29.08.2018

Der Kuss

Belvedere

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Das Gemälde „Der Kuss“ von 1908/09 ist heute zweifellos Klimts bekanntestes Werk.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Ein Liebespaar, das mit kostbaren goldenen Gewändern bekleidet auf einer Blumenwiese kniet, scheint vor einem unendlichen, aus einem goldenen Nebel bestehenden Kosmos zu schweben. Durch diesen mystischen Hintergrund wird die transzendente Wirkung dieses Bildes noch mehr verstärkt.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Die Körper der Liebenden sind in einer einzigen Kontur vereint. Plastisch ausgeformt erscheinen lediglich die Gesichter und Hände der beiden sowie die Schultern und Füße der Frau, während ihre übrigen Körperpartien von flachen Ornamenten bedeckt sind.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Die Ornamentformen auf dem Kleid der Frau, runde, buntfarbige Muster und florale Elemente, betonen Weichheit und Sanftheit. Verschiedenfarbige Blüten zieren Haar und Gesicht und betonen ihr feminin-liebliches Wesen.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Den Mann überlagern rechteckige, kontrastreiche Gebilde in Weiß und Schwarz, die männliche Kantigkeit und Stärke vermitteln. Die Ornamentformen in Klimts Gemälde symbolisieren somit auch die Prinzipien der Geschlechter.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Klimt schafft das Abbild einer vollkommenen Vereinigung von Mann und Frau, beide verschmelzen miteinander. Hier verbinden sich Mann und Frau mit Erde und Kosmos und scheinen von der Macht geleitet, die alles zusammenhält, der Liebe.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere
Wer sind die auf dem Bild Dargestellten?
Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Häufig wird darüber gerätselt, wer die beiden Personen auf dem Bild „Der Kuss“ sind. Klimt selbst hat darüber keine Aussage getroffen.

Viele vermuten, dass es sich um ein Selbstbildnis des Künstlers gemeinsam mit seiner lebenslangen Partnerin Emilie Flöge handelt.

Emilie Flöge war eine selbstbewusste, moderne Frau, die gemeinsam mit ihren Schwestern einen gutgehenden Modesalon in Wien führte und bei allen offiziellen Anlässen an Klimts Seite war.

Emilie Flöge, Gustav Klimt und Eleonore Zimpel in Litzlberg am Attersee, 1905, Aus der Sammlung von: Belvedere

Möglicherweise stellt die Szene eine Reminiszenz an die glücklichen Tage dar, die Gustav und Emilie jeden Sommer an ihrem Urlaubsort am Attersee verbringen.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Die Blumenwiese, auf der das Liebespaar kniet, wäre demnach das Ufer des Attersees und würde auch erklären, weshalb die Wiese nach rechts hin so abrupt endet.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Die merkwürdigen Schlingpflanzen, die sanft über die Beine der Geliebten gleiten, könnten eine Anspielung auf die Algen und Wasserpflanzen des Attersees sein.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Und mit dem Hintergrund des Bildes könnte die Oberfläche des Attersees gemeint sein, worin sich das Sonnenlicht in einer Vielzahl kleiner Funken spiegelt und bricht.

Gustav Klimt mit Katze vor seinem Atelier in der Josefstädter Straße 21 in Wien, Moriz Nähr, 1911, Aus der Sammlung von: Belvedere

Gegen diese Vermutung spricht allerdings die Tatsache, dass aus biografischen Quellen nicht nachweisbar ist, dass sich hier Klimt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin verewigen wollte. Zudem hat Klimt generell von sich selbst keine Bildnisse geschaffen.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Möglicherweise hatte er aber gar nicht beabsichtigt, auf diesem Bild irgendwelche konkreten Personen zu verewigen. Vielmehr kann das Bild als allgemeine Allegorie der Liebe verstanden werden und trifft eine allgemeingültige Aussage über dieses zentrale Thema menschlichen Lebens.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Dass Klimt eine solche Botschaft in vollendeter Weise gelungen ist, die die Kunstliebhaber unmittelbar und emotionell berührt, zeigen dessen weltweite Popularität und der geradezu ikonenhafte Rang, den dieses Bild genießt.

Ursprünglicher Zustand und endgültige Fassung

Vermutlich hat Klimt bereits im Jahr 1907 mit der Arbeit am Gemälde Der Kuss begonnen. Als er es im Sommer 1908 unter dem Titel Liebespaar auf der Kunstschau präsentiert, avanciert es sofort zur Hauptattraktion und wird noch während der laufenden Ausstellung vom Unterrichtsministerium angekauft.

Bevor Klimt das Gemälde tatsächlich abliefert, nimmt er noch einige Veränderungen am Bild vor, die sich vermutlich bis ins Jahr 1909 erstrecken.

Ein frühes Foto dokumentiert den Erstzustand des Bildes.

In der früheren Fassung erkennt man, dass die Unterschenkel der Geliebten ursprünglich kürzer waren. Die Blumenwiese war in der früheren Fassung dekorhafter gestaltet.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Die Klimt hat in der endgültigen Version noch viel mehr Schlingpflanzen über die Unterschenkel der Geliebten gelegt als in der ursprünglichen Fassung.

Das Bild wird als nächstes auf der Internationalen Kunstausstellung in Rom 1911 gezeigt.
Dort trägt das Gemälde bereits den Titel „Der Kuss“, jene Bezeichnung, die fortan untrennbar mit dem Bild verbunden bleibt.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere
Hauptwerk von Klimts Goldener Periode
Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Das Gemälde ist zweifellos das bedeutendste Werk aus Klimts sogenannter „Goldener Periode“. In diesen Bildern entwickelte Klimt eine völlig neue, geradezu singuläre Technik, die es ihm ermöglicht, echtes Blattgold hauchdünn auf die Leinwand aufzutragen.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Blattgold und goldglänzende Bronzefarbe verschmelzen zu einer Einheit und erzeugen eine prachtvoll glänzende, schimmernde Wirkung. Damit lieferte Klimt einen herausragenden innovativen Beitrag zur Kunst des europäischen Jugendstils.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Im Gemälde „Der Kuss“ sind nicht nur die Gewänder des Liebespaares mit Blattgold überzogen, sondern auch der Hintergrund, der mittels feinen Goldblättchen als eine Art kosmischer Nebel erscheint und die Liebenden in eine gänzlich andere Realitätsebene entrückt.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Neben Blattgold hat Klimt in manchen Bereichen des Bildes auch feine Silberplättchen aufgetragen.

Über die Gründe, weshalb sich Klimt so sehr für das Material Gold interessiert, gibt es lediglich Mutmaßungen. Frühe Anregungen könnte Klimt bereits in seinem Elternhaus erhalten haben, arbeitete doch Klimts Vater als Goldgraveur.

Kuss, Gustav Klimt, 1908-1909, Aus der Sammlung von: Belvedere

Ein Schlüsselerlebnis bildet sicherlich die im Jahr 1903 unternommenen beiden Reisen nach Venedig und Ravenna, wo Klimt die mittelalterlichen Goldmosaike in den Domen und Kirchen bewundert.

Belvedere, Wien
Mitwirkende: Geschichte

Franz Smola, Belvedere Wien

Quelle: Alle Medien
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