellung kann man davon ausgehen, dass der Schüler eine Fotografie als Vorlage nutzte.

In diesem Aufsatz aus dem Jahre 1915 bringt der Schüler Ferdinand Grabler aus der 1. Klasse der Franz Josef-Knabenbürgerschule in Graz seine Vorstellungen eines Unterseebootkrieges zu Papier. Da mehrere ähnliche Aufsätze aus dieser Schule überliefert worden sind, kann man annehmen, dass die Themen von den Lehrern vorgegeben worden sind.

Schulaufsatz „Auf welche Weise ich die Engländer besiegen würde“ In diesem kurzen, naiven Aufsatz vom 10. Juli 1915 beschreibt ein Schüler der 1. Klasse der Franz Josef-Knabenbürgerschule in Graz, wie er mit Hilfe eines Fußballes die Engländer besiegen würde.

„Wie ich mit meinem Zeppelin einen nächtlichen Angriff auf London machte“

In seinem fiktiven Schulaufsatz „Wie ich mit meinem Zeppelin einen nächtlichen Angriff auf London machte“ beschreibt der Schüler I. Biberl, dass er mit seiner Mannschaft im besetzten Antwerpen untergebracht war. Im Anschluss an den Aufsatz fertigte der Schüler auch eine Zeichnung an, die den Luftangriff zeigt. Neben dem Text des Schülers in seiner Handschrift sind die Verbesserungen des Lehrers in Rot zu sehen.

Der Krieg eroberte auch die Kinderzimmer und eine Reihe von Kriegsspielzeugen wurde produziert: aus Bausteinen entstehen keine Städte, mittelalterliche Burgen oder Märchenschlösser, sondern nüchterne Festungen wie sie die Österreicher und die Italiener an den Eingängen der Alpentäler bauten. Dieses Werbeplakat, eine Lithographie aus den ersten Jahren des Krieges, wirbt für den beliebten Anker-Steinbaukasten.  

Kapitel 7

Der Krieg der Bilder

Zu Beginn des Krieges verfügte Österreich-Ungarn ebenso wenig wie Deutschland und die Westmächte über eine offizielle Stelle für Militärfotografie. Das Attentat von Sarajevo und die allerersten Darstellungen von Ereignissen an den Kriegsschauplätzen erschienen als künstlerische Nachbildungen in der Tagespresse. Mit der Einrichtung von spezialisierten militärischen Einheiten zur Kriegsvermessung und Kriegsfotografie wurde die bildliche Dokumentation zu einem wesentlichen Teil der Kriegsführung an der Front und im Hinterland. Das Kriegspressequartier zensurierte und kontrollierte die Verbreitung der Bilder. Das Leben im Feld, Versorgung und Sanität, militärische Erfolge, Verherrlichung der Kriegsherren, Ehrungen und Zufriedenheit der Soldaten, Heldentaten von Männern und von Frauen waren die Hauptthemen der Bildpropaganda. Auf die fotografische Inszenierung der großen Illusion folgten mit Fortdauer des Krieges Bilder der Ernüchterung. Die Enthumanisierung des Krieges zeigt sich in fotografischen Aufnahmen von Hinrichtungsszenen, in bewusst zur Schau gestellten Kriegsgefangenen und Zerstörungen. Am Ende der „großen Zeit“ stand die Allgegenwart des Todes.

Der Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Italien stand an Intensität und Rücksichtslosigkeit den Ereignissen im Westen um nichts nach. Die Ortschaften in Südtirol, Julisch-Venetien, im Friaul und im Karstgebiet waren knapp dreieinhalb Jahre lang den Kämpfen ausgesetzt. Auch das Gebiet westlich von Tarvis, das zum Kronland Kärnten gehörte, war heftig umkämpft.

Der Stellungskrieg im Osten war immer wieder durch lange Phasen der Passivität gekennzeichnet. Die Zeit wurde nicht nur genützt, um die Schützengräben systematisch auszubauen, sondern auch um „Freizeitanlagen“ – teilweise unmittelbar hinter den Linien – zu errichten.

Links oben, hoch über dem Valsuganatal im Trentino, ist das Werk Cima di Vezzena (ein Beobachtungsfort), unten die Unterkunft der Mannschaften zu sehen. Die Soldaten waren nicht nur durch Beschuss permanenter Lebensgefahr ausgesetzt. Die extreme Position barg auch zusätzliche Gefahren wie z. B. durch Witterung oder Fehltritte.

Erzherzog Karl war von Juni 1916 an Oberkommandierender eines Teilabschnittes der Ostfront und befehligte mehrere Armeen zwischen Brody und den Karpaten. Im Rahmen dieses Kommandos inspizierte er seine ihm zugeordneten Einheiten wie diesen Panzerzug in Galizien. Erzherzog Karl war wohl der Monarch, der am häufigsten Frontbesuche unternahm.

Der 30,5-cm-Mörser wurde 1911 bis 1918 von den Škoda-Werken in Pilsen produziert und war das berühmteste Geschütz der österreichisch-ungarischen Artillerie. Er war relativ leicht zu transportieren und wurde deshalb an allen Fronten eingesetzt.

