1776 bis 1945

Die Geschichte des Hauses bis 1945

Konzerthaus Berlin

Erfahren Sie mehr über die lange und wechselhafte Geschichte des Konzerthaus Berlin.

Das Konzerthaus Berlin befindet sich auf dem Gendarmenmarkt. Im 18. Jahrhundert standen dort Stallungen des Kürassier-Regiments der „Gens d’armes“, dem bekanntesten preußischen Reiter-Regiment Friedrich Wilhelm I. Sein Nachfolger Friedrich II. ließ die Stallungen 1773 abreißen und stattdessen neue Gebäude errichten: zwei große Kirchen mit Kuppeln im florentinischen Stil, die ein besonderes Haus umrahmten – das französische Komödienhaus. Am 22.04.1776 wurde es eröffnet. Im August 1787 erfolgte die Umbenennung in Königliches Nationaltheater.
Auf dem Spielplan standen neben Schillers „Die Räuber“ auch Shakespeares „Hamlet“ und Goethes „Egmont“. Neben den Werken prominenter Autoren auf der Bühne konnte man auch im Zuschauerraum auf berühmte Persönlichkeiten treffen. 1789 war Wolfgang Amadeus Mozart vor Ort und besucht eine Aufführung seiner Oper „Die Entführung aus dem Serail“, die damals unter dem Namen „Belmonte und Constanze“ gespielt wurde. Angeblich machte er sich über einen falsch spielenden Geiger lustig.
Friedrich Wilhelm III. war der Bau allerdings nicht repräsentativ genug. Er verlangte nach einem Neubau des Nationaltheaters. Wie befohlen, so geschehen. Unter dem Direktor des Oberhofbauamtes Carl Gotthard Langhans entstand ein doppelt so großes Theater mit 2000 Plätzen, welches 1802 feierlich eingeweiht wurde. Aufgrund der speziellen Form des Daches erhielt der Bau den Spottnamen „Koffer“. Am 29. Juli 1817 fiel der Bau einem Feuer zum Opfer und brannte vollständig aus.
In der kurzen Zeit des Bestehens des Langhans-Baus wurden hier hunderte Opern und Schauspiele aufgeführt, prominente Gäste wie Beethoven oder Schiller inklusive. Eine berühmte und überauserfolgreiche Uraufführung war die romantische Zauberoper „Undine“ von E. T. A. Hoffmann am 3. August 1816. Hoffmann lebte übrigens ab 1815 bis zu seinem Tod 1822 gegenüber des Nationaltheaters. Noch heute erinnert eine am Haus angebrachte Plakette in der Charlottenstraße 56 an ihn und sein künstlerisches Schaffen für die Nachwelt.
Nur wenige Monate nach dem verheerenden Brand, im November 1817, erteilte der König den Befehl, Pläne für ein neues Theater vorzulegen. Hiermit beauftragt wurde der Intendant Graf Brühl gemeinsam mit dem Geheimen Oberbaurat Karl Friedrich Schinkel. Schinkel präsentierte einen Entwurf, der alle Erwartungen übertraf: Er schuf einen regelrechten Tempel der Kunst, auf dessen Dach riesengroß der griechische Gott Apoll thronte. Am 26. Mai 1821 wurde der Bau als Schauspielhaus feierlich eröffnet, unter anderem mit Goethes „Iphigenie auf Tauris“. Goethe schrieb für diesen Anlass eigens einen Begrüßungsprolog, in dem es heißt: „So war es recht! So wollt es meine Macht – Und doch erschreck ich vor der eignen Pracht; Was ich gewollt, gefordert und befahl, Es steht und übertrifft mein Wollen hundertmal!“
Der Bau zog allerhand prominente Künstler an. Am 27. November 1826 fand im großen Theatersaal die Berliner Erstaufführung von Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie statt, 1829 gastierte Niccolò Paganini und 1838 stand Goethes „Faust I“ als Berliner Erstaufführung auf dem Programm. Ebenso standen Liszt, Wagner oder Mendelssohn auf der Bühne. Auch der kleinere Concertsaal, der „vielleicht schönste Saal auf der Erde“, wie die „Allgemeine Musikalische Zeitung Leipzig“ 1821 schrieb, lockte weit gereiste Künstler und Gäste ins Schauspielhaus.
Rund einen Monat nach der Eröffnung des Schinkelbaus, am 18. Juni 1821, kam Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ hier zu ihrer Uraufführung. Das Bühnenbild entwarf Carl Wilhelm Gropius, der einige Jahre zuvor von Schinkel persönlich zum Landschaftsmaler ausgebildet wurde.
1919 wurde das Haus in Preußisches Staatstheater umbenannt. Erster Intendant war Leopold Jessner. Seine Inszenierungen polarisierten das Publikum, da er deutliche politische Bezüge und teils expressionistische Elemente in die Produktionen miteinbezog. Er kritisierte das Kaisertum und den Machteinfluss der Eliten. Nach heftigen, auch antisemitisch motivierten Protesten gab Jessner 1930 seinen Posten auf.
1934 wurde Gustaf Gründgens durch Hermann Göring zum Intendanten berufen. Unter Gründgens versammelten sich die namhaftesten Schauspieler der damaligen Zeit, unter anderem Werner Krauss, Elsa Wagner, Marianne Hoppe oder Bernhard Minetti. Gründgens gelang es, trotz der Zeitumstände kritische Zeichen zu setzen und das Haus auf höchstem Niveau zu Spitzenleistungen zu führen. Vielen politisch gefährdeten Schauspielern half der Intendant, was dem Theater den Spitznamen „die Insel“ einbrachte. Gründgens letzte Inszenierung ging mit Schillers „Die Räuber“ am 29. Juni 1944 über die Bühne.
Am 20. und am 22. April 1945 fanden die letzten Konzerte im Haus statt. Gespielt wurden Ausschnitte aus Puccinis „Tosca“ und Rossinis „Der Barbier von Sevilla“. Obwohl der Betrieb im Haus noch lief, konnte man die Folgen des Krieges nicht mehr übersehen. Die Not war groß, die Menschen hatten Hunger – so diente der Gendarmenmarkt im Frühjahr 1945 als Ackerfläche.
Im Mai 1945 setzten SS-Einheiten das Gebäude in Brand. Der Zuschauerraum und die teilweise unersetzbaren Archivbestände fielen den Flammen zum Opfer. Die bis zu vier Meter dicken Außenmauern hielten dem Feuer jedoch stand. So verlieb das Schauspielhaus, stark beschädigt und ausgebrannt, viele Jahre auf dem Gendarmenmarkt – bis in die 1970er Jahre hinein, als der Wiederaufbau als Konzerthaus begann.
Konzerthaus Berlin
Mitwirkende: Geschichte

© Konzerthaus Berlin

Quelle: Alle Medien
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