Münzautomaten waren es, die der breiten Masse Luxus in kleiner Dosierung ermöglichte: sich Schokolade zu gönnen, ein Lied zu hören oder sich im Schießen zu üben, ging für kleines Geld.

Frische Basar, 2017, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim
Automaten
Die „Groschengräber“ sind oft Helfer in Notsituationen, wenn sie Filme, Kondome, Fahrradschläuche, Strumpfhosen, Zigaretten oder Bier auch nach Ladenschluss ausgeben. Außerdem steigern sie den Umsatz durch den Verkauf im öffentlichen Raum und können den Erfolg neuer Geschmacksrichtungen sehr direkt testen. Neben dieser Zugänglichkeit für Jedermann allerdings beschleunigen und anonymisieren die Automaten auch den Verkaufsvorgang und tragen so wohl zur Demokratisierung, aber eben nicht zum geselligen Austausch bei.
Mechanical jukebox "Polyphon", Original-Musikwerke Paul Lochmann GmbH, Wahren bei Leipzig, 1905/1905, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Mechanische Musikautomaten

Das Prinzip mechanischer Musikautomaten ist immer ähnlich: Auf Lochkarten oder -platten wird die Melodie gespeichert und durch einen Mechanismus abgetastet. Von Lochplatte Nr. 3 des Polyphon-Wechslers ist die „Französische Volkshymne“, die wir als Marseillaise kennen, zu hören.

Bajazzo, Max Jentsch & Meerz, Leipzig, 1906, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Glück oder Geschick?

Darum ging es in den so genannten Bajazzo-Prozessen 1927, den die Gerichte schließlich zugunsten der Geschicklichkeit entschieden. Als Glücksspiel wäre es sonst verboten worden.
Die eingeworfene Münze muss vom Bajazzo-Clown aus dem italienischen Theater aufgefangen werden für den Gewinn.

Electra - for shooting practice, Automates Electra GmbH, Köln, 1908, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Der Apparat trägt den Spruch aus dem Soldatenleben "Üb 'Aug' und Hand für's Vaterland". Ein 5-Pfennig-Stück dient als Munition der beweglichen Pistole. Bei einem Treffer ertönte ein durch Trockenbatterie ausgelöstes Signal und der Wirt musste den Preis von „Wein, Bier, Cognac oder 2 Cigarren“ an den glücklichen Schützen austeilen.
Im Münzbehälter befand sich noch eine griechische Münze von 1964 als Beweis eines Betrugsversuchs!

Automat "Eierlegende Henne", MUM-Automaten-Fabrik, Niedersedlitz bei Dresden, 1920/1925, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Um an die mit Schokolade gefüllten Blecheier der Henne zu gelangen, musste man 10 Pfennige einwerfen, am Griff drehen – schon purzelte ein Ei heraus, begleitet von einem gackernden Geräusch.

Das Innenleben der Henne mit dem Karrussell für die Schokoladen-Eier, MUM-Automaten-Fabrik, Niedersedlitz bei Dresden, 2017-11-14, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim
Die Tröte für das Geräusch, 2017, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim
Schokoladen-Automat Kobold, 1903, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Diese frühe Form des Verkaufsautomaten wurde von der Schokoladenfirma Gartmann entworfen und als Gebrauchsmuster registriert. Die auch in Altona ansässige Firma Kobold übernahm diesen Typ für den Verkauf in ganz Deutschland.

Coffeebean dispenser with grinder inside, Telefonbau- und Normalzeit-GmbH, Frankfurt am Main, 1956, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Nach Einwurf von 10 Pfennig fielen Bohnen in das Mahlwerk im Inneren, das per Hand mit der Kurbel gemahlen wurde. Das Pulver füllte man in einen mitgebrachten Behälter mit heißem Wasser. So sollten die Bahnmitarbeiter des Rangierbahnhofs Mannheim im Bereich Berg A, wo der Automat außen an der Kantine angebracht war, auch während der Nachtschicht die Möglichkeit zur Versorgung haben.

Zündholzschachtel-Automat, unbekannt, 1950/1960, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Der Automat für Zündholzschachteln war bestimmt neben einem Zigarettenautomaten angebracht.
Einwurf 10 Pfennig pro Schachtel.

Vending machine "fresh basar", unbekannt, 1990/1999, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Der Kaugummi- und Süßigkeitenspender wurde direkt aus dem Einsatz in Mannheim dem Museum übergeben.
Die Schubfächer erlauben es, die Ware lichtgeschützt aufzubewahren und einzeln verpackt auszuteilen, was Vorteile gegenüber den offeneren Automaten hat.

"Oma! Da ist ein Automat!"
Einen der offenen Automaten sehen wir auf einer Aufnahme von Google Maps Street View, zufällig gerade im Einsatz mit dem von der Großmutter erbetenen Geld.
Spielautomat Rotamint Bingo Royal, unbekannt, 1975, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Nach der Zeit der Prohibition mussten Spielautomaten nicht mehr maskiert werden und konnten ihr wahres Wesen zeigen. Der Zufalls-Vorgang vertreibt dem wartenden Glückspilz mit drehenden Scheiben die Zeit, bis entweder klingende Münze in das Ausgabefach fällt oder die Niete angezeigt und die nächste Münze verlangt wird.

Postkartenautomat, unbekannt, 1900/1910, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim
Postkartenautomat
Kurbel drehen für die Karte der Wahl
Postkartenautomat von Innen, unbekannt, 2017, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

„Postkarten mit Ansicht nach Wahl“, die man durch Kurbeln auswählen konnte. Im Inneren befindet sich eine „Falschgeldkasse" am Einwurfschlitz, ein Hinweis, dass ein Münzgeldprüfer eingebaut ist.

Falschgeldkasse, unbekannt, 1900/1900, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Ein Extrafach im Inneren des Automaten für Falschgeld

Der Postkartenwechsler, unbekannt, 1900/1910, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Der Postkartenwechsler (1900)

Postkartenautomat, unbekannt, 1965, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Postkartenautomat aus dem Gasthaus "Goldener Hirsch" in Neckarsteinach.

Briefmarkenautomat, Heinrich H. Klüssendorf,, 1960/1965, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Der Briefmarkenautomat war aufgrund des feuchtigkeitsempfindlichen Inhalts nur zur Aufstellung im Inneren gedacht. Laut eines im Inneren gefundenen Zettels hing er im Kaufhaus des Westens in Berlin.

Bierautomat, Sielaff Maschinenfabrik, Berlin, 1990, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Solche Automaten verschwinden durch die Jugendschutzgesetze überall. Die in leicht beleidigtem Unterton gehaltene Aufschrift weist daraufhin, dass dieser in einer Kantine aufgestellt war: „Es gibt seit dem 1.2.92 kein Bier mehr Lt. Geschäftsleitung“.

Der Automat auf den alle gewartet haben!, 1930, Aus der Sammlung von: Technoseum - Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim
Mitwirkende: Geschichte

TECHNOSEUM – Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Quelle: Alle Medien
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