1916 kam es zum Stillstand an der Ostfront und die Soldaten richteten sich für das Alltagsleben ein. Sie hatten mitunter sogar Zeit, einen Garten zu gestalten. Das Bild von Hauptmann Arpad Kattauer von der 14. Feldkompanie des Infanterieregimentes 35 wurde am 1. Juni 1916 in der Nähe von Tarnopol (Galizien) aufgenommen.

Das Bild zeigt das gerade im Bau befindliche Krankensortierungslager in Pradl, einem Stadtteil im Osten von Innsbruck. Anhand der Anzahl von Baracken kann man sich vorstellen, wie viele Verletzte und Kranke hier behandelt wurden.

Das Leben im Schützengraben wurde allmählich zur Normalität und die Soldaten versuchten, sich in den Wachablösen zu entspannen. Dieses Bild wurde am 25. Juni 1916 bei der Maschinengewehrabteilung 4/2 des Infanterieregimentes 35 nördlich von Cebrów in Galizien aufgenommen.
Dieses Bild stammt aus dem Jahre 1917. Erst in diesem Jahr erhielten die Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee Stahlhelme – vorher trugen sie Kappen. Das inszenierte Foto ist ein gutes Beispiel für die staatliche Kriegspropaganda.
Das Bild wurde am 3. Februar 1916 in den Dolomiten aufgenommen. Es zeigt russische Kriegsgefangene beim Straßenbau, um danach Truppentransporte abwickeln zu können. Obwohl es laut der Haager Landkriegsordnung von 1907 verboten war, Kriegsgefangene für „Kriegsunternehmungen“ arbeiten zu lassen, hielt sich kein Staat an diese Vorgabe.

Kriegs-Rätsel: Sesam öffne Dich! – Die Lösung

In den Zeitungen wurde damit geworben, dass das Rätsel sich besonders als Geschenk an verwundete Soldaten in den Spitälern eigne, denen die Beschäftigung mit der Auflösung eine wohltuende Ablenkung bringe. Zwar diente der Verkauf einem humanitären Zweck – der Erlös ging über drei vereinigte Kriegsfürsorgestellen (Rotes Kreuz, Kriegsfürsorgeamt, Kriegshilfsbüro) an Witwen, Waisen und Versehrte –, doch zeigt sich hier die Absurdität des Krieges besonders deutlich: Man kann den Krieg sogar für die Herstellung von Spielen einsetzen. Die auf dem Spiel angekündigte Veröffentlichung der Lösung am 1. Mai 1916 in vier renommierten Wiener Zeitungen konnte nicht gefunden werden, aber die Lösung war auch ohne die Zeitungen möglich. Sie ist interessant, weil das Kriegshilfsbüro als staatliche Stelle vermutlich die offizielle Meinung der Monarchie vertrat.

 Sie haben während des Besuches dieser Ausstellung viel gesehen und viel gelernt? Wissen Sie die Antwort? Die Lösung ist auf den ersten Blick einfach und zeigt im historischen Rückblick die Verblendung in der Schuldzuweisung an die  “Nachbarn”, die den Krieg begonnen und verursacht hätten.

 Wer begann den Krieg?: „nachbarn“

Wer gewinnt den Krieg?: „besieger“

Kolophon

Diese virtuelle Ausstellung basiert auf der Ausstellung „An Meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914-1918“ im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, zu sehen vom 13. März bis 2. November 2014. Kuratiert vom renommierten Historiker Univ.-Prof. Dr. Manfried Rauchensteiner präsentiert sie die Kriegssammlung der k. k. Hofbibliothek, der Vorgängerin der Österreichischen Nationalbibliothek, und damit die wichtigsten Stationen des Krieges vom Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand bis zum Auseinanderbrechen des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn.

Die meisten der hier dargestellten Objekte wurden im Rahmen des Projekts „Europeana Collections 1914-1918“ (http://www.europeana-collections-1914-1918.eu/) digitalisiert. Im Laufe des Projekts wurden mehr als 80.000 Objekte der Österreichischen Nationalbibliothek (von mehr als 425.000 Objekten insgesamt) digitalisiert. Darunter 200 Soldatenlieder des Archivs des Österreichischen Volksliedwerkes, über 23.000 Zeitungen und Extraausgaben, 1.100 von Flugzeugen abgeworfene Flugblätter, 7.500 Kleinschriften, 6.500 Plakate, 37.000 Fotografien des K.u.k. Kriegspressequartiers, 820 Kleinstgrafiken, 230 Kinder- und Schülerzeichnungen aus Bildarchiv und Grafiksammlung sowie Bücher aus der Sammlung für Plansprachen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.onb.ac.at oder recherchieren Sie in den digitalen Objekten des Ersten Weltkriegs der Österreichischen Nationalbibliothek in Europeana.eu

Kuratorisches Team der virtuellen Ausstellung:

Zsuzsanna Brunner

Christian Maryška

Susanne Tremml

Texte:

Zsuzsanna Brunner

Christian Maryška

Manfred Rauchensteiner

Video:

Hans Petschar

Axel Stummer

 

Projektmanagement: Susanne Tremml

Mitwirkende: Geschichte

Austrian National Library — onb.ac.at
Europeana 1914 - 1918 — europeana1914-1918.eu
Europeana — europeana.eu
Europeana Collections 1914-1918 — europeana-collections-1914-1918.eu

Quelle: Alle Medien
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